Test: Spannende Parallelwelt

AC3: Die Tyrannei von König Washington Test

Benjamin Braun 23. April 2013 - 11:49 — vor 6 Jahren aktualisiert
Mit der dritten Episode hält mit den Seeschlachten auch das letzte Element der Spielmechanik Einzug in die DLC-Erweiterung. Hier müssen wir zunächst einigen Seeminen ausweichen und uns später mit einigen Schiffen anlegen.
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Episode 3: Die VergeltungConnor hat es im Hafen von Boston mittlerweile zu einem Schiff gebracht. Ubisoft nutzt die Gelegenheit gleich zum Start der letzten Episode von Die Tyrannei von König Washington, um auch das letzte noch nicht im DLC verwandte Spielelement abzudecken: die Schiffskämpfe. Wirklich Neues bieten auch die nicht, mit der Fahrt durch ein Seeminenfeld gelingt es den Entwicklern dennoch einmal mehr, aus einem simplen Rezept einen spannenden Kampf auf hoher See zu kochen. Dass das letzte Boot von Washingtons Gefolgsleuten gerammt werden muss, um zu siegen, versteht sich von selbst. Denn wie üblich tut auch Episode 3: Die Vergeltung einiges dafür, um cineastisch rüberzukommen. Woher der Indianer wohl diese weitreichenden Kenntnisse als Kapitän hat? Nun, vielleicht ist es sein Vorfahre Edward, dem Protagonist aus Assassin's Creed 4 - Black Flag (GG-Angetestet), auf den Connor dezent hinweist.

Connors Ziel ist aber ein anderes, als ein erfolgreicher Seemann zu werden. Er und seine Crew befinden sich auf dem Weg nach New York, um dort der Herrschaft des selbsternannten Königs Washington ein Ende zu machen. Welche Auswüchse dessen Wahnsinn mittlerweile erreicht hat, sehen sie schon aus großer Ferne: Mitten in New York lässt der "Monarch" eine gigantische Pyramide errichten. Doch selbst im Zentrum von Washingtons Macht regt sich Widerstand in Person von niemand geringerem als Thomas Jefferson, der zu Connors wichtigstem Verbündeten wird.

Episode 3: Bärenstark
Die Bärenkraft ist sehr mächtig, kann aber nicht gespammt werden.
Wie schon in den ersten beiden Episoden reicht Connor die Unterstützung seiner Mitstreiter allein allerdings nicht aus. Stattdessen nimmt er erneut einen Schluck vom Tee der Weiden zu sich, um sich eine weitere Tierkraft anzueignen. Diesmal geht er den geistigen Bund mit einem Bären ein. Mithilfe dessen Kraft kann er die Erde förmlich erbeben lassen und so ganz Scharen von Feinden auf einmal töten. Der mächtige Bärenhieb erlaubt es Connor aber auch, Teile von Gebäuden zum Einsturz zu bringen und so etwa die Nachschubwege von Washingtons Truppen abzuschneiden.

Klingt nach einer mächtigen Attacke? In der Tat, und sie wirkt ebenso gegen normale wie auch Elite-Feinde. Göttliche Macht gewährt euch die Bärenkraft aber auch wieder nicht: Wie die anderen Tierkräfte verbraucht ihr Einsatz Lebensenergie, und zwar so viel, dass ihr den Bärenangriff normalerweise nicht mehr als dreimal pro Kampf einsetzen könnt – wenn ihr nicht aufpasst und durch das Töten von Zivilisten zusätzlich Energie verliert, sogar noch seltener. Obwohl die Feindanzahl etwas angehoben wurde und ihr im DLC generell schon unter Verdacht steht und schnell Alarm auslöst, ändert diese Einschränkung aber nichts daran, dass die Kämpfe weiterhin vergleichsweise anspruchslos ausfallen. Die immer neu dazustoßenden Wachen können euch aber zumindest auch mal zur Flucht zwingen, bevor ihr dann doch noch aus den Latschen kippt. Und wer eine größere Herausforderung sucht, der erfüllt eben die Vorgaben für die "100 Prozent Synchronisation". Um in manchen Missionen unentdeckt zu bleiben oder keinerlei Schaden zu nehmen, ist jedenfalls fernab von 'casual'.

