Test: Kuckuckskind

Arcania - Gothic 4 Test

Mit Arcania - Gothic 4 erscheint der neuste Ableger der populären Gothic-Reihe -- zumindest dem Namen nach. Denn im Story- und Weltdesign sowie in der Spielmechanik aber macht Gothic 4 vieles anders als gewohnt. Wir haben uns den Titel als das angesehen, was er ist: ein kampfbetontes Action-RPG.
Rechen 16. Oktober 2010 - 23:59 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC
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Performance-Patch
Bereits am Release-Tag hat Jowood den ersten Patch veröffentlicht. Dieser verbessert die Performance erheblich. Wir empfehlen euch daher, ihn aufzuspielen, bevor ihr euch nach Argaan aufmacht.
Neun Jahre ist es her, seit uns der Entwickler Piranha Bytes im ersten Gothic in das Minental von Khorinis entführte. Damals, und auch in den folgenden zwei Teilen, schlüpften wir in die Rolle des "namenlosen Helden", der immer erstmal herausfinden musste, wo genau er eigentlich war, wie die Gesetze der Welt um ihn herum lauteten und was er tun musste. Kurzum: Der Schwerpunkt der Serie lag stets auf dem Erforschen einer offenen Spielwelt, dem Beitritt zu einer von mehreren Fraktionen, dem Umgang mit zahlreichen, relativ lebensnah gezeichneten NPCs und deren Aufgaben. Gothic 3 aber geriet Piranha Bytes zu ambitioniert -- es kam bugverseucht und mit einigen eklatanten Designschwächen auf den Markt, und erreichte erst mit vielen (Fan-) Patches einen guten Teil seines Potenzials. Piranha Bytes und Publisher Jowood zerstritten sich -- erstere machten mit Risen eine spielenswerte Kopie von Gothic 1 und 2 (GG-Test: 8.5), letztere behielten die Namensrechte und suchten nach einem neuen Entwicklungsstudio.
 
Mit Spellbound hat Jowood ein deutsches Studio mit der Weiterentwicklung der Gothic-Serie betraut, das einen guten Trackrekord (beispielsweise mit dem Commandos-inspirierten Helldorado) hat -- und einen Ruf, Projekte fristgerecht abzuschließen. Doch, um es vorwegzunehmen: Ihr Gothic 4 hat weniger mit der Gothic-Serie zu tun als Risen, es hat eine ganz andere Zielsetzung. Bei Arcania stehen klar die Kämpfe im Vordergrund, das Entdecken der Welt und andere Highlights der Gothic-Reihe treten in den Hintergrund.
 
Zweckmäßige Story
Am Anfang des Spiels schlüpfen wir kurz in die Haut von Rhobar III., der in einer Art Albtraum gegen Skelette kämpft. 

Rohbar II, der Herrscher, der damals die Barriere um das Minental aus Gothic 1 errichten ließ, ist tot. An seine Stelle tritt Rhobar III, der sich als unser Alter Ego aus Gothic 1 bis 3 herausstellt. Veteranen erinnern sich: In den ersten beiden Gothics ging es letzten Endes um die Versorgung der Menschen mit magischem Erz, damit sie ihre Waffen schmieden konnten, um sich ihrer Ork-Feinde zu erwehren. Und in Gothic 3 musste man eben diese (dummerweise siegreichen) Orks wieder aus den Landen der Menschen vertreiben.

Nun macht sich der neue König auf, das alte Reich wieder zu vereinen. Dazu erobert er auf dem Festland zuerst Myrtana und danach Varant und Nordmar. Daraufhin segelt er mit seinen Truppen gen Osten, um auch die Inseln Argaan und Khorinis zu erobern. Während des Feldzugs auf Argaan verliert der König jedoch den Verstand. Nach einem kurzen Intermezzo in der Haut des Königs -- wir hacken uns spielerisch wenig erbaulich durch einen Albtraum -- , schlüpfen wir in die Rolle des eigentlichen Helden von Arcania - Gothic 4, der serientypisch keinen Namen trägt.

Der neue Recke mag zwar anders aussehen als unser Alter Ego aus den ersten Gothic-Teilen, doch auch er hat einen Hang zu markigen Sprüchen und ist uns von Anfang an sympathisch. Wir beginnen unser Abenteuer auf dem Eiland Feshyr, wo wir als Schafhirte unser Dasein fristen. Gerade hat uns unsere Freundin Ivy mitgeteilt, dass ihr Vater Gromar uns sprechen will.

