Bereit zum Entern

Assassin's Creed 4 Test

Landratten kommen im neuesten Teil von Ubisofts Assassinen-Kompendium nur begrenzt auf ihre Kosten. Denn die Karibik will vor allem mit dem Schiff erkundet und dabei so manche schwere Galeone versenkt werden. Ob die Entwickler für das wesentlich offenere Spieldesign die Story schleifen lassen, erfahrt ihr im Test.
Benjamin Braun 29. Oktober 2013 - 9:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal. Sie wurden von uns mit der PS4-Fassung erstellt.

Jack Sparrow wäre wahrscheinlich stolz auf Ubisofts Entscheidung, den sechsten Teil der Assassin's Creed-Serie in die Karibik des beginnenden 18. Jahrhunderts zu verlegen. Immerhin ist das die große Zeit der Freibeuter, die die sieben Weltmeere, nicht zuletzt aber die Länder im Golf von Mexiko unsicher machten. Blackbeard oder William Kidd sind nur zwei der wohl bekanntesten Namen, um die sich Legenden mit Augenklappen, Papageien auf der Schulter und die angebliche Suche nach Freiheit ranken. In Assassin's Creed 4 - Black Flag sind es Piraten wie diese, denen die neue Hauptfigur Edward Kenway begegnen wird. Wie, der Name sagt euch bereits etwas? Richtig, es handelt sich um einen Vorfahren von Connor Kenway, dem Halbblutindianer aus Assassin's Creed 3 (GG-Test: 9.0). Auch Edwards Ahne schien die Seefahrt im Blut zu haben und musste sich im kanonenbewehrten Segelschiff aufs Meer hinauswagen, um dort das eine oder andere Scharmützel zu bestehen.

Für Edward hingegen sind die Seeschlachten kein Randschauplatz, sondern Tagesgeschäft – ihn erwarten auf der Reise von Kingston nach Havanna oder von Port Royale nach Nassau unzählige feindliche Schiffe, die er um ihre Beute erleichtern muss. Ihr merkt schon, der nunmehr sechste Teil der Serie präsentiert sich anders als seine Vorgänger. Er stellt nicht mehr die Story in den Vordergrund, sondern die bedeutend größere und freiere Spielwelt, in der die Seefahrt, die Jagd auf wilde Tiere oder das Tauchen nach wertvollen Artefakten auf euch warten. Wir haben die neueste Iteration der Meuchelmörder-Serie für euch auf der PlayStation 4 gespielt. Was sich alles verändert hat, wie stark Assassin's Creed 4 den Spieler zum Open-World-Engagement zwingt und weshalb wir trotz hoher Grundqualitäten nicht vollends begeistert sind, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Packender EinstiegEdward Kenway ist Waliser und ein Mann, der sich mit seiner Verlobten Caroline ein schönes Leben machen könnte. Auf einem Schiff der Briten anzuheuern, kommt für Edward allerdings nicht in Frage. Edward will richtig Geld machen, um sich und seine Herzensdame aus dem schäbigen Dasein zu befreien. Doch es kommt schlimm für Edward und seine Herzensdame. Im Kampf mit einem britischen Schiff wird sein Boot versenkt und er landet auf einer einsamen Insel. Neben ihm wird ein weiterer Überlebender an den Strand gespült, ein Assassine, der sich zu seinem Nachteil mit Edward anlegt. Nach einer wilden Verfolgungsjagd ist der Assassine tot und Edward nimmt dessen Identität an. Das alles geschieht in Assassin's Creed 4 Schlag auf Schlag und gewinnt durch die zwischengeschalteten Rückblenden zusätzlich an Spannung und Struktur. Ihr müsst also keinen so zähen Einstieg ins Abenteuer befürchten, wie es ihn im letzten Serienteil gab. Das zumindest gilt für die ersten 15 bis 20 Minuten des Abenteuers. Denn im Anschluss an die erste Erinnerungssequenz wird es wieder deutlich zäher und langatmiger mit Tutorial-Missionen, die Ubisoft angesichts der vielen treuen Fans der Serie wohl besser optional hätte anbieten sollen.

Blasser Sprücheklopfer
Edward ist ein Pirat in Assassinenkluft – allerdings ist er nicht halb so interessant wie diese Beschreibung verspricht.
Bald trifft Edward auf den Händler Stede Bonnet, den er erst vor den Briten rettet und dann ins Piratennest Havanna begleitet, mit dem Ziel, ein neues Schiff zu ergattern. Natürlich gerät unser Pirat über kurz oder lang in einen Konflikt zwischen Templern und Assassinen, womit dann auch, nicht für jeden Spieler überzeugend, die Anbindung an die ursprüngliche Thematik der Serie vorhanden wäre. So erfährt er, dass Assassinen und Templer nach dem sogenannten Observatorium suchen, das Reichtum und vor allem Macht verspricht. Aber der Bezug zum Kernthema ist in Assassin's Creed 4 - Black Flag nur lose; die Story wirkt zerfasert, die Einbindung historischer Charaktere platter als in früheren Teilen.

