Test: Entscheidungen & 6 Enden

Call of Duty - Black Ops 2 Test

Von Call of Duty erwarten viele Spieler abwechslungsreich-lineare, heroische Popcorn-Action auf höchstem Technikniveau. Black Ops 2 bricht mit diesen Konventionen: Es erzählt eine vielschichtige Handlung, gewährt spielerische Freiheiten und erlaubt euch mit moralischen Entscheidungen Einfluss auf Story- und Charakterentwicklung.
Benjamin Braun 13. November 2012 - 10:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Sämtliche Screenshots stammen von GamersGlobal!

Call of Duty ist seit Jahren die erfolgreichste Shooter-Serie auf dem Markt, ein Modern Warfare 3 wischte sogar mit einem Avatar den Boden auf, wenn man die Umsätze des Spiels mit denen des Kinofilms vergleicht. Und auch wenn der Erfolg mit geschicktem Marketing Activisions zu tun hat, steht doch außer Frage, dass das Konzept bei einer großen Masse von Spielern ankommt. Und dieses Konzept heißt „Popcorn-Actionkost vom Feinsten“ – in der Kampagne, aber auch im Mehrspieler-Modus. In diesem Jahr ist mit Treyarch wieder „der andere CoD-Entwickler“ am Werk, der schon mit World at War eine etwas andere Gangart als die Kollegen von Infinity Ward an den Tag legte. Spätestens vor zwei Jahren überzeugte Treyarch mit Black Ops die Serienfans, weil zu der üblichen Balleraction und dem gewohnten Skript-Feuerwerk ausgefeilte Charaktere und eine spannende Verschwörungsstory kamen. Im Mittelpunkt des 2010 erschienenen Egoshooters stand der US Marine Alex Mason, aus dem die CIA in den 60er Jahren mit Wahrheitsdrogen Informationen über das gescheiterte Attentat auf Fidel Castro herauspressen wollte – die werten Geheimdienstler hielten ihn für einen Doppelagenten. Auch der Spieler selbst kannte die wahren Hintergründe nicht, sondern erfuhr sie nach und nach in den von ihm gespielten Rückblenden.

In Black Ops 2 geht es wieder um Alex Mason und seine Mitstreiter Frank Woods und CIA-Agent Jason Hudson. In den 80er Jahren kämpfen sie sich durch Afghanistan, Panama und Angola. Im Zentrum steht allerdings Alex' Sohn David, der im Jahr 2025 das Schicksal seines seit Jahren verschollenen Vaters in Erfahrung bringen und dessen Widersacher Raul Menendez zur Strecke bringen will. Um es vorwegzunehmen: Vom inhaltlichem Tiefgang der Story waren wir sehr angetan und von den durchaus zahlreichen Entscheidungen (mit kleineren Änderungen in der Handlung oder am Finale) schlicht überrascht. Im folgenden Test verzichten wir weitestgehend auf Spoiler beziehungsweise bringen vor Spoilern deutliche Warnhinweise – vertraut uns bitte, dass unsere positive Einschätzung der Story auf Fakten beruht.

Black Ops 2 vs. Modern Warfare 3

Was macht Treyarchs Black Ops 2 besser als Infinity Wards Serienvorgänger?

Die Story- und Charakterentwicklung: Black Ops 2 leistet sich so gut wie keine unglaubwürdigen Wendungen und verzichtet auf das abgedroschene "Gut gegen Böse". Vielmehr zeichnet es ein nachvollziehbares Bild der Akteure – sowohl der US-Soldaten als auch von Antagonist Raul Menendez.

Storytelling: Die Geschichte von Black Ops 2 braucht ein wenig, um in Fahrt zu kommen, baut aber zunehmend mehr Spannung durch die Erzählweise in Rückblenden auf. Durch mehrere Wendungen und Entscheidungen des Spieler, die das Ende beeinflussen, hält uns die Story bis zum Ende gefangen.

Black Ops 2 bietet durch alternative Vorgehensweisen in bestimmten Situationen und alternative Pfade in einigen Schauplätzen mehr Freiheiten als das extrem schlauchartige Modern Warfare 3. Individuelle Anpassung der Loadouts, alternative Enden und Challenges führen überdies zu einem erhöhten Wiederspielwert im Vergleich mit dem Serienbruder.

