Test: Wie gut ist es wirklich?

Dragon Age 2 Test

50 Stunden lang haben wir Dragon Age 2 getestet, fast jede Nebenquest gelöst: Wie gut ist der Nachfolger zu einem der beliebtesten Rollenspiele der letzten Jahre? Hat Bioware Komplexität und Anspruch herunter geschraubt, oder nur das Äußere weg vom komplizierten PC- und hin zum massentauglichen Konsolen-Look gebracht?
Christoph Licht 8. März 2011 - 1:02 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Exakt 29 Stunden zeigt der Spielzeitzähler unseres finalen Spielstands an. Tatsächlich waren es mehr als 50 Stunden, die wir in Dragon Age 2 gesteckt haben -- weil auch GamersGlobal-Redakteure Schlachten verlieren, vor allem aber, weil wir mithilfe von Savegames parallel spielten, um die Tragweite vieler Entscheidungen auszuprobieren, die wir treffen können. Mehr als 3.000 Screenshots dokumentieren intern unsere Abenteuer mit der Magerin Sicaria Hawke in und um Kirkwall. Kein Stein, den wir nicht umgedreht haben und nur ein halbes Dutzend Nebenquests, die in unserem Logbuch unbeendet blieben.

Alle Screenshots im Artikel wurden von uns selbst erstellt. Unser First15-Video zeigt euch den Prolog und die ersten Kämpfe des Spiels:

Eines ist klar: Bioware hat erneut ein umfangreiches Spiel erschaffen. Doch im Vergleich zum Vorgänger Dragon Age Origins hat sich sowohl spielerisch als auch technisch einiges verändert. Das Dialogsystem wurde überarbeitet, die Kämpfe actionreicher gestaltet und den Begleitern wesentlich mehr Leben eingehaucht. Das offensichtliche Ziel der Entwickler: Die Stärken eines Old-Schools-Rollenspiels vom Schlage eines Baldur’s Gate mit denen der action-reicheren, moderneren Mass Effect-Serie vereinen. Ob das gelungen ist, erfahrt ihr am Ende des Artikels, wir möchten euch aber empfehlen, uns auf diesem Weg der Entscheidungsfindung über die nächsten Seiten hinweg zu folgen, statt gleich zum Wertungskasten zu springen.

Früher ein Sklavenumschlagplatz, heute ein Gefängnis für Magier: die Galgenburg vor den Toren von Kirkwall.

Jagd auf die Magier

Wir haben die abtrünnigen Magier in ihrer Höhle gestellt. Da greift der Anführer in seiner Verzweiflung zu Blutmagie.
In der Welt von Dragon Age sind Magier nicht gerade hoch angesehen. Wenn sie entdeckt werden, sperren die Templer sie in Türme oder andere Gebäude unter ständiger Überwachung ein und nennen diese Institution dann liebevoll "Zirkel". Der Grund für diese rabiate Behandlung wird spätestens offensichtlich, als wir im Zuge eines Auftrags in einer Höhle vor mehreren abtrünnigen Magiern stehen und sie zur Rede stellen. Dem Anführer passt nicht, was wir ihm sagen, ohne Zögern greift er auf Blutmagie zurück und verwandelt sich in eine dämonische Abscheulichkeit. Gleichzeitig erscheinen aus allen Ecken plötzlich weitere Magier, die uns angreifen. Wir drücken die Leertaste, pausieren so das Spiel und begutachten erst einmal die Lage. Schade nur, dass sich die Kamera auf dem PC nicht mehr so weit herauszoomen lässt wie im Vorgänger.

Unsere weitere Taktik ist speziell MMO-Spielern reichlich bekannt: Während wir uns als Heilerin im Hintergrund halten, hetzen wir unsere offensive Kriegerin Aveline auf den Anführer und lassen sie ihr Talent "Verhöhnen" einsetzen, um alle Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Der Schurke Varric lässt einen Pfeilhagel auf die Menge herabregnen und die offensive Magerin Merrill wirft einen Feuerball. Ein erneuter Tastendruck, und unsere Befehle werden sofort umgesetzt. Während der Kampf in Echtzeit tobt, wechseln wir fröhlich zwischen den einzelnen Charakteren hin und her und greifen dort persönlich ein, wo es nötig ist. Da wir jedoch schon einige Zeit in den Taktikeditor investiert haben, müssen wir gar nicht mehr viel tun: Die künstliche Intelligenz macht nach unseren Vorgaben die meiste Arbeit, am Ende liegt der Bösewicht am Boden. In guter Rollenspielermanier durchsuchen wir die herumliegenden Leichen nach Gegenständen und schenken den überlebenden Magiern die Freiheit. Dazu müssen wir den Templern vor dem Eingang zwar ins Gesicht lügen, aber schließlich ist unser Hauptcharakter selbst ein Magier. Wenn wir gewusst hätten, dass diese Entscheidung im späteren Spielverlauf negative Folgen nach sich ziehen würde!

Traditioneller Spielbeginn

Die gerade geschilderte Mission ist übrigens nicht der Anfang von Dragon Age 2, vielmehr geht es ganz traditionell los. Nach dem als Vorspann getarnten Tutorial, in dem euch die mächtigsten Zauber und Talente im Spiel zur Verfügung stehen, heißt es erst einmal den eigenen Charakter gestalten. Zur Auswahl stehen euch erneut die drei Klassen Krieger, Magier und Schurke, letzterer fungiert auch als Bogen-/Armbrustschütze, wenn ihr ihn entsprechend skillt. Die Wahl der Rasse entfällt dieses Mal genauso wie die sehr gelungenen Origin-Stories des Vorgängers. Ihr schlüpft ausschließlich in die Rolle von Hawke, einem Menschen, und müsst euch mit seiner Hintergrundgeschichte zufriedengeben. Allenfalls sein Aussehen im Spiel und im Porträtfenster (sowie sein Geschlecht) bestimmt ihr. Mehr dazu auf der nächsten Seite...

Nebenquest: Die Knochengrube

Im Folgenden stellen wir euch eine der längsten Nebenquests im Spiel genauer vor. Wir achten zwar darauf, nicht zu viel zu spoilern, verraten aber schon das Wesentliche der Mission -- die aber auch ganz anders ablaufen kann, abhängig von eurem Vorgehen:  1 Hubert auf dem Marktplatz in Kirkwall bittet euch, seine Mine von Ungeziefer zu befreien, damit die Arbeiter wieder loslegen können. 2 Das "Ungeziefer" entpuppt sich als ausgewachsener Drache. Ist dieser besiegt, empfindet Hubert so viel Dankbarkeit, dass er euch zu einem Partner macht -- und gleich die nächste Aufgabe für euch hat: Ihr sollt die Arbeiter wieder in die Knochengrube schicken. 3 In der Unterstadt treffen wir auf die Bande und überreden sie zum weiterschuften. 4 Im zweiten Akt bekommen wir es mit einem Dieb zu tun, der unsere Lieferungen beklaut. 5 Außerdem müssen wir mehrmals zur Ungezieferbekämpfung antreten. In diesem Fall leidet die Mine unter mehreren Riesenspinnen. 6 Den Abschluss findet die Questreihe in Akt 3 mit dem anspruchsvollen Kampf gegen einen Drachen.

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