Cyanide & Happiness - Freakpocalypse

Cyanide & Happiness - Freakpocalypse Test+

Wenig Rätsel, viel Humor

Dennis Hilla / 11. März 2021 - 16:11 — vor 1 Jahr aktualisiert

Teaser

Seit über 15 Jahren läuft die Webcomic-Serie, nun dürft ihr in einem Point-and-Click-Adventure die Abenteuer von Coop nachspielen. Viel derber Humor und absurde Charaktere sorgen für eine Menge Spaß.
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Alle Screenshots und Videoszenen stammen von GamersGlobal

Seit mittlerweile über 15 Jahren läuft der Webcomic Cyanide & Happiness. Die oft schwarzhumorigen Strichmännchen-Strips gehören damit nicht nur zu den langlebigsten, sondern auch erfolgreichsten ihrer Art. Neben den statischen Panels gibt es auch animierte Kurzfilmchen und im Oktober 2017 wurde ein Videospiel via Kickstarter finanziert. Damals hieß die Kampagne ganz simpel The Cyanide & Happiness Adventure Game, mittlerweile ist der Titel als Freakpocalypse bekannt. Nun ist nach deutlich überzogener Entwicklungszeit der erste Teil der Trilogie, Hall Pass to Hell fertiggestellt.

Wenig überraschend setzen die Macher von Explosm auch bei dem Point-and-Click-Adventure ganz auf die Qualitäten, die ihren Webcomic so erfolgreich machen. Soll heißen, wenn ihr die Freakpocalypse erleben wollt, dann müsst ihr ein dickes Fell gegenüber derbem, unter die Gürtellinie zielenden Humor haben. In den etwa vier bis fünf Stunden, die euch die erste Episode beschäftigen wird, gibt es so einige fiese Sprüche, noch gemeinere Beleidigungen und Szenen und Charaktere, die zartbesaitete Naturen wohl nervös mit den Ohren schlackern lassen.

All das klingt jetzt so, als wäre Cyanide & Happiness der Gipfel der Freude für Fans der Vorlage. Aber reichen zotige Sprüche und Humor, der von gewissen Leuten schon als niveaulos empfunden werden könnte, aus, um ein paar unterhaltsame Stunden zu bieten? Kommen Genre-Fans auf ihre Kosten und wie ist der Anspruch der gebotenen Rätsel zu bewerten? Diesen und noch mehr Fragen stelle ich mich in diesem Test, für den ich die PC-Version durch- und die Switch-Fassung angespielt habe.
Coop hat es wirklich nicht leicht. Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass die Klasse ihn kollektiv auslacht, tut sie es auch noch auf Geheiß des Lehrers hin.
 

Einmal Loser, immer Loser

Der Protagonist Cooper McCarthy ist ein Loser, wie er im Buche steht. Er besucht die Highschool und wird von Kent und seiner Truppe aus Sportlern, Ballkönigen und Cheerleadern regelmäßig aufs Korn genommen. Sie verprügeln, verspotten und bestehlen ihn. Zu allem Überfluss ist „Coop“ aber auch kein besonders eifriger Schüler, weshalb auch die Lehrer nicht gerade seine größten Fans sind. Also flieht sich der Protagonist von Freakpocalpyse immer wieder in seine Fantasie, wo er als Superheld gegen den garstigen Dr. Dropout antritt, der mit seinem patentierten Verdummungsschleim sämtliche Bildung von der Schule verbannen will.

Doch freilich funktioniert die Realitätsflucht nicht dauerhaft und so verbringt ihr einen Großteil der Spielzeit nicht in den heldenhaften Fantasien des Jungen, sondern mit Alltagsaufgaben. Ihr müsst einen Flurpass besorgen, um die Hallen der Schule ungestraft zu erkunden, sollt den Drucker eurer Oma reparieren und für selbige schlüpfrige Fotos ins Altersheim liefern oder holt euch in der Pizzeria eine Gratis-Pizza ab. Das mag jetzt erst einmal nach einem sehr langweiligen Spiel klingen, die zahlreichen Charaktere und flotten Sprüche von Coop machen diese Standardaufgaben aber sehr unterhaltsam. Ihr dürft fast alles untersuchen und mit fast jeder Figur reden, was nicht nur dank der hervorragenden englischen Sprachausgabe eine wahre Freude ist.
Selbst Coop hält die Rätsel für überschaubar schwer. Zumindest legt sein sarkastischer Ton das nahe.
 

Rätsel für Grundschüler

Unterhaltsam ist Cyanide & Happiness – Freakpocalypse also auf jeden Fall. Aber wie steht es um die Knobeleien, die für ein gelungenes Point-and-Click gleichermaßen fordernd wie kreativ sein müssen? Vorsichtig ausgedrückt nicht so gut. Müsste ich einen Vergleich zu Genre-Kollegen ziehen, dann würde ich das Explosm-Spiel eher auf das Niveau von Trüberbrook setzen als es beispielsweise mit einem Monkey Island gleichzusetzen. Ihr werdet kaum gefordert und um die Ecke denken ist nur selten nötig. Meistens reicht es, die nähere Umgebung zu untersuchen, selten müsst ihr auch zwei Objekte kominieren.

