Test: Schrill, schräg, schwer

BlazBlue Continuum Shift Test

Das bisher schrägste und schrillste Anime-Prügelspiel BlazBlue geht mit Continuum Shift in die zweite Runde. Etwa nur neuer "Ecchi"-Stoff für Anime-Perverse, nur großzügige Erweiterung à la Super Street Fighter IV? Oder gar ein vollwertiger Nachfolger? Lest mehr dazu in unserem Testbericht.
Gerjet Betker 2. Dezember 2010 - 0:04 — vor 8 Jahren aktualisiert
360 PS3
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von Robert Stiehl

Wenn sich Litchi in leicht anzüglicher Basic-Instinct-Manier die Beine übereinander werfend in Kampfposition begibt; wenn Ninja-Proll Bang Shishigami sich mit ureigener J-Pop-Hymne erneut selbst feiert; wenn der halbwüchsige Carl vom vollbusigen Eichhörnchen-Girl Makoto aus Versehen "besprungen" wird – dann steht fest: "Die Japaner haben es wieder einmal getan!"

Wir reden vom faktischen zweiten Teil (auch wenn diese Zahl im Namen fehlt) eines hochinteressanten Prügelspiels, nämlich BlazBlue Continuum Shift. Dieses hat nach langer Zeit seinen Weg nach Europa gefunden -- und macht vieles besser als sein Vorgänger.

Erzwungenes Schattendasein


Zweifelsohne mischte Street Fighter IV in seiner neuen Version 2009 den Konsolenmarkt auf. Allerdings profitierte der Titel auch davon, dass damals BlazBlue Calamity Trigger noch in den japanischen Arcadehallen festhing und erste viele Monate, nachdem Street Fighter IV sich schon exorbitant verkauft hatte, für die Konsolen portiert wurde. Und obwohl das damalige neue Meisterwerk der Guilty-Gear-Macher von der Presse hochgelobt wurde und technisch an jeder Ecke mit Innovation reizte, verpasste es nicht nur das entscheidende Zeitfenster, um ein großes Stück des Kuchens abzukommen. Im Gegenteil: Calamity Trigger musste seither auf den Konsolen ein regelrechtes Schattendasein fristen -- woran aber auch das Spieldesign nicht unschuldig war. Und was nicht nur deutschen Fans noch bitterer aufstieß: Bis das Erstlings-BlazBlue endlich auch in die europäischen Läden kam, vergingen noch einmal fast neun Monate.

Operation erfolgreich, Patient lebt

Wer darauf hoffte, es würde mit dem Nachfolger in Sachen Umsetzungsgeschwindigkeit besser klappen, hat sich geirrt. Auch BlazBlue Continuum Shift kommt zum Leidwesen seiner europäischen Fans erst nach zig Release-Verschiebungen viele, viele Monate, nachdem es in Amerika und Japan schon rauf- und runtergespielt wurde, nach Europa und damit zu uns nach Deutschland. Das Gefühl ein altes Spiel in den Händen zu halten, stellt sich trotzdem nicht ein. Denn Continuum Shift versteht sich nicht – wie Super Street Fighter IV – als bloße Inhaltserweiterung. Vielmehr haben die BlazBlue-Entwickler nicht gezögert, das Skalpell zu zücken und tiefe Einschnitte am Kampfsystem vorzunehmen. Das aber, ohne jedoch auch nur den geringsten Abstrich am Gesamtanspruch des Spiels zu machen.

Versteht uns deshalb nicht falsch: BlazBlue ist immer noch ein schwer zu eerlernends und noch viel schwieriger zu meisterndes Anime-Prügelspiel. Es spielt sich jetzt nur wesentlich besser und ausbalancierter. Die Herrschaft der alten Dreier-Clique um Rachel, Arakune und V-13, die in Calamity Trigger problemlos ihre Rivalen mit ihrer überlegenden Reichweite ummähen konnten, ist vorbei. Jetzt muss sogar die kleine blaublütige Vampirdame Rachel tiefer in die Trickkiste greifen, um noch mitzumischen, und selbst Bang Shishigami, selbsternannter "Held der Liebe und Gerechtigkeit", erfreut sich in der Turnierszene ungewohnter Beliebtheit und ist dort immer öfter zu sehen in den Endrunden. Die Entwickler haben die Core-Spieler also erhört und deren Balancing-Traum erfüllt. Aber wie steht es mit den Anfängern und Neueinsteigern sowie mit denen, die einfach nur mal ein paar Casual-Runden zocken wollen?

Apropos Balancing: Japanischer Star-Spieler Tokido fährt mit dem ehemaligen BlazBlue-Underdog Bang Shishigami den Sieg ein.(Bildquelle: SoCal Regionals 2010, Endrunde)

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