Schafer-Stündchen

Broken Age Test

Stephan Petersen 16. Januar 2014 - 21:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
Broken Age bietet nach dem Update zum offiziellen Release auch ein klassisches Point-and-Click-System als Alternative an.
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Klassisches Point & ClickWährend die für Backer zwei Wochen vor dem offiziellen Release von Broken Age verfügbare Version nur eine für Touchgeräte optimierte Steuerung anbot, integriert das Update zum Launch am 28. Januar nun eine klassische Point-and-Click-Bedienung. Inventarobjekte müssen nicht mehr per Drag-and-Drop eingesetzt werden, sondern können nun durch einfaches Anklicken im Inventar an den Cursor geheftet und durch einen weiteren Klick zum Beispiel mit Umgebungsobjekten verwendet werden. Um das Inventar zu öffnen, reicht es nun aus, den Mauszeiger zum unteren linken Bildschirmrand zu bewegen – zuvor musste es per Klick geöffnet werden. Wer möchte, kann das Inventar aber wie gehabt über die i-Taste oder nun auch alternativ durch einen Rechtsklick öffnen. Obwohl wir uns fragen, weshalb Double Fine das Point-and-Click-System nicht gleich eingebaut hat, sondern erst, nachdem zahlreiche Backer diese Funktion erbeten haben, wollen wir auch festhalten, dass es die Spielbarkeit von Broken Age erhöht. Mit der Mausoptimierung spielt es sich einfach flüssiger und weniger umständlich als mit der alten Eingabevariante. Wer Probleme mit der Maussensitivität hatte, darf diese nun außerdem direkt im Spiel anpassen, Dialogzeilen können nun auch mit den Tasten 1 bis 4 angewählt werden.

Genug Gründe für eine Aufwertung ergeben sich daraus aus unserer Sicht allerdings nicht, zumal sich Inventarzeile und Bildschirmausgänge immer noch gelegentlich ins Gehege kommen. Ob Double Fine zukünftig auch Hotspot-Beschriftungen hinzufügt oder auch eine Hotspot-Anzeige integriert, bleibt abzuwarten. Aufgrund der wenigen Interaktionsmöglichkeiten und der leichten Rätsel wäre eine Simplifizierung durch diese Funktionen eher kontraproduktiv.

Art-Design, Handlung und Rätselmechanik vermitteln den Eindruck, sich in einem interaktiven Kinderbuch zu befinden.


Interaktives Kinderbuch
Alternativen
Wer abgedrehte Spielwelten und skurrile Charaktere mag, der wird mit Goodbye Deponia (GG-Test: 9.5) bestens bedient. Wenn ihr die Vorgänger Deponia (GG-Test: 9.0) und Chaos auf Deponia (GG-Test: 9.0) nicht kennt, empfiehlt es natürlich, die beiden vorher zu spielen. Wer es märchenhafter mag, der sollte einen Blick auf Das Schwarze Auge - Memoria (GG-Test: 8.5) werfen. Auch hier lohnt es sich zuvor den Vorgänger, Das Schwarze Auge - Satinavs Ketten (GG-Test: 8.0), zu spielen. Wer es hingegen etwas ernster mag und auf Verschwörungsgeschichten steht, der wird sicherlich mit Baphomets Fluch 5 - Der Sündenfall (GG-Test) seinen Spaß haben.
Tim Schafers Adventures sind für ihre abgedrehten Spielwelten und witzigen Charaktere bekannt. Skelettmann Manny Calavera aus seinem letzten Adventure Grim Fandango oder Raz aus Psychonauts sind nur zwei Beispiele. Was in Broken Age jedoch an Absurditäten geboten wird, darf – vorsichtig ausgedrückt – als sehr eigenwillig bezeichnet werden. Immer wieder glauben wir, uns in einem interaktiven Kinderbuch zu befinden. Dummerweise eher eines von der Sorte, die man links liegen lässt, wenn man mit seinen Kindern einen Ausflug in die Bücherei macht.