Beispielsweise sollt ihr den Dachboden eurer Oma betreten. Doch Coop ist zu klein, um die Zugangsklappe zu öffnen. Praktischerweise liegt im Schlafzimmer ein Gehstock, der als Armverlängerung fungiert. Die wenigen etwas komplizierteren Knobelaufgaben sind auch nicht gerade Hirnverdreher. Eine Werkbank, unter der ein Buch liegt, muss angehoben werden. Dazu müsst ihr zunächst einen Flaschenzug finden, anschließend ein Stück Seil aus der Turnhalle entwendet, die beiden Objekte kombinieren und schon seid ihr fertig.

Solltet ihr tatsächlich mal nicht weiterwissen lohnt sich ein Blick in Coops Notizbuch. Hier sind nicht nur eure Aufgaben aufgelistet, ihr findet auch mal mehr, mal weniger nützliche Tipps. Oftmals umschreiben sie die Lösung, helfen aber meist sehr eindeutig weiter. Mich persönlich haben die seichten Rätsel übrigens nur bedingt gestört, so konnte ich mich mehr auf die Welt und Charaktere konzentrieren und Freakpocalypse als das nehmen, was es für mich vornehmlich ist: ein spielbarer C&H-Short.
Ein kleines Humorbeispiel: Ihr müsst ein Altenheim betreten, um schlüpfrige Fotos eurer Oma abzuliefern. Den Obdachlosen, der den Eingang blockiert, werdet ihr los, indem ihr ihm einen Pizzakarton schenkt, den er fortan als neues Heim bezieht.
 

Starke Sprecher & Switch-Port

Wie schon erwähnt sind der Humor und die unterschiedlichen Charaktere eine tragende Säule von Freakpocalypse. Dazu bei Tragen auch die englischen Sprecher, die sogar mit ein paar bekannten Namen punkten können. Beispielsweise leihen Ethan Klein (H3H3 Podcast), Jim Sterling, Jessica Calvello (Attack on Titan) und Chris Oney (Game Grumps) den Figuren ihre Stimme. Nachdem die meiste Zeit gesprochen wird fällt auch die etwas monotone Hintergrundmusik nicht ins Gewicht, die trotz ihrer Simplizität einen gewissen Ohrwurmcharakter hat.

Neben einer PC-Fassung könnt ihr Freakpocalypse auch auf der Nintendo Switch spielen. Die Portierung ist durchaus gelungen, alle Texte sind gut lesbar, auch wenn ein paar Items ziemlich klein geraten sind. Dafür ist die Steuerung sehr gut auf Controller angepasst worden. Mit dem linken Stick bewegt ihr euch, mit dem rechten den Mauszeiger. An Objekten, an denen ihr die Wahl zwischen Ansehen, Nehmen/Berühren und Ansprechen habt, entscheidet ich durch eine fest zugewiesene Taste, was ihr tun wollt. Solltet ihr die Abenteuer von Coop also lieber unterwegs erleben wollen, kann ich euch die Umsetzung für Nintendos Hybrid-Konsole ohne weiteres empfehlen.

Autor: Dennis Hilla (GamersGlobal)

 
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Meinung: Dennis Hilla

Ich habe bei wenigen Spielen so viel lachen müssen wie bei Cyanide and Happiness – Freakpocalypse. Nun muss ich aber dazu sagen, dass ich seit langer Zeit Fan des Webcomics und allgemein sehr empfänglich für derben Humor bin. Zwei knutschende Teenager verjagen, indem man gruselig danebensteht und zum Besten gibt, wie sehr das einen anmacht, ist mindestens genauso unter der Gürtellinie wie zwei Polizisten, die sich darüber aufregen, dass sie Coop aufgrund seiner Minderjährigkeit nicht verprügeln können. Festgenommen wurde er übrigens, weil er Potenzmittel von einem Opa im Altenheim klauen wollte. Wenn ihr aber mit Zoten in bester South Park-Manier etwas anfangen könnt, dann dürfte das Spiel genau euer Humorzentrum kitzeln.

Nicht erwarten solltet ihr aber ein forderndes Point-and-Click-Adventure. Die Rätsel sind selbst mit nur einer Gehirnhälfte leicht zu lösen, die Entwickler wollen vielmehr, dass ihr die Spielwelt erforscht und wirklich jeden Charakter ansprecht. Besonders schön ist aber, dass ihr wirklich mit jedem quatschen könnt und noch schöner ist, dass ihr auch wirklich jede Figur fragen dürft, ob sie mit euch zum Schulball will. Shark Dad, Krankenschwester, eure Oma, der gruselige Eisverkäufer mit seinen dubiosen Sorten – keiner ist vor euren Avancen sicher!

