Test: Zurück in die alte Zeit

Doom 3 BFG Test

2004 war das Jahr des Shooter-Duells zwischen Half-Life 2 und Doom 3, das der Shooter von id Software rückblickend klar verloren hat. Das hält den texanischen Entwickler jedoch nicht davon ab, das Spiel nun, acht Jahre später, mit der Doom 3 BFG Edition für PC, Xbox 360 und PS3 neu aufzulegen. Wir haben den Shooter für euch gespielt.
Benjamin Braun 19. Oktober 2012 - 21:59 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Wir schreiben den 18. August 2004. Shooter-Fans juckt es bereits seit Monaten in den Fingern, das neue Actionspiel von id Software (GG-Report) zu spielen. Doom 3 – oder viel mehr Grafikguru John Carmack – versprach mit der idTech4-Engine, einmal mehr die neueste Grafikkartengeneration bis zum Äußersten auszureizen und insbesondere mit brillanten Licht- und Schattenspielen für gehörig Stimmung zu sorgen. Spielerisch erwarteten die meisten Fans Old-School-Shooter-Action in Reinkultur, in einer Zeit, in der Deckungssystem und selbstregenerative Lebensenergie noch Fremdwörter waren. Hatte sich das lange Warten auf Doom 3 gelohnt? Wenn es nach den damaligen Wertungen der Spielemagazine geht, sogar ganz sicher. So gab die GameStar damals 87%, was aber noch Luft ließ für Valves Half-Life 2 im damaligen November (GameStar: 93%). Im Nachhinein darf man die Wertungsdifferenz (die andere Magazine noch knapper ausfallen ließen) allerdings als zu gering erachten.

Das alles liegt nun mehr als acht Jahre zurück – und vielen Shooter-Fans dürstet es nach dem offiziell seit Mai 2008 in der Entwicklung befindlichen Doom 4. Doch stattdessen veröffentlicht id Softwares Mutterkonzern Zenimax im Oktober 2012, 19 Jahre nach dem ersten Doom, erstmal die Doom 3 BFG Edition, die grafisch aufpoliert und mit einigen neuen Inhalten noch einmal für Aufsehen sorgen soll. Wir begaben uns mit dem Marine der Zukunft erneut auf die Forschungsstation auf dem Mars, wo wir uns mit Imps, Zombies und Dämonen "unterhalten" haben. Ist die Neuauflage ihr Geld wert?

Old School bleibt Old SchoolDie BFG Edition von Doom 3 beginnt genauso, wie die im Jahr 2004 veröffentlichte Vorlage: Als Marine kommen wir auf den Mars und sollen uns mal etwas im Untergeschoss der Anlage umschauen. Den Bösewicht mit dem fast schon obligatorischen deutschen Namen lernen wir auch noch kurz kennen, und auf einmal bricht im wahrsten Sinne die Hölle los. Menschen verwandeln sich in Zombies und greifen uns an, überall begegnen uns Dämonen, die uns mit Feuerkugeln beschießen. Und da die Stromversorgung im großen Gebäudekomplex nicht mehr richtig funktioniert, haben wir oft Mühe, die Hand vor Augen zu erkennen.

Genau an dieser Stelle greift die wichtigste Änderung der BFG Edition im Vergleich zum Original: Anstatt ständig zwischen Taschenlampe und Waffe hin und her wechseln zu müssen, um entweder die Orientierung zu wahren oder Feinde zu bekämpfen, knippsen wir das Lichtlein nun einfach an und aus, ohne einen Schießprügel aus der Hand legen zu müssen. Unbegrenzt am Stück könnt ihr die Taschenlampe zwar nicht einsetzen, da sie sich mit der Zeit entlädt. Schalten wir sie jedoch aus, füllt sich der Energievorrat der Taschenlampe innerhalb von Sekunden wieder vollständig auf. Was einerseits den Nervfaktor des ständigen Wechsels verringert, wirkt sich andererseits aber auch auf die Atmosphäre aus. Dass wir Doom 3 immer noch gut kannten, mag sich ebenfalls bemerkbar gemacht haben. Jedenfalls blieben die Spannungsspitzen durch den Überlebenskampf in fast totaler Dunkelheit aus, dicker Frust-, aber auch Athmo-Malus für BFG.

Von der Taschenlampe abgesehen, hat sich nicht allzu viel verändert: Doom 3 schickt euch auf einem vorgefertigten Weg durch die Levels, der euch immer wieder in bereits besuchte Bereiche zurückbringt. Immer wieder gilt es, Türcodes zu finden, um in den nächsten Abschnitt zu dürfen. Neben dem Backtracking hat id Software auch vieles andere konserviert: Das Gegnerverhalten ist absolut identisch und auch das Auftauchen der Feinde ist stark geskriptet. Wir verlassen beispielsweise einen Raum, in dem kein Gegner auszumachen war. Im nächsten Raum hören wir allerdings ein metallisches Geräusch und kurz darauf versucht uns ein Zombie in den Rücken zu fallen. Was war passiert? Im eigentlich leeren Raum lässt id Software einen Teil der Wandvertäfelung abspringen und legt einen dahinter befindlichen Gegner frei. Solches "Teleporting in den Rücken" hat uns schon 2004 genervt, dieses Gefühl stellt sich sofort wieder ein.

