Anthem Test+

Gefühls-Wechselbad im Exosuit

Dennis Hilla / 20. Februar 2019 - 15:56 — vor 2 Wochen aktualisiert
Steckbrief
PCPS4XOne
MMO
MMO-Action
16
Bioware
Electronic Arts
22.02.2019
Link
Amazon (€): 40,45 (PlayStation 4), 40,99 (Xbox One), 54,99 (PC)
Bioware steht seit vielen Jahren für umfangreiche (Action-) Rollenspiele mit starken Storys. Anthem bedient jedoch das Genre der Lootshooter und tritt damit zu Destiny 2 und Division in Konkurrenz.
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Alle Screenshots und Videoszenen stammen von GamersGobal

Seit 1998 und der Veröffentlichung von Baldur’s Gate stehen die Bioware-Spiele für tiefgehende Rollenspielmechaniken und emotionale Stories, die mit interessanten Charakteren und spannenden Wendungen aufwarten können. Mit Anthem hat die Spieleschmiede nun ein komplett neues Universum geschaffen und gleichzeitig mit ein paar alten Traditionen gebrochen.

Der Online-Lootshooter legt den Fokus auf kooperatives Spielen, sodass ein Vergleich zu Bungies Destiny 2 nicht nur naheliegt, sondern unumgänglich ist. Jedoch betont Bioware, dass während der Entwicklung von Anthem auch die Geschichte einen sehr großen Stellenwert eingenommen hat –schließlich denke man an seine alteingesessenen Fans und wolle ihnen eine Story in der gewohnten Qualität präsentieren.
Der Storm macht per Eisattacke Rambazamba, im Schwebezustand nimmt sein Schild zudem deutlich weniger Schaden.
 

Vier Javelins müsst ihr sein

Day-One-Patch
Wir testeten die uns von EA zur Verfügung gestellte Review-Version von Anthem.

Am 22. Februar, dem Release-Tag, wird Anthem mit einem umfangreichen Day-One-Patch bedacht, dessen Patch-Notes uns seit gestern vorliegen. So sollen zahlreiche Bugs beseitigt werden. Beispielsweise kam es hin und wieder vor, dass Spieler für abgeschlossene Missionen keine Erfahrungspunkte bekommen haben.
Außerdem sollen die Ladezeiten verkürzt und die Werte von diversen Fähigkeiten angepasst werden. Typische Day-One-Verbesserungen, also.

Wir rechnen nicht damit, dass unsere eigentlichen Kritikpunkte am Spiel (und natürlich auch nicht die positiven Punkte) durch den Patch adressiert werden. Sollte es jedoch anders sein, werden wir den Test nachträglich noch ergänzen.
In Anthem fliegt ihr in Javelins genannten Kampfanzügen durch die Lüfte. Vier Modelle, jeweils mit eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften, gibt es von ihnen. Der Ranger gilt als robuster Allrounder, während der Colossus mit seiner schweren Panzerung, den wuchtigen Waffen und der eher trägen Fortbewegungsgeschwindigkeit den klassischen Tank darstellt. Storm-Spieler lassen mächtige Elementarangriffe auf ihre Feinde los, wohingegen der Interceptor in einem Affenzahn durch die Gegend rauscht und Feinden mit seinen Doppelklingen zusetzt.

Jeder Anzug verfügt über drei normale und eine Ultima-Fähigkeit, die Kämpfe laufen zudem sehr schnell und actionreich ab. Das Waffenarsenal bietet mit Schrotflinten, Pistolen, Scharfschützen- und Sturmgewehren zwar eher Standardkost, das tut dem Spaß der Schießereien aber keinen Abbruch. Im Idealfall nutzt ihr ohnehin einen Großteil der Zeit eure Fähigkeiten. Wenn ihr gerade nicht im Gefecht seid, dann fliegt ihr in eleganter Iron Man-Manier durch die Gegend oder erkundet die Hubstadt Fort Tarsis.
Frei wie ein Vogel müsste man sein. In Anthem steigt ihr so gut wie jederzeit in die Luft, Spaß macht das Fliegen zur Genüge.
 

Geschichte auf Sparflamme

Die Story von Anthem bietet nette Grundzüge, kommt aber nicht an die eines Mass Effect oder auch Dragon Age heran. Es geht um das Dominion, das auf der Suche nach den zurückgelassenen Artefakten der Gestalter ist. Diese göttlichen Wesen schufen in grauer Vorzeit die Welt, verließen sie daraufhin aber und haben der Menschheit nur ihre Werkzeuge hinterlassen. Das ruft aber natürlich auch andere finstere Wesen auf den Plan, weshalb sich unsere Artverwandten in dick ummauerten Städten verbarrikadiert haben.

