Test: Rückkehr nach Rapture

Bioshock 2 Test

Bioshock wurde vor zweieinhalb Jahren vor allem für seine Geschichte und das unverbrauchte Szenario hoch gelobt. Im zweiten Teil kehrt ihr nach Rapture zurück und erlebt die Unterwasserstadt aus einer völlig anderen Perspektive: die eines Big Daddy. Aber auch so hat sich seit eurem ersten Besuch einiges verändert…
Christoph Licht 14. Februar 2010 - 5:12 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3
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"Schau mal Daddy, ein Engel!" verkündigt eine Kinderstimme von unserer rechten Schulter. Stimmt, in der Wasserpfütze vor uns liegt eine weitere Leiche, vollgepumpt mit der Droge Adam. Nur unsere kleine, nicht wirklich menschliche Freundin kann die wertvolle Substanz aus dem geschundenen Körper, Verzeihung, dem Engel, extrahieren. Mit einer riesigen Spritze. Wer Bioshock 1 gespielt hat, kennt das so ungefähr schon, neu aber ist – neben vielen anderem – dass die Little Sisters euch nun aktiv helfen.

Unsere Little Sister hat eine Leiche entdeckt und beginnt damit, das Adam aus ihr zu extrahieren.

Auch die anderen Bewohner der Unterwasserstadt Rapture sind scharf aufs Adam. Deshalb sondieren wir die schummrige Umgebung und nutzen unsere überdimensionierte Nietenkanone, um Fallen an strategischen Punkten rund um die Leiche in den Boden zu pflanzen. Erst dann setzen wir sanft das Mädchen auf dem Boden ab. Während sie liebevoll beginnt, das Adam abzusaugen, bricht um uns die Hölle los. Aus allen Ecken kommen Splicer auf uns zugestürmt. Blind finden die vom Adam Entstellten und in den Wahnsinn Getriebenen durch unsere Fallen den Tod. Die nächste Welle setzen wir per "Anfackeln"-Plasmid in Brand und feuern gleichzeitig mit unserem Maschinengewehr aus allen Rohren. Eine gefühlte Ewigkeit später hat die Little Sister das Absaugen beendet und wartet darauf, dass wir sie abholen. "Du bist es!" ruft sie freudig und schaut uns aus ihren pupillenlosen Kindchenschema-Augen an. Während wir sie betrachten, werden wir vor die Wahl gestellt: "Aufheben" oder "Ausbeuten" (im englischen Original: "harvest", also ernten).

Schon im 2007 erschienenen Vorgänger spielten die Little Sisters, das Adam und die Entscheidung über Leben und Tod der "kleinen Mädchen" eine große Rolle. Daran hat sich auch in Bioshock 2 nichts geändert. Wieder beeinflusst eure Wahl den weiteren Spielablauf und den Abspann. Doch die Perspektive, aus der ihr diese Wahl trefft, ist dieses Mal eine völlig andere. Statt in die Rolle eines menschlichen Rückkehrers, schlüpft ihr in den mächtigen Taucheranzug der Big Daddys, den Beschützern der Little Sisters. Ihr seid aber nicht irgendein Big Daddy, versteht sich, sondern der allererste. Und ihr habt ein Problem: Eure Little Sister ist euch abhanden gekommen...

Dr. Sofia Lamb hat eure Tochter entführt und würde euch am liebsten tot sehen.

