Benjamin Braun 24. März 2015 - 12:09 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Vielleicht hätte uns der Name jenes Ortes eine Warnung sein sollen. Aber mal ehrlich: Wenn das neblige Dickicht "Der verbotene Wald" heißt, weshalb sind wir dann nicht allein hier? Die Freude der Bewohner hält sich allerdings in Grenzen. Ein Frankenstein-artiger Gesell bewirft uns mit Molotowcocktails, sein Schlapphut-tragender Kumpel haut ständig mit der Axt nach uns – und wenn er seine Fackel in unsere Richtung ausstreckt, dann tut er das nicht, um uns Wärme zu spenden. Die wandelnden Leichen im Morast hinter dem Dorf der beiden, ein riesiges Schwein, das besser husten und prusten kann als der große böse Wolf, oder die medusenartigen Schlangengeflechte sind noch nicht alles: Kaum fühlen wir uns einigermaßen sicher, laufen wir auf einen großen Platz zu.

Da tauchen plötzlich drei Irre in schwarzen Kutten auf, decken uns mit Feuer und Blitzzauber ein. Dabei sind sie verflucht schnell, und ihre Stangenwaffen tun verdammt weh! Nachdem wir bereits fünf unserer Heiltränke geschluckt haben, kapieren wir halbwegs, wie wir den Magiern am besten ausweichen und sie attackieren können. Die Lebensenergiebalken von zwei der Kuttenträger sind bereits mehr als zur Hälfte geleert, als wir bei unserem nächsten Ausweichsprung nach hinten an einem der Grabsteine auf dem Kampfplatz hängen bleiben. Nach hinten geht nichts, zur Seite geht nichts – und unmittelbar vor uns stehen die drei mordlüsternen Kapuzenmänner. Ein letztes Mal vergräbt sich die Lanze von einem von ihnen in unseren Eingeweiden. "Verloren" erscheint rot auf dem Bildschirm. Wir hätten es ahnen können: Immerhin stand auf der Spielepackung von Bloodborne groß "von den Dark Souls-Machern"...

Verdorbenes BlutBloodborne entführt euch anders als die Souls-Reihe nicht in eine mittelalterliche Fantasy-Welt, sondern in ein düsteres, viktorianisch anmutendes Setting. Die Stadt Yharnam leidet unter einer grausigen Plage, viele ihre Bewohner sind infiziert und zu Horrorgestalten mutiert, der Rest traut sich während einer "Jagd" nicht mehr auf die Straße. Auf den gepflasterten Straßen stehen verlassene, halb ramponierte Pferdekutschen, allenorts brennen Pfähle, auf denen die noch menschenähnlichen Infizierten getötete Werwölfe und andere Kreaturen der Nacht zur Schau stellen. Auch die unzähligen Häuser im neugotischen Stil (wobei auch andere architektonische Richtungen wie Barock und Rokoko zu erkennen sind) tragen zur besonderen Atmosphäre bei. Ihr selbst schlüpft in die Rolle eines Jägers, dessen Blut wenigstens bislang noch nicht vom Bestium übermannt wurde. Was genau die Seuche verursacht hat, ist unklar. In jedem Fall steht sie im Zusammenhang mit "Blutexperimenten", denen ihr im Rahmen der Story nach und nach auf die Schliche kommt.

Story ist übrigens ein gutes Stichwort: Die Souls-Reihe war bislang nie sehr darum bemüht, eine Geschichte zu erzählen. Viel öfter gab es vage Andeutungen der NPCs und allenfalls hier und dort auch mal eine vertonte Zwischensequenz. Einen radikalen Wandel vollzieht From Software mit Bloodborne zwar nicht, doch finden wir die "Dialoge" mit den anderen Charakteren (wobei eure Figur wie gehabt nur Zuhörer ist) etwas gehaltvoller als in den letzten beiden Teilen von Dark Souls.

Die Spielwelt von Bloodborne besteht im Wesentlichen aus einem zusammenhängenden Areal, das ihr euch nach und nach erschließt. Bei vielen der storyrelevanten Nebenbereiche nach dem Startgebiet steht es euch frei, diese direkt oder auch erst zu einem späteren Zeitpunkt zu bereisen. In den jeweiligen Gebieten gibt es grundsätzlich Lampen, die ihr für die Schnellreise entzünden könnt. Rasten könnt ihr an diesem Gegenstück zu den Leuchtfeuern aus der Souls-Reihe allerdings nicht. Ihr nutzt sie lediglich, um darüber in den Nexus "Traum des Jägers" zu reisen, von wo aus ihr wiederum sämtliche aktivierten Lampen erreicht. Apropos Lampen: Im Gegensatz zu den beiden Vorgängerspielen ist es in Bloodborne wirklich immer dunkel, düster oder zumindest dämmrig, der Traum des Jägers stellt vermutlich den hellsten Abschnitt im ganzen Spiel dar.

Die zuletzt angesprungene Lampe dient zugleich als Wiederbelebungsort, wenn ihr sterben solltet. Wobei wie üblich gilt: Alle gesammelten "Seelen" (dieses Mal Blutechos genannt), die als Währung und Erfahrungspunkte dienen, gehen beim Ableben verloren, und fast alle Gegner sind wieder da, nur besiegte Bosse nicht. Und wie gehabt müsst ihr euch die Spielwelt selbst erschließen. Wir übersahen an einer Stelle beispielsweise eine Leiter, über die wir in einen bis
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lang nicht erforschten Teil der Spielwelt gelangen konnten. Das ist eine Situation, wie sie bei Bloodborne immer wieder vorkommt. Da es weder eine Karte noch eine Journalfunktion gibt, kann auch das Finden eines Passworts zur Öffnung eines Durchgangs zu einer langwierigen Aufgabe werden. Auch das sind Probleme, die Dark-Souls-Spieler zur Genüge kennen.

Bloodborne lebt letztlich aber ohnehin vom exzellenten Design der Spielwelt, sowohl visuell als auch durch die stark ans erste Dark Souls erinnernde Architektur. Auch in Bloodborne könnt ihr viele erst später erreichbare Gebäude bereits aus größerer Entfernung sehen, dorthin gelangt ihr quasi nie auf dem direkten Weg. Viel häufiger müsst ihr im zerklüfteten, teils labyrinthartigen Grundriss den rechten Pfad finden. Wie in Dark Souls gibt es auch in Bloodborne ein ausgeklügeltes Abkürzungssystem. Viele Türen lassen sich nur von der anderen Seite aus öffnen, Fahrstühle funktionieren erst in beide Richtungen, wenn ihr sie einmal aktiviert habt. Ein geniales System, was den beschwerlichen Weg bis dorthin bei der Rückkehr wesentlich angenehmer macht. Einfach ist Bloodborne deshalb aber noch lange nicht.
Einer der ersten Bosskämpfe von Bloodborne findet stilecht auf einem kleinen Friedhof statt. Aber nicht nur hier in der Stadt Yharnam präsentiert sich das Spiel düsterer, klerikaler und übrigens auch wesentlich blutiger als Dark Souls 2.

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