Test: Tiefbau ohne Tiefe

Cities in Motion Test

Transport Tycoon hat bereits 17 Jahre auf den Buckel und Locomotion ist mit seinen 7 Jahren auch nicht mehr auf der grafischen Höhe. Train Simulator - Railworks 2010 bleibt auf Züge beschränkt. Cities XL und Tropico 3 hingegen drehen sich mehr um Gebäude als um den Verkehr drumherum. Nun greift ein finnisches Studio das Thema neu auf.
Jörg Langer 10. März 2011 - 2:06 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
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von Carsten Rogowski

Josef Ramsauer steht vor einem Problem: Seine Busse schleppen sich nur langsam durch die Straßen, und jetzt hat ein Häuserbrand auch noch den Verkehr komplett zum Stehen gebracht. Seine Kunden haben bereits rote Köpfe vor Wut und laufen in Scharen davon. Die Lösung? Eine U-Bahn muss her! Ein Mausklick später befindet  sich Josef, so haben wir unser unsichtbares Alter Ego einfach mal genannt, im Untergrund und verlegt fleißig Schienen. Der Straßenverkehr muss entlastet werden! So sieht der Alltag im Spiel Cities in Motion aus, das kürzlich von Paradox Interactive veröffentlicht wurde. In Cities in Motion dreht sich alles um die Abstimmung unterschiedlicher Transportmittel -- und das ganz ohne protestierende Bürger und mangelhaft geplante Mega-Bauten à la Stuttgart 21...

In den fünf Kategorien Bus, Straßenbahn, U-Bahn, Schiff und Helikopter bekommt ihr im Laufe des Spiels Zugriff auf 30 Fahrzeugmodelle. Sie unterscheiden sich in Komfort, Kapazität und Ausfallhäufigkeit. Zwischen 1920 und 2020 werden nach und nach Fahrzeuge freigeschaltet und einige veraltete gestrichen. In der Regel habt ihr pro Kategorie immer nur zwei bis drei Typen zur Auswahl.

Im Laufe der Zeit werden die Verkehrsmittel im Spiel moderner, natürlich auch die Flugzeuge.

Das kann ich besser!

In Cities in Motion könnt die vier europäischen Hauptstädte Berlin, Wien, Amsterdam und Helsinki verkehrsbeunruhigen. Wieso um alles in der Welt Helsinki, fragt sich der interessierte Aufbauspieler da. Wieso nicht der Verkehrsmoloch Paris, wo ausländische Kennzeichen eine Aufforderung zum Rammen darzustellen scheinen? Oder Rom, wo die Taxieinnahmen nach Einbruch der Nacht ums Vierfache nach oben schnellen würden? Oder gar der Großraum London, wo Kontinentaleuropäer nach zwei Stunden Flug- und einer Stunde Taxizeit schon mal pünktlicher beim Termin sind als der Londoner Geschäftspartner, dem mal wieder das Bahnsystem zusammengebrochen ist? Die einfache Antwort: Der eigentliche Entwickler, das erst 2009 gegründete Studio Colossal Order, sitzt in Tampere, Finnland. Und vermutlich waren die Mitarbeiter schon mal in Amsterdam zum Urlaubmachen...

Auch wenn die vier Städte nicht den realen Vorbildern entsprechen, haben sie doch einen gewissen Wiedererkennungswert. So findet ihr in Berlin das Brandenburger Tor und in Wien das berühmte Riesenrad wieder. Jede Stadt stellt eine andere verkehrsbauliche Herausforderung. So ist Amsterdam bekanntermaßen von Grachten durchzogen, Berlin einfach wahnsinnig groß, Wien klagt über enge Straßen und Helsinki ist eine Stadt mit geringer Wohndichte, also weiten Wegen. Keine Stadt spielt sich also gleich, doch wer noch mehr Abwechslung will, bastelt sich mit dem beiliegenden Editor einfach eine eigene.

