Dishonored: Der Tod des Outsiders

Dishonored: Der Tod des Outsiders Test

Gott ist tot

Stephan Petersen / 19. September 2017 - 10:24 — vor 6 Jahren aktualisiert

Teaser

In der Standalone-Erweiterung zu Arkane Studios' Schleich-Action gibt es ein Wiedersehen mit den Meister-Assassinen Daud und Billie Lurk, alias Meagan Foster. Unsere Aufgabe: Der Mord an einem Gott.
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Der Outsider ist eine der interessantesten Figuren im Dishonored-Universum. Welche Geheimnisse stecken hinter diesem gottähnlichen Wesen?  Einige davon wurden bereits gelüftet oder zumindest deren Lösung angedeutet. So wissen wir beispielsweise, dass er Menschen, die er als „interessant“ erachtet, einen Teil seiner Kräfte zukommen lässt und sie mit kindlicher Neugierde beobachtet.

Zu den Auserwählten zählt auch Daud, seines Zeichens Meisterassassine und Protagonist in den DLCs Dishonored: The Knife of Dunwall und Dishonored: The Brigmore Witches. Zur dankbaren Sorte gehört Daud allerdings nicht. Nach Jahren des Mordens macht er den Outsider für seine Fehler und seine Verderbtheit verantwortlich. Also fasst er einen Plan: den Outsider, seinen Gott, zu töten!


Das Ziel: einen Gott zu töten

Unser Ziel: Der Outsider.
Dafür schlüpfen wir in der Stand-Alone-Erweiterung Dishonored: Der Tod des Outsiders allerdings nicht erneut in die Rolle von Daud. Stattdessen lenken wir seine ehemalige rechte Hand, Billie Lurk, bekannt aus The Knife of Dunwall und als Meagan Foster aus Dishonored 2, durch die Steampunk-Welt. Genauer gesagt geht es in die Hafenstadt Karnaca, ebenfalls Schauplatz in Dishonored 2. Ihre Story erzählt die Erweiterung in fünf Kapiteln beziehungsweise Hauptmissionen. Die sind recht geradlinig aufgebaut. Das heißt: Wir haben ein Ziel, das wir konsequent verfolgen. Großartige Wendungen und Twists sind Fehlanzeige. Das macht aber nichts.

Die Story rund um Daud, Billie und den Outsider ist toll erzählt und motiviert von der ersten bis zur letzten Sekunde. Die düster-morbide Stimmung sowie die philosophisch angehauchte Handlung heben sich merklich vom Einheitsbrei ab, den man als Spieler zu oft auf dem Monitor präsentiert bekommt.
Die straffe Erzählweise bedeutet zudem nicht, dass wir keine Freiheit hätten. Zu Beginn jedes Kapitels warten am Schwarzen Brett Nebenaufgaben auf uns. So sollen wir etwa einen verschwundenen Bruder suchen oder für das Ableben einer Person sorgen und es wie einen Selbstmord aussehen lassen. Diese Missionen haben zwei schöne Effekte: Zum einen lassen sie uns tiefer in die atmosphärische Steampunk-Spielwelt eintauchen, zum anderen  gibt es gutes Geld.
Viele Wege führen zum Ziel. In diesem Fall betäubten wir die Wachen in der Bank, bevor wir ins Gebäude einsteigen.


Verschiedene Wege führen nicht nur nach Rom

Letzteres investieren wir bei Schwarzmarkthändlern in Ausrüstung und Verbesserungen. So erhöhen  wir etwa die Tragekapazität unserer Granaten oder pimpen Billie mit mächtigen Knochenartefakten. Wie gehabt bringen diese Artefakte Boni auf die Fähigkeiten des Protagonisten, etwa beim Schleichen oder dem Schwertkampf. Wer dafür kein Geld ausgeben will, sollte in Karnaca die Augen offenhalten. Immer wieder gibt es Knochenartefakte zu entdecken.

Ohnehin ist das Erforschen der Spielwelt trotz der relativen Geradlinigkeit der Hauptmissionen ein wesentlicher Bestandteil des Gameplays. So erkunden wir etwa den besten Weg, um in eine Bank einzubrechen. Grundsätzlich gibt es immer mehrere Lösungsmöglichkeiten. Wir können beispielsweise sämtliche Leute in der Bank außer Gefecht setzen, indem wir ein Betäubungsmittel bei einer Auktion besorgen und in das Lüftungssystem einschleusen. Oder aber das Gebäude durch die Kanalisation infiltrieren.
 

