Schreck lass nach

Alien - Isolation Test

Die letzten Spiele aus dem Alien-Universum waren allenfalls mittelprächtig – oder ziemliche Gurken. Die Total-War-Macher wollen die Seuchenserie nun beenden. Wir verraten euch, ob den Briten das mit ihrem Survival-Horror-Spiel gelungen ist.
Benjamin Braun 3. Oktober 2014 - 14:10 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Dallas, Ash, Parker, Lambert und Kane. Sie alle sind tot. „Ich bin die einzige Überlebende“ schallt es aus den Lautsprechern. Es ist der dritte Offizier der Besatzung des Erzfrachters Nostromo, die zu uns spricht. Ellen Ripleys Funkspruch liegt zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits 15 Jahre zurück und ihre Tochter Amanda sucht noch heute, im Jahr 2137, nach ihrer Mutter. Erfolgreich war Amanda bei ihrer Suche nicht, doch Weyland-Yutani-Mitarbeiter Christopher Samuels hat Hoffnung für sie. Von einem Zivilschiff wurde anscheinend der Flugschreiber der Nostromo gefunden, der Amanda endlich die Antworten liefern könnte, nach denen sie schon so lange sucht. Also macht sie sich auf zur weit entfernten Raumstation Sevastopol, ohne zu ahnen, welche Gefahr dort auf sie lauert.

Nostalgie und LangeweileAus dem Blick eines Fans von Ridley Scotts Alien-Film aus dem Jahr 1979 könnte man sich wohl kaum einen passenderen Einstieg in Alien – Isolation vorstellen. Gewiss, vielleicht hätte Sega dafür Sorge tragen können, dass Ripleys Sprecherin einen genauso guten Job macht wie der Rest der ziemlich gut besetzten Sprecherriege. Aber auch trotz dieses kleinen Mankos schauen wir großherzig darüber hinweg – und auch darüber, dass die ersten Schritte (oder zehn bis 15 Minuten) an Bord der Torres auf dem Weg zur Sevastopol ziemlich zäh daherkommen. Immerhin gibt es schon hier ein paar Nostalgiemomente. Die Torres ist nämlich quasi baugleich mit der Nostromo, weshalb Gemeinschaftsraum oder Brücke beinahe heimelige Gefühle auslösen. Und es geht noch mehr: Zum Ende hin werden wir mehr als offenkundig an Szenen aus Aliens - Die Rückkehr erinnert.

Kaum ist die Reise zur Station beendet, wirft Creative Assembly gleich ein paar Standard-Zutaten des modernen Weltraum-Horrors in den Mixer. Obwohl der Captain der Torres keine Antwort auf den Funkruf erhält und die Station offenbar stark beschädigt ist, mühen sich Amanda Ripley, Kollege Samuels und Diana Taylor im Raumfahreranzug an einem Stahlseil hängend Richtung Eingang. Natürlich werden sie prompt getrennt: Wenn man die neue Survival-Horror-Queen werden möchte, darf man sich schließlich nicht zu lange an der Seite von anderen durch die finsteren Korridore bewegen. Manchmal wird uns zwar auf einem gut 14-stündigen Weg jemand begleiten, aber erwartet keine über Skriptdialoge hinausgehende Interaktion und auch keine Unterstützung im Kampf.


Alien - Isolation bietet aber noch mehr klassische Zutaten moderner Horror-Filme, soweit man sie auf ein Spiel überhaupt übertragen kann. Genauso wie man vom weißen Hai in Spielbergs Kinofilm erst nach gut einer Stunde mehr sieht als die Rückenflosse, ist das Alien lange Zeit nicht zu sehen. Es dauert gut eine Stunde bis zum ersten Anflug einer Begegnung und gut zwei, bis ihr euch erstmals aktiv vor ihm verstecken dürft – oder vielmehr müsst. Dagegen haben wir übrigens nichts, denn eine solche Karenzzeit kann gut zum Spannungsaufbau genutzt werden. Wenn sie denn zum Spannungsaufbau genutzt wird...

Es ist also doch zunächst mal Rätselraten angesagt, was auf der Sevastopol überhaupt passiert ist. Die Station ist heruntergekommen und zudem durch Explosionen teilweise zerstört, teils flackern noch kleinere Brände. Überall wurden Wände und Schleusen mit Graffiti verschandelt und die vielen Leichensäcke auf dem Boden zeugen von ernsthaften Problemen. Natürlich hat jeder, der das Spiel einlegt, eine genaue Vorstellung davon, was geschehen ist. Aber es ist nicht dieser Umstand, der die ersten gut 90 Minuten zu einer zähen, spannungsarmen Angelegenheit macht: Es passiert einfach nicht viel. Trotzdem wartet man natürlich darauf, endlich selbst mit dem Alien konfrontiert zu werden. Bis es soweit ist, müsst ihr euch damit zufrieden geben, vor mordlüsternen Menschen zu fliehen – oder diese kurzerhand zu erschlagen. Scharf geschossen wird in Alien – Isolation erst später, dann aber nicht zu knapp.

Grusel, Grauen, GänsehautDas Grundkonzept der Total War-Macher von Creative Assembly ist offenkundig, dem Spieler den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben. Das klappt insgesamt ganz gut, allerdings hätten die Engländer dezenter vorgehen können. Schon in den ersten Spielstunden wird mit dramatischer Musik und irgendwelchen Geräuschen, die uns durchweg in Alarmbereitschaft halten sollen, teils so dick aufgetragen, dass deren Wirkung spätestens nach der Hälfte der 14 bis 15 Stunden Spielzeit nur noch sehr begrenzt zündet. Das ständige metallische Scheppern oder Fakesounds, die wie eine sich
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öffnende Tür klingen und ähnliches, kennen wir einfach von Dead Space schon zur Genüge.

Die Spannung leidet aber noch mehr darunter, dass wir es im Spielverlauf wesentlich seltener mit dem Alien zu tun bekommen, als man annehmen würde. Viel öfter sind es Menschen, die aus nur begrenzt nachvollziehbaren Motiven heraus sofort auf uns schießen. Die wildgewordenen Androiden, die uns mit rot leuchtenden Augen entgegentreten, sind kaum besser erklärt. Theoretisch können wir beide Feindtypen auch umschleichen oder teils sogar einfach vor ihnen weglaufen. Tatsächlich müssen wir aber doch sehr häufig zum Schießprügel greifen und die Kontrahenten aus der Welt räumen. Spannende oder hochdramatische Momente beschränken sich, neben den seltenen Konfrontationen mit dem Alien, vor allem auf (stark inszenierte!) Zwischensequenzen oder Passagen, in denen wir vor einer drohenden Explosion flüchten. Irrwitzige Kletteraktionen in einem brennenden Laborturm, das Ausweichen vor heranbrausenden Schienenfahrzeugen oder geskriptete Sequenzen, in denen wir nach dem Betreten des Dachs eines Fahrstuhls mal eben eine Etage tiefer stürzen, tun ihr Übriges.
Es dauert einige Zeit, bis wir zu den Abschnitten kommen, in denen uns das Alien jagt. Bestimmte Regeln müssen wir beachten, um zu überleben. Das Wesen ist an sich relativ dumm, in anderen Szenen tötet es uns aber aus dem Nichts.
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