Strategie mit Schuppentier

Divinity: Dragon Commander Test

Rüdiger Steidle 5. August 2013 - 18:58 — vor 6 Jahren aktualisiert
Auf der Strategiekarte verwaltet ihr rundenweise euer Reich, produziert Truppen, gebt Bauten in Auftrag und wählt eure Angriffsziele.
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Gift und Feuer spuckenWann immer Not am Mann ist, stürzt ihr euch eben selbst ins Getümmel. Den Drachen steuert ihr wie in einem üblichen Ego-Shooter oder einer Action-Flugsimulation à la Ace Combat: Mit WASD wird manövriert, die Leertaste zündet den „Nachbrenner“ via Raketenrucksack. Die linke Maustaste nutzt ihr zum Feuern, sprich Feuerspucken, mit der rechten weicht ihr anfliegenden Geschossen aus. Als Fabelwesen seid ihr zwar nicht unverwundbar, aber deutlich mächtiger als jede gewöhnliche Einheit. Zumal ihr im Spielverlauf eurer Standardattacke zahlreiche weitere Aktionen hinzufügt.
 
Zum Beispiel dürft ihr per Kraftstrahl den Schadensausstoß eurer Verbündeten steigern, angeschlagene Truppen heilen oder mit einem furchteinflößenden Brüllen die Gegner im Umkreis lähmen. All die Spezialfähigkeiten sind beinahe schon zu viel des Guten – in den temporeichen Scharmützeln werdet ihr selten genug Zeit für taktische Finessen finden. Meistens genügt es aber, wenn ihr mit eurem Schuppenwesen eure Schützlinge in Abwehr und Angriff unterstützt oder an Schlüsselstellen im Alleingang aufräumt. Ein paar Einschränkungen müsst ihr allerdings in Kauf nehmen, damit der Drache nicht allzu übermächtig wird. So dürft ihr seine Unterstützung erst dann in Anspruch nehmen, wenn der Einsatz schon ein Weilchen läuft, und müsst außerdem kurze Pausen bis zur nächsten Verwandlung einlegen, wenn ihr abgeschossen werdet oder freiwillig aus der Drachenhaut wieder in die Generalsuniform wechselt.
 
Zug um Zug zum Ziel
Im späteren Spielverlauf dürfen wir eine Prinzessin zur Frau nehmen, die uns eigentlich unterstützen soll – wir haben hier dummerweise einen kalten Fisch an Land gezogen.
Die Kampagne erinnert eher an Spiele wie Shogun 2: Total War (GG-Test: 9.0) als an Starcraft. Will heißen, Dragon Commander reiht nicht eine Story-Mission an die nächste. Vielmehr dürft ihr auf einer strategischen Übersichtskarte selbst entscheiden, wo ihr als nächstes zuschlagt. Das erinnert entfernt an das Brettspiel Risiko: Das Königreich ist in mehrere Karten und Provinzen unterteilt, die es zu erobern gilt. Runde für Runde verschiebt ihr Truppen zwischen den Sektoren, produziert Einheiten und errichtet Erweiterungen, die den Ertrag der Ländereien steigern. Forschungspunkte benötigt ihr, um neue Technologien und Drachenfähigkeiten frei zu schalten, Gold und Rekruten für Bauaufträge. Und dann gibt es noch Schicksalskarten. Die bringen euch einzigartige Boni, lähmen etwa eine Runde lang die Produktion im Feindesgebiet oder stählen eure Untergebenen in einem anstehenden Scharmützel.
 
Geraten zwei gegnerische Verbände auf der Strategiekarte aneinander, kommt es zum Gefecht. Pro Zug dürft ihr nur eines davon selbst befehligen, die anderen werden anhand der Verbandsstärke automatisch berechnet. Mit den erwähnten Schicksalskarten oder einem KI-Kommandanten (teuer!) könnt ihr versuchen, das Schlachtenglück zu euren Gunsten zu beeinflussen. Das ist alles vielleicht nicht sonderlich komplex, stellt aber eine nette Abwechslung zu den Echtzeit-Auseinandersetzungen dar, mit denen ihr die meiste Spielzeit verbringen werdet. Allerdings müsst ihr damit leben, dass ihr praktisch ausschließlich Skirmish-Partien austragt und keine spannenden Story-Mission mit variantenreichen Einsatzzielen und geskripteten Wendungen genießen könnt – auch dies eine Parallele zur Total-War-Serie.
 
Die Raven: Basis und RänkeschauplatzZwischen den Kämpfen findet ihr euch an Bord eures riesenhaften, im Design an die Final Fantasy-Serie erinnernden Kommandoluftschiffs wieder, der „Raven“. Dort plant ihr euren nächsten Zug und plaudert in Multiple-Choice-Dialogen mit zahlreichen Beratern und Abgesandten. Neben den Menschen wird die Fantasiewelt von Elfen, Zwergen, Imps und Untoten bevölkert, deren Unterstützung ihr euch sichern müsst, wenn ihr zusätzliche Rohstoffe und Upgrades wollt. Dummerweise können sich die Fraktionen untereinander nicht richtig leiden. Stellt ihr euch mit den Echsen gut, sind die Zwerge sauer, und umgekehrt. Die Charaktere wären eines Rollenspiels würdig: Der hochnäsige Echsenmensch Edmund, der nur oberflächlich joviale Zwerg Falstaff oder die burschikose Scarlett – allesamt echte Unikate und zumindest in unserer englischen Version hervorragend vertont. Für die Gespräche gilt das Gleiche wie für den Strategieteil: Für sich genommen nicht übermäßig spannend, aber eine willkommene Ergänzung zu den Gefechten. Außerdem führen die Unterhaltungen die Geschichte weiter und bringen euch die Hintergründe des Konflikts näher. Später dürft ihr sogar eine Prinzessin wählen, was euch je nach Entscheidung die Sympathien ihres Volkes und den Neid der anderen einbringt.
 
Euer Schuppentier ist keineswegs nur im Angriff stark, sondern kann beispielsweise auch Verbündete heilen oder kurzzeitig ihren Schadensausstoß oder ihre Geschwindigkeit verbessern.
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