Test: MMO verleiht Flügel

Aion Test

"Über den Wolken... muss die Freiheit wohl grenzenlos sein." So sang Rainhard Mey, und so erträumen sich das auch die Macher von Aion. Doch reicht das Flug-Feature aus, um Aion von der Masse anderer Fantasy-MMOs abzuheben, und was hat der kürzlich gestartete Online-Neuling sonst zu bieten? Wir haben das Spiel seit der Beta getestet.
Jörg Langer 1. November 2009 - 13:53 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
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Von Carsten Friedrich

Der allmächtige Gott Aion schuf vor Tausenden von Jahren die Welt Atreia. Im Zentrum dieser Welt stand der Turm der Ewigkeit, der die Bewohner mit göttlicher Energie versorgte und die Quelle allen Lebens war. Als Vertreter seiner selbst kreierte Aion die Drakan, eine drachenartige Rasse, die auf Atreia die Menschen beschützen sollten. Allerdings gaben sich die Drakan mit ihrer Rolle nicht zufrieden. Sie starteten eine Rebellion gegen Aion und nannten sich fortan Balaur. Um sich und die Welt zu verteidigen, erhob Aion einige Menschen in den göttlichen Rang. Die Daeva waren geboren.

Mit Flügeln ausgerüstet, stürzten sie sich in den Kampf gegen die Balaur, ein Jahrhunderte andauernder Krieg begann. Schließlich griffen die Balaur den Turm der Ewigkeit an – und siegten. Der Turm wurde zerstört, Atreia in zwei Teile gespalten: Asmodae und Elyois. Zwischen Asmodiern und Elyos, die ursprünglich  Daeva gewesen waren, entbrannte ein neuer Krieg, da beide Fraktionen einander beschuldigten, schuld an der Zerstörung des Turms der Ewigkeit zu sein. Doch was ist aus den Balaur geworden? Die hausen mittlerweile in der Region zwischen den beiden Planetenhälften, der Abyss. Und sind gar nicht glücklich, dass ihre letzte Zuflucht zum Hauptschlachtfeld der Elyos und Asmodier geworden ist. Zu Zeiten dieses Konflikts beginnt auch das Abenteuer der Spieler.

Startgebiet-Vergleich: In Asmodae herrschen düstere Töne vor, Elysea strotzt geradezu vor idyllischem Grün und Licht.
 
Charaktererstellung und Klassensystem

Klassen in Aion
Krieger
Templer: Der klassische Tank
Gladiator: Teilt vorrangig Schaden aus

Magier
Zauberer: Magiebegabter Damage-Dealer
Beschwörer: Beschwört Kreaturen für den Kampf

Späher
Assassine: Nahkampfstark, kann sich unsichtbar machen
Jäger: Fernkampf-Damage-Dealer

Priester
Kantor: Hilft mit Buffs und kleineren Heilsprüchen
Kleriker: Der klassische Heiler
MMOl-typisch beginnt das Abenteuer mit der erfreulich umfangreichen Charaktererstellung. Von der Kopfgröße bis hin zur Beinlänge ist so gut wie alles durch stufenlose Schieberegler einstellbar. Obwohl die beiden Rassen im Spiel ein menschliches Aussehen haben, lässt der Charaktereditor auch elfenartige Avatare oder  Zwerge zu. Außerdem könnt ihr eurem Charakter eine von vier Stimmen geben, die ihr in Zwischensequenzen hört – ein schönes Atmosphäre-Plus. In Aion könnt ihr euch, unabhängig von Fraktion und Geschlecht, für vier Oberklassen entscheiden, siehe den Kasten rechts. Neben Krieger und Magier dürft ihr also auch einen Späher oder Priester erstellen. Diese unterteilen sich dann jeweils ab Level 10 in zwei weitere Unterklassen, beim Krieger etwa den Templer, der den klassischen "Tank" (Panzer) darstellt, und den Gladiator, der eher aufs Schadenausteilen als aufs Schadenaushalten spezialisiert ist.
 
