Test: Mario Kart mit BMW & Audi

Blur Test

18 Jahre nach dem legendären Mario Kart auf dem SNES prescht ein Spiel heran, das kurzerhand Nintendos „Rakete im Anflug“-Kultprinzip übernimmt und mit scharfer Technik, brennendem Reifen, harten Kopf-an-Kopf-Rennen und einem Adrenalinrausch sondergleichen veredelt. Sein Name ist Blur und wir haben es für euch ausgiebig getestet.
Mister G 27. Mai 2010 - 2:31 — vor 10 Jahren aktualisiert
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Was für ein Monat für Rennspielfans! In Split/Second (GG-Wertung: 8.5) wird kurzerhand die Strecke selbst zur Waffe und eine spektakuläre Explosion jagt die nächste. In ModNation Racers (GG-Wertung: 8.0) wird das Play/Create/Share-Prinzip auf das Rennspielgenre ausgeweitet, in Nullkommanichts sind eigene Strecken, Karts und Charaktere für spaßige Kartrennen entworfen. Nun steht das dritte Mai-Rennspiel an der Startlinie: Blur von Bizarre Creations, die man von  Project Gotham Racing kennt. Dementsprechend hoch war unsere Erwartung, und sie wurde nicht enttäuscht: Blur ist der dritte Rennspielhit dieses Monats.

In Blur zählt fahrerisches Können genau so viel wie taktische Nutzung der zahlreichen zerstörerischen Waffen.

Wenn in Blur die Kamera über die Skyline von San Francisco zoomt, ihr in den Straßenschluchten nach Sprüngen giert und das Adrenalin im Kopf blitzartig in die Finger gesogen wird, dann funktioniert ihr einfach nur noch. Ausscheren nach links, in den Windschatten des Gegners gelangen, kurz anbremsen, um nicht sein Heck zu küssen, und dann ab in die Haarnadelkurve. Handbremse, Drift – und sobald die Fahrzeugfront in Richtung der nächsten Geraden zeigt: die A-Taste antippen und den Nitroboost loskicken. Doch zu früh gefreut: Im Rückspiegel blinken alle Warnlampen rot, drei Sekunden bis zum Einschlag. Und schon reißt es euren von einer Rakete getroffenen Audi von der Straße, ihr werdet gegen eine Mauer katapultiert -- das war's dann wohl. Wenn da nicht die Sucht greifen würde, die dafür Sorge trägt, dass ihr es direkt erneut versucht, euch an die Spitze des Fahrerfelds zu setzen.

Simulieren und Ballern

Blur klaut viel von Mario Kart, ist ihm aber in einem Belang weit voraus: lizenzierte Autos, siebzig an der Zahl.
Bislang klingt alles nach Mario Kart, oder? Und natürlich stand der Primus der Fun Racer auch für Blur Pate. Doch neben dem unverwüstlichen "rasen, ausweichen, Powerups einsammeln" dürft ihr euch bei Blur auf lizenzierte Autos freuen. Statt putziger Karts gehen hier weltbekannte Luxus-Boliden an den Start: Nissan 370Z, BMW M7, Audi R8 oder Koenigsegg CCX-R. PS-starke Autos, die allerdings nur auf dem Asphalt von L.A. oder den Highways ihr volles Potenzial ausschöpfen können. Im Kampf an der Uferpromenade von Brighton oder in den Küstenarealen von San Francisco sind eher Offroader gefragt, beispielsweise der VW Touareg. Aber Vorsicht: Unter dem spaßigen Action-Gerüst und all den leuchtenden Symbolen auf der Straße (die euch Zielsuchraketen, Minen oder EMP-Blitze schenken) steckt eine richtig gute Fahrengine, deren Beherrschung gelernt sein will. Die Entwickler haben ihr Handwerk ganz offensichtlich nicht verlernt.

Die Schöne und das Biest

Der Karrieremodus von Blur ist klassisch strukturiert. Als namenloser Pilot müssen wir neun Stufen erklimmen und "Endgegner" besiegen. Also rein in die „Proving Grounds“. Das Menüdesign macht schon mal Lust auf mehr: ein Girlie im sexy Tanktop grinst, umrahmt von LED-Dioden, in die Kamera. Sie heißt Shannon und fährt einen Renault Mégane R26.R. Ein echter Männertraum – wir sprechen vom Auto. Das ist keine Franzosenschüssel von der Stange, sondern ein vor Power nur so strotzender Untersatz. Und das Beste ist: Wer in allen Herausforderungen aufs Podest fährt und am Ende Shannon im Duell besiegt, schaltet damit nicht nur den Zugang zu einem neuen Kapitel und damit einer neuen Stadt frei, sondern erhält auch ihr Auto inklusive netter Waffenerweiterungen. Und mit ähnlicher Motivation geht es dann auch immer weiter. Nach und nach öffnet sich der Fuhrpark, gesellen sich Boliden neuer Leistungsgruppen hinzu: D, dann C, B und schließlich A. Das sorgt für einen sanft ansteigenden Schwierigkeitsgrad, ganz egal ob ihr euch nun für leicht, mittel oder schwer als Schwierigkeitsstufe entscheidet (die sich vor jedem Rennen neu einstellen lässt).

Als Kulissen dienen an real existierenden Locations orientierte Rundkurse, die nächtliche Skyline von New York City etwa oder die sonnige Silhouette von San Francisco. Recht schick gemacht, aber nicht besonders spektakulär. Need for Speed: Underground hat hier mit all seinen Neonschildern und Fassaden, die sich auf den nassen Straßen spiegeln, deutlich mehr zu bieten. Dafür gibt’s in Blur mehr Abwechslung: In jeder Karrierestufe wollen Herausforderungen aus drei Gattungen gemeistert werden. So zum Beispiel ganz klassische Rundrennen gegen 19 herausfordernde Computergegner, bei denen euer fahrerisches Können genau so wichtig ist wie gutes Timing der Waffen. Die KI fährt gut mit, setzt aggressiv ihre Waffensysteme ein und ihr habt fast immer einen Gegenspieler am Heck – dennoch fühlt sich das alles natürlich und nicht nach Gummibandeffekt (cheatende KI) an. Neben solch klassischen Rennen werden immer wieder spannende Modi eingestreut. „Zerstörung“ gleicht einer Hetzjagd: Ihr jagt flüchtenden Gegnern Raketen ins Heck, das sichert Zeitboni und bremst die Stoppuhr. Ebenso spannend: „Kontrollpunkt“, eine rasante Hatz durch Checkpoints, mit der Stoppuhr gegen euch und Zeitbremsen beziehungsweise Nitroboosts als Helfern.

Unser fahrbarer Untersatz ist nicht sehr imposant, zugegeben. Noch nicht. Denn wir sind noch am Anfang unserer Karriere und werden unseren Focus RS bald gegen eine Luxusbolide eintauschen.

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