Wenn auch die Grundprämisse hinter der Geschichte durchaus spannend ist, so nimmt sie im Spielverlauf nie so richtig Fahrt auf. Auch die Nebencharaktere, mit denen ihr euch in Fort Tarsis immer wieder unterhalten dürft, bleiben blass und uninteressant. Dazu kommen noch alberne Dialoge und teils fragwürdige Animationen.

Wie sich Anthem abseits der Story schlägt, das verrät unser ausführlicher Audio- und Video-Test. Ihr erfahrt, wie gut das Fliegen funktioniert, wie den Entwicklern das Missionsdesign gelungen ist, und welche Hürden sich euch in den Weg stellen.

Autor: Dennis Hilla; Redaktion: Christoph Vent (GamersGlobal)

 
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Meinung: Dennis Hilla

Oh, welch Emotionen ich beim Spielen von Anthem durchlebt habe! Auf der einen Seite die Euphorie über die tolle Flugmechanik, das ansprechende Kampfsystem und die wirklich bombastische Technik. Auf der anderen Seite Ernüchterung aufgrund der mauen Story, des repetitiven Missionsdesigns und der Grinding-Zwänge. Ein wahres Wechselbad der Gefühle also, um aufs Phrasenschwein zu dreschen.

Ich glaube nicht, dass meine größten Kritikpunkte, also die Grindingmechaniken und der sich ständig wiederholende Ablauf, durch den großen Day-One-Patch vollständig beseitigt werden. Dafür sind sie einfach zu tief im eigentlichen Spielprinzip verwurzelt. Und bei der Story wird sich sowieso nichts mehr ändern. Bioware-Fans, die nichts mit Lootshootern anfangen können, sollten sich also zweimal überlegen, ob sie Anthem kaufen.

Anthem steht irgendwie zwischen den Stühlen. Es wirkt so, als würde ihm bis auf die coolen Javelins und die Flugmechanik eine eigene Identität fehlen. Ein wenig Iron Man hier, etwas Star Wars da, eine Prise Destiny dort, aber nichts so richtig Eigenständiges. Das ist schade, denn die grundlegenden Spielmechaniken von Anthem machen viel Spaß – ganz besonders im Koop. Wenn ihr also ballerwütige Freunde und genug von Destiny 2 habt, dann könnt ihr durchaus einen Blick riskieren. Ansonsten würde ich euch tatsächlich zu Bungies Shooter raten.
 
Anthem PC
Einstieg/Bedienung
  • Ausführliches Kampf- und Flug-Tutorial
  • Gute Steuerung, sowohl per Gamepad, als auch per Maus und Tastatur
  • Insgesamt sechs Schwierigkeitsgrade für die Missionen
  • Solo-Spieler haben es deutlich schwerer
Spieltiefe/Balance
  • Interessante Grundstory...
  • Extrem spaßige Flugmechanik
  • Vier abwechslungsreiche Javelin-Typen
  • Flüssige Kämpfe
  • Gelungene Kombination aus Waffeneinsatz und Spezialfähigkeiten
  • Festungen sorgen für Herausforderung und besseres Loot
  • Anzug vielfältig anpassbar
  • Fünf Konfigurationen pro Javelin speicherbar
  • ...die sich aber kaum weiterentwickelt
  • Nervige Grinding-Mechaniken, beispielsweise durch "Skills als Loot"
  • Repetitives Missionsdesign
  • Javelin überhitzt etwas zu schnell
Grafik/Technik
  • Schicke Explosionen
  • Fantastisch-knallige Elementareffekte
  • Schöne Lichteffekte
  • Tolle Animationen
  • Viele Einstellungsmöglichkeiten (PC)
  • Alberne NPC-Animationen in Gesprächen
  • Gelegentlich auftretende Glitches
Sound/Sprache
  • Gute deutsche Synchronisation...
  • Wuchtige Soundeffekte
  • ...mit einigen Ausfällen
  • Seltene Tonaussetzer
Multiplayer
  • Stabiler Netzcode
  • Schnelle Spielersuche
  • Flüssiges Zusammenspiel auch ohne Headset
  • Freies Spiel wirkt recht leer
7.0
Userwertung6.4
Mikrotransaktionen
Ja (nur kosmetische Items)
Hardware-Info
Minimum: Win10 64Bit, Core i5 3570 oder AMD FX-6350, 8 GB RAM, GTX 760/Radeon 7970
Maximum: Win10 64Bit, Core i7 4790 oder Ryzen 3 1300X, 16 GB RAM, GTX 1060/RTX 2060
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam
  • uPlay
  • Origin
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