Episode 3: Vielfältiger MissionsmixObwohl die DLC-Kampagne erneut nur ein knappe Spielzeit von circa zwei Stunden für die Hauptmissionen bietet, ist die Missionsvielfalt groß. Neben der eingangs erwähnten Seeschlacht müsst ihr Personen unbemerkt verfolgen, frei nach indianischem Vorbild Spuren lesen oder eine Kutsche mit Lebensmitteln für die Armen eskortieren. Auch Abschnitte, die ihr mehr oder weniger ohne Kills bewältigen könnt (aber nicht müsst),  sowie ein paar Sprung- und Hüpfpassagen sind enthalten. Bei letzteren kommt Ubisoft nochmal auf sämtliche Tierkräfte zurück, die ihr abwechselnd einsetzt um euch einen Weg über einstürzende Gerüstbauten zu bahnen. Da wird geklettert und gehangelt, ein Absprung in Adlerform überwunden oder ein Hindernis in Bärengestalt niedergerissen.

Das alles mündet in einem zwar viel zu leichten, aber dafür umso spektakuläreren Endkampf, über den wir euch selbstverständlich nicht zu viel verraten wollen. Etwas billig fanden wir allerdings den Übergang zu diesem Finale. Da zwingt euch Die Vergeltung nämlich dazu, einige der einfachen Nebenmissionen in New York zu erledigen, um das Volk gegen Washington aufzuwiegeln.

Das bedeutet für euch: Ausrufer verprügeln, damit sie den König nicht mehr preisen, Soldaten mit dem Wurfhaken im wahrsten Sinne des Wortes einen Strick drehen oder Offiziere verfolgen und töten. Aber keine Sorge, das zieht sich nicht über Stunden und wenn ihr doch mal aufgrund einer Unachtsamkeit sterben solltet geht der Fortschrittsbalken nicht auf den Ursprungsstand zurück.

Episode 3: Tolle Idee,
Gelungene Auflösung
Alternativen
Solltet ihr vor Assassin's Creed 3 noch nicht in Kontakt mit der Serie geraten sein, solltet ihr insbesondere die Ezio-Trilogie beginnend mit Assassin's Creed 2 (GG-Test: 9.5) nachholen, die euch in die Renaissance beziehungsweise ins Konstantinopel kurz nach der Eroberung durch die Osmanen führen. Wer in die Endzeit des Shogunats und der Samurai eintauchen will, sollte nicht zu viel von Way of the Samurai 4 (GG-Test: 6.0) erwarten, vor allem keine bierernste Epochen-Sim. Und wer sich denkt, "wenn schon Amerika, dann doch gleich Neuzeit", findet nach wie vor kein besseres Open-World-Spiel als GTA 4 oder sein Standalone- Addon Episodes from Liberty City (GG-Test: 9.0).
Quasi alles in Frage zu stellen beziehungsweise historische Tatsachen konsequent zu verdrehen oder in einen völlig anderen Kontext zu stellen, war schon immer einer der Reize von Assassin's Creed. Mit Die Tyrannei von König Washington treiben die Entwickler genau das auf die Spitze und ermöglichen damit auch eine (im weitesten Sinne) glaubwürdige Implementierung der selbst für diese Serie nicht unbedingt  üblichen Elemente.

Wie bei so vielen Paralleluniversen wird es auch in der DLC-Reihe zum Ende hin besonders kritisch. Nämlich dann, wenn es um die Auflösung geht. Wir wollen euch nichts vorwegnehmen, aber wir waren mit dem Ende zufrieden! Ein bisschen mehr Kreativität wäre zwar wünschenswert gewesen, aber die Endsequenz hat dennoch etwas sehr Episches. Am Ende bleibt ein lohnenswerter Ausflug in die Wirren der Amerikanischen Revolution, bei dem aufgrund des Umgangs am Ende trotzdem die Frage bleibt, ob er beinahe 30 Euro wert ist.

