Lädiert-glänzendes Sternenjuwel

Diablo 3 Test

Diablo 3 zu testen ist so ziemlich das Undankbarste für einen Spieleredakteur: Kein Vorab-Reviewmuster, fünf Klassen mit rund 20 Stunden Spielzeit pro Durchgang, starke Balance-Änderungen im 2. Durchlauf, Zufallselemente für alles und jedes. Vor allem aber haben Fans und Hater ihre Meinung bereits vor Monaten gefasst. Na dann mal los!
Jörg Langer 18. Mai 2012 - 17:48 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Die Diablo-Serie ist zeitlich etwas eigenwillig mit dem echten Universum verknüpft: Im Jahre 1263, fast 300 Jahre nach Verbannung der "Großen Übel" Diablo, Mephisto und Baal nach Sanktuario, betrat ein einsamer Held Tristram, der unter der alten Kathedrale nacheinander den Schlächter, Erzbischof Lazarus, Skelettkönig Leoric und schließlich Diablo besiegte. In der echten Welt war es 1996, als Diablo 1 erschien. Im Jahre 1264 ging es Andariel, Duriel, Mephisto und schließlich dem Helden aus Teil 1 an den Kragen, dem Dunklen Wanderer, der Diablo in sich aufgenommen hatte. Die Echtwelt befand sich bei Release von Diablo 2 im Jahr 2000. Das 2001 erschienene Addon Lord of Destruction brachte Baal als Ober-Obermotz (und außerdem gigantische 800x600 Pixel Bildschirmauflösung), spielte aber ingame im Jahre 1265. Ein Jahr auf Sanktuario entsprach also abwechselnd vier Jahren oder einem in der echten Welt.
Statt aber nun für Diablo 3 mit einem Ingame-Jahr "1266" das zum höllischen Thema passende Datum zu wählen und Mathematikfans eine logarithmische Vorausberechnungsformel für den Release von Diablo 4 zu liefern, entschied sich Blizzard, im Spiel gleich 20 Jahre verstreichen zu lassen (1284). Und in der echten Welt sind immerhin zwölf Jahre seit dem letzten Hauptprogramm vergangen, als ein "Stern" auf die alte Kathedrale von Tristram knallt.
 
Ein Wort zur Story
Was uns die Vorgeschichte ebenfalls lehrt: Der Endgegner ist für Diablo 3 bereits gesetzt, aber wen zur Hölle soll man für die ersten drei der traditionell vier Akte als Fürsten der Finsternis heranziehen? Na, zum Glück gibt es ja noch vier Niedere Übel. Andariel und Duriel fielen uns schon in Teil 2 zum Opfer, bleiben noch Belial (Dämon der Lügen) und Azmodan (Dämon der Sünde). Außerdem gibt es diverse Zwischenbosse inklusive mehrerer Wiedersehen mit bösen alten Bekannten. Und so erscheinen wir abermals vor einem kleinen Örtchen namens Tristram, und auch wenn es diesmal Neu-Tristram ist: Die Gitarrenriffs klingen bekannt, und bis zur Kathedrale ist's nicht weit...
 
Ausgangspunkt der in vier Akte eingeteilten Handlung, an deren Ende ihr nichts Geringeres leistet als die gesamte Welt (Sanktuarium genannt) zu retten und die Vernichtung der Engel zu verhindern, ist jeweils eine Siedlung. Hier seid ihr meist vor Angriffen sicher, findet Händler und einige Spezialisten (Schmied, Heiler, ...) sowie Questgeber vor, dazu KI-Kameraden, die euch begleiten. Zudem steht hier eine Truhe, die eine Besonderheit hat: In ihr dürft ihr dauerhaft Items lagern, auf die auch andere eurer Charaktere in derselben Serverregion Zugriff haben.
 
Seit dem Meteoriteneinschlag, der sich als etwas klein wenig anderes entpuppt, ist Tristram nicht mehr sicher: Überall erheben sich die Untoten und sonstigen garstigen Monster, viele Dorfbewohner werden verschleppt und getötet. So beginnt ihr eure Geschichte, die euch via 31 Quests, zahlreiche optionale "Gespräche", mehrere Cutscenes und fünf sehr aufwändige Rendervideos präsentiert wird. Von den düsteren Gefilden rund um Tristram (Westmarch, Aranoch) geht es in die Wüstengebiete rund um die Kaiserstadt Caldeum in Kehjistan, bevor ihr in den Nordwesten von Khanduras reist, wo "die Bastion" über den uralten Arreat-Krater wacht, der schon im Addon Lord of Destruction eine wichtige Rolle spielte. Danach geht es sozusagen in Himmel und Hölle. Auf euren Reisen trefft ihr schnell den alten Deckard Cain (der euch schon in Diablo 1 begrüßte) und die junge Leah, die in den Cutscenes oft die Haupthandlungsträgerin ist. Zeitweilig seid ihr mit bis zu drei Begleitern unterwegs, die ihr auch ansprechen könnt, um einige Dialogzeilen zu hören. Starten wir also mit diesem Hintergrundwissen eine Partie...