Neue Kräfte

Die Fähigkeit „Platztausch“ in Aktion.
Billies Kräfte passen hervorragend zur spielerischen Freiheit. Trugbild, Platztausch und Weitsicht stehen ihr zur Verfügung. Mit „Trugbild“ nimmt Billie für kurze Zeit das Aussehen einer anderen Person an. Praktisch, wenn das eigene Gesicht überall auf den „Wanted-Postern“ abgebildet ist! „Platztausch“ funktioniert im Grunde wie „Teleportieren“, eine Fähigkeit aus Dishonored 2. Der Unterschied: Mit der dritten Kraft, „Weitsicht“, können wir eine Markierung setzen und diese mit „Platztausch“ kombinieren. So gelangt Billie ebenfalls an zunächst unerreichbar scheinende Orte.

Auch nutzen wir „Weitsicht“ immer wieder, um gefahrlos die Umgebung auszukundschaften, die Gegner in unmittelbarer Umgebung zu markieren und auf diese Weise über ihre Laufwege und Sichtlinien informiert zu sein. Genau genommen hat Billie noch eine vierte Fähigkeit. Sie kann Ratten verstehen. Das erweist sich in der Praxis als leicht bizarr. Denn die kleinen Nager haben, vorsichtig formuliert, ziemlich wirre, unzusammenhängende Gedanken in ihren kleinen Köpfen. Hilfreich ist es allemal! So erfahren wir etwas über alternative Wege oder Gegner in der Umgebung.
 

Ohne Chaos mehr Freiheit

Natürlich habt ihr wie bei den bisherigen Dishonored-Titeln auch wieder die Wahl, ob ihr schleichend durch Karnaca zieht und (feindliche) NPCs verschont oder wie die Axt im Walde wütet und den Body-Count in die Höhe treibt. Die Rambo-Methode hatte bisher immer zur Folge, dass der sogenannte Chaos-Faktor steigt und die Story mit einen düsteren, zynischen Finale endet. Das fällt in Der Tod des Outsiders komplett weg. Im ersten Moment sorgt diese Gameplay-Entscheidung für Skepsis. Das „schlechte“ Finale war schließlich nur konsequent, wenn man als Hobby-Metzger durch die Straßen der Dishonored-Spielwelt zog und die Möglichkeit, eine clevere, lautlose Spielweise zu belohnen. Denn selbstredend ist es einfacher, einer Wache schnell das Schwert in den Rücken zu bohren, anstatt sie zu betäuben und für einige Momente sicht- und angreifbar zu sein. Allerdings ist in Der Tod des Outsiders alles auf eine gewichtige Entscheidung am Spielende ausgerichtet, so dass der Verzicht auf den Chaos-Faktor durchaus Sinn macht.

Außerdem kann man auch anders argumentieren. Der Verzicht auf den Chaos-Faktor gewährt mehr spielerische Freiheit. Wenn ein Plan mal doch nicht hundertprozentig funktioniert, kann man sich immer noch mit Schwert und Voltaikwaffe aus der Affäre ziehen, ohne befürchten zu müssen, nur noch das „düstere“ Ende sehen zu dürfen. Zudem habt ihr am Anfang des Spiels sehr viele Einstellungsmöglichkeiten, um das Abenteuer an eure Spielweise anzupassen. Neben den vier Schwierigkeitsgraden gibt es einen frei konfigurierbaren. Dort könnt ihr von der gegnerischen Wahrnehmung über die Schrittgeräusche bis zur Energieregeneration so ziemlich alles einstellen, was das Herz des Meisterassassinen begehrt.
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Unschwer zu erkennen: Wir wurden entdeckt und greifen zum Schwert.
Benjamin Braun Freier Redakteur - 441338 - 19. September 2017 - 10:32 #

Viel Spaß beim Lesen!

Golmo (unregistriert) 19. September 2017 - 11:02 #

Wenn ich schon alleine diese Wallhack Fähigkeiten sehe, habe ich direkt kein Bock mehr drauf. Ich hab dann doch lieber halbwegs realistische Stealth-Action wie z.B. bei einem MGS oder Thief.

