Test: Zurück nach Mittelerde

Der Herr der Ringe – Der Krieg im Norden Test

Woran denkt ihr wenn es um ein Spiel im Tolkien-Universum geht? An ein Strategiespiel? Oder doch an eine actiongeladene Umsetzung der Filme? Der Herr der Ringe – Der Krieg im Norden ist weder das eine, noch das andere, dafür aber eines der besseren Herr-der-Ringe-Spiele der vergangenen Jahre.
Jonas Schramm 7. November 2011 - 13:43 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots im Artikel stammen von uns.

In den letzten Jahren scheint sich J.R.R. Tolkiens Herr-der-Ringe-Serie eine kleine Auszeit gegönnt zu haben. Keine Frage: Der Hype, den die Filme Anfang der 2000er Jahre auslösten, ist etwas verflogen. Erst der für nächstes Jahr geplante erste Teil der Hobbit-Verfilmung dürfte die Massenmarkt-Begeisterung wieder entfachen. Das ist vielleicht nicht die schlechteste Zeit, um ein neues Herr-der-Ringe-Spiel zu bringen, denn die echten Fans sind ja nicht plötzlich verschwunden. Warner Bros. nutzt die Gunst der Stunde mit Herr der Ringe - Der Krieg im Norden. Entwickler Snowblind war schon für die (nicht gerade überwältigenden) Rollenspiel-Interpretationen Champions of Norrath und Baldur's Gate - Dark Alliance verantwortlich, beide für PS2.
Des Ringkriegs unbekannte Front Der Krieg im Norden basiert auf Ereignissen, die in Tolkiens Büchern nur am Rande erwähnt werden. Die Handlung findet parallel zu den Abenteuern von Frodo, Legolas, Aragorn und so weiter statt, die spielbaren Protagonisten heißen Farin, Eradan und Andriel. Während Frodo sich nämlich auf seiner Reise immer weiter gen Süden und Osten bewegt, bleibt die Zeit im Norden von Mittelerde nicht stehen. Saurons rechte Hand heißt Agandaùr, kann aber als Mensch schlecht, wie die neun Ringgeister, nach dem Einen Ring suchen: Womöglich würde er ihm verfallen und seinen Meister beerben. Deshalb schickt Sauron ihn in den Norden, um sich dort Städte und Provinzen unter den Nagel zu reißen. Natürlich geben die Völker des Nordens, Menschen, Elben und Zwerge, ihre Gebiete nicht kampflos auf. Hier kommen dann auch die drei Helden ins Spiel. Sie erhalten von Gandalf höchstpersönlich den Auftrag, Agandaùr und seine Horden zu vertreiben. 
Fans erwartet ein Wiedersehen mit bekannten (jeweils dem FIlm nachempfundenen) Charakteren. Hier: Elbenfürst Elrond.
Fans von Mittelerde werden immer wieder Rückbezüge auf die Erlebnisse Frodos und seiner Gefährten bemerken. So findet ihr euch beispielsweise gleich zu Beginn im Gasthof zum Tänzelnden Pony in der Stadt Bree wieder, ein paar Tage, bevor der berühmte Hobbit dort eintrifft. Außerdem begegnet ihr auf eurer Reise immer wieder bekannten Persönlichkeiten aus den Filmen, etwa Aragorn, Elrond und eben Gandalf.
Aber auch viele Schauplätze dürften Fans bekannt sein. Ihr erklimmt nicht nur den schneebedeckten Gundabadberg oder durchstreift die Wälder Bruchtals, auch Nordinbad, die Festung der Zwerge, will erkundet werden. Diese Orte sind sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt, auch wenn ihr darin nicht viel mehr tun könnt als kämpfen, reden und die eine oder andere Kiste zerstören. Frei erkunden könnt ihr die Spielwelt nicht, vielmehr springt ihr von einem Ort zum nächsten (könnt aber schon bekannte erneut besuchen). Leider fällt auch recht schnell auf, wie klein vor allem die Ortschaften ausgefallen sind. Nun ist beispielsweise Bree keine ausgewachsene Stadt. Dennoch könnte sie aus etwas mehr bestehen als aus nur einer Straße vor dem Gasthaus...
 
Mithilfe eines Schnellreisesystems springt ihr von Ort zu Ort. Hier seht ihr etwa ein Drittel der 20 Schauplätze.
Gemischtes TrioTrotz des martialischen Titels versprüht Herr der Ringe - Der Krieg im Norden nicht das epische Gefühl, das Millionen von Fans an den Büchern und Peter Jacksons Filmumsetzungen so schätzen. Von der Erzählweise her kommt uns die Geschichte eher wie eine Nebensächlichkeit zu den span
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nenden Ereignissen der Hauptstory vor. Klar sagt uns Gandalf, dass unsere Mission bedeutsam sei, aber vergleichbar mit der aufopferungsvollen Reise der Gefährten im Süden Mittelerdes steht sie hintan. Riesige Schlachten sucht ihr zudem vergeblich, eure drei Protagonisten kämpfen immer allein gegen die Orks und sonstigen Widersacher. Immerhin rennen diese in recht beachtlicher Zahl gegen euch an, aber das ist man ja nicht anders aus den Filmen gewohnt. Krieg im Norden entfaltet seine Faszination vor allem zu zweit oder dritt: Ihr könnt per Splitscreen, LAN oder Internet spielen. Doch auch solo macht die Sache Spaß. Die dann computergesteuerten Kollegen machen einen wirklich guten Job. Sie bleiben also nicht an der Geometrie des Levels hängen, wie in so vielen anderen Spielen, sie sterben auch nicht alle Naselang oder sträuben sich, euch aufzuhelfen. Vielmehr unterstützen sie euch kompetent im Kampf, indem sie nicht nur gut austeilen, sondern auch mal einen Heilzauber auf euch anwenden. Oder alles stehen und liegen lassen, wenn ihr zu Boden geht. Ihr könnt ihnen auch einen Angriffs- oder Verteidigungsbefehl erteilen. Diese Befehle ignorieren sie aber weitgehend. 
Die Landschaften des Spiels
Die Gebiete in Der Herr der Ringe - Der Krieg im Norden sind allesamt stimmungsvoll in Szene gesetzt. 1 Eure Reise beginnt in der kleinen, verregneten Ortschaft Bree, in der euch Aragorn über die aktuellen Geschehnisse aufklärt.  2 Wenig später besucht ihr dann die idyllisch gelegene Festung Fornost, die aber viel von ihrem alten Glanz eingebüßt hat. 3 Die Ettenöden bieten eine wunderbare Aussicht auf das Nebelgebirge, es wimmelt aber auch von Orks und Goblins.  4 Bruchtal ist eine der wenigen noch existierenden Ansiedlungen der Elben. Hier trefft ihr auch auf ein paar bekannte Charaktere wie Elrond und Bilbo Beutlin. 5 Der Düsterwald ist das ausgedehnteste Waldgebiet in Mittelerde. Es lauern viele Gefahren wie zum Beispiel Spinnen auf euch. 6 Zu guter Letzt macht ihr euch auch auf den  beschwerlichen Weg zur Spitze des Gundabad-Bergs.
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