Test: Überraschungshit für Wii

Dead Space Extraction Test

In den USA ist Dead Space Extraction ein kommerzieller Flop. Wir finden: zu Unrecht! In unserem Test legen wir dar, dass das Spiel nicht nur zu den grafisch schönsten auf der Wii gehört, sondern auch spielerisch und erzählterisch hochwertig ist. Es entstaubt zudem das in die Jahre gekommene Genre der Rail-Shooter ganz gehörig.
Philipp Spilker 6. November 2009 - 13:11 — vor 9 Jahren aktualisiert
Wii
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Ende 2008 lernten PC-, PS3- und Xbox-360-Besitzer in Dead Space die USG Ishimura kennen. Die Bewohner des riesigen Raumschiffs allerdings waren Gästen gegenüber nicht gerade freundlich gesinnt, und sonderlich menschlich sahen sie auch nicht aus. Gegen diese von einer bösen Macht aus Besatzungsmitgliedern geschaffenen Necromorphs half nur Waffengewalt, wobei sich das gezielte Abtrennen einzelner Körperteile als taktisch klug erwies. Nach Dead Space blieb jedoch eine Frage größtenteils offen: Wie war die plötzliche Alieninvasion des riesigen und hoch gesicherten Minenschiffs überhaupt zustande gekommen?

Was lässt aus freundlichen Menschen binnen Minuten mordlustige Berserker werden?
Diese Frage beantwortete der DVD-only-Animationsfilm Dead Space Downfall, und diese Frage beantwortet nun auch exklusiv auf der Wii Dead Space Extraction. Durch die Augen von vier Charakteren erlebt ihr die Bergung eines Artefakts auf dem Minenplaneten Aegis IV, die darauffolgenden unerklärlichen Morde verrückt gewordener Minenarbeiter sowie das Eintreffen der Necromorphs. Schließlich flüchtet ihr auf die USG Ishimura. Mehr wollen wir nicht verraten, denn die Story des Wii-Spiels ist außerordentlich gut gelungen und schlägt elegant den Bogen zum Next-Gen-Vorgänger. Durch den ständigen Wechsel der Perspektive werden wir kunstvoll verunsichert: Jederzeit kann für einen der Charaktere das letzte Stündchen schlagen. Dialoglastige Sequenzen sind dabei gut ins Spielgeschehen eingebettet und bremsen es nicht aus. Und auch für Dead-Space-Neulinge ist die Geschichte jederzeit verständlich. Ihr könnt euch also ohne Verständnishürden auf die Reise begeben. Der Wii-Abstecher ins Dead-Space-Universum ist ein hervorragendes Spiel und braucht sich vor dem großen Bruder in keiner Hinsicht zu verstecken.

Bestnote für die Inszenierung

Bei Dead Space Extraction handelt es sich um einen Vertreter der Rail-Shooter. Bitte nicht aufhören zu lesen! Denn von dem schnell ermüdenden, für das Genre typischen Schießbudencharakter eines Ghost Squad ist der Weltraumausflug weit entfernt. Vielmehr gelingt es dem Spiel, euch vorzugaukeln, wirklich Kontrolle über euren Charakter zu haben. Und das, obwohl ihr nicht einen seiner Schritte selber lenken könnt -- von seltenen Abzweigungen abgesehen, bei denen ihr euch für eine Laufrichtung entscheidet. Die Illusion ist geschickt: Rennt ihr vor Feinden davon, wackelt euer Kopf (sprich: die feste Kamera) im Laufschritt auf und ab. Zieht ihr euch für Ausflüge in den schwerkraftlosen Raum Anzüge über, seht ihr eure Umgebung durch das Visier des Helms. Werdet ihr von Gegnern überrascht und auf den Boden geschmissen, seid ihr für einige Sekunden orientierungslos und die Kamera taumelt wild umher. Wir können gar nicht genug betonen, wie sehr Dead Space Extraction von dieser Inszenierung profitiert.

Eine der ganz großen Stärken von Dead Space Extraction ist die Inszenierung. Auch während dialoglastiger Sequenzen habt ihr immer ein "Mittendrin"-Gefühl und seid als Zuschauer nie zur Tatenlosigkeit verdammt.