Insgesamt bietet Cities in Motion drei Haupt-Spielmodi. Per Kampagne dürft ihr über einen Zeitraum von 100 Jahren die Verkehrsysteme der vier Hauptstädte ins 21. Jahrhundert führen. Dabei müsst ihr jeweils konkrete Aufträge erfüllen: "Verbinde Linie 1 und 2" heißt es da oder "Baue eine Straßenbahnlinie von A nach B". Anfangs ist das noch einfach und öde, später werden die Aufträge herausfordernder und interessanter. Neben den Hauptmissionen treten auch noch Bürger an euch heran: Der örtliche Pfadfinderverein möchte eine Verbindung zu seiner Blockhütte am Stadtrand, der Hotelbesitzer eine Verbindung zum Bahnhof oder Oma Helene von ihrem Haus ohne Umsteigen bis zur Haustür ihrer Enkelin fahren. Letzteres Beispiel zeigt nochmals, in welchem europäischen Wohlfahrtsstaat dieses Stück Software geschmiedet wurde. Ob ihr diese Wünsche erfüllt und Boni wie Geld oder Prestige dafür kassiert, ist eure Entscheidung. Und auch ob Oma Helene mit dem Bus fahren soll oder zukünftig mit dem Helikopter-Shuttle fliegen darf, bestimmt (sofern das Geld reicht) gottgleich ihr.

Die Sandbox ist ein freier Modus, in dem ihr ohne Stress agieren könnt. In einem Anfangsmenü wählt ihr Startkapital, Namen eures Unternehmens, Stadt und Startjahr. Anschließend ist eurer Kreativität keine Grenze gesetzt. Allerdings gibt es auch hier die Nebenaufträge, die aber eh optional sind. Kleiner Wermutstropfen ist das Fehlen eines Konkurrenten. Wer erinnert sich nicht mit glasigen Augen an die Konkurrenzkämpfe in  Railroads von Sid Meier! Das hätte dem Sandboxmodus mehr Würze gegeben! Schließlich steht euch im Hauptmenü noch der Szenarien-Modus zur Verfügung. Das ist aber nichts anderes, als die Abschnitte der Kampagne einzeln anwählen zu können.

Von der Straßenbahn zum Helikopter
Richtungspfeile erleichtern euch die Streckenplanung

Insgesamt stehen euch in Cities in Motion fünf Transportmittel zur Verfügung, wobei die Helikoper erst spät ins Spiel kommen. Die günstigen Varianten sind Bus- und Straßenbahnlinien. Sie werden aber durch das aktuelle Verkehrsaufkommen beeinflusst. In den seltensten Fällen haben die Busse und Straßenbahnen freie Fahrt. Hier ist eine kluge Planung nötig: Zu kurze Linien bringen kaum Geld in die Kasse, doch zu lange kosten zu viel im Unterhalt.

Die U-Bahn ist hingegen unabhängig vom aktuellen Verkehrsaufkommen, sie hat unter der Erde immer freie Fahrt. Dafür geht sie aber in der Anschaffung richtig ins Geld. Habt ihr sie aber erst mal errichtet (und stimmt die Strecke), erwartet euch viel Geld. Die U-Bahn kann in drei Ebenen gebaut werden. Erst in der untersten kann sie jedoch natürliche Barrieren wie Flüsse oder Grachten überwunden. Kurioserweise steigen die Kosten nicht, je tiefer ihr ins Erdreich graben lasst.

Die Schiffslinie ist unserer Erfahrung nach nur in Amsterdam rentabel, und die Helikopter-Linien sind in jeder Stadt eher ein Luxus als eine ernsthafte Konkurrenz zu den drei Hauptverkehrsmitteln. Am ehesten benutzt ihr sie als eine Art Cheat, wenn ihr euch verbaut habt oder nicht die halbe Stadt umkrempeln wollt, um eine Aufgabe zu erfüllen. Überlegt euch trotzdem sehr gut, wo ihr Helikopterlinien anlegt, sonst fahrt ihr horrende Verluste damit ein.
 
Die Kasse klingelt dank gut besuchtem U-Bahnhof. Zu schade, dass wir ihn nicht über mehrere Ebenen bauen können.
 
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Strategie
3
Colossal Order
25.02.2011
Link
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