Fast wie früher: Neu-Tristram, Deckard Cain, einige Händler – doch diese Idylle trügt natürlich.
So spielt sich Diablo 3
Das Amt für einsteigerkompatible Testberichte hat mit der Schließung der GamersGlobal-Redaktion gedroht, wenn wir nicht folgende Zeilen schreiben. Ihr verkörpert in Diablo 3 einen Helden, der durch unermüdliches Monsterplätten und Aufgabenlösen (sowie durch Bonusaktionen wie "viele Gegner auf einmal plätten" oder auch "viele Objekte in kurzer Zeit zerstören") Erfahrungspunkte verdient. Mit denen steigt er stetig im Level auf, was ihn immer stärker macht und ihm die Verwendung besserer Ausrüstung erlaubt, sodass er gegen die Gegner der folgenden Regionen bestehen kann, die wiederum bessere Items bei sich tragen.
 
Wie bei den zeichensatzbasierten Rogue-Derivaten der 80er, von denen Blizzard das Spielprinzip geklaut hat, werden die oft zwei- oder dreistufigen Dungeons komplett erwürfelt, auch wenn man ihnen das dank der sehr schicken, detailreichen Grafik nicht wirklich ansieht. Auf welche Gegner welcher Zahl, Schwierigkeit und Bewaffnung ihr trefft, ist im Rahmen bestimmter Vorgaben ebenso zufällig wie die Items, die sie übrig lassen, also Waffen, Helme, Ringe und so weiter. Die komplette Bedienung des Spiels erfolgt über einige wenige Tasten sowie die Maus. Durch die ständige Spirale aus Kämpfen, Items einsammeln, Held etwas besser ausrüsten und im Level steigen entsteht bei vielen Konsumenten ein soghaftes Spielgefühl, dass sie dankbar macht für die oben rechts befindliche Uhr.

Drei Wahrheiten über Diablo 3
Zunächst entscheidet ihr euch (via Optionen) für eine von drei Server-Regionen, Europa, Asien oder Nord-/Südamerika. Doch Vorsicht: Eure Charaktere sind dann an diese Region gebunden, und auch das Auktionshaus ist regionsspezifisch. Niemand hindert euch allerdings daran, in allen drei Regionen mit jeweils eigenen Helden zu spielen. Dabei darf man dann vielleicht die Asien-Server als "Pro"-Liga betrachten nach dem völlig vorurteilsfreien Motto "Die sind Grinden ja gewohnt." Denn das ist die erste Wahrheit über Diablo 3: Wenn ihr erst mal mit der Story durch seid, was ohne "Ich renne an allem Optionalen vorbei"-Allüren etwa 20 Stunden dauert, geht es eigentlich nur noch ums Item-Sammeln, -Tauschen und -Craften. Und das bedeutet eben Zehn- oder gar Hunderttausende von Gegnern zu killen.
 
Die zweite Wahrheit über Diablo 3: Das Grinden kann riesigen Spaß machen, wenn ihr es überwiegend mit Freunden zusammen erlebt. Obwohl die Gegner schwieriger werden, ist es durch gegenseitiges Wiederbeleben tendenziell einfacher, als Viererteam die höheren Schwierigkeitsgrade zu durchspielen. Allerdings nur, wenn man taktisch zusammenarbeitet, was eine wesentliche Quelle des Spaßes ist. Noch wichtiger für den Grind-Spaß ist jedoch das beinahe perfekte "gelenkter Zufall"-System, das hinter so gut wie allem in Diablo 3 steckt: In den Oberwelt-Karten werden zwar nicht die Level-Architektur und die generellen Gegnertypen ausgewürfelt, aber so ziemlich alles andere, also welche Dungeons ihr wo findet, welche Spezial-Events es gibt, wo Schätze warten und wo besonders schwere Gegner. Und in den Dungeons wird zusätzlich auch noch die Architektur erwürfelt, sodass kein Spieldurchlauf dem anderen gleicht. Dazu kommen noch die quasi sekündlichen Item-Drops, bei denen immer die Hoffnung im Spieler pocht, einen zum Heldentyp passenden tollen Gegenstand zu ergattern. Kurzum: Diablo 3 ist von Kopf bis Fuß auf Grinden ausgelegt. Denn ohne Hunderte wenn nicht Tausende von Stunden Spielzeit wird man nicht zu den höchststufigen Items gelangen, und ohne diese wird man es nicht schaffen, Diablo auf "Inferno" zu erreichen und zu knacken – dem ultimativen, sehr fernen Spielziel.
 
