Test: Saubere Sache

Dirt 3 Test

Zwei Gänge hoch, einer runter: Mit Dirt 3 versucht Codemasters einen Spagat aus moderner Offroad-Simulation und Wiederbelebung alter Colin-McRae-Zeiten. Herausgekommen ist ein absolut gesehen erstklassiges Rennspiel. Doch kann es seinen eigenen Vorgänger distanzieren? Wir sind den Rennspiel-Boliden für euch seit Tagen testgefahren.
Mikkl Orth 24. Mai 2011 - 18:41 — vor 9 Jahren aktualisiert
Dirt 3 ab 54,99 € bei Green Man Gaming kaufen.
Dirt 3 ab 34,90 € bei Amazon.de kaufen.
Alle Screenshots im Artikel wurden von uns erstellt.

„Mehr Rallye!“ So lautete das fast einhellige Feedback der Kundschaft auf die beiden bisher erschienenen Dirt-Teile. Ein Wunsch, dem Codemasters gerne nachkam: War die klassische Motorsportdisziplin noch in Dirt 2 nur ein Modus unter vielen, so geht es jetzt in gut der Hälfte aller Events auf die beliebte Zeitenhatz. Da erscheint es fast schon paradox, dass Codemasters bei seinem insgesamt achten Rallyespiel erstmals auf das Colin McRae im Titel komplett verzichtet. Offensichtlich ist der Ruhm des 2007 tragisch bei einem Hubschrauberabsturz verstorbenen Ex-Weltmeisters (und ehemaligen Serien-Zugpferds) mittlerweile stark verblasst.

Rally is back!Die wiederentdeckte Liebe zum echten Rallyesport wurde allerdings nicht in letzter Konsequenz umgesetzt: Mehr als einzelne Etappen (manchmal auch zwei oder drei hintereinander) ist nicht. Nach einer kompletten Rallye oder gar richtigen Meisterschaft, wie in den alten Colin-Teilen, sucht man auch in Dirt 3 vergebens, was die Freude am Revival etwas schmälert. Dafür stieg auch der Rallye-Cross-Anteil – quasi Rallye auf Rundkursen im Kampf gegen andere Autos – etwas. Die richtigen Offroad-Modi wie Trailblazer und Landrush (nicht aber Raid) sind zwar noch vorhanden, kommen aber nun seltener zum Zuge. Völlig aus dem Programm flogen hingegen die Spezialmodi von Dirt 2, nämlich Gate Crusher, Domination und Last Man Standing. Ein durchaus schmerzlicher Verlust, wie wir finden.
 
Mehr als ein Ausgleich dafür soll das komplett neue „Gymkhana“ sein. Das lässt sich als Mischung aus coolem Trendsport (obwohl bereits in den 60er Jahren erfunden) und simplen Hindernisparcours umschreiben. Hier wird motorisiert gesprungen und gedriftet, was das Zeug hält. Besonders viel Punkte gibt es, wenn ihr die Tricks erstens perfekt, zweitens schnell hintereinander und drittens möglichst abwechslungsreich gestaltet. Gymkhana dürfte bei vielen Käufern unter „Geschmackssache“ fallen. Einerseits wirkt die Pirouettendreherei aufgrund der etwas beschränkten Fahrphysik zumindest anfangs recht hölzern. Gleichzeitig lohnt es sich, hier etwas Zeit zum Üben reinzustecken – wie bei kaum einer anderen Disziplin machen sich hier Fortschritte schnell bemerkbar.
before
after
Rechts die PS3-Fassung: Obwohl diese beim Runterskalieren von 720p weniger Details verliert als das PC-Bild (von 1080p), wirkt sie verwaschener.
Kurzarbeiter
Als Belohnung für gewonnene Meisterschaften spendiert Dirt 3 euch ein riesiges Gymkhana-Areal zum Austoben.
Etwas zweifelhaft erscheint uns die Entscheidung von Codemasters, Gymkhana-Events teilweise zum Pflichtprogramm innerhalb der Karriereleiter zu küren. Das sorgt zwar für mehr Abwechslung, dürfte aber bei denjenigen für vermehrte Frustmomente sorgen, die sich Dirt 3 vor allem wegen der verstärkten Rallye-Präsenz zugelegt haben. Und noch weiter nach unten gehen dann die Mundwinkel bei einer erfolgreich abgeschlossenen Meisterschaft. Als Belohnung winkt ein… richtig, Gymkhana-Park, in dem man üben oder eine von zahlreichen kleinen Mini-Missionen (etwa „durchbreche den Zaun und lege damit ein weiteres Gebiet frei“) angehen darf. Mit jeder zusätzlichen durchgespielten Saison kommen weitere Aufgaben-Pakete hinzu.
 