Richtig teleportieren können sich die gelungen-hässlichen, vieläugigen Imps: Sie teleportieren sich sprichwörtlich hinter euch, wann immer sie lustig sind. Gekämpft wird wie gehabt ohne Deckungsmöglichkeit mit Pistole, Schrotflinte und später auch mit MG und Plasmagewehr. So etwas wie Rückstoß kennen die Waffen nicht, mit der Waffe verziehen könnt ihr nur, wenn euch Zombiesoldaten beschießen. Dann springt nämlich das Fadenkreuz ein bisschen rum. Besonders clever sind die Gegner, wie bereits angedeutet, nicht. Sie machen aber recht ordentlich Schaden. Mit Heilpacks oder auch an Heilstationem (mit begrenztem Vorrat) könnt ihr eure Lebensenergie wieder auffrischen. Als zusätzlicher Schutz dient eure Rüstung, die ihr über entsprechende Items in den Levels erneuert. Munition nehmt ihr ebenfalls ganz klassisch auf und findet auch genügend davon. Auf höheren Schwierigkeitsgraden kann es später aber wichtig werden, etwas genauer hinzusehen: Mittels PDAs von Bewohnern der Station erhaltet ihr manchmal Schlüsselcodes, die für Tresore gedacht sind. Aber auch in kleinen Nebenbereichen findet ihr manchmal Nachschub aller Art.

Grabber oder: Wie kopiere
ich die Gravity Gun?
Nur in der "Resurrection of Evil"-Kampagne gibt es den Grabber, den 2005 nur beinharte id-Fans nicht als Kopie der Gravity Gun aus Half-Life 2 einschätzten.
Manch ein deutscher Spieler hatte sich im Jahr 2004 noch verwundert die Augen gerieben, als die USK Doom 3 tatsächlich eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erteilte – und im Zusammenhang damit der bei Gamern besonders beliebten ZDF-Sendung Frontal 21 mehrfach einen hohen Anteil junger Zuschauer verschaffte. Obwohl aber das Hauptspiel noch offiziell bei uns erschien, waren interessierte Spieler beim Addon Resurrection of Evil auf einen Import angewiesen. Und viele importierten es, denn das Angebot mit der seit Doom 2 bekannten doppelläufigen Schrotflinte und jeder Menge Extralevels schien verlockend. Und da war noch etwas anderes: der Grabber, mit dem zum Beispiel einige Objekte wie etwa Kisten per Traktorstrahl aufgenommen und dann auf Feinde geschleudert werden konnten. O was gab es damals für Auseinandersetzungen unter den id-Anhängern und den Half-Life-2-Fans! Die Half-Life-Jünger sprachen von einer schlechten Kopie der Gravity Gun, die Doom-Freunde glaubten zu wissen, dass id Software die Idee schon länger gehabt habe, sie in Doom 3 nur noch nicht umsetzen konnte.

Neue Kurzkampagne und altes AddonWie auch immer man nun zum Grabber stehen mag: Wer damals nicht zur Importversion von Resurrection of Evil gegriffen hat, bekommt mit der BFG-Edition erstmals die Gelegenheit, das Addon zu spielen. Um die Auferstehung des Bösen, wie die Erweiterung bei uns heißt, spielen zu können, müsst ihr nicht einmal das Hauptspiel schaffen. Genauso wie die optisch leicht aufgebrezelten Versionen von Doom 1 und Doom 2 könnt ihr das Addon in der BFG Edition direkt anwählen.

Natürlich müsst ihr den Grabber im Addon häufiger einsetzen, aber die meiste Zeit über wird im Halbdunkel mit aktivierter Taschenlampe geballert. Wie sich Kenner des Originals denken können, ist das Feature, mit den man die Taschenlampe an manchen der Waffen befestigen konnte, weggefallen – da ihr sie ja immer einsetzen könnt. An der Levelstruktur ver&aum
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l;ndert sich im Addon wenig: Ihr durchstreift vorrangig dunkle unterirdische Levels, da id Tech 4 nur sehr bedingt in der Lage war, größere Areale darzustellen. Vom Stil her erinnert das Leveldesign viel stärker an den wohl besten Spielabschnitt des Hauptspiels, der euch durch einen Höllenlevel führt. Das bedeutet in erster Linie haufenweise Dämonen und die fliegenden Flammenschädel, die sogenannten Lost Souls. Mit dem drachenartigen Boss, dem ihr euch ganz zum Schluss stellen müsst, macht ihr gleich zum Einstieg Bekanntschaft.

Komplett neu in Doom 3 BFG Edition ist die Kurzkampagne "Last Mission", die ihr ebenfalls separat anwählen könnt. Hier gibt es auch einen neuen Gegnertyp, der an eine Fledermaus erinnert. Ansonsten ist, abgesehen von den frischen Umgebungen, wenig anders. Nichts verändert hat sich außerdem im Mehrspielerpart, der weiterhin gerade mal acht Spieler auf einmal zulässt. Damals schon nicht viel, heute weit unter dem Minimum auf Konsolen, vom PC ganz zu schweigen. Unschön auch, dass bei der PC-Version die Mehrspielermodi von Doom 1 und 2 nicht verfügbar sind.
before
after
.... Doom 3 BFG auf PC unterscheidet. Beide Fassungen sollen konstant mit 60 Frames laufen, was wir zumindest für PC bestätigen können.

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