Die dritte Wahrheit über Diablo 3: Es ist kein tolles Solospiel. Erstens müsst ihr immer mit dem Internet verbunden sein, weil alle Charaktere ausschließlich auf den Blizzard-Servern gespeichert werden. Blizzard nennt das "Service" und "Cheat-Schutz", meint damit aber "Kunden-Fesselung" und "Kopierschutz" – es wäre problemlos möglich, einen reinen Offline-Modus anzubieten, dessen Charaktere und Items eben nie online gehen dürften. Zweitens ist das Spiel voll und auch sehr gut auf Multiplayer ausgelegt, beispielsweise könnt ihr jederzeit in Partien von
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Freunden springen oder eure bestehende (Solo-) Partie für Wildfremde öffnen. Drittens macht Diablo 3 als Singleplayer-Spiel schlicht nicht dermaßen viel Spaß: Wer es tatsächlich vorrangig wegen der Story und des einmaligen Erlebens des Finales kauft (was angesichts der Spielzeit ein durchaus rationales Vorgehen ist), erhält ein zwar in der Präsentation und Detailliebe überwältigendes, spielerisch aber etwas enttäuschendes Erlebnis. Denn im normalen Schwierigkeitsgrad, den ihr zwingend spielen müsst, ist Diablo 3 zu leicht. Großartige Taktik in den Kämpfen ist nicht nötig. Und die Spielmechanik ähnelt einem "Freirubbel-Spiel": Ihr lauft mit eurem Charakter den aktuellen Level ab, bis die Minimap komplett aufgedeckt und entweder das Missionsziel erreicht oder die gesamte Monsterpopulation tot ist – oder beides. Dann geht das Gleiche mit etwas anderen Parametern und Grafiken wieder von vorn los. Natürlich, auch beim Solospielen greifen die Steigerungs- und Grind-Motivationsmechanismen. Aber vielen Solospielern dürfte das auf Dauer zu eintönig sein: Zwei unserer vier Tester verspürten bereits beim allerersten (Solo-) Durchgang ab Akt 3 gepflegte Langeweile.
Der Zauberer
Die große Stärke des Zauberers (wie alle Charaktere auch in einer weiblichen Grafik- und Stimmversion spielbar) sind die Flächenzauber sowie die Fähigkeit, sehr viel Schaden über einen kurzen Zeitraum auszuteilen. Im Gegenzug schwächelt er allerdings mit relativ niedriger Lebensenergie und miesen Verteidigungswerten. Kämpfe sind daher im Einzelspieler häufig mit einigem Weglaufen verbunden, wenn sich ein Klumpen starker Gegner gefährlich nähert. Sehr hilfreich ist für ihn die Shift-Taste, um sicher aus der Ferne die Gegner zu beschießen – ohne Gefahr zu laufen mit einem Fehlklick inmitten der Gegnerhorden zu landen. Seine aktiven Sprüche teilen sich grob in die bereits genannten Flächen und Schadenszauber sowie einige defensive Fertigkeiten wie Teleport oder Rundum-Einfrieren auf. Mit letzteren kann sich der Zauberer aus brenzligen Situationen befreien. Die meisten der Sprüche kosten (von allein regenerierende) Arkankraft, für die es allerdings keine Tränke mehr gibt, wie noch in Diablo 1 und 2. Am häufigsten verwendet haben wir die Strahlenzauber (Frost und Desintegration), und außerdem diejenigen defensiven Fertigkeiten, die nur eine Abklingzeit haben und keine Arkankraft kosten. 

Screenshots: 1 Unser Zauberer auf Stufe 31 hat bereits viel Gold gehortet.  2 Blitzzauber aus sicherer Höhe.  3 Per Frostring schockfrieren wir in letzter Not die angreifenden Bestien.   4 Unser Kettenblitz elektrifiziert gleich mehrere Blutclan-Krieger.  5 Die Schockwelle hält uns die letzten "Zurückgekehrten" vom Leib.  6 Im Multiplayer-Modus weiß man dank "doppeltem Laserstrahl" des Zauberers immer, von wo aus er Feuerunterstützung bietet.
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