Test: Assassini ex Machina

Assassin's Creed Brotherhood Test

Mehr vom Gleichen! Was bei jedem anderen Spiel die Einleitung zu einem "Okay"-Test wäre, meint hier etwas anderes: Das 1A-Spielprinzip von AC2 wurde noch ausgebaut. Zwar stören uns diverse Details, doch Brotherhood sollte man gespielt haben. Folgt uns ins Rom des 16. Jahrhunderts, führt die Assassinen-Bruderschaft und... tötet Cesare!
Jörg Langer 17. November 2010 - 0:40 — vor 7 Jahren aktualisiert
360 PS3
Assassin's Creed Brotherhood
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A.C. Brotherhood in Zahlen
11 Sequenzen (inklusive zwei in der Gegenwart)
65 Story-Missionen (davon sechs in der Gegenwart)
10 Gegnertypen (inkl. Päpstliche Garde & Hauptleute)
4 Lenoardo-Missionen (drei davon optional)
12 Borgia-Türme (=Assassinen-Slots)
6Verstecke der Söhne des Romulus (optional)
2 Templerverstecke (nicht in jeder Edition)
12 Attentatsmissionen
10 Kurtisanen-Missionen
10+6 Diebes- + Templermissionen
6 Geschäftsaufträge
5 Cristina-Erinnerungen
25 Sonderaufträge auf Europakarte (+generische)
64 Läden (17 Schmiede, 15 Ärzte, 12 Schneider, 10 Kunsthändler, 10 Banken)
57 sonstige Gebäude (13 Wahrzeichen, 9 Gilden-häuser, 8 Aquäducte, 9 Pferdeställe, 18 Tunnels)
31 Waffen (8 kleine, 15 mittlere, 6 schwere, 2 Lang-)
20 Rüstungsteile (inklusive Brutus-Rüstung)
15 Gemälde (fürs Hauptquartier)
 
Im Vergleich zum historisch verbürgten, angeblich ständig Haschischklumpen-kauenden (dieser Theorie nach verschliff sich Haschisch dann zu "Hassis" und ergab dann Assassine) Originalgeheimbund sind die Assassinen in der gleichnamigen Ubisoft-Spielserie ein gar edles Völkchen: Durch die Jahrhunderte hindurch liefern sie sich einen Schicksalskampf mit den bösen Tempelrittern. Die Assassinen stehen für Freiheit und Aufklärung, die Templer für Kontrolle, Machtgier und Welteroberungspläne.

Dummerweise haben letztere im Jahr 2012 fast gewonnen: die letzten vier modernen Assassinen (auf Deutsch übrigens mit dem wenig schmeichelhaften Meuchelmörder zu übersetzen) sind auf der Flucht. Und zwar vor dem weit verzweigten, konzernähnlichen Templer-Geheimbund Abstergo. Der stellt schon seit dem ersten Teil die Bösewicht-Fraktion dar, wobei uns das damals noch nicht so ganz klar war.

In Assassin's Creed 2 flohen wir anfänglich aus der Zentrale des Konzerns und mussten später einen direkten Angriff von dessen Häschern überleben. Und zwar in der Jetztzeit (2012), was durchaus ungewöhnlich innerhalb des Spielkontexts ist. Denn dank der Technologie des Animus, mit dem entsprechend Begabte die DNA ihrer Vorfahren "anzapfen" können, findet der Konflikt zwischen Assassinen und Templern quer durch die Zeiten statt.
 
