Test: PC- und Xbox-Version

Battlefield 3 Test

Mit Modern Warfare hat sich EA einen mächtigen Gegner herausgepickt: Ausgerechnet die zwar teils als "Moorhuhn-Shooter" kritisierten, aber extrem spannend inszenierten Solomissionen der Call-of-Duty-Serie soll BF3 übertrumpfen. Und obendrauf den traditionell superben Multiplayer-Part setzen. Wir haben die 360-Retailversion getestet.
Jörg Langer 25. Oktober 2011 - 17:51 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von uns. Wir testeten die PC-Version (1080p, alle Einstellungen "Hoch") sowie die Xbox-360-Version mit installierten "HD-Texturen".


Battlefield 3 ist der elfte Teil einer Serie, die anno 2002 als reinrassiges Mehrspieler-Spektakel startete und schnell zu einem der Lieblingsspiele taktikorientierter Team-Shooter-Freunde wurde. Das von Battlefield eingeführte "Ticket-System" (Kontrolle von Flaggen und Kills senken die gegnerischen Tickets, bei null ist Schluss) hat viele andere Spiele beeinflusst. Seit dem (in Story und Grafik überzeichneten) Bad Company (2008) wildert die Serie auch in Einzelspielergefilden. Bad Company 2 ist immer noch sehr beliebt, doch nun kommt der dritte Teil der "Hauptserie". Doch statt wie früher auf eine "Solo-Kampagne" zu setzen, die im Prinzip nur Multiplayer-Maps mit Bots aneinanderreihte, will EA dieses Mal aufs Ganze gehen: Im Vorfeld der Veröffentlichung des neuesten Serienablegers fuhr der Konzern schwere Marketinggeschütze auf und versprach ein einzigartiges Spielerlebnis auch im Solomodus, das Maßstäbe setzen sollte bei Grafik, Sound und Inszenierung.
 
Wenn es um Inszenierung und Story geht, muss sich Battlefield 3 zwangsläufig den Vergleich mit der Call of Duty-Serie gefallen lassen. Activisions Ballerserie geizt nicht mit Höhepunkten – unvergessen sind die Scharfschützenmission im ukrainischen Pripyat und die Atombombenexplosion in Modern Warfare oder die kontrovers diskutierte Mission „Kein Russisch“ in Modern Warfare 2. Solche Schlüsselmomente sind es, über die sich ein Spiel von der Masse abhebt, die den Spieler emotional gefangen nehmen, ihm das Gefühl geben, etwas ganz Besonderes, Einzigartiges zu erleben. Battlefield 3 könnte den gleichen Fehler machen wie THQs Homefront oder Medal of Honor und versuchen, den Kassenschlager Call of Duty in jeder Hinsicht zu kopieren. Macht es aber nicht – was sowohl positive Seiten (das Finale) als auch negative hat.
Detaillierte Figuren und wogende Flora (der Unschärfeeffekt ist Absicht): Die PC-Fassung sieht deutlich besser aus.

Die PC-Version
Wir haben zunächst die Xbox-Version durchgespielt und dann die PC-Fassung. Letztere sieht, wenig überraschend, wesentlich besser aus. Auf den Einstellungen "Hoch" (es gibt auch noch Ultra) ist die Darstellung der auf Konsolen in quasi jeder Beziehung deutlich überlegen, seien es die Lichteffekte, die Texturen, die Objektdetails oder die nackte Auflösung. Allerdings: Einige Präsentationsfehler, die uns auf der Konsole aufgefallen sind, traten auch auf dem PC auf. So fielen in einer Mission reproduzierbar Teile der Soundeffekte aus, teilweise blieb es sogar ganz stumm. Was im ersten Moment wie der Taubheiteffekt zu Beginn von Der Soldat James Ryan wirkt, nervt spätestens dann, wenn ihr Schüsse nicht mehr hören könnt, die euch gelten. In einer höchst spannenden Szene am Ende einer Mission hatten wir plötzlich nur noch einen schwarzen Bildschirm, in dem in der Ferne die beiden handelnden Charaktere noch als blaue Callsigns zu sehen waren – hätten wir nicht den Tester-Kollegen von der Xbox 360 gefragt, wir wüssten nicht, was in dem spannenden Moment eigentlich passiert wäre. Und auch die Augen der ansonsten toll animierten, beispielsweise flüssig um Ecken rennenden Soldaten wirken ebenso tot wie auf Konsole. Da helfen auch die zusätzlichen Pixel nichts.