Auch Edward selbst macht keine sonderlich charismatische Figur. Er spricht meist wie geleckt und klopft regelmäßig Sprüche, ohne aber jemals die sympathische Arroganz eines Ezio Auditore aus Assassin's Creed 2 (GG-Test: 9.5) zu erreichen. Meist spricht Edward aber entweder mehr als seine Worte inhaltlich rüberbringen oder wird in die Dialoge zwischen anderen Charakteren allenfalls am Rande eingebunden. Er sollte wohl auch so etwas wie ein sympathisches Großmaul werden, tatsächlich ist er aber ein langweiliger Schönling mit ein paar „Piratennarben“. Kurz gesagt: Edward Kenway bleibt blass und birgt aufgrund fehlender Ecken und Kanten nur wenig Identifikationspotenzial oder Charaktertiefe.

Ersetze Desmond durch UnbekanntenDen eigentlichen Rahmen – ob notwendig oder nicht – für Assassin's Creed gaben seit dem ersten Serienteil stets die Gegenwartsabschnitte mit Barkeeper Desmond Miles. Der erlebte im sogenannten Animus die Geschichte seiner Ahnen nach – erst in Zwangverpflichtung für die Templer auf der Suche nach dem Edensplitter, später für die Assassinen, um den Verbleib des mächtigen Artefakts endgültig zu klären. Desmonds Geschichte endete bekanntlich mit Assassin's Creed 3, er spielt im Hintergrund aber weiterhin eine Rolle, ohne selbst in Erscheinung zu treten. Stattdessen schlüpft ihr in die Rolle eines namenlosen Angestellten der Firma Abstergo, die in Black Flag virtuelle Erfahrungen für jedermann auf Basis von Desmonds
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Vorfahren anbieten will – oder das zumindest zu tun vorgibt. So empfängt uns eine Dame, die uns in alles einweist und uns erklärt, weshalb Abstergo die Spieler nur die Quintessenz der Erinnerungen erleben lassen will und weshalb die Social-Network-Anbindung so wichtig sei. Als euer wichtigstes Werkzeug fungiert ein Tablet-PC, der sogenannte Kommunikator, ohne den ihr in der Welt von Assassin's Creed 4 aufgeschmissen wärt.

Das ist witzig gemacht, zumal sich im Laufe des Abenteuers natürlich herausstellt, dass weit mehr dahintersteckt als nur „Computerspiele“. Schon bald nämlich wird der Protagonist, den ihr aus der Ego-Perspektive steuert, von einem Unbekannten dazu aufgefordert, die Chefetage von Abstergo auszuhorchen, um herauszufinden, was die Firma mit Subjekt 17, also Desmond Miles, eigentlich vor hat. So hackt ihr unter anderem den Animus anderer Probanden, entdeckt so oft interessante Details über das letztendliche Schicksal Desmonds und trefft auch ein paar seiner alten Wegbegleiter wieder. Die Rahmengeschichte spielt sich zwar nicht allzu stark in den Vordergrund, ist aber spannender aufgebaut als die Erinnerungsabschnitte in der Piratenzeit.
Der Seekampf
In Assassin's Creed 4 sind die Seekämpfe wesentlich zentraler als im Vorgänger. Die wichtigsten Infos wollen wir euch in dieser Zoombox vermitteln. 1 Dicke Pötte wie dieser sind in Black Flag keine Seltenheit. Richtig schwierig sind sie aber nur in der offenen Welt, in den Storymissionen kann man sie leichter knacken. 2 Zu Beginn habt ihr nur wenige Waffen zur Verfügung. Am effektivsten ist es, wenn ihr die Schiffe mit einer vollen Breitseite trefft. 3 Ihr müsst Schiffe nicht unbedingt versenken, um sie zu besiegen. Stattdessen könnt ihr sie auch manövrierunfähig schießen und entern. Das bringt euch zwar nicht mehr Beute, ermöglicht euch aber eine Reparatur eures Schiffs, ein Herabsetzen eures Fahndungslevels oder eine Übernahme des gekaperten Schiffs in eure Flotte. 4 So lange die Festungen der Briten in einem Bereich intakt sind, existieren im zugehörigen Gebiet Sicherheitszonen. Um nicht attackiert zu werden, müsst ihr die Sichtkegel der feindlichen Schiffe umsegeln. 5 Drei der fünf erbeutbaren Ressourcen braucht ihr, um euer Schiff, die Jackdaw, aufzuwerten. Ihr gebt ihr nach und nach bessere Panzerung, stärkere Kanonen oder einen stabileren Bug für Rammangriffe. 6 Zu den Aufwertungen zählen auch effektive Zusatzwaffen wie der Mörser, mit dem ihr im hohen Bogen Geschosse auf das empfindliche Deck eurer Gegner abfeuern könnt.
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