Test: Drachen-Epos mit Fehlern

Divinity 2 - Ego Draconis Test

Erzverräter Damien steht vor der Rückkehr nach Rivellon, und ein junger Drachenritter soll ihn stoppen. Schärft also die Klingen, es ist Zeit für actionreiche Kämpfe und heiße Fluggefechte: Erhebt euch selbst als Drache in die Lüfte und streitet für das Gute! Und lest, wieso wir nicht restlos begeistert sind von Divinity 2.
Armin Luley 24. Juli 2009 - 10:36 — vor 10 Jahren aktualisiert
PC 360
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Die Drachen sollen schuld sein am Tod des Göttlichen, des großen Helden von Rivellon. Denn angeblich unterstützten sie Damian, den Verräter, bei seinem Mordkomplott gegen den Champion. Dafür wurden sie bestraft, gejagt und einer nach dem anderen ausgelöscht. Nur noch ein einziger Drache blieb übrig, und auch dieser ist kurz vor dem Ende – bis ihr in Divinity 2 die Charaktergenerierung angeschlossen habt und das Banner aufnehmt, im Kampf gegen Damien, zur Rettung der Welt.

 

Divinity, wie wir es kennen: actionreiche Kämpfe und trotzdem kein reines Hack'n'Slay

Vom Paulus zum Saulus

Eigentlich lag es niemals in eurer Absicht, ein Schuppenkleid zu entwickeln. Ihr startet nämlich als Novize der Drachentöter-Gilde. In einem kleinen Tutorial habt ihr die Wahl, ob ihr euch lieber in Richtung Magier, Kämpfer oder Waldläufer entwickeln wollt. Ihr seid dadurch keinesfalls festgelegt, sondern bestimmt nur eure Anfangswerte. Im weiteren Verlauf setzt Divinity 2 jedoch auf ein offenes Charaktersystem. Es gibt fünf Talentgruppen (Priester, Magier, Krieger, Waldläufer, Drachentöter) mit zahlreichen Talenten, in denen ihr euch nach eigenem Gusto austoben könnt. Keine Lust mehr auf reine Schwertschwingerei? Dann lernt einfach einen Feuerballzauber dazu und brennt den Gegnern bereits beim Anrücken einen auf den Pelz. In dieser Hinsicht sind euch keine Grenzen gesetzt. Es empfiehlt sich aber auch für Magier, den Körper zu stählen und den Nahkampf nicht vollkommen auszuklammern, denn Divinity 2 ist Action-Kino.

Grenzen bei der Entfaltung setzt euch nur der Charakterlevel. Leicht zu übersehen ist, dass die Liste...
... noch ein gutes Stück nach unten gescrollt werden kann, es gibt also sogar noch mehr Entwicklungsmöglichkeiten.
Bereits der Vorgänger balancierte auf dem schmalen Grad zwischen Action-RPG im Stile von Diablo und 3D-Rollenspielen wie Oblivion oder Gothic. Dieser Linie bleibt auch der zweite Teil treu. Es gibt sehr, sehr viele Kisten und Vasen zum Zertrümmern, Quests lösen sich weitestgehend durch Kämpfe und ihr seid die meiste Zeit damit beschäftigt, eure Wunden zu heilen und die nächste Begegnung zu überleben. Der Schwierigkeitsgrad pendelt des öfteren. Beim ersten Betreten eines neuen Bereiches müsst ihr vielleicht noch die Beine in die Hand nehmen, um mit dem Leben davon zu kommen. Je weiter ihr vordringt, desto einfacher fallen euch die Auseinandersetzungen. Der Magier ist hier ein wenig im Nachteil, denn meist hat er nicht genügend Zeit, den Gegner aus der Ferne zu erlegen. Sein Problem ist selten der Manavorrat, er muss mehr mit der Dauer der Zauberanimationen und den Abklingzeiten nach der Verwendung leben. Je nach Spruch dauert das mehrere Sekunden. Effektiv hat er zwei bis drei Sprüche, bis der Gegner da ist. Dann muss auch er in den für ihn schwierigen Nahkampf.