Kein Witz: Die Designerschreibtische vor uns sind ein unüberwindliches Hindernis für unseren Panzer. (PC)
Auch in Sachen "Umgebungszerstörung" haben wir auf PC keine größeren Verbesserungen zur Konsolenfassung festgestellt. Mag sein, dass das Mauerwerk noch schöner abplatzt und Glas noch klirrender zerspratzt, doch wie bei der Xbox-Fassung sind die Stellen, an denen ihr überhaupt etwas zerstören könnt (und nicht nur – etwas besser aussehende – Einschusslöcher in den Wänden lasst), fest vorgegeben. Möglicherweise wippt die Vegetation auf PC mehr, ein paar Mal wird auch eine Palme von den Kämpfen umgeknickt (woran wir uns auf Xbox 360 zumindest nicht aktiv erinnern können), aber von einer frei zerstörbaren Umgebung ist auch die PC-Version von Battlefield 3 weit entfernt.

Geradezu lächerlich wird es, wenn ein schwerer Panzer durch ein Haus fährt und dabei um einen Schreibtisch herumfahren muss, weil er diesen nicht überwinden oder plattwalzen kann. Ein anderes Mal zappelte unser Panzer eine halbe Minute lang auf dem Dach eines PKWs, den wir (von einem kleinen Hügel aus) überrollen wollten. Außerdem hatten wir auf der PC-Fassung etwa ein- bis zweimal pro Stunde einen Absturz – da es dafür unter Windows viele Ursachen geben kann, wollen wir das nicht zu hoch gewichten (wir hatten allerdings den neuesten, angeblich speziell für BF3 optimierten und dieses um 11 Prozent beschleunigenden Geforce-Treiber auf unserem Rechner geladen).

Dass ihr das Spiel per Battlelog im Browser startet (wo ihr auch Zugriff auf Statistiken, Friendslists, Koop-Missionen und den normalen Multiplayer-Part habt), hat uns nicht weiter gestört. Allerdings müsst ihr euch zumindest einmalig über EAs Plattform Origin verbinden, bevor ihr das Spiel auch nur solo erleben könnt (danach lässt sich der Client in den Offline-Modus schalten). Dass ihr bei dieser Zwangsnutzung von Origin AGBs bestätigen müsst, die nicht unbedingt deutschem Recht entsprechen, haben wir bereits mehrfach thematisiert auf GamersGlobal.

Und doch: Die PC-Fassung ist deutlich schöner als die Xbox-Fassung, wenn euch der Origin-Aspekt nicht stört, solltet ihr auf jeden Fall zu ihr greifen. Zumal das Zielen per Maus einfach viel intuitiver und genauer ist, als per Gamepad.
Vor allem zu Fuß erlebt ihr in Battlefield spannende Passagen – und immer wieder seid ihr mit Kameraden unterwegs. (PC)

