Testfähig nach Kampagnen-Release

Arma 3 Test

Der Militär-Shooter erschien bereits im September, allerdings halbfertig: Nur der Multiplayer-Part und ein paar Trainingsmissionen waren drin. Nun haben die Macher den ersten Teil der Einzelspielerkampagne nachgereicht. Damit ist die Zeit für unseren Test gekommen – handelt es sich beim Bohemia--Spiel nun um ein vollständiges Werk?
Rüdiger Steidle 6. November 2013 - 19:34 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Spiele unvollendet auf den Markt zu werfen, hat bei den Arma 3-Machern von Bohemia Interactive Tradition. Der direkte Vorgänger beispielsweise war 2009 dermaßen fehlerdurchsetzt, dass sich GamersGlobal-Autor Mick Schnelle seinerzeit gezwungen sah, einen Spiele-TÜV zu fordern, um derartige Bug-Katastrophen künftig zu verhindern. Beim vorliegenden dritten Serienteil wollten die Tschechen anscheinend aus der Not eine Tugend machen und verkauften „Early Access“-Tickets für die Alpha- und Beta-Version des Spiels. Auf deren Grundlage wollten sie dieses Mal ein Bug-Fest vermeiden.

Wieso gab's keinen Test im September?Und in der Tat zeigte sich der dritte Teil von Armed Assault ("Bewaffneter Sturmangriff") beim Erscheinen am 12. September in nahezu allen Belangen deutlich ausgereifter als der zweite Part: bessere Performance, weniger Programmfehler, flüssigerer Spielablauf. Doch das schaffte Bohemia nur durch eine große Amputation am Spiel: Der Militär-Shooter erschien ohne vollwertigen Einzelspielermodus, das heißt ohne Kampagne. Es gab lediglich ein paar Übungseinsätze und Demos für Solisten. Begründet wurde das von Bohemia Interactive damit, dass man nur so das Spiel zum geplanten Release habe feintunen können. Den Feldzug werde man später kostenfrei nachreichen, unterteilt in drei Episoden.

Die erste Episode der versprochenen Kampagne wurde nun am 31. Oktober via Steam kostenlos an die Kundschaft übertragen, womit für uns nach zwei Monaten endlich die Zeit gekommen ist, Arma 3 zu testen – die Idee, eine Militärsimulation ohne Feldzug zu testen, war uns im Sommer reichlich abwegig erschienen. "Episode" solltet ihr dabei nicht in eine gedankliche Reihe stellen mit diversen Episoden-Adventures von Telltale und Co., bei dem eine einzelne Folge meist nach maximal zwei Stunden vorbei ist. Nein, Bohemia hat zumindest auf dem Papier ein volles Paket abgeliefert, die eben getroffene Einschränkung erklären wir euch in Kürze. Wir haben uns jedenfalls durch alle 14 Kampagneneinsätze gekämpft; den Online-Servern hatten wir bereits seit September regelmäßige Besuche abgestattet.

Bereit oder nicht, ich komme!
Zwischen den Einsätzen unterhalten sich unsere Kameraden über die aktuelle Lage am Kriegsschauplatz.
Für die enorme Bug-Dichte war die Arma-Reihe bislang berüchtigt. Berühmt war sie dagegen für ihren Anspruch, das  simulierte Kampfgeschehen auf einem modernen Schlachtfeld möglichst wirklichkeitsnah und in einem beeindruckenden Maßstab nachzustellen. Das schlägt sich zunächst in der riesigen Spielwelt nieder: Altis und Stratis heißen die beiden fiktiven Inseln, die Arma 3 zum Kriegsschauplatz erklärt. Sie umschließen eine Fläche von beinahe 300 Quadratkilometern, die wir als Spieler nach Belieben erkunden dürfen – wenn uns nicht unterwegs eine feindliche Kugel aufhält. Außerdem simuliert Arma 3 das Zusammenwirken verschiedener Waffengattungen: Die Infanterie steht im Mittelpunkt, es kommen aber auch diverse Fahr- und Flugzeuge sowie, in geringerem Umfang, Seestreitkräfte zum Zug, die wir fast alle auch persönlich steuern dürfen – allerdings nicht in der Kampagne. Teilweise operieren mehrere Dutzend Einheiten mit- und gegeneinander. Überall kracht und blitzt es, Geschosse pfeifen durch die Luft, Funksprüche füllen den Äther, und wir sind mittendrin.

Dass sich Arma 3 stellenweise geradezu beängstigend echt anfühlt, liegt auch daran, dass sich die Entwickler deutlich mehr um Realismus bemühen als die Schöpfer vieler entfernt vergleichbarer Spiele. Klar, auch ein Call of Duty erzeugt das Gefühl, mitten in einem Feuergefecht zu stehen, doch schafft e
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s das vor allem durch ein Gewitter an Effekten, Skripts und Sounds. Arma 3 erzeugt selbstverständlich ebenso nur ein "Gefühl" – schließlich sitzen wir in Sicherheit am heimischen Computer –, aber ein tieferes, und auf andere Weise. Allein schon den Umgang mit dem Sturmgewehr zu erlernen, kostet uns einige Geduld. Wenn wir einfach wie üblich auf Grundlage des eingeblendeten Fadenkreuzes feuern, stanzen wir Löcher in die Luft. Stattdessen müssen wir das Ziel über Kimme und Korn, das Zielfernrohr oder eine andere Sichtvorrichtung anvisieren, Entfernung und Wind berücksichtigen. Sinnvoll ist es zudem, uns hinzukauern oder am besten hinzulegen, um das Wackeln unseres simulierten Körpers auszugleichen – was nach einem Sprint praktisch unmöglich ist. Als ob das noch nicht schwer genug wäre, kommt noch ein gewisser Glücksfaktor durch die Streuung der Waffe hinzu. Haben wir schließlich all diese Hürden gemeistert und treffen mit einem Standard-Sturmgewehr, fühlen wir uns zwar toll und können damit effektiv Gegner beseitigen. Doch das heißt noch lange nicht, dass wir auch mit einer Bazooka, einem Granatwerfer oder all den anderen Waffen im Spiel umgehen können!
Gefallenen können wir ihre Ausrüstung abknöpfen. Mitunter finden wir schwere Waffen, an die wir sonst nicht herankommen.

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