Außerdem mangelt es dem Kampf gegen die Necromorphs nicht an Abwechslung. Das beginnt schon beim Leveldesign, dass euch immer wieder in neue Umgebungen setzt und daher nie Langeweile aufkommen lässt. Sowohl auf Aegis IV als auch auf der USG Ishimura dürften euch einige Räume noch aus Dead Space bekannt vorkommen. Doch von purem Recycling ist das Wii-Spiel weit entfernt. Ob nun in engen Lüftungsschächten, Spaziergängen an der frischen Weltraumluft oder im gigantischen Abwassersystem des Raumschiffs: an eurer Umgebung werdet ihr euch so schnell nicht satt sehen. Und auch das Gameplay tritt nicht auf der Stelle: zwischendrin bemannt ihr sogar die Kanone eines Raumschiffs, um Meteoriten abzuwehren. Zum Reparieren von Konsolen oder Fahrstühlen müsst ihr euch außerdem bisweilen mit ruhiger Hand einen Weg durch kaputte Schaltkreise bahnen. Und wenn ihr Pech habt, werdet ihr parallel dazu von Gegnern überrannt. Oder aber ihr vernietet mit eurer Nietpistole kritische Stellen, um die Monster fernzuhalten. Um in dunklen Lüftungsschächten auf Licht nicht verzichten zu müssen, sammelt ihr Leuchtstäbe ein, die ihr durch Schütteln der Wiimote aktiviert, nur um dann mitten im Gefecht auf engem Raum zu merken, wie das Licht langsam erlischt. Euer Stasismodul erlaubt es euch, Ventilatoren kurz einzufrieren. Und mit der Telekinesefähigkeit eures Anzugs zieht ihr Gegenstände außer Reichweite heran. Oder aber ihr schmeisst damit, ganz brachial, explosive Behälter in anstürmende Gegnermassen. Sind das genügend Beispiele, um euch zu demonstrieren, wie ungewöhnlich vielseitig dieser Rail-Shooter ist...?

Bis an die Zähne bewaffnet

Eine der insgesamt 9 Waffen im Spiel: das sehr mächtige und schnell feuernde Impulsgewehr.
Apropos Gegnermassen: Denen erwehrt ihr euch mit einem reichhaltigen Waffenarsenal aus neun Schieß- und Schneidgeräten. Dead-Space-Kenner werden alte Bekannte wieder erkennen. Um nur einige zu nennen: Plasma-Cutter, Flammenwerfer, Impulsgewehr und Energiekanone sind mit von der Partie. Jede der neun wählbaren Waffen (von denen ihr jedoch nur vier gleichzeitig tragen dürft) kommt mit zwei Feuermodi daher. Der Sekundärmodus ist aktiv, wenn ihr die Wiimote um 90 Grad dreht: das funktioniert nach kurzer Eingewöhnungszeit ohne Probleme. Überhaupt ist die Steuerung gut gelungen. Mit dem Nunchuk wechselt und ladet ihr eure Waffen und aktiviert mit dem C-Knopf außerdem das Stasemodul. Mit der Wiimote selbst steuert ihr euer Fadenkreuz und schiesst mit der B-Taste, während die A-Taste die Telekinese aktiviert. Und das solltet ihr regelmäßig tun. Wenn ihr die Augen auf haltet, werdet ihr oft Munition und Medipacks in Vorratskisten oder Spinden finden. Außerdem sammelt ihr so auch Audiologs (die dann durch den Lautsprecher eurer Wiimote abgespielt werden) und PDA’s ein, beides liefert euch Hintergrundinformationen zur Story. Besonders aufmerken aber solltet ihr, wenn ihr ein blaues Leuchten warnehmt: Damit werden nämlich sind Waffenupgrades gekennzeichnet. Um diese zu erhalten, braucht ihr schnelle Reflexe, oft ist die Kamera nur ganz kurz auf sie gerichtet. Das Maximallevel jeder Waffe ist Level 4, pro Aufstieg kann ein Magazin mehr Munition fassen, und die Feuerkraft erhöht sich.
 
Am Ende eines jeden der insgesamt  zehn Kapitel des Spiels erhaltet ihr eine Sternwertung. Nach einer gewissen Anzahl von Sternen steigert sich die Lebensanzeige eures Charakters. Bewertet werden nicht nur die eingesammelten Gegenstände und die Zahl eurer Fehlversuche, sondern auch Dinge wie eure Waffenpräzision. Es spricht für Dead Space Extraction, dass dieser Wert während unseres Tests nie in einen kritischen Bereich rutschte. Eure Schüsse könnt ihr mit der präzisen Steuerung sehr gezielt setzen. Gut so, denn auch im Wii-Ableger ist den Necromorphs nur durch das Abtrennen ihrer Körperteile beizukommen. Typische Headshot-Taktiken aus normalen Shootern sind dagegen weniger effektiv. Das, nun ja, Schnetzeln wird mit fortschreitendem Spielablauf immer fordernder. Die Gegnertypen sind zwar, bis auf einen Neuzugang, allesamt aus Dead Space entnommen, halten euch aber mit taktisch gut aufeinander abgestimmten Formationen durchgängig auf Trab. Das gilt auch für die drei besonders knackigen Bossgegner, auf die ihr im Spielverlauf trefft. Diese werdet ihr nur mit der richtigen Taktik besiegen.

In der PC-Version tretet ihr gen Ende des Spiels selbst gegen das "riesige eklige Viech" mit Schleimaugen im Mund an, und auch in der Wii-Version begegnet ihr ihm: doch in diesem Fall bleibt euch nur die Flucht zur USG Ishimura.

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