Test: Action im Farbenrausch

Child of Eden Test

Steckbrief
PS3360XOne
Action
Shoot-em-up
7
Q Entertainment
Ubisoft
14.06.2011
Link
Amazon (€): 8,65 (), 14,40 ()
First15
Einige wenige Spiele sind gar keine reinen Spiele, sondern mehr. In diese Kategorie gehört Child of Eden, das oft (und unzureichend) als "Musikshooter" bezeichnet wird. Doch der neue Titel von Tetsuya Mizuguchi ist ein Gesamtkunstwerk aus Farben, Formen und Musik, ein einzigartiges Stück Software. Arg kurz. Unglaublich fesselnd.
Florian Pfeffer 7. Juli 2011 - 21:19 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots wurden von uns selbst erstellt.

"Noch so ein Rumfuchtel-Spiel! Noch so ein Machwerk, das sein Design über den Inhalt stellt! Noch so ein pompöser  Versuch, in einem Populärkultur-Medium wie dem Videospiel ein Kunstwerk erschaffen zu wollen! Und wieso sollte man für einen besseren Bildschirmschoner 50 Euro bezahlen?" Das ist eine mögliche Sichtweise auf Child of Eden.

Eine andere geht so: "Endlich ein richtiges Spiel für Kinect! Endlich ein echter Nachfolger zu Rez! Endlich ein Shooter abseits vom üblichen XBLA-Arcade-Einerlei!" Es kommt immer auf den Standpunkt des Betrachters an. Wir wollen im GamersGlobal-Test weder Vorurteile bekräftigen noch zu Jubel-Fanboys mutieren. Doch es gibt auch ohne verklärte Eiferei viele Gründe, Child of Eden zu lieben. Selten wirkte ein Videospiel so sehr nach interaktivem Kunstwerk wie die neueste Arbeit des Japaners Tetsuya Mizuguchi. Wir sind für euch in die Welt von Eden eingetaucht, haben uns von den Farben und Formen berauschen und von der Musik in eine andere Welt entführen lassen. Am Ende kamen wir etwas härter (insbesondere: viel schneller) auf den Boden der Tatsachen zurück, als wir erst dachten. Doch unseren Aufenthalt in der Welt von Lumi empfanden wir als alles andere als unnütz verplemperte Zeit. Kinect benötigt ihr nicht zwingend zum Spielen, es ist aber sehr zu empfehlen.

Die einzelnen Levels, von Child of Eden Archive genannt, tragen Namen wie "Schönheit", "Leidenschaft" oder "Reise".

Rettet das InternetWomit wir auch schon bei der Hintergrundstory des mit dem Wort „Musikshooter“ nur notdürftig charakterisierten Spiels wären. Diese ist ebenso innovativ wie bizarr und wird in einem Vorspann erzählt, der Realfilmsequenzen mit gerenderten und gezeichneten Elementen und wunderschönen Farben kombiniert -- unser Aufmacherbild ganz oben stammt daraus. Die Story geht so: Ende des 21. Jahrhunderts starten Forscher den Versuch, einer futuristischen Version des Internet namens „Eden“ eine menschliche Persönlichkeit zu verleihen. Eden ist übrigens auch der Ort, an dem der geistige Vorgänger Rez spielte. Als Individuum für dieses Vorhaben soll „Project Lumi“ dienen, eine digitale Rekonstruktion der ersten Frau, die im Weltraum geboren wurde. Wie nicht anders zu erwarten, geht der Plan schief und Eden wird von einem Virus befallen, den ihr als Spieler bekämpfen müsst. So könnt ihr die einzelnen "Archive" (Levels) säubern und Lumi helfen.

Als Schauspielerin, die im Intro, im Hauptmenü und auch immer wieder im Spiel die Protagonistin Lumi verkörpert, agiert die 18-jährige Japano-Amerikanerin Rachel Rhodes. Sie singt auch Teile der Lieder, die als Soundtrack von Child of Eden eine große Rolle für das Gesamterlebnis spielen. Diese Songs wurden allesamt von Genki Rockets, der Band von Gamedesigner Tetsuya Mizuguchi, eingespielt. Kein Wunder, dass Musik und Farbenpracht ein einheitliches Ganzes ergeben -- und dass Child of Eden ohne Sound ebenso wenig funktioniert wie ohne Bild.

Simple Spielmechanik, perfekt inszeniertDas Spielprinzip an sich ist geradezu bemitleidenswert simpel: Ihr fliegt durch eine Umgebung, die sich am treffendsten als „Cyberspace auf Drogen“ beschreiben lässt, und schießt mit zweierlei Waffen auf Gegner. Aber Mitleid muss man eher haben mit denen, die nicht selbst vor den Bildschirm treten, denn was Child of Eden aus diesem Prinzip macht, ist erstaunlich. Fangen wir bei den Gegnern an: Sie reichen von einfachen Würfeln bis zu einem Phönix, der elegant mit seinen feurigen Schwingen flattert. Wie auch die Spielstufen selbst scheinen sich die Gegner immer wieder zu verändern. Wir empfehlen euch dringend, mit Kinect zu spielen, sonst entgeht euch ein Großteil des Erlebnisses. Denn dann werdet ihr tatsächlich "selbst zum Controller" und steuert mit der linken Hand eine Art lil
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afarbenen Dauerfeuer-Laser. Manche Angreifer derselben Farbe können nur mit dieser Waffe abgeschossen werden, ebenso die Zielraketen, die die Feinde absondern, wenn ihr euch zu lange mit dem Treffen Zeit lasst. Mit der rechten Hand verfügt ihr über den so genannten „Octa-Lock“, einen Feuermodus, bei dem ihr zuerst durch Darüberstreichen bis zu acht Feinde markiert und sie dann mit einem Wischer kollektiv ausradiert.

Wie in klassischen Shootern gibt es Extras zum Einsammeln, allerdings nur zwei verschiedene: zum einen etwas mehr Lebensenergie, zum anderen eine Euphoria-Bombe, die wie jede ordentliche Arcade-"Smart Bomb" alle auf dem Bildschirm befindlichen Feinde auf einmal eliminiert. Aktiviert wird der taktische Euphoria-Schlag, indem ihr beide Arme gleichzeitig hoch reißt. Außerdem zieht diese Superwaffe auch Bossgegnern gehörig Saft ab. Die Endgegner sind am Ende jedes der (gerade mal) fünf Levels zu finden und verfügen als einzige über einen Lebensbalken, den ihr erst abarbeiten müsst. Die normalen Feinde hingegen pflegen nach wenigen Treffern zu verschwinden, zu zerplatzen, zu zerstäuben oder sonstwie stilvoll das Zeitliche zu segnen.

Ein sehr prächtiger Bossgegner ist der Phönix, beinahe will man ihn verschonen. Rechts unten seht ihr eure Lebensenergie.
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