Jonas S. 21 AAA-Gamer - P - 25097 - 19. September 2017 - 11:32 #

Keiner zwingt dich sie zu nutzen und MGS und realistisch? War nicht bei MGS der Sichtpegel der Feinde durchgehend sichtbar? :D

Tr1nity 28 Party-Gamer - P - 110441 - 19. September 2017 - 12:52 #

MSG und Realismus? Karton?

Golmo (unregistriert) 20. September 2017 - 11:57 #

Ich find nen Karton 2000x realistischer als sich in ne Ratte zu verwandeln oder auf nen Balkon zu beamen ;)

FUN FACT: Ich habe mich selbst mal erfolgreich in einem Umzugskarton versteckt und meinem Onkel einen derben Schrecken eingejagt!

Noodles 26 Spiele-Kenner - P - 75672 - 19. September 2017 - 13:50 #

Bei Thief gibts doch den Fokus-Modus. Wobei ich mir den in den Schwierigkeitsgradseinstellungen deaktiviert hatte.

Olphas 26 Spiele-Kenner - - 66932 - 19. September 2017 - 11:22 #

Mir hat das Hauptspiel wirklich sehr gut gefallen, nachdem ich den ersten Teil zwar gut aber nicht überragend fand. Allerdings habe ich immer noch nicht den angedachten Chaos-Run mit Emily gespielt. Bisher bin ich nur mit Corvo in einem Low Chaos Ansatz durch das Spiel. Daher werde ich den Outsider noch etwas verschonen. Aber irgendwann ist er dran!

Green Yoshi 22 Motivator - P - 36344 - 19. September 2017 - 11:41 #

Kann man auch mit Teil 2 einsteigen? Der Vorgänger hat bei mir in den ersten Stunden nicht gezündet, besitz ihn auch bloß auf der Xbox 360.

Toxe (unregistriert) 19. September 2017 - 11:49 #

Ja sollte eigentlich kein Problem sein, auch wenn einem natürlich Anspielungen entgehen. Ausserdem gibt es zu Beginn von Teil 2 eine Zusammenfassung der Handlung vom ersten Teil.

Insider (unregistriert) 19. September 2017 - 11:44 #

Bin total unschlüssig.

Ich liebe die Spielwelt und das Gameplay von Dishonored, insbesondere auch des zweiten Teiles. Die inhaltlichen Aspekte (also Story und Charaktere) empfand ich aber in beiden Teilen eher als Beiwerk bzw. Alibi um mich anhand eines roten Fadens durch die Levels zu führen. Und weil mich Story und Charaktere nicht sonderlich interessieren, habe ich auch darauf verzichtet, die DLCs zum ersten Teil zu spielen, so dass ich mit Daud und Billie Lurk absolut nichts anfangen kann.

Und nun ist da ein Addon bzw. eine Standalone-Erweiterung, die mehr Dishonored-Spielwelt- und Gameplay bietet (und das anscheinend vom feinsten), andererseits aber inhaltlich etwas aufgreift und fortsetzt, womit ich überhaupt nichts anfangen kann.

Frage ist also, lohnt sich die Erweiterung (zumal zum Vollpreis), wenn man mit den Figuren kaum vertraut ist und einem die erzählte Geschichte auch nicht sonderlich interessiert?

Peter Verdi 17 Shapeshifter - - 8357 - 19. September 2017 - 19:26 #

Die Story-DLCs "Knife of Dunwall" und "Brigmore Witches" sind wirklich sehr gut - unbedingt nachholen! Und "Death of the Outsider" kostet knapp 30 Euro. Ich weiß nicht, auf welcher Plattform du spielst, aber im Konsolenbereich ist das definitiv kein Vollpreis.

crux 17 Shapeshifter - P - 8901 - 20. September 2017 - 1:13 #

Kann mich der Meinung von Sermon nur anschliessen: wenn du ueber den Tod des Outsiders nachdenkst, solltest du wirklich zuerst Knife of Dunwall und Brigmore Witches spielen: die sind naemlich wirklich klasse und auch erzaehlerisch besser als beide Hauptspiele.

Goremageddon 16 Übertalent - 4045 - 19. September 2017 - 11:44 #

Der selbst konfigurierbare Schwierigkeitsgrad klingt super. Was mich bei Dishonored nämlich sehr gestört hat war das man quasi im direkten Walkthrough zum Ende kam ohne je auch nur geringste Schwierigkeiten zu bekommen. Ansonsten fand ich den Titel wirklich toll gemacht aber ein oder 2 mal sterben darf ich in so einem Titel durchaus mal. Bin gespannt.