Die ewige Schlacht

Die Grundidee des Spiels: Aus der "Gegenwart" beamt sich euer Alter Ego Desmond Miles zurück in die Vergangenheit. Aber nicht in irgendeine Vergangenheit, sondern in die eines seiner Vorfahren. In Assassin's Creed Brotherhood ist das wie im direkten Vorgänger abermals Ezio. Die Handlung setzt sowohl in der Jetztzeit der Rahmenhandlung als auch in der Vergangenheit im spätmittelalterlichen Rom direkt nach dem (doppelten) Finale von Assassin's Creed 2 an: Ezio erlebte einen Cliffhanger im Vatikan, Desmond und Kollegen konnten gerade noch auf einen Lkw springen, um den Templern zu entkommen. Nun kehrt ersterer nach Monteriggioni zurück, und letztere fliehen nach... Monteriggioni, aber natürlich in modern. Ein sehr schöner Storykniff; eure ersten Kletter-Partien absolviert ihr dann auch in der Moderne. Dem voraus geht ein Prolog, der euch die Belagerung und Eroberung Monteriggionis -- Trutzburg von Ezios Familie -- durch die Truppen von Cesare Borgia miterleben lässt. Ein fulminanter Start, der erklärt, wieso es Ezio nach Rom verschlägt -- in die "heilige Stadt", die zwar tief gefallen, aufgrund ihrer schieren Größe und dem dort ansässigen Papst aber immer noch ein Machtfaktor in Italien ist.
 
Die wichtigste Neuerung: Rom
 
Kein ehrwürdiges Bauwerk, das ihr nicht erklettern könnt!
Zunächst einmal die gute Nachricht: Wer schon AC2 mochte, muss sich für ACB nicht groß umstellen: Grafik, Bedienung, Machart der Story, die Open-World-Elemente -- praktisch alles ist so wie im Vorgänger, nur etwas erweitert. Aber ihr wollt euch bestimmt nicht über Aufzählungen der neuen Waffen langweilen, oder dass es nun neben Federn (nur noch 10!) auch 101 Borgia-Wimpel einzusammeln gilt. Kommen wir deshalb zur wesentlichsten Neuerung: Rom. Rom ist groß, sehr groß, geschätzt doppelt so groß wie das eh nicht kleine Venedig aus dem Vorgänger. Doch wo es in AC2 mit Florenz und einigen kleineren Gegenden recht viel unterschiedliches Terrain (zwischen denen "teleportiert" wurde) zu entdecken gab, ist Rom im wesentlichen eine große, zusammenhängende Metropole. Erwartet nicht den modernen Koloss aus zugebauter Fläche, verwinkelten Gassen, stinkenden Mopeds und saurerregenzerpflückten Ruinen -- wobei, sowohl die Gassen als auch (die noch zahlreicheren) Ruinen machen schon einen guten Teil des simulierten Altroms aus. Doch innerhalb der Stadtmauern gibt es durchaus auch große freie Flächen, natürlich den Tiber, dann die sieben Hügel Roms -- ihr erlebt also schon wechselnde Szenerien. Doch mit dem Gefühl des Vorgängers, nach langen Mühen endlich in Venedig anzukommen, wo AC2 erst richtig los ging, können die Bezirke Roms nicht mithalten.

Im Inneren des Pantheon ist ein Fragment der "Wahrheit" von Subjet 16 versteckt. Wir finden es per Adlerblick.

Rom ist in ein halbes Dutzend Bezirke eingeteilt, im größten davon (Centro) startet ihr. Zwar nicht flächenmäßig, aber in der Wirtschaftsleistung macht das Centro ziemlich genau die Hälfte Roms aus. Und das ganz unmittelbar auch für euch Spieler: Statt mit Monteriggioni nur ein kleines Wehrdorf auszubauen, verändert ihr nach und nach das Stadtbild der ganzen Metropole. Überall sind Banken, Schmiede, Bekleidungshändler, Ställe, Kunstgalerien und Arztpraxen -- doch die allermeisten davon sind verrammelt. Das liegt am Einfluss der bösen Borgia, der herrschenden Familie, aus der nicht nur Cesare stammt, sondern auch der amtierende Papst. Sie unterdrücken Rom und beuten es aus. Ihre Kontrolle wird nicht nur durch die omnipräsenten Wachtrupps repräsentiert, die ihr beim Rennen keinesfalls rammen solltet. Sondern auch durch exakt zwölf Borgia-Türme, die das umliegende Gebiet beherrschen (dabei gibt es in jedem Bezirk bis auf Vatikan und Engelsburg mehrere Türme).

Dieser nette Herr ist Niccolo Machiavelli, der mit seinem Realpolitik-Traktat "Der Prinz" posthum weltberühmt wurde.
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