Um es kurz zu machen: Wenn ihr derben Humor mögt und lieber ein entspanntes Erlebnis mit vielen, toll vertonten Dialogen habt, dann ist Freakpocalypse ein No-Brainer. Als Genre-Fans oder Connoisseure gehobener Unterhaltung solltet ihr den etwa vier- bis fünfstündigen Auftakt der Trilogie aber eher links liegen lassen. Ich als Liebhaber der einfachen Freuden konnte mich aber durchaus begeistern und freue mich auf die nächsten Teile. Hoffentlich lassen sie nicht zu lange auf sich warten.
 
Cyanide & Happiness Freakpocalypse PCSwitchLinuxMacOS
Einstieg/Bedienung
  • Gelungene Steuerung via Maus/Tastatur und Gamepad
  • Rätselhilfen, falls nötig, vorhanden
  • Keine Hotspotanzeige
Spieltiefe/Balance
  • Hohe Gag-Dichte
  • Sehr witzige Dialoge und Kommentare
  • Fühlt sich an wie ein C&H-Kurzfilm
  • Viele unterschiedliche Charaktere
  • Diverse versteckte Nebenquests
  • Nahezu jedes Objekt kann untersucht werden
  • Entspanntes Spielerlebnis
  • Ziemlich linear, kaum Raum für eigene Ideen
  • Rätsel weitestgehend auf Sparflamme
  • Fieses Cliffhanger-Ende
  • Sehr kurz (4-5 Stunden)
Grafik/Technik
  • Schicke Optik, nah an der Vorlage
  • Sehr geringe Hardwareanforderungen
  • Detaillierte Schauplätze
  • Viele Aktionen nur minimal animiert
Sound/Sprache
  • Nette Hintergrundmusik...
  • Starke englische Sprecher
  • ...die schnell repetitiv wird
  • Kaum Soundeffekte
Multiplayer

Nicht vorhanden
 
8.0
Userwertung0.0
Mikrotransaktionen
Hardware-Info
Minimum: Win XP, CPU mit mindestens 2GHz, GTX 680/ R9 380, 8GB RAM, 4 GB RAM
 
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam
  • Kopierschutzlose GoG-Version
  • Epic Games Store
  • uPlay
  • Origin
  • Hersteller-Kontoanbindung
  • Ständige Internetverbindung
  • Internetverbindung beim Start
Dennis Hilla 11. März 2021 - 16:11 — vor 1 Jahr aktualisiert
Dennis Hilla Redakteur - P - 162312 - 11. März 2021 - 16:12 #

Viel Spaß beim Sehen & Lesen!

Gedracon 18 Doppel-Voter - - 9447 - 11. März 2021 - 16:42 #

Hab heute den Switch Key aus der Kickstarter Kampagne bekommen. Kleine Warnung an Mobilspieler, die Texte / Icons sind auf der Switch teilweise nur mit der Lupe erkennbar.

Noodles 26 Spiele-Kenner - P - 68646 - 11. März 2021 - 18:06 #

Ich mag Adventures und derben Humor, aber da die Rätsel zu einfach sind und das Spiel auch noch mit nem Cliffhanger endet, lass ich es wohl aus. Vielleicht mal, wenn die Trilogie komplett ist. ;)

Admiral Anger Freier Redakteur - P - 78724 - 11. März 2021 - 18:56 #

Nanu, das hatte ich ja überhaupt nicht auf dem Schirm. Danke für den Test.

Faerwynn 19 Megatalent - P - 16109 - 11. März 2021 - 20:11 #

Yay, ich freu mich schon drauf. Ich liebe C&H seit vielen Jahren und da jetzt ein vernünftiges Spiel zu bekommen ist super. Ich mochte schon Rapture Rejects, leider haben das zu wenige Leute gespielt um in ein Match zu kommen.

Grohal 15 Kenner - 2840 - 11. März 2021 - 20:29 #

Bei der Marke ist mir der passende Humor tatsächlich wichtiger als ordentliche Rätsel (beides wäre natürlich noch besser), von daher werde ich mir das mal auf Steam geben.

funrox 15 Kenner - P - 3441 - 11. März 2021 - 21:07 #

Klingt interessant. Der Humor dürfte für mich passen. :-)
Schade, dass die Rätsel zweitrangig sind. Ich denke, ich warte, bis die Trilogie komplett ist.

Arno Nühm 18 Doppel-Voter - P - 9277 - 12. März 2021 - 2:02 #

Danke, habs mir jetzt gekauft - und bislang nicht bereut :-)

Gorkon 19 Megatalent - P - 16140 - 12. März 2021 - 16:09 #

Hört sich alles ganz spannend an. Vielleicht schau ich mal rein.

TheRaffer 22 Motivator - - 33864 - 15. März 2021 - 18:09 #

Ich ordne mich unter Genre-Fan ein und bin damit raus. :)

Ganon 26 Spiele-Kenner - - 71365 - 15. März 2021 - 23:54 #

Ich kenne den Comic nicht und auch sonst spricht mich das nicht so an. Aber für Fans scheint es toll zu sein, das ist doch was.