Toxe (unregistriert) 19. September 2017 - 11:49 #

Werde ich sicher irgendwann spielen.

TheRaffer 23 Langzeituser - P - 40459 - 19. September 2017 - 18:14 #

Dem schließe ich mich an. Aber erstmal die Erweiterungen zu 1, dann Teil 2 und dann das hier. Immer schön der Reihe nach, nicht drängeln, jeder kommt dran... :)

gamalala2017 (unregistriert) 19. September 2017 - 12:58 #

Der Outsider erinnert mich ein wenig an einen Teufel. Allerdings empfand ich Ghost Rider als Held viel cooler/trashiger wie er dazu kam (obligatorisch) dem Bösen den garaus zu machen.

Oh.

Habe mich ein wenig im Genre und Titel verirrt. ;)

Btw. Wenn ich schon dabei bin: Die Ghost Rider Filme sind nicht Mal sooo schlecht, aber transportieren die gewichtigen Phil. Dialoge nur wenig von der Comic-Welt in die Film-Welt. In der Games-Welt hat Ghost Rider hingegen tiefer gehende Dialoge spendiert bekommen (z.B. Marvel vs. Capcom - Infinite).

euph 30 Pro-Gamer - P - 130387 - 19. September 2017 - 13:00 #

Eure Meinungen klingen gut, auch dieser Teil der Serie wird bestimmt bald in meinem Laufwerk rotieren.

crux 17 Shapeshifter - P - 8901 - 19. September 2017 - 13:03 #

Ich bin gestern bis zur letzten Mission gekommen und kann es nur weiterempfehlen an alle, die die bisherigen Dishonored-Spiele moegen.

Was die Schwierigkeit angeht: man muss in der Lage sein, sich die Ziele selbst zu setzen statt einfach nur von Punkt A nach Punkt B zu laufen. Die Missionen selbst waren nie mehr als nur ein Rahmen. Fuer mich liegt der Reiz darin, moeglichst viel zu erkunden, ungesehen durch den Level zu kommen und (zumindest im ersten Durchlauf) niemanden zu toeten. Alternativ kann man es als Forschungsprojekt sehen, in dem man die brutalstmoeglichen Einsatzmoeglichkeiten der eigenen Faehigkeiten und Gadgets herausfindet. Wer daran Freude finden kann und nicht nur die Levels ablaufen will, wird mit DotO eine Menge Spass haben.

bsinned 17 Shapeshifter - 8200 - 19. September 2017 - 18:33 #

Die Welt von Dishonored ist wirklich höchst interessant, aber leider bisher noch nicht mit einer wirklich spannenden Erzählung gefüllt worden.
Ich hab mich wirklich bemüht und in Dishonored 2 wirklich jeden Winkel durchsucht und jeden Fetzen Papier gelesen, aber die Hauptstory, die Motivation meines Protagonisten fand ich einfach öde und beliebig hingerotzt. Da half auch das tolle Leveldesign irgendwann nicht mehr.
Beim Addon/DLC passe ich also.

Peter Verdi 17 Shapeshifter - - 8357 - 19. September 2017 - 19:17 #

Also bei mir ergibt sich die Spannung bei Dishonored meist aus der Mission heraus und gar nicht so sehr aus der Hauptstory selbst. Der Reiz für mich sind, ähnlich wie in der Thief-Reihe, die Missionen und gar nicht so sehr die Hauptstory als solches, weshalb für mich die relativ geradlinige und schnörkellose Story vollkommen ausreichend ist.

euph 30 Pro-Gamer - P - 130387 - 19. September 2017 - 19:16 #

Die Story an sich fand ich jetzt auch nicht spannender, als in anderen Spielen. Aber dafür spiele ich solche Spiele auch nicht.

bsinned 17 Shapeshifter - 8200 - 20. September 2017 - 7:28 #

Nun, wenn es nicht ausgerechnet XCom oder NBA 2k ist, hat die Story in Spielen bei mir mehr Gewicht als jede Mechanik und gerade weil Dishonored alle Grundsätze hat, eine tolle Story zu bieten, war ich am Ende ein wenig enttäuscht (wie vom letzten Deus Ex übrigens auch).