Oldschool-RPG im modernen Gewand

Divinity - Original Sin Test

Man nehme ein komplexes RPG-System und garniere es mit Rundenkämpfen und einer lebendigen Spielwelt. Als wohlschmeckende Beilagen dienen spielerische Freiheiten und eine fesselnde Geschichte – fertig ist die belgische Sünde. Gelingt es den Köchen von Larian Studios, die Bugs und Balanceprobleme der Early-Access-Versionen auszumerzen?
Karsten Scholz 3. Juli 2014 - 17:37 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.
 
Nachdem Larian Studios den Veröffentlichungstermin ihres neuesten Divinity-Teils bereits dreimal verschieben mussten, war es am 30. Juni endlich soweit: Die finale Version von Divinity - Original Sin stand zum Download bereit. Anfangs zwar nur in der englischsprachigen Version, doch lieferten die Entwickler die deutsche Fassung bereits einen Tag später nach. Natürlich warteten wir nicht solange, sondern machten uns sogar ein paar Stunden früher als Ottonormal-Spieler nach Rivellon auf, um der fertigen Version der belgischen Sünde unter den Rockzipfel zu schauen. In der Testphase achteten wir vor allem darauf, wie fertig und ausgereift das Abenteuer ist. Schließlich machten uns in unserem letzten Early-Access-Besuch (hier geht's zur Vorschau) vor allem die vielen Bugs und Balancing-Probleme Sorgen. Außerdem waren wir gespannt darauf, ob die belgischen Programmierer die hohe Qualität der Startzone auch in den restlichen Regionen halten können.

Bau dir dein Helden-DuoWenn ihr Divinity - Original Sin das erste Mal startet, landet ihr wie in den meisten Rollenspielen zuerst in der Charaktererstellung. Die kommt aber gleich mit einer Überraschung daher: Anstatt eines einzelnen Helden erschafft ihr gleich zwei Spielfiguren! Nun gut, werdet ihr sagen, in klassischen RPGs hatte man gleich vier, sechs oder gar acht Partymitglieder. Doch ihr steuert in Divinity - Original Sin nicht nur bis zu vier Charaktere gleichzeitig durch die Fantasywelt Rivellon. Sondern ihr könnt das gesamte Abenteuer auch gemeinsam mit einem Freund bestreiten, jeder hat dann einen Haupthelden und gegebenenfalls noch einen Begleiter. Der Mehrspielermodus soll sogar zwischen den beiden Plattformen Steam und GOG (dort wird das Spiel in Kürze verfügbar sein) funktionieren. Einziger Wermutstropfen: Ihr könnt nicht einfach euer Alter Ego in das Spiel eines Kumpels importieren. Stattdessen übernehmt ihr dort die Kontrolle über einen der bereits erstellten Helden auf dem Host-Server. Aber die Erstellung könnt ihr ja, wenn ihr wirklich das ganze Spiel zusammen erleben wollt, einfach gemeinsam machen.

Allein das Startgebiet dauert 10 Stunden.
Zwischen elf Klassen müsst ihr euch zunächst entscheiden, darunter Kampfmagier, Schattenklinge oder Hexe. Tatsächlich dienen diese aber nur als Einstiegshilfe, die ihr danach nach eigenem Gusto anpassen und miteinander kombinieren könnt. Feste Klassen kennt Divinity - Original Sin nicht, und wenn euch danach ist, dass ein Magier auch fernkämpfen können soll, so ist das problemlos möglich. Wir haben uns etwa eine Waldläuferin mit Geomant-Kräften gebastelt, die eine Spinne beschwören kann und bevorzugt aus der Distanz mit ihrem Bogen angreift. Wichtig war uns auch, dass sie das Schlösserknacken beherrscht und die Sprache der Tiere versteht. Ihr Begleiter, ein schwer gerüsteter Kleriker, fungiert wiederum als Nahkampf-Heiler und Pyromane, der mit seinem hohen Führungswert die anderen Gruppenmitglieder stärkt und in Dialogen mit seinem Charisma glänzt. Wenn ihr dagegen keine Lust habt, euch durch die 27 Fertigkeiten, 45 Talente und zig Zauber und Angriffe zu arbeiten, könnt ihr einfach eine der vordefinierten Klassen wählen und sofort loslegen – später lässt sich der Held noch genügend anpassen.

In diesem Kampf sollt ihr nicht nur einen gefährlichen Roboter bezwingen, sondern gleichzeitig ein NPC-Trio beschützen.

Ohne Krimi geht die Mimi ...
"In längst vergangener Zeit kurierten die Quellenmagier die Kranken und heilten die Verletzten durch eine große Macht, genannt 'die Quelle'. Doch es befiel eine grausige Dunkelheit das Land und die Quelle wurde verdorben. Die Quellenmagier, die einst heilten, sollten nunmehr zerstören." So lauten sie, die ersten Zeilen des Textes, der euch nach Spielstart grob über den Hintergrund von Divinity - Original Sin aufklärt. Als "Quellenjäger" (irgendwie klingt es im Original besser: Source Hunter) ist es eure Aufgabe, die verbotene Magie aufzuspüren und jedem aktiven Quellenmagier das Handwerk zu legen. Genau so einer soll in der Stadt Cyseal sein Unwesen treiben und kürzlich das Ratsmitglied Jake getötet haben. Also nichts wie hin, um den Mord aufzuklären und den Täter zu überführen. Erschwert wird eure Aufgabe, weil die auf einer Insel gelegene Stadt von einer Hord
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e Orcs auf der einen und Untoten auf der anderen Seite belagert wird. Klar, dass das kein Zufall sein kann, und dass sich aus dem einfachen Mordfall schnell etwas sehr viel Größeres entwickelt.

Erzählt wird die Geschichte von Divinity - Original Sin vor allem in Textform, sei es durch die vielen Dialoge oder durch Notizzettel und Bücher, die ihr überall in der Welt findet. Vollvertonte Passagen wie die handgezeichnete, nur teilweise animierte Einführungssequenz gibt es dagegen selten. Das mag im Jahr 2014 etwas altbacken wirken (und vermutlich auch dem geringen Budget geschuldet sein), doch sind die Gespräche oftmals derart clever und unterhaltsam geschrieben, dass wir dem Spiel daraus keinen Strick drehen wollen. Ganz im Gegenteil: Die Geschichte wird spannend erzählt, häufig passiert Unvorhergesehenes und stets wollen wir wissen, wie es weitergeht. Deutsche Sprecher gibt es übrigens nicht, dafür wurden sämtliche Dialoge und Untertitel übersetzt. Bei ein paar Gegenständen oder Gegnern stolperten wir aber immer noch über ihre englische Bezeichnung. Zudem passt die Übersetzung nicht immer, etwa wenn Wölfe statt Fellbüschel Frisuren verlieren.
Die Charakterentwicklung
Die Charakterentwicklung von Divinity - Original Sin fällt äußerst facettenreich aus. 1 Das Fundament legt ihr in der Charaktererstellung. 2 Nach einem Level-Up dürft ihr Fähigkeiten verbessern. 3 Diese Fähigkeiten bestimmen unter anderem, welche Angriffe und Zauber ihr nutzen könnt. 4 Außerdem erlernt ihr Talente, die neben positiven Effekten (aktiv oder passiv) ab und an auch einen Malus mitliefern. 5 Durch euer Verhalten prägt ihr zudem eure Charakterzüge, die euren Helden ebenfalls stärken. 6 Zu guter Letzt verbessert ihr euch natürlich auch durch gefundene oder gekaufte Beute wie dieses tolle Schwert.
 
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