Test: ACAH, der Bruchpilot

Ace Combat Assault Horizon Test

Viel Action, viele Schauplätze und keinesfalls als eine realistische Simulation gedacht: Im Grunde lässt sich Ace Combat – Assault Horizon als „Call of Duty über der Erde" beschreiben. Nur steht die CoD-Serie für höchste Produktionswerte – was man vom Namco-Actionflieger, trotz seiner 20jährigen Tradition, nicht behaupten kann.
Jörg Langer 12. Oktober 2011 - 18:45 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots wurden von uns selbst erstellt.

Es ist kaum zu glauben, aber im kommenden Jahr feiert die Ace Combat-Serie ihr 20. Jubiläum. Im Jahr 1992 erschien mit Ace Combat der erste Teil, damals noch in Form eines Arcade-Automaten. In jenen Tagen befand sich das Genre noch auf seinem absoluten Höhepunkt und erfreute sich einer sehr hohen Beliebtheit. Wie sich die Zeiten doch ändern!
 
Was sich so geändert hat? Spielhallen sind nicht mehr populär. Flugsimulationen sind nicht mehr populär. Und, anscheinend als Folgerung daraus: Action-Flugsimulationen (bei den traditionell das "Action" sehr groß und das "Simulation" sehr klein geschrieben werden) sind nicht mehr sonderlich populär. Dafür setzen heutzutage Ego-Shooter à la Call of Duty Milliarden um. Und dennoch hat sich Ace Combat all diese Jahre tapfer gehalten. Den aktuellen Teil, Ace Combat – Assault Horizon, schicken Entwickler und Publisher Namco Bandai ausgerechnet in einen der heißeren Spieleherbste der letzten Jahre.
 
Unplausible Story
Die Zwischensequenzen sind nicht nur schick anzusehen, sie bieten auch etwas Interaktivität: Ihr dürft den Kopf drehen.
Gleich nach dem Spielstart werden wir unvermittelt ins Geschehen geworfen, nachzulesen in unserem Angetestet-Artikel vor einigen Wochen. Nur so viel: Wir erleben eine Art Vorschau oder Albtraum, die eigentlich verbündeten Russen greifen amerikanisches Territorium an.
 
Mit dem linken Analogstick (wir spielten vorrangig auf Xbox 360) lenken wir unseren Jet, während wir durch den R3-Button drei Kameras durchschalten. Über die Schultertasten dosieren wir den Schub oder bremsen bei Bedarf ab, und durch die Buttons auf der Oberseite des Controllers feuern wir eine unserer drei Waffen ab. Dank dieser simplen Bedienung haben wir schon kurze Zeit später die ersten Abschüsse zu verbuchen.

Gerade, als wir uns fragen, was die Russen-Jagd eigentlich soll, schlägt eine Rakete in unseren Jet ein. Nach einem Quicktime-Event aktiviert unser Pilot den Schleudersitz und öffnet den Fallschirm. Um uns herum herrscht das totale Chaos: Ein Jet wird vor unserer Nase durch eine Rakete in seine Einzelteile zerlegt. Auf einmal nähert sich ein weiteres Flugobjekt mit hoher Geschwindigkeit von rechts, wir reißen gerade noch die Hände vors Gesicht und … wachen schweißgebadet auf. Das heißt, im Spiel natürlich, nie würden wir während der Arbeit ein Nickerchen machen!
 
Die einfachsten feindlichen Flugzeuge können wir schon mit unseren normalen Raketen vom Himmel wischen.
Die bösen, bösen Russen
Als Lieutenant Colonel William Bishop befinden wir uns auf einem kleinen Flugplatz im Osten Afrikas. Die Story in Ace Combat – Assault Horizon stammt angeblich aus der Feder des Bestsellerautoren Jim DeFelice, der schon mehr als drei Dutzend Militärromane wie Leopards Kill oder Havana Strike veröffentlicht hat. Dabei hat er sich gedanklich wohl noch nicht allzu weit vom Kalten Krieg entfernt: Die 2015 spielende Handlung dreht sich zwar eingangs um einen NATO-Einsatz im Osten Afrikas, doch alsbald beweisen die bösen, bösen Russen (oder zumindest ein Teil davon) alle antagonistischen Klischees.
 
Neben Jet-Pilot William Bishop rettet ihr auch als Hubschrauber-Jockey Doug „D-Ray“ Robinson die westliche Welt. In einigen Abschnitten spielt ihr auch einen namenlosen Charakter – einen Namen darf in Assault Horizon nur tragen, wer irgendwie relevant für die Handlung ist. Aber ihr müsst auch nicht wirklich die Lebensgeschichte eines Soldaten kennen, der die anspruchsvolle Aufgabe hat, die Minigun eines Helikopters oder die Kanone eines Bombers zu bedienen.
 
Weltreise mit scharfen Waffen
An Schauplätzen mangelt es in Ace Combat – Assault Horizon nicht. Insgesamt werden euch 16 Missionen geboten, die alle an unterschiedlichen Orten auf dieser Erde spielen. Damit geht Assault Horizon den Weg von Ace Combat - Joint Assault weiter, statt sich wie sonst in d
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er Serie in einem Alternativuniversum anzusiedeln. Um Dubai, Moskau oder eben Miami realistisch abzubilden, haben sich die Entwickler Satellitenaufnahmen zu Nutze gemacht. Mit durchwachsenem Erfolg: Zwar könnt ihr die eine oder andere Sehenswürdigkeit wie das Burj al Arab in Dubai entdecken oder den Kreml. Doch die Bodentexturen sind derart grob, dass ihr euch fragen werdet, ob in der nahen Zukunft wirklich Kurzsichtige ans Steuer von Kampfflugzeugen gelassen werden. Anders formuliert: Für Ace Combat Assault Horizon wurde der Begriff Matschtextur erfunden. Ab und zu sind Gebäude auf den Matsch gepackt, aber wirklich schön anzusehen sind die ebenfalls nicht.
 
Auf die Ziele hat der jeweilige Schauplatz sowieso keine Auswirkung. Ob ihr nun über dem verschneiten Russland oder dem hitzeflirrenden Ostafrika unterwegs seid, im Prinzip wird nur die Tapete ausgetauscht, die Einrichtung aber (sprich, Vorgehen und Spielgefühl) bleibt immer dieselbe. Zumindest eurem jeweiligen Fluggerät (es stehen euch diverse Jets und Helikopter zur Wahl) haben die Entwickler ein paar schärfere Texturen verpasst, und es lassen sich sogar ein paar Details wahrnehmen. 
Ein wenig Sightseeing gefällig? Den Schauplätzen im Spiel liegen Satellitenaufnahmen zugrunde, doch das macht die Bodengrafik nicht hübscher. Immerhin bekommt ihr ab und zu Sehenswürdigkeiten wie das Burj Al Arab zu Gesicht.
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