Connor auf Abwegen

Assassin's Creed 3 WiiU Test

Testvideo
Mit dem amerikanischen Bürgerkrieg als Szenario und Halbindianer Connor als neuem Meuchelmörder stoppte Ubisoft vor genau einem Monat den Abwärtstrend der Assassin's-Creed-Serie. Nun soll das mitreißende Erlebnis auch auf WiiU zünden. Unser Test verrät, ob der WiiU-Connor genauso gut ist wie seine Brüder auf Xbox 360 und Co.
Benjamin Braun 2. Dezember 2012 - 23:05 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Ubisoft musste klar sein, dass die WiiU-Version von Assassin's Creed 3 bei ihrem Erscheinen exakt einen Monat nach dem Launch auf Xbox 360 und Playstation 3 vor allem in technischer Hinsicht mit den zuvor veröffentlichten Versionen verglichen werden würde. Denn bei Story, Missionsdesign oder Spielwelt ändert sich mit der Umsetzung für Nintendos neue Konsole wenig bis nichts. Wenn ihr erfahren möchtet, weshalb Assassin's Creed 3 in diesen Bereichen ein sehr gutes Spiel geworden ist, steht euch unser großer Testbericht zur Verfügung, und zudem der Nachtest der PC-Version sowie der Test des Mehrspielmodus. In diesem Test möchten wir uns in erster Linie mit den Besonderheiten der WiiU-Umsetzung beschäftigen und mit der technischen Güte.

Popups hinter jeder EckeAufpoppende Objekte und NPCs in der Spielwelt von Assassin's Creed 3 waren auch auf PS3 und Xbox 360 hier und dort zu beobachten. Störend wirkte das aber nicht: Auf den Konsolen von Microsoft und Sony bekommt ihr meistens vom Aufpoppen gar nichts mit, weil zahlreiche natürlich wirkende Sichtbarrieren es verdecken. In den Straßen von Boston oder New York sind es Häuser, in der Wildnis Hügel, Berge und anderes, was die Blickfreiheit begrenzt, um dem Spieler sichtbar nachladende Teile der Welt zu ersparen. Was auf den anderen Konsolen funktioniert, sollte auf einer neueren Konsole eigentlich kein allzu großes Problem darstellen! Sollte man meinen. Tatsächlich hat die WiiU-Version aber trotz dieser sinnvollen Mechanismen aktuell noch mit größeren Problemen zu kämpfen. Schon wenn wir durch Boston laufen, poppen immer wieder Passanten oder auch Pferde nur wenige Dutzend Meter vor uns auf, wenn wir um die Ecke biegen oder eine längere Straße einfach hinablaufen. Das alleine stört die Atmosphäre aber nur bedingt und vor allem in den Städten. Im sogenannten Grenzland, also der weitläufigen Natur von Assassin's Creed 3, fallen diese Popups deutlich unauffälliger aus.

Noch deutlich störender als die Popups sind diverse Grafikbugs, die ebenfalls vor allem in den zwei Städten zum Tragen kommen. Bemerkbar machen sie sich besonders bei Beleuchtung und Schatten. Erst sehr spät erscheinen Schilder über dem Eingang eines Ladens in korrektem Licht, zudem leuchten sie beim Übergang zur korrekten Darstellung auch noch seltsam auf. Vor allem an etwas komplexeren Objekten wie Fenstern ist dieses Phänomen sehr deutlich und sehr störend.

Manchmal kommen sehr spät geladene Texturen hinzu. Ebenfalls nicht verschweigen wollen wir Bugs, die Leichen von soeben gemeuchelten Soldaten im Nichts verschwinden lassen. Auch Fehler bei der Kollisionsabfrage mussten wir beobachten, wenn etwa Kutschen durch Passanten hindurch fahren oder Pferde, beinahe senkrecht auf den Hinterhufen stehend, an irgendwelchen Gebäudeteilen kleben. Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass solche extremen Aussetzer alle zwei Minuten zu beobachten wären, aber selten sind sie nicht. Ruckler in dem Sinne sind uns zwar keine aufgefallen, doch wir konnten durchweg erkennen, dass die Bildrate in den Städten regelmäßig in einen Bereich rutscht, der nicht mehr als vollkommen flüssig bezeichnet werden kann.

