Test : PC-Fassung & neue Inhalte

Dark Souls (PC) Test

Die einen lieben es und beißen sich durch. Die anderen hassen es, weil der Einstieg einfach bockschwer ist. Dark Souls spaltet – und jetzt auch auf dem PC mitsamt neuer Inhalte. Wir haben uns erneut ins Traumland der Masochisten gestürzt und verraten euch, ob wir mehr Spaß oder mehr Frust hatten.
Benjamin Braun 10. September 2012 - 22:52 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.


Wir sitzen in einem finsteren Kerker und haben nicht viel mehr als den Knauf eines Schwerts bei uns. Wir sind nicht mehr als die Hülle eines Menschen, der aussieht, als wenn er in der Vergangenheit schon viel erleiden musste. Doch wir ahnen noch nicht, wie viel mehr Leid wir in den folgenden Stunden erleiden müssen, während wir uns mit Schild und Schwert, einer Lanze oder allerlei Zaubern gegen haufenweise Gesocks aus der Unterwelt zur Wehr setzen müssen. Wir befinden uns in der erweiterten PC-Fassung von Dark Souls (GG-Test Konsolenversion: 7.0) mit dem schönen Untertitel Prepare to die. Da viele PC-Spieler bislang vermutlich wenig Anteil an Dark Souls genommen haben, berichten wir euch nicht nur über die Unterschiede der PC- zur Konsolenfassung, sondern stellen das Spiel in der PC-Version erneut komplett vor. Dazu mussten wir es, logisch, erneut testen. Und das führte erneut zu dem für Dark Souls üblichen Zeitaufwand, denn um beispielsweise die neuen Gebiete zu erreichen, vergingen bereits die ersten Echtzeit-Netto-Tage. Apropos: Bis Oktober bleiben diese neuen Gebiete PC-exklusiv, danach sollen sie als DLC auch für Xbox 360 und PS3 zu haben sein.

Die Executive Summary vorweg: Das Rollenspiel von From Software ist anders als durchgestylte RPGs wie Biowares SF-Epos Mass Effect. Es entlässt euch in eine Welt, über die ihr zu Beginn nichts wisst. Und was ihr in der Folge an Informationen darüber erfahrt, müsst ihr euch weitgehend im Alleingang erarbeiten. Wenn ihr die unzähligen Items und Waffen im Spiel effektiv gegen eure Feinde einsetzen wollt, müsst ihr sie ausprobieren und lernen, was sie können. Vorgebetet wird euch so gut wie nichts. Wenn ihr denn so lange am Ball bleibt, erweist sich Dark Souls als ein durchweg forderndes, aber vergleichsweise restriktives Abenteuer. Es belohnt reichlich die Alleinkämpfer unter euch, wenn ihr die harten Widersacher im Duell niederstreckt -- und aus dem „Och, Menno“ nach dem x-ten Tod schließlich ein bahnbrechender Jubelschrei wird.

Kein Spiel für jedermann
Durch ein Portal im Finsterwurzbecken gelangen wir in den neuen Teil der Welt. Oder besser gesagt, wir werden geholt.
Komfort und Zugänglichkeit schreiben sich mittlerweile die meisten Spiele auf die Fahne. Publisher wollen schließlich eine möglichst große Zielgruppe erreichen und keine Nische bedienen. Aber trifft diese Denkweise wirklich immer zu? Wie erklärt man beispielsweise (außer mit dem meist geringen Preis), dass sich Indie-Spiele der Marke Super Meat Boy bestens verkaufen oder auch ein nicht gerade einsteigerfreunliches Legend of Grimrock wenigstens gefühlt mehr Anhänger findet als so manche Triple-A-Produktion?

Dark Souls ist, sofern ihr nicht bereits eingehend Erfahrung mit dem PS3-exklusiven Vorgänger Demon's Souls gesammelt habt, ein Sprung ins kalte Wasser. Das gilt genauso auch für die PC-Version. Wer wie in anderen Rollenspielen auf Gegner zurennt und wild draufhaut, der liegt in Dark Souls schneller am Boden, als es ihm lieb ist. Wild Draufhauen geht in Dark Souls auch gar nicht. Denn jeder Hieb, ob leicht oder schwer, verbraucht Ausdauer, und davon habt ihr zu Beginn nicht allzu viel. Auch das Abblocken von Schlägen verbraucht die wertvolle Ressource. Bedächtiges Vorgehen ist in den meisten Spielabschnitten das einzige Mittel, mit dem ihr euch den Feinden nähern solltet. Ihr müsst ihre Angriffsroutinen studieren, erkennen, wann ihr blocken müsst und wann zuschlagen. Gegner, die mit dem Rücken zu euch stehen, könnt ihr auch heimlich von hinten angreifen, wenn ihr langsam und auf leisen Sohlen unterwegs seid. Nein, für Jedermann ist Dark Souls sicher nicht geeignet.

Regelbrecher sterben schneller
Beherzigt ihr die Regeln der Spielwelt von Dark Souls nicht, werdet ihr sterben -- und müsst euch dann mit all dem Pack, das ihr gerade erst erledigt habt, ein weiteres Mal anlegen. Der Tod bedeutet zwar nie das Ende, Dark Souls ist also wesentlich gnadenvoller als Permadeath-Konzepte, wie sie insbesondere bei den Roguelikes üblich sind. Aber der Tod ist schlimm ge
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nug. Ihr startet immer am letzten Rastplatz, einem der sogenannten Leuchtfeuer, und die meisten der Feinde sind wieder da. Diesen Umstand könnt und müsst ihr allerdings für euch nutzen. Denn jeder Kill bringt euch die wertvollen Seelen ein, mit denen ihr wiederum am Leuchtfeuer im Charakterlevel aufsteigt und dort jeweils einen eurer acht Charakterwerte steigert, die wiederum mehrere andere Statuswerte beeinflussen.

Soll es Stärke sein, durch die ihr mächtigere Nahkampfangriffe startet oder doch eher Ausdauer, um mehr Angriffe mit einer vollen Energieleiste ausführen zu können und nicht nach einer kraftkostenden Attacke eines Feindes plötzlich ohne Deckung dazustehen? Ihr habt die Wahl – doch seid gewarnt. Einmal bestätigt, ist die Punktvergabe endgültig, was sich gerne mal rächen kann. Sterbt ihr, verliert ihr alle bis dahin gesammelten und nicht bei Händlern oder zum Stufenaufstieg aufgewendeten Seelen. Ihr habt aber immer einmal die Chance, sie euch am Ort eures Todes zurückzuholen. Ein Angebot, das ihr gerade im späteren Verlauf des Spiels, in dem auch mal eben einige tausend Seelen zum Stufenaufstieg benötigt werden, nicht ablehnen solltet.
before
after
... die PC-Version rechts. Beachtet bitte, dass im rechten Screenshot kein Soul Arrow die Szenerie beleuchtet, sodass sie dunkler wirkt.
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