Alte Bekannte
Als wir bei Ivys Vater ankommen, erfahren wir, dass er von unserer Liebschaft mit seiner Tochter weiß. Um sie nun heiraten zu dürfen, müssen wir drei Prüfungen bestehen. Das tut auch Not, denn Ivy ist bereits schwanger. Bei einer der Prüfungen begegnen wir auch schon dem Kämpen Diego, den Gothic-Veteranen bereits aus den alten Serienteilen kennen. Die gute Nachricht: Diego und die meisten anderen aus den alten Serienteilen entliehenen Charaktere sind genau so, wie wir sie aus dem ersten und zweiten Gothic kennen. Die Umsetzung ist Spellbound damit deutlich besser gelungen als Piranha Bytes in Gothic 3. Nur zwei der Charaktere, Lester und Snaf, fanden wir wenig überzeugend.
 
Am Ende des Tutorial-Levels ist unsere Verlobte tot und wir brennen auf Rache. Dem König selbst wollen wir an den Kragen, denn dessen Truppen sind es, die unsere Heimatinsel Feshyr niederbrannten. Wir machen uns also mit Diego, der als unser Mentor fungiert, nach Argaan auf. Dort angekommen, erzählt uns Diego von einer Schmiede, die wir vor Rhobars Truppen erreichen sollen. Obwohl die Story in Arcania eher im Hintergrund steht, hat sie uns doch immer wieder motiviert, weiter zu spielen. Wir halten sie für besser als die eher unmotivierte "Suche Xardas"-Hauptquest aus Gothic 3. Unbefriedigend finden wir hingegen das Ende, das ihr nach etwa 17 bis 20 Spielstunden seht.

Gelungenes Kampfsystem

Das, was ihr in Gothic 4 am häufigsten tun werdet, ist kämpfen. Veranschlagt dafür gut 70 Prozent der Spielzeit. Weitere 10 Prozent entfallen aufs Herumlaufen, die restlichen 20 Prozent aufs Reden. Während uns zusammengerechnet 30 Prozent für die Tätigkeiten, die bei den früheren Gothics gut 50 Prozent und mehr ausgemacht haben, deutlich zu wenig sind, müssen wir zugeben: Das Kampfsystem gefällt uns -- mit einigen Einschränkungen -- richtig gut! Bewusst simpel gehalten, blockt ihr darin mit der rechten Maustaste gegnerische Hiebe und führt mit der linken eigene Schläge aus. Sobald ihr das entsprechende Talent erlernt habt, könnt ihr zudem durch Gedrückthalten der linken Maustaste schwere Angriffe ausführen, die besonders viel Schaden verursachen. Ihr verletzt tatsächlich alles, was eure Klinge trifft, statt also etwa nur einen Schlag auf den anvisierten Gegner zu führen. Wenn ihr mit einem mächtigen Zweihänder in eine Gruppe Zombies hineinhaut, nehmen alle Gegner Schaden, die der Zweihänder streift. Umgekehrt ist es wichtig, euch klug zu positionieren, um zu verhindern, dass ihr von euren Feinden eingekesselt und in Stücke gehauen werdet.

Über das Schlachtfeld könnt ihr euch durch Sprungrollen schnell bewegen. So entgeht ihr auch mächtigen gegnerischen Hieben, die ihr nicht blocken könnt. Gegnerische Standardattacken unterbrecht ihr mit eigenen Angriffen. Starke Schläge könnt ihr jedoch nur mit eigenen starken Hieben kontern oder mittels Knauf- oder Schildschlag unterbrechen. Das Zusammenspiel von schnellen Rollen, noch schnelleren Schwert- oder Axtstreichen und zu Boden gehenden Gegnern, macht einen Heidenspaß. Außerdem gibt es natürlich auch Fernkampfwaffen, wie Bögen und Armbrüste, sowie Zaubersprüche.

Allerdings: Von allen Waffentypen gibt es zu wenig! Bei den Zaubern beispielsweise sind es nur drei (Feuer, Eis, Blitz), die ihr nach und nach verstärken könnt. Hinzu kommen noch Runen und Schriftrollen.Dabei hat uns besonders die Sprintrune gut gefallen, die unsere Bewegungsrate enorm erhöht. Dadurch stürmen wir wie der Wind zu entfernt stehenden Fernkämpfern und machen ihnen den Garaus, ohne dass wir viele Treffer einstecken. Nach Gebrauch einer Rune muss sie sich erstmal wieder regenerieren, während Schriftrollen jeweils nur einmal verwendbar sind. Lebens- und Magiepunkte regeneriert unser Held automatisch. Natürlich können wir da aber auch mittels Tränken und Nahrungsmitteln nachhelfen. Wenn wir nicht mehr kämpfen, können wir unsere Wunden auch durch Bandagen (die spottbillig sind) schließen. So müssen wir nicht erst ewig warten, bevor wir uns erneut in die Schlacht stürzen.
 
Dieser Blutfliege rücken wir per Feuerzauber zu Leibe -- der durchaus ansehnlich präsentiert wird.

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