Gibt es also gar nichts Positives zur technischen Umsetzung zu sagen? Doch: Die vorgerenderten Zwischensequenzen sind von hoher Qualität und profitieren voll von der verbesserten Mimik in Assassin's Creed 3. Einzelne Bilder zu Rate gezogen, könnten wir der WiiU-Version zudem attestieren, dass sie nicht schlechter als die PS3-Fassung aussieht. Das war es dann aber auch schon. Denn im bewegten Vergleich ist die WiiU-Version die mit Abstand schwächste aller bisher Varianten von Assassin's Creed 3.
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... PS3-Fassung (rechts). Große Unterschiede fallen jedoch weder bei der Schattenqualität noch beim Detailgrad in der Ferne auf. Im Gegensatz zur WiiU-Version erfordert die PS3-Fassung eine Teilinstallation, hat dafür aber die minimal kürzeren Ladezeiten.

Pseudo-Touchfeatures
In Assassin's Creed 3 gibt es mehr als nur Kämpfe. In den Missionen müsst ihr euch auch mal verkleiden und euch heimlich einem Ziel nähern.
Die WiiU-Version von Assassin's Creed 3 kommt natürlich mit ein paar Features daher, bei denen der WiiU-Controller samt Touchscreen zum Einsatz kommt. Warum Ubisoft das im Vorfeld nicht in großem Stile vorgestellt hat, wie es etwa Warner bei der WiiU-Umsetzung von Batman – Arkham City tat, zeigt die finale Version. Denn die Realität ist denkbar unerheblich: Im Betrieb auf zwei Bildschirmen werden auf dem Controllerbildschirm die Karte sowie die Haupt- und Nebenbewaffnung eingeblendet und halten damit die „Interface-Störkörper“ vom Hauptbildschirm fern. Wo also auf PC, 360 und PS3 standardmäßig (aber teilweise abschaltbar) Minimap und Waffen einblenden, habt ihr auf WiiU "freie Sicht" auf den Hauptbildschirm. Ob das ein großer Vorteil ist? Denn mehr als die hilfreiche Minimap bringt das Touchpad nicht, ihr dürft noch nicht einmal einen manuellen Wegpunkt durch Antippen der Karte setzen.

Durch Antippen auswählen könnt ihr lediglich die Bewaffnung. Dafür haltet ihr die R-Taste gedrückt und tippt dann einfach auf das Symbol der Waffe, zu der ihr wechseln wollt. Genauso gut könnt ihr das allerdings auch bei Gedrückthalten von R mit den Analogsticks erledigen, was zumindest anfangs sogar schneller geht. Eigentlich ist uns nur ein richtiger Vorteil des WiiU-spezifischen Bedienung aufgefallen: Seid ihr im Grenzland, reicht ein Antippen des Pferdkopfsymbols und ihr ruft innerhalb von Sekunden einen frischen Gaul herbei. Auf den anderen Konsolen und dem PC ist das etwas umständlicher. Diesem Minivorteil steht das kurzzeitige Wegschauen vom Hauptbildschirm gegenüber.

Eine lohnenswerte Besonderheit gibt es dann aber doch: Die Remote-Control-Funktion. Damit könnt ihr Assassin's Creed 3 komplett auf dem kleinen Controllerbildschirm spielen und braucht den Fernseher nicht mal anzuschalten. Das ist ziemlich witzig, und funktioniert bei Assassin's Creed mit seinen überwiegend großen Icons auch ziemlich gut. Ist aber dieses Standard-Feature, das auch andere WiiU-Spiele wie etwa New Super Mario Bros. bieten, und das die Nintendo-Konsole für Entwickler quasi automatisch mitliefert, ein Kaufgrund? Ganz sicher nicht.
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... in der PS3-Fassung (rechts) nur teilweise abgeschaltet werden. Ansonsten gibt es in diesem Bildvergleichsausschnitt kaum nennenswerte Unterschiede bei Texturqualität, Weitsicht oder Detailgrad der Umgebung.

Autor: Benjamin Braun / Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)

Benjamin Braun
Ich bin enttäuscht! Da liefert Ubisoft ein richtig gutes Assassin's Creed 3 erst auf Xbox 360 und PS3 ab und dann ein noch deutlich hübscheres für PC – und dann das! Inhaltlich ist die WiiU-Version von Assassin's Creed 3 identisch mit den übrigen dreien, aber technisch ist sie reichlich unausgereift. Von „unspielbar“ zu reden wäre unredlich, von "technisch schwach" jedoch schlicht die Wahrheit.