Beide Militär-Shooter bieten jede Menge Abwechslung, vielfältige Schauplätze und stehen niemals still – mit leichten Vorteilen bei MW3.

Die KI hat sich kaum weiterentwickelt (oder im Vergleich zu den Spec Ops in MW3 sogar zurückentwickelt). Die Gegner stellen in erster Linie Kanonenfutter dar, das mehr oder minder freiwillig in sein Verderben läuft.

Der Mehrspieler-Modus ist in beiden Titeln umfangreich, bietet exzellent designte Maps, gut ausbalancierte Waffen und ein äußerst motivierendes Rangsystem mit vielen Freischalt-Optionen

Black Ops 2 bietet in der Shooter-Mechanik praktisch null Überraschungen.

Der Zombies-Modus scheint uns kein adäquater Koop-Ersatz für die Spec Ops von MW3 zu sein, die zudem auch reinen Einzelspielern zur Verfügung stehen.

Black Ops 2 ist technisch sauber. Dennoch enttäuschen uns die optischen Alterserscheinungen der doch angeblich verbesserten Engine.

Die absoluten Over-the-Top-Momente sind seltener als in MW 3.

Modern Warfare packt von Beginn an. Black Ops 2 braucht mehr Zeit, um in Fahrt zu kommen. Erst die zweite Spielhälfte geht so richtig ab.
Drei Zeitebenen, ein FeindWir schreiben den 19. Juni 2025. David Mason macht sich auf den Weg ins Altersheim, zu Sergeant Frank Woods, dem ehemaligen Mitstreiter seines Vaters. Seit seiner Kindheit hat David seinen Vater nicht mehr gesehen und will endlich wissen, was aus ihm geworden ist. Klar ist nur, dass das Verschwinden von Mason Sr. mit dem Aufstieg von Raul Menendez zusämmenhängt. Der war einst nur ein Drogenbaron in Mittelamerika und Feind von Alex Mason. Doch über die Jahre mauserte er sich zu einem Top-Terroristen, der nach Rache sinnt. Woods berichtet David haarklein von den damaligen Ereignissen, auch wenn er alt geworden und schon seit Jahren an den Rollstuhl gefesselt ist. Und wiederum erlebt ihr in Rückblenden, was Woods zu erzählen hat.

Unsere Reise beginnt im Jahr 1986 im verschlafenen Angola, wo wir uns inmitten des Unabhängigkeitskrieges mit der MPLA befinden. Wir betreten ein weites, offenes Schlachtfeld, auf dem hunderte, wenn nicht gar tausende grölender Krieger mit Machete und MP auf uns zuströmen. Anfangs schwelgt Woods in den Erinnerungen an seine Erfolge, doch schon bald kommt er auf die Verbindung mit Raul Menendez zu sprechen, der zu jener Zeit zu einem erfolgreichen Drogenbaron in Nicaragua aufgestiegen war. Da er mit seinen Drogen auch die USA überschwemmte, sollte Woods ihn mit seinen Männern ausschalten.

[SPOILER] Um die Spannung aufrecht zu halten, springt Black Ops 2 regelmäßig zwischen mehreren Zeitebenen umher. Wir erleben Einsätze von Woods in den 80ern, die nähere Vergangenheit im Jahr 2025 und die tatsächliche Jetztzeit. Das Spiel lässt uns das Geschehen zudem sowohl aus der Perspektive der Amerikaner und ihrer Verbündeten als auch aus der von Raul Menendez erleben, mit dem wir nach dem Angriff auf sein Anwesen wie von Sinnen mit einer Machete durch die Reihen der Angreifer wüten. Das Ziel dieser Perspektivwechsel ist klar: Selbst der Bösewicht des Spiels soll ein Gesicht bekommen. Vor allem aber sind die Autoren Dave Anthony und David S. Goyer darum bemüht, seine Motivation nachvollziehbar darzulegen und damit sogar etwas wie Sympathie für den vermeintlichen Fiesling zu wecken. [SPOILER-ENDE]

Gleichzeitig werden auch Charaktere wie Woods nicht einfach als Helden dargestellt. Stattdessen zeigt das Spiel auch bei  den Protagonisten die dunklen Seiten auf, womit es den Entwickler gelingt, die Konturen zwischen Gut und Böse immer wieder zu verwischen. Speziell in den Momenten, wenn sich beide Seiten direkt gegenüberstehen. Etwa 50 Prozent des Spiels verbringt ihr alles in allem in den 80ern, etwa 25 Prozent im Jahr 2025 vor dem Altersheimbesuch (der „näheren Vergangenheit“) und die restlichen 25 Prozent in der „Jetztzeit“, also ebenfalls im Jahr 2025, aber vor den Ereignissen, die David Mason erst zum Besuch des gealterten Woods veranlasst haben.