Eine Welt voller Terror
Den Handlungsrahmen bildet ein Verhör, bei dem die Geheimdienstagenten Whistler und Gordon den Protagonisten, US-Sergeant Henry Blackburn, in die Mangel nehmen. Es findet in einem schäbigen Raum statt, hoch oben über den Straßen von New York. Blackburn hat Hinweise auf einen drohenden Terroranschlag im „Big Apple“, noch größer und gefährlicher als am 11. September 2001. Wo vor einem Jahrzehnt Flugzeuge in Bürotürme rasten und die Trümmer der Twin Towers mehr als 3000 Menschen unter sich begruben, soll die neue Gefahr noch verheerender sein. Was das für die Weltpolitik bedeuten würde, mag sich Blackburn nicht ausmalen, zumal die Drahtzieher aus dem politisch instabilen Nahen Osten kommen und der radikalislamischen Organisation PLR angehören. Doch niemand schenkt ihm und seinen Warnungen Aufmerksamkeit, schon gar nicht die beiden Agenten. Stattdessen löchern sie den Soldaten mit Fragen. Was hatte er in Iran und Irak zu tun? Was machten seine Kontakte in Paris? Und wieso ging eine der Massenvernichtungswaffen, um die es in der Story geht, in die Luft?
 
In den folgenden fünf bis sechs Stunden – und das ist etwas unter dem Durchschnitt aktueller Shooter – der Solokampagne reiht sich, ähnlich wie in Call of Duty - Black Ops,  spielbare Rückblende an spielbare Rückblende. Ihr hüpft in Episoden von der fernen Vergangenheit in die Gegenwart. Dabei übernehmt ihr nicht nur die Rolle des Sergeants, sondern verschiedener Akteure, deren Handlungsfäden allesamt bei Blackburn zusammen laufen – auch wenn sie meist so wirken, als habe DICE eine Entschuldigung gesucht, beispielsweise eine Panzerschlacht einzubauen. Ihr bereist den Irak, den Iran und Frankreich, von dort aus geht es wieder zurück in den Nahen Osten und letztlich auch nach Amerika.

Die Geschichte mag anfangs flach wirken und nur einen Rahmen zum illustren Bereisen der Welt darstellen, doch je weiter ihr voran kommt, desto mehr setzen sich die einzelnen Versatzstücke der Story zusammen. Generell geht die Inszenierung einen etwas anderen Weg als bei der großen Konkurrenzserie; sie reiht nicht Highlight an Highlight und endet auch nicht mit der (wir übertreiben nur leicht) Vernichtung halber Staaten, sondern wirkt insgesamt normaler und auch etwas glaubwürdiger. Das heißt aber nicht, dass ihr im Laufe der Handlung nich völlig unrealistisch Hunderte von Gegner töten werdet.
 
Black Ops
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versuchte letztes Jahr durch die Verbindung von fingierten und fiktiven Zeitungen und der Begegnung mit den politischen Granden des Kalten Krieges wie Castro oder Kennedy, Grenzen zwischen Historie und Fiktion aufzuheben. Das gelang erstaunlich gut. Sich nun aber ein Battlefield 3 vorzustellen, in dem ihr Barack Obama trefft, den iranischen Regierungschef Ahmadinedschad ausschaltet oder Putin beim Angeln besucht, während euch die New York Times feiert, wäre unfreiwillig komisch. Stattdessen nimmt sich Battlefield 3 die Zeit, um seine Geschichte über einen denkbaren Konflikt zwischen West und Nahost zu entwickeln. Es scheint zu sagen: "Ihr müsst das nicht alles glauben und nachvollziehen können, aber wir wollen euch auch nicht ein bleihaltiges Disneyland präsentieren, wie die Jungs von na-ihr-wisst-schon.“ Eine prinzipiell sehr löbliche Entscheidung, wie wir finden, doch eine, die auch ihre Probleme mit sich bringt. Insbesondere krankt die Handlung von Battlefield 3, so spannend sie insgesamt ist, an drei Problemen, die wir euch nicht verschweigen wollen...

Lest auf der nächsten Seite über die großen Probleme der Battlefield-Handlung.

before
after
... PC (rechts) von dieser Stelle aus (nicht nur wegen der etwas anderen Perspektive!) nicht zu sehen: Der PC stellt Objekte wie die Bäume auch in größerer Entfernung noch dar, sodass sie den Eiffelturm verdecken.

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