Test: Donkey Epic

Donkey Kong Country Returns Test

2010. Der Name des Entwicklers Rare verblasst von Jahr zu Jahr mehr, aber ihr einstiges Steckenpferd Donkey Kong wird von den Retro Studios für die Wii wiederbelebt. Wir verraten euch in unserem Test, ob es sich dabei um ein gelungenes Comeback handelt. Und haben euch außerdem direkt zu Beginn ein unangenehmes Geständnis zu machen.
Philipp Spilker 12. Dezember 2010 - 20:41 — vor 8 Jahren aktualisiert
Wii
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Diesen schwarzen Fleck werden wir so schnell nicht wieder von unserer Gaming-Weste waschen können. Hätten auch nicht gedacht, dass es je so weit kommen würde mit uns. Haben schließlich auch im nicht gerade einfachen Super Mario Galaxy 2 nie den so genannten Super-Helfer genutzt. Sind zwar auch dort in späteren Levels am laufenden Band gestorben, haben uns aber nicht vom Spiel brechen lassen. Doch in einem der letzten Levels von Donkey Kong Country Returns, nach dem Verlust von ungefähr 25 virtuellen Leben innerhalb weniger Minuten, konnten wir nicht mehr. Und ließen Super Kong die Arbeit für uns machen.

Der schon leicht angegraute Affe, der nach dem Verlust von acht Leben in jedem Level des Spiels aktiviert werden kann, hüpfte und stampfte daraufhin ganz automatisch durch die Lava-Umgebung und ließ das alles aussehen wie ein reines Kinderspiel. Wir fühlten uns vom Entwicklerteam der Retro Studios ausgelacht. Wieso wir das nicht einfach geheim halten? Wieso wir mit dieser Schmach hausieren gehen? Ganz einfach: Der Schwierigkeitsgrad ist einer der Gründe, aus denen wir Donkey Kong Country Returns lieben. Viele weitere dieser Gründe werden in diesem Artikel folgen. Aber wir machen hier erst weiter, wenn ihr aufgehört habt, uns auszulachen.

Gehört zum Alltag von Donkey Kong: In einem Raketenfass durch überflutete Höhlen fliegen, während an Luftballons befestigte Maulwürfe mit Spitzhacken versuchen, ihn zu Fall zu bringen. Das ist bei uns auch jeden Montag so.

Der große Bananenklau – Remastered
 
Wenn Super Mario einmal nicht mehr seine geliebte Prinzessin Peach retten und Donkey Kong nicht mehr seine gestohlenen Bananenreserven zurückgewinnen muss, friert mit relativ großer Wahrscheinlichkeit am selben Tag auch die Hölle zu. Die Hintergrundgeschichte von Donkey Kong Country Returns lässt sich also schnell abhandeln: Tiki-Masken mit mysteriösen Hypnose-Fähigkeiten stehlen zu Beginn des Spiels den Bananenvorrat der Kong-Familie, und Donkey Kong nimmt sofort die Verfolgung auf. Bis er dem Strippenzieher hinter dem großen Bananenklau gegenüber steht, muss er sich dafür durch acht umfangreiche Umgebungen der Insel stampfen und kämpfen.
 
Die Steuerung ist ähnlich einfach gehalten wie auch die Story: Den Analogstick des Nunchuk-Controllers nutzt ihr zur Fortbewegung, mit dem A-Knopf der Wii-Remote setzt ihr zum Sprung an, und mit dem B-Knopf werft ihr Fässer oder greift nach Lianen. Abseits davon braucht ihr nur noch drei weitere Kommandos, die durch die  Wii-Remote in Gang gesetzt werden. Schüttelt ihr diese, setzt ihr zu einer Trommelattacke an, mit der ihr Gegner lähmen oder Objekte in der Spielwelt manipulieren und in einigen Fällen auch zerstören könnt. Haltet ihr beim Schütteln das Steuerkreuz nach unten, pustet Donkey Kong. Das könnt ihr dann beispielsweise nutzen, um brennende Gegner zu „löschen“. Drückt ihr beim Schütteln das Steuerkreuz zur Seite, setzt der Primat zu einer Rollattacke an. Damit gelingen euch dann auch weitere Sprünge, mit etwas Übung sogar aus dem Fall in einen Abgrund heraus.
 
