Test: Plattformer? Schattformer!

Der Schattenläufer Test

Im Herbst 2010 können wir uns vor hochkarätigen Neuerscheinungen kaum retten. Und als wäre das nicht genug, kommt immer mal wieder ein Geheimtipp des Weges, den vorher niemand auf dem Schirm hatte. So ein Spiel ist "Der Schattenläufer und die Rätsel des dunklen Turms": Nicht eure Figur ist das Entscheidende, sondern ihr Schatten.
Philipp Spilker 24. Oktober 2010 - 18:17 — vor 9 Jahren aktualisiert
Wii
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Erfreulicherweise ist das auf den Titel Der Schattenläufer und die Rätsel des dunklen Turms hörende Spiel bei weitem nicht so langweilig oder langatmig wie seine Bezeichnung. Vielmehr bricht der Wii-Plattformer mit einer seit langer Zeit etablierten Konvention seines Genres, hat einen gelungenen minimalistischen Grafikstil sowie einfallsreiche Rätsel im Gepäck und ist unserer Meinung nach ein klarer Geheimtipp für die anstehende, kalte Jahreszeit.

In einer Märchenwelt steht ein riesiger Turm, der seinen Schatten aufs Land wirft. Bis zur Spitze dieses Turms muss der Schatten eines Jungen gelangen, um wieder eins mit seinem Besitzer zu werden. Also schlüpft ihr nicht wie bei so vielen anderen Plattformern in die Haut einer Person (hier wäre das dann der auf dem Turm gefangene Junge), sondern seid als der Schatten unterwegs -- und müsst als solcher ziemlich umdenken, wie ihr die vielen Hindernisse des dunklen Turms überwindet.

Die Inszenierung von Der Schattenläufer wirkt auch aufgrund teils ungewöhnlicher Perspektiven sehr gekonnt.

Ein Schatten eurer selbst

Von diesem Schattenmonster werdet ihr ab und an verfolgt. Ihr könnt nur eines tun: Rennen. Schnell rennen!
Ein ganz klein wenig erinnert das Spielprinzip an den PSP-Titel Echochrome, bei dem man durch Drehen der Perspektive Hindernisse optisch verbergen muss -- weil sie so auch in der Spielwelt verschwinden. Beim Schattenläufer verhält es sich entfernt ähnlich. Nehmen wir mal an, vor euch befindet sich ein zu überwindender Abgrund, und in Sprungweite lächelt euch ein klar sichtbarer und für euch gut erreichbarer Felsvorsprung an -- dann ist das zwar schön, aber es nützt euch als Schatten herzlich wenig. Denn der Felsvorsprung ist für euch nicht erreichbar, bietet keinen Halt. Sollte besagter Vorsprung jedoch einen Schatten auf den Hintergrund der Bildschirmgrafik werfen, dann wäre das eure Rettung. Auf Schatten nämlich könnt ihr sicher stehen und euch bewegen.

Dieses Prinzip hat zur Folge, dass ihr eure Augen beim Spielen von Der Schattenläufer zunächst mal darauf trainieren müsst, die Spielwelt aus einem anderen Blickwinkel als bei Plattformern üblich zu betrachten. Diese Eingewöhnungszeit für euer Gehirn und eure normalen Gewohnheiten lohnt sich aber auf jeden Fall, denn das Spiel wird euch dafür mit einigen Aha-Momenten belohnen.

Um die Ecke denken

Zwei Beispiele: In einem der ersten Abschnitte des Spiels standen wir ratlos vor einem unüberwindbar scheinenden Abgrund. Als wir schon den Weg zurück antreten wollten, sahen wir plötzlich aus dem letzten Augenwinkel einen winzigen Schatten am untersten Ende des Bildschirms. Was wir übersehen hatten: Über uns hing ein Stahlträger, der sich jedoch außerhalb unserer Reichweite befand und den wir dementsprechend ignorierten. Doch eben dieser Träger hinterließ durch günstigen Lichteinfall einen schwachen, aber für uns dennoch sehr nützlichen Schatten mitten im vor uns liegenden Abgrund. Nach einem gewagten Sprung in das, was in anderen Plattformern der Tod gewesen wäre, konnten wir weiterziehen.

Beispiel 2: In einem späteren Abschnitt führte uns das Spiel regelrecht an der Nase herum. Vor uns hingen mehrere rotierende, messerscharfe Rotoren von der Decke, mit denen wir auf unserem Weg keinesfalls in Kontakt kommen wollten. Glücklicherweise fanden wir eine Möglichkeit, unter ihnen sehr vorsichtig und langsam hindurch zu kriechen -- bis wir, am anderen Ende angekommen, merkten, dass unsere ganze Vorsicht und die mühsame Kriechpartie völlig umsonst gewesen waren. Denn der Schatten der Rotoren befand sich durch Beleuchtung von unten her viele Meter über uns an der Decke. Wir hätten getrost durch die Rotoren springen können, uns wäre keine einzige Schramme hinzugefügt worden.

In einem normalen Plattformer wärt ihr hier ziemlich aufgeschmissen. Doch zum Glück werfen Metallstreben und Rohre der kargen Umgebung, in der ihr euch befindet, lange Schatten und ebnen euch somit euren weiteren Weg.
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