Die Charakter-Spezialisierung funktioniert in Aion etwas anders als in anderen Genrevertretern. So gibt es keine Talentbäume wie in Warhammer Online oder World of Warcraft. Vielmehr greift Aion auf das sogenannte Stigma-System zurück. Während ihr die normalen Klassenfähigkeiten alle drei Levels durch Bücherkauf bei den entsprechenden Lehrern erlernt, schaltet ihr mit dem Erreichen von Stufe 20 (nach einer Questreihe) eure ersten beiden Stigma-Plätze frei. Diese können mit Stigma-Steinen belegt werden, die euch aktive und passive Fähigkeiten verleihen. Die magischen Steine bekommt ihr entweder von erlegten Monstern, durch Questbelohnungen oder beim Handelsagenten, dem Aion-Pendant zum Auktionshaus. Zusätzlich könnt ihr durch Manasteine die Werte eurer Ausrüstung aufwerten und etwa den Ausweichen- oder Parieren-Wert verbessern. Aber Vorsicht: Das Einsetzen eines Manasteins kann, wie das Ausüben eures Handwerks, auch fehlschlagen und den Stein zerstören.

Alle genretypischen Anzeigen wie Lebens- und Manaanzeige sowie Skill-Leiste finden sich auch in Aion wieder.

Komfortables Interface, private Läden

Die Benutzeroberfläche bietet auf den ersten Blick all das, was im Genre üblich ist: Gesundheits- und Manaanzeige, Minimap, Skill-Leiste und Optionsmenü. Chat-Verlinkungen von Gegenständen sind genau so möglich wie ein Item-Vorschaufenster. Neben den bekannten Funktionen gibt es allerdings auch das Fluginterface, mit dem ihr eure Flügel ausbreiten könnt.  NCsoft hat zudem einige Komfortfunktionen eingebaut, die man zwar aus manchen, aber nicht allen MMOs gewohnt ist. So werden gerade angenommene Quests rechts am Bildschirmrand eingeblendet und können durch das Setzen eines Häkchens dauerhaft eingeblendet werden, Questgeber und -ziele lassen sich bei Bedarf bequem auf der Karte orten. Außerdem ist es möglich, Orte auf der Karte zu markieren und im Chat zu posten – lästiges Hantieren mit Koordinaten entfällt.

Euer Inventar heißt "Würfel", ist im Fassungsvermögen beschränkt und lässt sich wie in anderen MMOs gegen Geld vergrößern. Auf diese Weise erweitert ihr auch euer Bankfach. Jenes enthält neben dem Charakter-Bankfach auch Stauraum, der von allen Charakteren eures Accounts genutzt werden kann. So entfällt das mühsames Item-Versenden per Post oder umständliches „Mulen“ (von Mule, gemeint ist das Transferieren von Gegenständen mithilfe eines anderen, zum "Träger" degradierten Spielers oder alternativen Accounts). Ein Feature, welches in keinem MMORPG mehr fehlen sollte! Vor allem gefällt uns der einfache Verkauf von nicht benötigten Gegenständen getöteter Monster: Per Mausklick wandern diese im Handelsfenster direkt in die Verkaufsübersicht. Das mühselige Abklappern des Inventars nach „Schrott“ ist somit nicht nötig. Allerdings werden sich handelsfreudige Spieler die Haare raufen, wenn sie feststellen, dass beim Handelsagenten lediglich 10 Gegenstände oder Gegenstandsstapel auf einmal verkauft werden können.
 
Aion lässt euch außerdem private Läden öffnen, und zwar an jedem beliebigen Ort in der Spielwelt. Dabei legt ihr die Waren fest und deren Verkaufspreis sowie -menge. Allerdings könnt ihr euch in der Zeit, in der ihr einen privaten Laden betreibt, nicht bewegen. Somit ist dieses Feature nur nützlich, wenn man zwischendurch eine kleine Pause einlegen oder (eine prinzipiell gute Idee bei MMOs!) mal wieder schlafen will. Ein kleiner Tipp: Besonders rentabel sind private Läden bei Sammelquest-NPCs. So könnt ihr den benötigten Rohstoff direkt dort anbieten, wo er gebraucht wird und euch ein stattliches Sümmchen verdienen.

Wir haben einen privaten Laden eröffnet und bieten Waren feil -- können währenddessen aber nicht mehr aktiv spielen.

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