Test: Action satt, KI matt

Call of Juarez - The Cartel Test

Benjamin Braun 27. Juli 2011 - 16:41 — vor 8 Jahren aktualisiert
Zurück im Wilden Westen? Nicht ganz, wenngleich wir uns in dieser Geisterstadt doch sehr an Teil 1 und 2 erinnert fühlten.
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Fehlerhafte Ballerorgie
The Cartel ist durch und durch auf Action getrimmt, weshalb die Soundeffekte von Waffen oder bei Explosionen über einen gewaltigen Bumms verfügen. Die Musik besteht anfänglich aus Ghetto-Klängen, orientiert sich im weiteren Spielverlauf aber immer stärker an der Wildwest-Historie der Spielserie. Sind wir erst einmal in Mexiko angekommen, wähnen wir uns in einem Italo-Western, der mit einer modernen Variante von Ennio Morricones legendären Soundtracks unterlegt ist. Voll zur Geltung kommt die Musik aber eher selten, da sie zumeist leise im Hintergrund vor sich hinplätschert.

Die deutsche Sprachausgabe fällt deutlich ab. Die Sprecher wirken zumeist lustlos und leisten sich immer wieder Betonungsfehler. Abweichungen der gesprochenen von der geschriebenen Sprache in den teils ausufernden Dialogen gibt es ständig. Und hin und wieder müssen wir schlechte Nachvertonungen mit anderen Sprechern feststellen. Wenn denn die Dialoge an sich wenigstens spannend wären!
Ein freundlicher Empfang sieht anders aus. Schon jetzt ist klar, dass auf dieser Farm die Luft bald mit viel Blei gefüllt sein wird.

Die meisten Fehler macht The Cartel im technischen Bereich. Regelmäßig sind Probleme bei der Kollisionsabfrage zu erkennen. Clippingfehler scheinen im Einkauf günstig gewesen zu sein, und immer wieder fallen uns Klötzchenbildung, Tearing oder Fehler in der Beleuchtung auf. Die optischen Effekte bei der Explosion von Fahrzeugen oder Handgranaten sind für ein Spiel anno 2011 zudem schwach umgesetzt. Sporadisch lässt Techland die Leistungsfähigkeit ihrer Chrome-Engine aufblitzen, wenn wir zum Beispiel einen reich bevölkerten Marktplatz in Mexiko betreten, der authentisch und liebevoll ausstaffiert ist. Den allermeisten Szenen mangelt es allerdings sowohl an Details als auch an technischem Feinschliff. Das gilt auch für die teils grobschlächtig animierten Spielfiguren und deren Kontrahenten. Unter Umständen wird die nach hinten geschobene PC-Version ja in diesen Punkten deutlich verbessert.

Kein würdiger Nachfolger
Call of Juarez – The Cartel kann überhaupt nicht an die Qualität des sehr guten ersten Teils oder des guten zweiten anknüpfen. Was ist da hinter den Kulissen nur passiert? Zwar überträgt The Cartel im Ansatz das Spielprinzip des Western-Shooters in die Gegenwart -- was für sich betrachtet eine sehr nette Idee ist. Doch die spielerische Abwechslung ist durchweg zu gering: Dauerballern, Verfolgungsjagd, Cutscene – und dann wieder dasselbe von vorn, und immer so weiter. Zudem lassen KI und Grafik häufig zu wünschen übrig -- letztere wirkt an manchen Stellen richtiggehend unfertig. Und die klischeebeladene Geschichte wird viel zu breit ausgewalzt. Wir haben überhaupt nichts gegen komplexe oder auch nur ausführliche Storys. Doch minutenlange Zwischensequenzen mit inhaltlosen Dialogen sorgen nicht für Tiefe, sondern Langeweile!

Kurz gesagt: Call of Juarez – The Cartel bietet zwar massig Action, ist im Kern aber eine glatte Enttäuschung für Fans der Serie. Es gibt zahlreiche aktuelle und etwas ältere Actionspiele am Markt, die eure Vollpreis-Euros eher wert sind. Ob die PC-Fassung, die erst im September erscheinen soll, zumindest bei KI und Grafik verbessert wird (was unsere Wertung erhöhen würde), werden wir euch beizeiten verraten.

Autor: Benjamin Braun / Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)

 Call of Juarez - The Cartel
Einstieg/Bedienung
  • Tutorial erläutert alle wichtigen Funktionen
 
Spieltiefe/Balance
  • Satte Balleraction
  • Kampagne aus drei Perspektiven erlebbar
  • Unterschiedliche Enden
  • Pro Charakter spezielle Aufträge und Waffen
  • Großes Waffenarsenal
  • Missionsdesign repetitiv
  • Mitstreiter- und Gegner-KI doof
  • Immer wieder Warten auf die NPCs
  • Langweilige, klischeebeladene Story
  • Teils unsägliche, unmotivierte Gewalt
Grafik/Technik
  • Einzelne Szenerien sind stilsicher gezeichnet
  • Zahlreiche Grafikfehler
  • Szenen mangelt es meist an Details
  • Mäßige Effekte
Sound/Sprache
  • Wuchtige Waffengeräusche und Soundeffekte
  • Stimmige "Moderner Western"-Musik im späteren Spielverlauf
  • Schwache deutsche Sprachausgabe
  • Schlechte Nachvertonungen
Multiplayer
  • Missionsmodus und Team-Deathmatch
  • Kampagne kooperativ zu zweit oder dritt durchspielbar
  • Online-Multiplayer-Part ist 08/15
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Userwertung
5.9
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