Dumme Gegner

Wir wünschten, wir müssten das nicht schreiben, aber die KI muss schon in früher Kindheit von einem Drachen heftig verbrannt worden sein. Oftmals reicht eine Unterbrechung der Sichtlinie, um euren eben noch wütenden Gegner zum friedlichen Abdrehen zu bewegen. Frühe Gegner wie Skelettmagier greifen schon mal aus großer Entfernung an, natürlich ohne Chance auf Erfolg. Während ihr gemütlich stehen bleibt und per Autoheal eure Lebenspunkte aufladet, könnt ihr den Feuerbällen beim Spazierflug in eure grobe Richtung zuschauen. Noch schlimmer: Wasser bildet für die meisten Gegner ein unüberwindbares Hindernis. Ist euer Gegner ein Nahkämpfer, müsst ihr nur das Wasser erreichen, einen Meter hineinlaufen und den Bogen zücken, danach dürft ihr solange Zielübungen veranstalten, bis das wasserscheue Monster tot ist. Deratige Beispiele ließen sich noch viele aufzählen. Divinity 2 schreit nach einem KI-Patch wie das frischgeschlüpfte Drachenbaby nach seiner Mutter. Hoffentlich wird der Hilferuf bald erhört!

Dieses Video demonstriert euch an zwei Beispielen die häufigen Aussetzer der KI. Im letzten Abschnitt sehr ihr auch, dass man öfters mal unvermittelt an Kleinstobjekten hängen bleibt.

Zu wünschen lässt auch die Vielfalt der Gegner: Ihr kämpft regelmäßig gegen die immerselben Gestalten. Das Feindvolk unterteilt sich dabei immer in die Kategorien Nahkämpfer, Fernkämpfer, Magier, Beschwörer, Anführer. Praktischerweise werden die Rangstufen der Gegner gleich neben ihrer Lebensleiste angezeigt. Muss die Herausforderung nach Ansicht der Entwickler an einer Stelle steigen, so haben sie oft schlicht die Monstersstufe raufgesetzt, dem Kreaturenmodel einen neuen Anstrich verpasst -- und fertig ist die nächste Herausforderung. Ganz wie man es sonst von Hack & Slay gewohnt ist, aber etwas irritierend bei einem Rollenspiel, das doch auch nach der Oblivion-Liga schielt.

Märchenwelt zum Verlieben

Wir wollen keinesfalls nur meckern (von "wollen" kann eh keine Rede sein!): Bei unseren Streifzügen durch die Welt von Rivellon fanden wir die Spielwelt sehr liebevoll gestaltet vor. Ist ein Bereich erstmal von Untieren gesäubert, könnt ihr die Atmosphäre von Blümchenwiesen, Flüssen und Wäldern genießen. Natürlich gibt es auch finstere Höhlen und gruselige Verließe als Kontrastprogramm. Die Landschaften variieren zwar weniger stark, doch durch unterschiedliche Lichtgestaltung gelingt es den Machern, die Umgebung immer wieder neu wirken zu lassen. Alles in allem spielt Divinity grafisch jedoch nicht in der Topliga mit. Gesichtern fehlt es ein wenig an Details, die Landschaft wirkt mitunter kantig, Charaktermodelle wiederholen sich. In sich ist die Optik jedoch stimmig und dürfte auch auf PCs auf Niveau der Mindestanforderungen einen guten Eindruck bei euch hinterlassen.

Beispiel für einen abrupten Lichtübergang: Gerade eben noch grau in grau, drei Schritte weiter sind wir in der Wüste.

Zum längeren Lustwandel werdet ihr jedoch wenig Zeit finden, denn ihr werdet von zahlreichen hilfsbedürftigen Auftraggebern geradezu belagert. Mal sollt ihr die fiesen Kreaturen im Keller eines Dorfbewohners erledigen, ein andermal einen wichtigen Brief überbringen, dann wieder Trophäen sammeln. Es gibt immer was zu tun. Doch die meisten Aufträge sind Kampf- oder Hol-und-bring-Missionen. Immerhin gibt es in einigen Fällen alternative Lösungswege, teils mit kleineren Konsequenzen für den Spielverlauf.

Aufgelockert wird das Missionsallerlei durch das Gedankenlesen-Feature. Gegen die Opferung einer bestimmten Summe an Erfahrungspunkten dürft ihr in den Gedanken eurer Gesprächspartner stöbern. Manchmal erfahrt ihr dort etwas über Geheimverstecke oder mögliche Nebenquests, in einigen Fällen erhaltet ihr aber auch Talent- und Attributspunkte für euren Helden. Es lohnt sich daher, immer mal wieder etwas "Hirnforschung" zu betreiben, vor allem  bei den Bösewichten im Spiel.

Während der Kämpfe könnt ihr jederzeit per F-Taste pausieren, um Tränke und Heilmittel zu verwenden.

 

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