Die verlorene Tochter

Bioshock 2 setzt circa 10 Jahre nach den Ereignissen im ersten Teil an. Nach dem Tod des ehemaligen Rapture-Chefs Andrew Ryan und anderen führenden Persönlichkeiten (wir wollen nicht zuviel spoilern, falls ihr tatsächlich Teil 1 noch nicht gespielt habt), hat die Psychologin und ehemalige Rivalin von Ryan, Dr. Sofia Lamb, die Kontrolle über die Stadt übernommen. Viel ist von Rapture freilich nicht mehr übrig. Große Teile der Unterwasserstadt sind verweist, überall dringt Wasser ein, große Bereiche wurden bereits geflutet. Doch verlassen ist die Stadt nicht. Big Daddies streifen mit ihren Little Sisters durch die Gassen, Splicer machen die Gebäude unsicher. Zudem werdet ihr im Spielverlauf auf weitere Überlebende abseits von Dr. Lamb treffen – darunter auch auf aus dem ersten Teil bekannte Persönlichkeiten wie die "Erschafferin" der Little Sisters, Dr. Bridgette Tenenbaum. Der Großteil der Geschichte wird jedoch wieder aus der Ferne über Funkübertragungen und die über 100 Tonbänder erzählt, die überall in den Levels versteckt sind. Vor allem über letztere Remineszenz an System Shock erhaltet ihr nach und nach "nebenbei" eine immer bessere Vorstellung von der Entstehung von Rapture und was es mit den Big Daddies wirklich auf sich hat. Als "Subject Delta" seid ihr ein ganz besonderer Big Daddy. Anders als die übrigen Beschützer wurdet ihr fest an Eleanor, die erste der Little Sisters, gebunden. Doch Lamb hat sie euch genommen. Im Laufe der gut zwölf Stunden Spielzeit ist euer Hauptziel, Eleanor zu retten.

Wahrhaft einzigartige, denkwürdige Momente wie im Teil 1, etwa das allererste Treffen auf eine Little Sister oder das Betreten von Cohens Reich schenkt euch Bioshock 2 leider nicht. Doch dank abwechslungsreicher und grafisch ansprechender Zwischenstationen hält euch die Geschichte durchgehend bei der Stange. So werdet ihr den Vergnügungspark "Ryan Amusements" besuchen, in dem Andrew Ryan höchstpersönlich den Kindern die Mär von der bösen Außenwelt erzählt. Oder der Firmenzentrale von Fontain Future einen Besuch abstatten, wo ein letzter Mitarbeiter die Stellung hält. Und außerdem mehr als nur einen Unterwasserspaziergang innerhalb und außerhalb von Rapture unternehmen. Auch fällt das Spiel nach dem obligatorischen, aber wieder überraschenden Story-Twist nicht plötzlich ab. Zum Einen, weil das Ende dann nicht mehr so fern ist wie in Teil 1. Zum Anderen, weil danach ein noch größeres Highlight folgt als Jacks Ausflug in einem Big-Daddy-Anzug im ersten Teil. Wir wollen euch jedoch nicht zu viel verraten. Es sei genug damit gesagt, dass ihr Rapture erstmals in seiner ganzen Pracht erleben werdet. Und dass wir die beiden Enden von Teil 2 wesentlich stimmungsvoller und befriedigender finden als das müde Finale von Bioshock 1.

Die Plasmide
Elf Plasmide erwarten euch im Spiel, unsere sechs Lieblinge wollen wir euch kurz vorstellen: 1 "Abfackeln!" sieht nicht nur schön aus, die meisten Gegner sind auch gegen Feuer empfindlich. 2 Mit "Scout" könnt ihr wie Tommy aus Prey euren Körper kurzzeitig verlassen und die Umgebung erkunden. 3 "Winter Blast" friert die Gegner kurzzeitig ein und lässt sie bei ihrem Tod in tausend Teile zerspringen. 4  "Insektenschwarm" hetzt fiese Killerbienen auf eure Gegner. Die Bienen verursachen zwar nur wenig Schaden, setzen das Opfer jedoch einige Zeit außer Gefecht. 5 Der "Electrobolt" lässt sich zu einem Kettenblitz aufrüsten. Praktischer ist er jedoch, um Splicer in Wasserpfützen unter Strom zu setzen. 6 Dank "Hypnotisieren 3" kämpft der Leadhead Splicer links nicht nur kurzzeitig, sondern bis zu seinem Tod an unserer Seite.

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