Aber wieso führt die "beste Technik" der PC-Version nicht zu deren Aufwertung, die "schlechteste Technik" der WiiU-Fassung jedoch sehr wohl zu deren deutlichen Abwertung? Ganz einfach: Connors Abenteuer lebt zu einem guten Teil von der Lebendigkeit der Spielwelt und von ihrer Glaubwürdigkeit. Und ebenso wichtig ist der "Flow", mit Connor durch Baumwipfel zu gleiten, Wände hinauf zu schnellen und flüssig einen Gegner nach dem anderen zu meucheln. Wenn aber ständig NPCs und andere Objekte vor mir ins Bild poppen, an jeder Ecke Grafikbugs auf mich warten und die Framerate des Spiels häufig auf sichtbar niedrigem Niveau pendelt, dann drückt das für mich die Atmosphäre deutlich. Ich hoffe sehr, dass der Release-Patch noch nicht alles war, was Ubisoft nachliefert!

Was die speziellen WiiU-Features angeht: Die braucht niemand – zumindest im Betrieb auf zwei Bildschirmen. Eine nette Spielerei ist das Verlagern des Hauptbildschirms auf das Gamepad. Nur kann dafür Ubisoft nicht viel, das ist eine hardware-seitige Standardfunktion der WiiU (die man als Entwickler freilich unterbinden kann, wenn ein Spiel richtigen Nutzen vom Gamepad-Screen macht). Mir persönlich gibt das außerdem nichts. Aktuell kann ich niemandem guten Gewissens zum Kauf der WiiU-Version raten – es sei denn, ihr habt weder PS3 noch Xbox 360, und euer Spiele-PC war schon mit Assassin's Creed 2 überfordert. Alle anderen: Finger weg, solange kein Patch die gröbsten technischen Mängel beseitigt.

 Assassin's Creed 3 (WiiU)
Einstieg/Bedienung
  • Kinderleichte Bedienung
  • Eigene Aktionen im Kampf können noch in ein Blocken umgewandelt werden, wenn ein Gegner zum Hieb ansetzt
  • Schiffskämpfe gut steuerbar
  • Faire Rücksetzpunkte
  • Einzelne "Erinnerungen" jederzeit wiederhol- und optimierbar
  • Klettern fast schon zu einfach
  • Effektives Kämpfen oft auch "ohne richtiges Hinsehen" möglich
  • Touch-Features der WiiU größtenteils überflüssig
Spieltiefe/Balance
  • Enorm viel zu tun
  • Enorm viel zu entdecken
  • Gut 30 Stunden Spielzeit bei "gesundem Mix" aus Open World und Kampagne, aber auch rund 60 Stunden möglich (reine Kampagne: etwa 10 Stunden)
  • Sammel-Aufgaben führen teils zu echten Zusatzmissionen
  • Tolle "Siedlungsaufträge" erwecken Davenport zum Leben
  • Hauptmissionen sehr abwechslungsreich
  • Vielfältige optionale Aufgaben
  • Schiffskämpfe sind ein echtes Spielspaß-Plus
  • Wendungsreiche Story mit guter Charakterentwicklung
  • Waffenvielzahl wirkt übertrieben, da man auch mit den Anfangswaffen durchkommt
  • Forts lassen sich zu einfach erobern, neue Besatzung "undankbar"
  • Handelssystem nicht durchdacht
Grafik/Technik
  • Dynamischer Schattenwurf...
  • Theoretisch auf dem technischen Niveau von PS3 und 360...
  • Überwiegend scharfe, detaillierte Texturen bei Charakteren und Gebäuden
  • Schöne Umgebungseffekte wie Nebel, Regen, Schneefall
  • Sturmfluten und Wellenberge spielen in Seeschlachten eine taktische Rolle
  • Wechsel zwischen Sommer und Winter
  • Wir sind im Tiefschnee langsamer und lassen deutliche "3D-Spuren" zurück
  • Spielwelt wirkt authentisch
  • ... der auf WiiU besonders fehlerhaft ist
  • ... aber mit deutlich mehr Bugs und sichtbar niedrigerer Framerate auf WiiU
  • Deutlich sichtbar aufpoppende Objekte und NPCs auch auf kürzere Distanz (WiiU-Version
  • Die WiiU-Version hat die höchste Bugdichte aller Versionen
Sound/Sprache
  • Stimmungsvolle Hintergrundmusik
  • Breite, vielschichtige Geräuschkulisse
  • Ausrufe der NPCs, teils mit Feedbackfunktion (bei Schiffskämpfen)
  • Sehr gute deutsche Sprecher
  • Sprache teils schwer verständlich (in einigen Cutscenes, per Optionen korrigierbar)
Multiplayer
Siehe separaten Multiplayer-Test  

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18
Ubisoft Montréal
Ubisoft
30.10.2012
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PCPS3WiiU360XOne
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Benjamin Braun 2. Dezember 2012 - 23:05 — vor 7 Jahren aktualisiert
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