DLC-Test: Kampf im Kopf

Alan Wake: Der Schriftsteller Test

Über sieben Episoden hinweg baute Remedy Spannung und Dramatik auf: Die Erwartungshaltung an die letzte Folge ist dementsprechend hoch. Wird Alan sich im großen Finale aus der Dunkelheit befreien können, die seinen Geist umgibt oder im Wahn versinken? Wir haben für euch zur Taschenlampe gegriffen…
Jörg Langer 17. Oktober 2010 - 17:19
360
von Florian Pfeffer

  
Licht ist gut, Dunkelheit ist böse. Auf diese simple Formel könnte man das Konzept hinter Alan Wake herunter brechen, doch das würde dem Thriller mit psychologischem Touch nicht gerecht. Alan Wake ist vielmehr als nur ein Third-Person-Shooter, bei dem man "Bessessene" jagt -- es erzählt eine Geschichte. Eine Geschichte mit authentischen Figuren, realistischen Schauplätzen und vor allem vielen Andeutungen: Bis zur letzten der acht Episoden -- sechs gab es im Hauptprogramm (GG-Test: 8.5), die siebte wurde als DLC Das Signal (GG-Test: Gut) veröffentlicht -- blieb das eigentliche Ende der Geschichte offen. Was ist nun eigentlich los mit Alan Wake, seiner entführten Frau, dem Wahnsinn, dem er immer mehr anheim zu fallen scheint? Und so waren wir sehr gespannt, ob die achte Episode den hohen Erwartungen gerecht werden und die ziemlich verworrenen Handlungsstränge zum verdienten großen Finale führen würde.
 
Klasse statt Masse

Wie Entwickler Remedy bereits klar gemacht hat, ist Der Schriftsteller die vorerst letzte Folge von Alan Wake. Angesichts der Verkaufszahlen des Hauptspiels, die hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, steht eine Fortsetzung noch in den Sternen. Ob es eine Game of the Year- oder ähnliche Ausgabe geben wird, in der die Folgen 7 und 8 bereits enthalten sein werden, ist ebenso noch offen; vorerst erhaltet ihr „Der Schriftsteller“ also nur zum Download über Xbox Live zum Preis von 560 MS-Points, was etwa sechs Euro entspricht. Der Umfang der letzten Episode beträgt ungefähr zwei bis maximal drei Stunden, je nachdem wie gründlich ihr die Umgebung durchforstet, unter anderem nach den überall verstreuten „Night Springs“-Videospielen. Sammelt ihr alle dieser Spielpackungen ein, ist euch einer der neuen Erfolge im Gesamtwert von 250 Gamerscore sicher. Soweit zu den nackten Daten, doch wie sieht Episode 8 (Englisch: The Writer) spielerisch aus?
 
So nah' und doch so fern: Auf dem Weg zum Leuchtturm.
Der Schwierigkeitsgrad wurde im Vergleich zur siebten Episode glücklicherweise wieder etwas zurückgenommen. Nur gleich zu Beginn und ganz am Ende attackieren die Besessenen Alan hordenweise. Durch die gelungene Inszenierung der beiden Massenanstürme machen diese beiden Szenen aber richtig Spaß: Einmal wird ein buchstäbliches Feuerwerk um die Schießerei herum inszeniert, kurz vor Schluss wird es nochmal extrem spannend. Alan muss dann einen Hügel erklimmen, wobei ständig Dutzende von Besessenen von allen Seiten gegen den armen Autoren anrennen. Diese werden zwar vom Licht eines nahen Leuchtturms regelmäßig weggebrutzelt (wann immer der Leuchtkegel eben seine 360-Grad-Runde gedreht hat). Doch dummerweise dreht sich der Leuchtturmspiegel sehr langsam, und zwischen den Lichtintervallen erheben sich nur noch mehr feindliche Kreaturen aus der Dunkelheit. Derartige Szenen verdeutlichen ganz plastisch den Konflikt zwischen Licht und Dunkelheit, der das Spiel im Grundsatz ausmacht. Wir fanden sie mitreißend.
 
Folge dem Licht
 
Apropos Leuchtturm: In der vorherigen Episode noch das Funksignal des Schriftstellers und Besitzers der ominösen Blockhütte auf Divers Isle, Thomas Zane, als Leitfaden durch die Dunkelheit. In Alan Wake: Der Schriftsteller gilt es nun, den rettenden Leuchtturm am Episodenende zu erreichen. Wie gewohnt, seht ihr das Ziel schon fast von Beginn an irgendwo in der Ferne und kämpft euch dann langsam diesem rettenden Licht entgegen. Wieder hetzt ihr nicht durch eine reale Welt, sondern bewegt euch gewissermaßen durch Alans langsam in den Wahnsinn abdriftenden Geist. Passend dazu werdet ihr im Verlauf der Handlung mit zahlreichen Auswüchsen seines Unterbewusstseins konfrontiert. Die Spielwelt ist aus Versatzstücken seiner Erinnerungen und Erfahrungen zusammengesetzt, die euch sowohl in Form von Figuren wie Barry (der aber weniger oft vorkommt als noch in Das Signal) als auch in Form von Schauplätzen aus vergangenen Episoden begegnen. Trotzdem wird die achte Folge nie langweilig, da diese Elemente nicht einfach nur recycelt werden, sondern stets in einem neuen, irrealen und überraschendem Kontext stehen. So werdet ihr unter anderem ein befremdliches Wiedersehen mit der Cauldron Lake Lodge und Stuckys Tankstelle haben.

Hilfreiche Begriffe sind fast überall zu finden. Sie helfen oft,Wege zu erschließen und manchmal, Feinde zu erledigen.

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