DLC-Test: Mehr Mysteriöses

Alan Wake: Das Signal Test

75mal wurde die Dunkelheit vom Tageslicht verdrängt, seit am 14. Mai mit Alan Wake eines der meist erwarteten Spiele für die Xbox 360 erschien. Ob die erste Download-Episode „Das Signal“ die beklemmende Spannung aufrecht erhalten und die Geschichte plausibel weiterführen kann, verrät unser Test.
Jörg Langer 28. Juli 2010 - 0:07 — vor 9 Jahren aktualisiert
360
von Florian Pfeffer

Eines sei vorweg genommen: Wer sich nicht mit dem offenen und interpretationsfähigen Ende von Alan Wake anfreunden konnte, wem der zunehmend surreale und metaphysische Stil in den letzten Episoden nicht zusagte, der sollte um den DLC Das Signal einen großen Bogen machen. Allen anderen aber sei die Lektüre der folgenden Zeilen wärmstens empfohlen.

Die Reise geht weiter 

Das Signal beginnt direkt im Anschluss an die Geschehnisse der ersten sechs Folgen (also dem Hauptprogramm) in einer düsteren, irgendwie abwegig anmutenden Version des bekannten Diners aus Episode 1. Die Kellnerin, Rose Marigold, begrüßt Alan und schwärmt von seinen Romanen. Ranger Rusty bringt ebenso leidenschaftliche Begeisterung für den Kaffee des Lokals auf und die beiden Altrocker Tor und Odin fordern Alan zur Inbetriebnahme der Jukebox auf. Das alles wirkt wie eine 1:1-Kopie des Hauptprogramms, doch irgendetwas stimmt nicht – der vertraute Ort wirkt auf eine seltsame Art fremdartig. Die Personen sind halbtransparent, sprechen mit verzerrten Stimmen und scheinen nicht tatsächlich anwesend zu sein. Erst nach einem Besuch auf der Herrentoilette und einem Kontakt mit „dem Licht“ stellt sich heraus, was tatsächlich passiert ist. Die Schauplätze im DLC sind zwar altbekannt, beispielsweise die Kirchengruft oder der Buchladen, jedoch sind sie anders angeordnet und scheinen sich fortwährend zu verschieben, während Wake immer weiter ins Delirium sackt.

Die Motivation für die erneute Reise durchs Dunkel seiner Albträume erhält Alan durch das namensgebende GPS-Signal, mit dem der Autor und Hobbytaucher Thomas Zane versucht, Wake zurück in die Realität zu lotsen. In Schlüsselszenen tritt dieser auch selbst in seinen Reinkarnationsformen als gleißende Lichtkugel oder als Big-Daddy-Verschnitt in Erscheinung. Allgegenwärtig sind Alans Agent Barry und dessen Antagonist, Wakes wahnsinniges Selbst. Letzterer spricht vorrangig durch Fernseher zu uns. Wie die Manuskriptseiten in den ersten sechs Episoden verraten diesmal die Fernseher auch mehrfach Ereignisse, die wenig später tatsächlich eintreten.

Obwohl man erwarten könnte, dass dieses Stilmittel die aufgebaute Spannung zunichte macht, tritt in Wahrheit das Gegenteil ein: Wenn ein irres Auge aus dem Fernseher heraus blickt und verkündet: „Wake wurde von allen Seiten umzingelt, aussichtslos, nur Schatten, kein Fleisch mehr“, dann läuft es uns eiskalt den Rücken hinunter, und wir klammern unsere Hände in angstvoller Erwartung fester um den Controller. Die zahlreichen Erinnerungsfetzen und Reminiszenzen tragen ihren Teil zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei.

Wieder schickt euch Alan Wake durch düstere Waldgebiete. Und das niemals bei Tage...
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