Besser als Bad Company 2 & MoH?

Black Ops (Multiplayer) Test

Gong zur zweiten Runde! Nachdem Black Ops den Solo-Durchgang gegen MoH und MW2 für sich entschieden hat, geht’s um die Multiplayer-Wurst. Lest, wie es uns an Xbox 360 und PC erging, als wir mit Cyber-Gladiatoren aus aller Welt gerungen haben, und wieso wir nach all dem über einen Bildhauerkurs bei der Volkshochschule nachdenken.
Harald Fränkel 12. November 2010 - 16:14 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3 Wii DS
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„Der Sieg ist nah, gebt nicht nach!“, spornt uns die aus dem Nichts kommende, sonore Stimme des Kommentators an. Leicht gesagt, wenn einem aus Richtung 11 Uhr ein Schwarm von Geschossen um die Ohren pfeift! Doch offenbar hat der Motivationsspruch seinen Zweck erfüllt: Der nur einen Granatwurf entfernt hin- und hertänzelnde Gegner knickt nach einem Treffer aus unserer Freundin (Name: M16 aka „Chantal“) zusammen. An der Mattscheibe des Fernsehers ploppt eine „150“ auf, das Dreifache dessen, was ein Normalo-Abschuss an Erfahrungspunkten bringt. Das ebenfalls kurz eingeblendete Wort „Rächer“, das wir in der Hektik noch erblicken, bedeutet Vergeltung -- der eben niedergestreckte Feind hat also kurz vorher einen Kumpel ausgeknipst. „Yeees!“, brüllen wir wegen der Punktbeigabe so enthusiastisch, dass die Nachbarn wohl eine Beischlafbekundung vermuten.

Doch es bleibt keine Zeit zum Feiern. „Cobra kommt näher!“, bellt Big Brother aus dem Off. Umgehend holen wir den RPG-Raketenwerfer aus der Hosentasche, um den Heli gebührend willkommen zu heißen. Sekunden später schmiert die Maschine ab, und unsere Glückshormone laufen erneut Amok. Wie oft haben wir vorher ins Gras gebissen! Doch erneut schafft es Black Ops genau zur richtigen Zeit, etwaigen Frust im Keim zu ersticken. Jetzt hat unser Recke Rangstufe 13 erreicht, was die Gier nach immer neuen Waffen und Ausrüstungsgegenständen von Neuem weckt.

Trotz Patch noch Probleme am PC


Der Herr rechts sticht im Deathmatch-Modus „Frei für alle“ gleich den Konkurrenten in der Mitte und dann uns nieder. Wieso? Weil's auf PC momentan noch ruckelt. (Map: Jungle).
Es ist schon eine Kunst, wie Treyarch sein Baby so ausbalanciert hat, dass sowohl Einsteiger als auch Profis die Sucht packt. Der Verfasser dieser Zeilen, der Shooter überwiegend am PC konsumiert, fühlt sich aktuell den blutigen Anfängern so nah wie lange nicht mehr: Er muss seine Rezension wegen teils verheerender Steam-Ruckeleinlagen hauptsächlich auf Basis der Xbox-360-Fassung bestreiten. Dennoch fühlt sich das nie wie Strafe an, im Gegenteil! Die ersten Notizen auf dem Schreibblock: Steuerung per Gamepad superpräzise. Doch lässt sich die PC-Fassung gerade nicht vernünftig spielen: Selbst beim Screenshot-Machen für diesen Artikel standen wir wegen exxtrem nerviger Ruckler kurz vor dem Suizid.

Heute ist nun der erste PC-Patch veröffentlicht worden, der über Steam automatisch distribuiert wird (sofern ihr diese Option nicht abgewählt habt in den Steam-Einstellungen). Laut Patchnotes wurde insbesondere die Performance auf Dual- und Quadcore-Prozessoren gesteigert. Ein kurzer Check ergab, dass sich die Performance im Vergleich zu den ersten drei Tagen verbessert hat, es gibt deutlich weniger "Unspielbar-Ruckler". Dennoch ist die PC-Fassung im Multiplayer-Modus noch davon entfernt, sich so flüssig zu spielen wie der Solomodus oder Multiplayer auf Konsole.