Auch die Optik trägt dazu bei, sich bei Broken Age in einem interaktiven Kinderbuch zu fühlen. Das eigenwillige Artdesign dürfte sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen, ist in sich aber stimmig. Störend fällt uns dennoch die Detail- und Farbarmut der Hintergrundobjekte auf. Dennoch dürfte viel Entwicklungsarbeit in die optische Präsentation des Spiels geflossen sein. Bei jeder Interaktion mit Charakteren und Dialogen wechselt mehrmals die Kameraperspektive, zoomt sie hinein und wieder heraus. Zudem glänzen die Figuren dabei mit einem reichhaltigen Repertoire an unterschiedlichen Animationen. Dass 3,3 Millionen Dollar Kickstarter-Budget für Broken Age nicht genug waren (wie bekannt, soll ja der Verkauf von Episode 1 die Fertigstellung des Spiels ermöglichen), lässt sich allein damit aber trotzdem nicht erklären. Das Release-Update bringt indes laut Double Fine einige Verbesserungen bei den Animationen mit sich, die nun weicher sein sollen als zuvor. Deutlich erkennbar ist das tatsächlich aber nicht, genauso wie einige Hintergründe, die die Entwickler nun in einer höher aufgelösten Variante bereitgestellt haben wollen. Da es allerdings, insofern einem der Stil an sich zusagt, auch vorher nur wenig an der technischen und grafischen Umsetzung zu meckern gab, haben auch diese Änderungen letztlich keine wertungsverändernde Tragweite.

Die Akustik ist bei der Ursachensuche schon zielführender. Hier hat Entwickler Double Fine einigen Aufwand betrieben. Der per Live-Orchester in Australien eingespielte Soundtrack sorgt in jeder Situation für eine qualitativ hochwertige musikalische Untermalung. Beeindruckend ist auch die hochkarätig besetzte Sprecherriege. Unter anderem sind Elijah Wood (Der Herr der Ringe), Wil Wheaton (Star Trek: The Next Generation) und Jack Black (Gullivers Reisen) mit an Bord, die allesamt hervorragende Arbeit leisten. Deutsche Sprachausgabe gibt es zwar nicht, dafür aber deutsche Untertitel, in denen allerdings so manche Dialogzeile etwas freier übersetzt wurde, als es sinnvoll gewesen wäre. Erfreulich ist, dass auch Texte innerhalb der Spielgrafik auf Deutsch angezeigt werden.

Autor: Stephan Petersen / Redaktion: Benjamin Braun (GamersGlobal)

Stephan Petersen
Ich spiele seit 25 Jahren Adventures, kenne sämtliche LucasArts-Klassiker und habe auch mit aktuellen Genre-Vertretern wie Baphomets Fluch 5 - Der Sündenfall und Chaos auf Deponia meinen Spaß. Zu Broken Age finde ich jedoch keinerlei Zugang.

Das Rätseldesign ist viel zu einfach gestrickt. Es gibt nur wenige Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung. Komplexe Rätselketten sind quasi nicht vorhanden. Nicht nur der niedrige Schwierigkeitsgrad, auch die Optik und die Handlung vermitteln mir das Gefühl, mich in einem interaktiven Kinderbuch zu befinden. Ich erlebe gerne Adventures mit abgedrehter Spielwelt und Charakteren. Die Welt von Broken Age mit ihren knuddeligen Woll-Wesen, Sturzvögeln und Zuckerdosendorf lässt mich hingegen kalt. Das liegt auch daran, dass die Handlung erst im letzten Drittel einigermaßen interessant wird. Zuvor frage ich mich, was Broken Age eigentlich will. Lustig sein? Das gelingt zu selten. Oder eine Botschaft vermitteln? Dafür bleiben Handlung und Dialoge zu oberflächlich.