Apropos Meisterschaften: An der Kampagne – oder auch einfach „Dirt-Tour“ genannt – haben die Engländer ebenfalls ordentlich Hand angelegt. Und dürften damit wiederum für einige Diskussionen sorgen. Wir erinnern uns: Dirt 2 war als umfassende Welttournee angelegt: Mit (durch gute Platzierungen gesammelten) Erfahrungspunkten bekamen wir nach und nach Zugang zu verschiedenen Austragungsorten. Dort wiederum öffneten sich immer mehr einzelne Events. Dieses System täuschte eine gewisse Linearität vor. Doch zusätzliche Veranstaltungen kamen – ordentliche Platzierungen vorausgesetzt – schneller hinzu, als man sie abarbeiten konnte. Nach einigen Spielstunden hatte man quasi eine fast freie Auswahl an Lokalitäten und Spielmodi. Dazu kam ein gewaltiger Umfang: Weit über 200 Events galt es zu bestreiten, bis die komplette Dirt-Tour als erledigt betrachtet werden durfte. Während für viele dieses Kampagnen-Konzept zu den Sahnestückchen von Dirt 2 z
Anzeige
ählte, war es für genau so viele andere zu wenig geschliffen, zu langatmig und eintönig. Was auch an der doch recht geringen Streckenanzahl lag, weshalb man wieder und immer wieder die gleichen Pisten zu Gesicht bekam.
 
Das Kampagnensystem präsentiert sich nun runderneuert und vor allem deutlich gestrafft. Der Umfang beträgt noch nicht mal mehr die Hälfte des Vorgängers, dazu fällt die Sortierung nach Ländern weg. Das erinnert an frühere Colin-Zeiten, zumal es nur noch relativ schlichte Menüs statt eines interaktiven 3D-Fahrerlagers gibt. Vier Hauptmeisterschaften unterteilen sich in wiederum jeweils vier Trophys. Diese bestehen meist aus drei einzelnen Veranstaltungen, dazu kommen ein Spezialwettbewerb sowie ein Finale, das man sich erst freispielen muss. Insgesamt sind es 98 einzelne Events, was im Vergleich zu Dirt 2 doch etwas mickrig wirkt. Absolut gesehen aber ist das eine Zahl, die in Ordnung geht, zumal jede Piste auch nur einmal befahren wird. Leider ist die Zahl etwas gemogelt: Die Kurse eines Landes verwenden die praktisch immer gleichen Abschnitte und Versatzstücke, nur halt jeweils neu angeordnet und variiert.
Die 6 Spielmodi

Die folgenden sechs Bilder zeigen euch die Haupt-Spielmodi von Dirt. Zusammen mit den diversen Fahrzeugen, Strecken und Kameraperspektiven wird schnell ersichtlich, wie abwechslungsreich Codemasters neuester Streich trotz des nicht gerade überbordenden Strecken-Umfangs geraten ist.  1 Die klassischen Rallye-Etappen nehmen nun einen breiteren Raum ein. Hier heizen wir mit der 60er-Ikone Alpine A110 in der Motorhauben-Ansicht durch das tief verschneite Norwegen.  2 Rallyecross ist den klassischen Rallyes am ähnlichsten, findet allerdings auf Rundkursen im Kampf Mann gegen Mann statt. Hier brettern wir über das verschlammte „Smelter“-Areal. Zum Glück geht der Scheibenwischer automatisch an!  3 Der Landrush-Modus ähnelt in Dirt 3 stärker als bisher dem Rallyecross. Allerdings bestreitet ihr ihn mit Pickups oder Buggys, die ein besonderes Feingefühl von euch verlangen.  4 Trailblazer ist neben Rallye die zweite Disziplin, bei der wir von A nach B rasen. In diesem Fall liegen A und B im verschlafenen Michigan, der skurrile Untersatz ist ein bis zur Unkenntlichkeit getunter Suzuki SX4 . 5 Hier versuchen wir uns im Gymkhana-Modus mehr oder weniger erfolgreich an einem schönen Donut. Wer das punktgenaue Driften um Hindernisse nicht mag, muss die Zähne zusammenbeißen: Diese Disziplin gehört in Dirt 3 zum Pflichtprogramm.  6 Die von Veranstaltungen wie dem „Race of Champions“ bekannten Head-to-Head-Duelle sind zwar keine wirklich neue Erfindung, werden im dritten Teil aber erstmals regelmäßig eingesetzt.
 

Thumbnail 1 Thumbnail 2 Thumbnail 3 Thumbnail 4 Thumbnail 5 Thumbnail 6
Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 32 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.