Todesserien ade!

Black Ops erfindet Multiplayer-Schlachten keineswegs neu. Schon das erstklassige Modern Warfare 2 schlug sowohl die meisten Gelegenheitsballerer als auch Schützenmeister mit einem motivierenden Rangsystem in seinen Bann (bis zum großen Cheat-Desaster jedenfalls). Sein rollenspielartiges Design mauserte sich zum Herzstück inmitten eigentlich recht gewöhnlicher Spielmodi. Was das bislang im Schatten von Infinity Ward stehende Entwicklerstudio Treyarch in Sachen Black Ops getan hat: gefeilt und vor allem ergänzt. Damit triumphiert der Titel nicht nur bei der Solokampagne (siehe unseren getrennten Solo-Test), sondern auch online über den Vorgänger. Für schwächere Spieler ist es zwar schade, dass die Todesserien verschwunden sind und es keine Trostpflaster mehr gibt, falls man mehrfach in Folge abnibbelt. Die hartkernige Zielgruppe wird diese Entscheidung aber eher begrüßen. Almosen in Form von kurzzeitig mehr Lebensenergie sind ja wohl Kinderkacka -- wem es an „Skill“ fehlt, soll einfach draußen bleiben, mögen sie herzlos konstatieren.

Die auf diese Art Verhöhnten werden es trotzdem überleben. Auch, weil sich der neue Modus „Kampftraining“ als Knüller entpuppt. Hier übt ihr die Varianten „Deathmatch“ und „Team Deathmatch“ gegen computergesteuerte Feindheinis. Deren Namen generieren sich witzigerweise aus eurer Freundesliste. Selbst sogenannte „N00bs“ fühlen sich als Könner, sofern sie den niedrigsten von vier Schwierigkeitsgraden wählen. Die Konkurrenten reagieren dann mit der Waffe kaum schneller als eine Valium-Tablette und legen passend dazu die Bewegungsfreude von Kleiderschränken an den Tag.

Der Übungsmodus macht auch fortgeschrittenen Spielern viel Spaß, weil er das ganze Erfahrungs- und Rangsystem von Black Ops simuliert. Ihr könnt sämtlichen Schnick und Schnack freischalten, den es auch online gibt. In den Multiplayer-Part mitnehmen dürft ihr den Kram aber nicht. Wäre ja noch schöner, ne? Resümee zum Kampftraining: Genial! So etwas wurde einem früher gelegentlich als kompletter Einzelspielermodus verkauft, denken wir etwa an die Unreal Tournament-Reihe.         

Leicht zu lernen, schwer zu meistern

Der Eindruck täuscht: Ein Kollege (nicht im Bild) hat uns gerade noch gerettet.
Warum Black Ops darüber hinaus für bedingt versierte Shooter-Jünger ein Geheimtipp ist? Anders als beim ebenso kürzlich veröffentlichten Medal of Honor (GG-Test: 7.5) zeigt die bereits aus Modern Warfare 2 bekannte Zeitlupen-Killcam stets, wer euch von welcher Stelle aus ins Gras hat beißen lassen. Das finden wir nicht nur fair im Hinblick auf fiese Verstecke diverser Camping-Freunde, sondern man lernt dabei grundsätzlich dazu.

Ferner hält einen das Action-Spektakel bei der Stange, weil es selbst bei mäßigen Leistungen schnell die ersten Extras freischaltet. Es kratzt also kaum, dass man anfangs nur drei von zehn Mehrspielermodi daddeln und noch keine eigenen Klassen erstellen kann. Abgesehen davon wimmelt es nur so von potenziellen Belohnungen in Form von Waffen, Ausrüstung, Spezialfähigkeiten, Herausforderungen und Aufträgen -- irgendetwas Neues offenbart sich dem Spieler immer … und wenn das nur aus Zufall geschieht. Ja, so funktioniert das fiese, feine Suchtprinzip spätestens seit dem ersten Diablo.   

Belohnung der besonderen Art: Nach elf Abschüssen in Folge dürft ihr einen Kampfhubschrauber steuern und MG-Salven sowie Raketen auf der Map verteilen. Die Luftaufnahme zeigt die Karte Nuketown.   

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