Wer möchte, kann Donkey Kong Country Returns auch nur mit der Wii-Remote spielen. Diese wird dann wie ein traditioneller Controller quer gehalten. Uns hat die Nunchuk-Variante beim Testen aber mehr zugesagt. Sie fühlt sich jederzeit präzise an. Im Eifer des Gefechts kann es allerdings schnell einmal vorkommen, dass ihr statt zum Pusten ungewollt zu einer Rollattacke ansetzt und in einen nahen Abgrund stürzt. Diesen beiden Kommandos hätte man lieber Tastenkombinationen spendieren sollen, die weniger nah beieinander liegen.
 
Leveldesign nah an der Perfektion
 
Oft beharken uns in den toll designten Levels Gegner aus dem Hintergrund und stellen zusätzliche Hindernisse dar.
Erst im Juni dieses Jahres begeisterte uns Super Mario Galaxy 2 mit innovativem Leveldesign der Extraklasse sowie mit perfekter Spielbarkeit und sahnte damit eine für GamersGlobal bisher einzigartige perfekte Wertung von 10 Punkten ab. Diese sehr hohe Messlatte schadet Donkey Kong Country Returns keineswegs, denn auch den Retro Studios gelingt hier nahezu perfektes Leveldesign. Nach dem in Fan-Kreisen nur verhalten bejubelten Donkey Kong 64, in dem der Affe 3D-Umgebungen unsicher machte, bleibt er nun wieder seinen 2D-Wurzeln treu. So weit, so traditionell. Hierzu zählen auch die über die Levels verteilten Fässer, die es in mehreren Varianten gibt und mit denen ihr euch durch die Umgebung schießen könnt. Und wer in den vergangenen Serienteilen Spaß dabei hatte, auf den Rücken diverser Tiere zu steigen, wird sich darüber freuen, dass Donkey Kong im Wii-Abenteuer zeitweise die Kontrolle über ein Nashorn bekommt. Neu für die Serie ist hingegen, dass die Retro Studios es nicht bei der 2D-Struktur belassen, sondern euch auch den Hinter- und Vordergrund der Levels regelmäßig zugänglich machen. Solche Levels auf 2,5D-Ebene kommen unserer Meinung nach in Jump’n Runs viel zu selten zum Einsatz – und so gelungen wie hier waren sie lange nicht.
 
Da schießt ihr euch vom Strand aus mit einem Fass auf ein Schiff im Hintergrund, um es im Folgenden zu erkunden. Da schwappen in einem Level monströse Wellen an den Strand, die euch in den sicheren Tod reißen, wenn ihr nicht rechtzeitig Deckung findet. In wiederum einem anderen Level bewegt ihr euch nahezu ausschließlich mit Hilfe der Fässer vorwärts und sorgt dabei für zahlreiche einstürzende Ruinen und Statuen. In einer dunklen Höhle erwartet ihr nichts Böses, als ihr plötzlich einen bildschirmfüllenden Schwarm von Ameisen freisetzt und fortan wie von der Hummel gestochen durch den Level rast, um der Ameisenwand zu entkommen. Natürlich wollen wir auch die Loren-Abschnitte nicht vergessen, die schon aus früheren Serienteilen bekannt sind. So abwechslungsreich und schwer wie hier waren sie aber noch nie! Sogar einen der herausfordernden Bosskämpfe werdet ihr via Lore bestreiten. Und dann gibt es da noch so viel mehr. Zum Beispiel das Raketenfass, mit dem ihr durch lange Abschnitte fliegt und dabei mit dem A-Knopf eure Flughöhe reguliert. Während hinter euch wahlweise ein gesamter Höhlenkomplex zusammenbricht, oder sich durch ein unterirdisches Erdbeben der vor euch liegende Weg konstant verändert, oder euch eine gigantische Fledermaus jagt und ihr wieder ein anderes Mal noch fliegenden Lavaklumpen ausweichen müsst.
 
Wir könnten hier noch sehr lange weitermachen. Zum Beispiel mit der Geschichte, wie wir einen ganzen Level auf einem Wal… nein, wir lassen das jetzt. Wir wollen nämlich, dass ihr dieses Spiel kauft. Und euch dann selber die Kinnlade offen steht, wenn ihr merkt, was euch auf dem Bildschirm geboten wird.

Dummerweise haben wir in dieser verlassenen Höhle einen riesigen Schwarm von Killerameisen aufgeweckt. Nun ist dieser unaufhörlich hinter uns her. Heraus kommt eines der besten und herausforderndsten Levels im Spiel.
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