Story mit Hirn
Zwar kommt Black Ops 2 nicht gänzlich ohne die traditionellen Call-of-Duty-Fragen aus, für die insbesondere Modern Warfare 1 bis 3 berüchtigt sind. Sie heißen: „Wieso bin ich hier?“ sowie „Wieso bin ich der einzige, der die Zusammenhänge erkennt?“ oder auch „Warum darf ich die Chance nicht nutzen und hier und jetzt den Bösewicht killen?“ Doch ganz anders als bei Modern Warfare 3 gehören Story- und Charakterdesign von Black Ops 2 zu den besten im Shooter-Bereich. Denn der episodische Aufbau mit seinen vielen Rückblenden ist nicht bloß Mittel zum Zweck, sondern wird gekonnt für überraschende Wendungen genutzt, und um Charaktere nachträglich und nachvollziehbar in ein anderes Licht zu rücken.

Der Aufbau erinnert fr
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appierend an den des Vorgängers, in dem fast alle Missionen bereits Geschichte sind und erst die letzten Missionen in der Gegenwart angesiedelt sind – im Falle von Black Ops 2 sind das etwa 25 Prozent der Spielzeit. Diesmal steht allerdings keine Verschwörung mehr im Mittelpunkt, sondern das persönliche Schicksal der Hauptfiguren. Das kommt auch immer wieder in ruhigeren Momenten zur Geltung: In einer Rückblende besuchen beispielsweise Woods und Mason zur Weihnachtszeit ihren Kameraden Hudson. Der hat allerdings gerade mächtigen Zoff mit seiner Frau, weshalb die drei sich hinter dem Haus im Garten treffen. Wenn ihr jetzt denkt, dass die Handlung des ersten Black Ops keine Rolle mehr spielt: Ganz im Gegenteil. Immer wieder kommt das Spiel auch darauf zurück und verwebt beide Geschichten auf recht clevere Weise miteinander. Erkundungsfreudige Spieler können sogar optionale Hinweise finden, die einen noch stärkeren Bezug zum ersten Teil herstellen. Und die euch später sogar helfen können, die richtige Entscheidung in Situationen zu treffen, in denen ihr ohne solche Hinweise teils gar nicht kapiert, dass ihr eine Wahl habt.
[SPOILER] Abwechslungsreiches Missionsdesign
Call of Duty Black Ops 2 ist sehr darum bemüht, keine Langeweile aufkommen zu lassen und möglichst vielfältige Missionen anzubieten. In dieser 6er-Box möchten wir euch ein paar Beispiele geben. 1 In Afghanistan besteigt ihr ein Pferd und dürft vom Rücken des Gauls aus nicht nur mit der Kalschnikov eure Feinde jagen, sondern auch Helikopter mit einem Raketenwerfer – 20 Projektile führt ihr mit.  2 Mit dem Wingsuit stürzt ihr euch todesmutig in die Tiefe, um unbemerkt ein Lager in den Bergen zu erreichen. 3 In Pakistan flüchtet ihr mit einem Jeep durch die überfluteten Straßen und werdet dabei von allen Seiten unter Beschuss genommen. 4 Auch in einen futuristischen Kampfjet müsst ihr steigen, um die fehlgeleiteten US-Kampfdrohnen vom Himmel über LA zu holen. 5 Eine Sequenz, in der wir mit Gatling Gun aus einem Fluggefährt heraus Bodenziele vernichten, darf natürlich auch nicht fehlen. In diesem Fall befindet wir uns im Jemen. 6 Von Zeitlupenballereien (wie sie MoH Warfighter bis zum Erbrechen auffährt) gibt es in Black Ops 2 genau eine – in einer Disco auf den Cayman Islands.
 
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