Dass ich kein Adventure im Stil alter Schafer- und LucasArts-Spiele erwarten durfte, war mir schon vor dem Test klar. Dementsprechend hatte ich keine überzogenen Erwartungen. Das Ergebnis überrascht und enttäuscht mich dann aber doch. Zumal man gegen Ende der ersten Episode merkt, dass mehr drin gewesen wäre. Vielleicht steigert sich Broken Age ja noch in der zweiten Episode.

Hinweis: Diese Meinung basiert auf der zwei Wochen vor dem offiziellen Release nur für Presse und Backer zugänglichen Version und berücksichtig das Update zum regulären Verkaufsstart noch nicht.
Benjamin Braun
Ich mochte bislang eigentlich jedes Spiel von Tim Schafer. Egal ob Psychonauts, Brütal Legend oder brillante Adventures wie Day of the Tentacle und ganz besonders natürlich sein ewiges Meisterwerk Grim Fandango. Unter dem Heldenverehrungssyndrom leide ich trotzdem nicht, denn jeder ist fehlbar.

Der Humor von Broken Age, der nicht aus einer Aneinanderreihung billiger Schenkelklopfer besteht, sondern mich niveauvoll zum Schmunzeln bringt, sagt mir zu und wird von den fantastischen Sprecher gut transportiert. Etwas ist schließlich nicht erst dann witzig, wenn mir beim Lachen mein Blaseninhalt unfreiwillig abgeht. Aber es gibt einfach zu viele Dinge im ersten Akt, die mich von einem Freudentanz zumindest derzeit noch abhalten. Mich stört einfach, dass die Rätsel viel zu leicht sind. Schlimmer finde ich aber, dass ich bei ihnen und auch in anderen Bereichen mit der Lupe suchen muss, um die Rätsel oder anderes zu finden, dem eine geniale Idee zugrunde liegt.

Tim Schafers geniale Einfälle waren, auch in ihrer hohen Dichte, für mich immer das Markenzeichen, die seine Spiele so herausragen ließen. Und das gilt auch für seine Erzählkünste. Die Dialoge haben mich zwar gut unterhalten, aber Schafers frühere Werke hatten zudem auch mehr Substanz bei der Geschichte und auch bei den (Neben-)Charakteren als Broken Age. Michaël Samyn vom Indie-Studio Tale of Tales hat mir mal gesagt: "Wenn dir ein Spiel keinen Spaß macht, dann sagt das weniger über das Spiel aus, aber sehr viel mehr über dich selbst." Und das stimmt auch, wobei "kein Spaß" in diesem Fall nicht ganz stimmt. Das ändert aber nichts daran, dass der zweite Akt aus meiner Sicht inhaltlich und spielerisch zulegen muss, damit mir Broken Age am Ende nicht als Enttäuschung im Gedächtnis bleibt.
 
 Broken Age
Einstieg/Bedienung
  • Unkomplizierte Point-and-Click-Steuerung
  • Gelegentliche Hinweise
  • Erzählerisch und spielerisch schwacher Einstieg
Spieltiefe/Balance
  • Logische Rätsel…
  • Interessante Handlung ...
  • Gut geschriebene Dialoge
  • Steigert sich im letzten Drittel
  • Einige lustige Anspielungen
  • …die aber viel zu leicht sind
  • ... die erst sehr spät Fahrt aufnimmt
  • Teils nervtötende Minispiele
  • Nebencharaktere bleiben meist blass
Grafik/Technik
  • In sich stimmiges Artdesign
  • Viele schöne Zoomeffekte und Kamerafahrten
  • Schicke und vielfältige Animationen
  • Detail- und Farbarmut von Hintergrundobjekten
  • Stil ist Geschmackssache
Sound/Sprache
  • Hervorragende englische Sprecher
  • Insgesamt gute deutsche Untertitel (auch Texte in Bildern wurden übersetzt)
  • Atmosphärische Musikuntermalung
  • Keine deutsche Sprachausgabe
Multiplayer
Nicht vorhanden  

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Green Man Gaming Aktuelle Preise (€): 12,49 (STEAM), 11,24 (Premium)
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12
28.01.2014
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Stephan Petersen 16. Januar 2014 - 21:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
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