Riesen-Addon im Test

Dragon Age: Awakening Test

Das Hauptspiel war ein echtes RPG-Epos. Längst nicht perfekt, aber eines der besten Rollenspiele der letzten Jahre. Ab morgen steht das erste vollwertige und äußerst umfangreiche Addon im Laden. Doch statt an den Fehlern des Hauptspiels zu feilen, setzt Dragon Age Origins: Awakening auf mehr vom Gleichen – im Guten wie im Schlechten.
Christoph Licht 18. März 2010 - 0:37 — vor 10 Jahren aktualisiert
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Ihr habt doch nicht ernsthaft geglaubt, dass nach dem Tod des Erzdämonen in Dragon Age – Origins die Dunkle Brut ausgelöscht wäre, oder? Sechs Monate nach ihrer Niederlage kehren sie mit dem Addon Awakening wieder zurück. Unter neuer Führung und mit neuen Fähigkeiten sorgen sie im Arltum von Amaranthine für Unruhe. In eurer Rolle als Kommandant der Grauen Wächter seid ihr natürlich mittendrin -- und zwar auch, wenn ihr keinen alten Charakter importiert, sondern einen neuen erstellt:  Zunächst schöpft ihr aus dem Vollen und verteilt massig Attributs-, Fertigkeiten- und Talentpunkte. Ihr startet als gestandener Grauer Wächter auf Stufe 18, müsst euch also nicht über Mittellosigkeit, ein leeres Inventar oder eine kümmerliche Lederrüstung ärgern. Gleich zu Beginn werdet ihr vom Ersten Wächter in Weisshaupt nach Ferelden geschickt, um die Kontrolle über den Orden in der Feste Vigils Wache zu übernehmen. Doch glaubt nicht, dass das so ohne weiteres klappt...

Dieser neue Dunkle-Brut-Typus kann sogar reden.
Wenn ihr euren Charakter aus Origins weiterspielt, erhaltet ihr alles, was dieser am Leib trägt, sowie das gesamte Party-Inventar und euren Goldvorrat. Mit einer Einschränkung jedoch: Falls ihr die diversen DLCs durchgespielt habt, werden die dort gefundenen Gegenstände nicht mit in Awakening übertragen. Zurück ins Hauptspiel könnt ihr euren Awakening-Charakter außerdem nicht exportieren. Ihr solltet also auf alle Fälle dort alles erledigt haben, bevor ihr in die neue Kampagne wechselt.

Überdurchschnittliche Spiellänge

Das eigentliche Spiel beginnt in Vigils Wacht, eurem neuen Zuhause. Ums Lagerfeuer herumsitzen und in Zelten schlafen? Das können andere, beispielsweise Recken, die das Hauptspiel noch nicht durchhaben! Ihr jedoch habt in Awakening feste Mauern um euch herum, euren eigenen Thronsaal, ein kleines Heer von Soldaten und ganz viele Dienstmädchen. Aber, ihr ahnt es: Wenn ihr einen wichtigen Job erledigt haben wollt -- etwa die Dunkle Brut ein für allemal zu vertreiben -- dann müsst ihr eben doch selbst Hand anlegen.

Lohn all eurer Mühen sind mindestens 15, eher sogar 20 bis 25 Stunden gehobene RPG-Unterhaltung. Eine Handvoll neuer Gebiete, eine lange Hauptquest, tonnenweise Nebenquests, viele neue Skills und Spezialisierungen und ein halbes Dutzend Begleiter warten auf euch. Eine neue Unterart der Dunklen Brut (siehe den nächsten Screenshot), was aus der bislang gesichtslosen Masse einen greifbaren Gegner macht. Gleichzeitig hat Bioware beim Erstellen der vielen neuen Inhalte jedoch die Chance verpasst, bekannte Unzulänglichkeiten des Hauptspiels auszubügeln und große Neuerungen einzubauen. Obwohl es viele kleine Verbesserungen gibt, etwa Sockel nun auch bei Rüstungen, und neue Talente, ist Awakening in einigen Bereichen sogar etwas schlechter geworden als das Hauptprogramm.

Kein Dragon Age ohne mächtigen Drachen -- euer wahrer Gegner aber ist der geheimnisvolle "Architekt".

Herrschen und kämpfen

Am allgemeinen Spielablauf hat sich nichts geändert: Ihr sammelt erneut eine Gruppe von Begleitern um euch, bereist die Länder, kämpft in pausierbarer Echtzeit gegen die Dunkle Brut und andere Feinde, erfüllt Quests und steigt im Level auf. Doch in eurer Rolle als Kommandant der Grauen Wächter und Herrscher über das Arltum Amaranthine müsst ihr nicht nur wie gewohnt die Welt retten. Sondern eben auch euren herrschaftlichen Pflichten nachkommen. So müsst ihr Gerichtsurteile fällen, eure Soldaten per Multiple-Choice-Gespräch über euer Land verteilen und eure Festung weiter ausbauen. Das klingt jedoch spannender, als es wirklich ist: Bei den meisten Herrschaftsentscheidungen haben wir schlichtweg nicht genug Informationen um wirklich zu wissen, was wir da eigentlich tun.

Ein Kritikpunkt, der leider auch bei der Hintergrundgeschichte zutrifft. Diese ist zwar erneut spannend und sehr abwechslungsreich erzählt und bietet einen coolen Twist, lässt euch aber auch oft im Regen stehen. Viele Charaktere und Begriffe werden wie selbstverständlich behandelt, ohne dass wir irgendeine Einführung erhalten hätten, worum es bei ihnen geht. Selbst auf einen Kodex-Eintrag haben die Entwickler bei dem ein oder anderen wichtigen Charakter verzichtet. Wer da den offiziellen Roman "The Calling" zum Hauptspiel nicht kennt, auf den das Addon aufsetzt, wird sich oft am Kopf kratzen. Leider ist dieser Roman bislang nur auf Englisch erschienen.

In diesem Fall wissen wir, warum wir gegen eine Heerschar von Skeletten kämpfen: Wir haben die Geister gestört.

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