Autor: Benjamin Braun / Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)
 
Benjamin Braun
DLC-Inhalte gelten unter Spielern ja gerne mal als reine Geldmacherei der Spielehersteller. Zumindest für Die Tyrannei von König Washington gilt aber nicht so ohne weiteres: Die Parallelwelt wäre eben nicht einfach so direkt ins Hauptspiel integrierbar gewesen – und das gilt genauso für die übernatürlichen Tierkräfte Connors. Letztere sind (ganz in der Serientradition) zwar ziemlich cool, aber auch mal wieder viel zu übermächtig. Dass die Anzahl und die Aggressivität der Gegner angehoben wurde, gleicht das nur bedingt aus. Spielerisch anspruchsvolle Action zu bieten, scheint für Ubisoft bei Assassin's Creed nicht gerade weit oben auf der Agenda zu stehen. Wobei: Im optionalen Bereich gibt es das natürlich schon, denn die mit Assassin's Creed Brotherhood eingeführten "100 Prozent"-Vorgaben gibt es auch im DLC und heben den Schwierigkeitsgrad für die, die sie erfüllen möchten, teils deutlich an.

So reizvoll die drei inhaltlich aufeinander aufbauenden Zusatzepisoden auch sind: Beim Preis bekleckert sich Ubisoft nicht mit Ruhm. Die Hauptmissionen und die paar wenigen größeren Nebenaufträge sind pro Episode für nicht viel mehr als zwei Stunden gut – und wer nur der eigentlichen Story folgt, ist nach fünf Stunden durch. Dafür sind fast 30 Euro beim Einzelkauf einfach zu viel. Selbst den Season Pass, der neben diesen drei Story-Episoden noch eine Erweiterung des Mehrspieler-Modus bietet, halten wir für überteuert. Doch das muss einfach jeder für sich entscheiden – wie immer schließt unsere Wertung kein Preis-Leistungs-Verhältnis ein. Davon abgesehen spricht kaum etwas gegen den Erwerb, denn die Tyrannei von König Washington ist spannend und bietet bei Präsentation und Inszenierung beinahe dieselbe Qualität wie das großartige Hauptspiel.

 AC3 - Die Tyrannei von König Washington
Einstieg/Bedienung
  • Kinderleichte Bedienung
  • Schiffskämpfe gut steuerbar
  • Faire Rücksetzpunkte
  • Einzelne "Erinnerungen" jederzeit wiederhol- und optimierbar
  • Klettern fast schon zu einfach
  • Effektives Kämpfen oft auch "ohne richtiges Hinsehen" möglich
Spieltiefe/Balance
  • Coole Tierkräfte...
  • Viele optionale Missionen...
  • Spannende Story in Parallelwelt
  • Abwechslungsreicher Missionsmix, der alle alten und neuen Elemente der Spielmechanik berücksichtigt
  • Hochwertige Darbietung auf Niveau des Hauptspiels
  • … die etwas zu mächtig sind
  • … allerdings fast nur Standard- und Fleißaufgaben
  • Kämpfe immer noch etwas zu leicht
     
Grafik/Technik
  • Scharfe, detaillierte Texturen bei Charakteren und Gebäuden
  • Schöne Umgebungseffekte wie Nebel, Regen, Schneefall
  • Sturmfluten und Wellenberge spielen in Seeschlachten eine taktische Rolle
  • Dynamischer Schattenwurf...
  • Spielwelt wirkt authentisch
  • Teils sehr matschige, undetaillierte Landschaftstexturen
  • Teils spät aufpoppende Architektur oder Flora (insbesondere Gras)
  • Weitsicht vertraut auf starkes LoD (d.h. weiter entfernte Objekte undetaillierter)
  • ... der aber aus der Nähe typische "Konsolen-Sägezahnkanten" zeigt
Sound/Sprache
  • Sehr gute deutsche und englische Sprecher
  • Stimmungsvoller Soundtrack
 
Multiplayer
Nicht vorhanden  
Userwertung
7.0
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Ubisoft Montréal
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23.04.2013
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Benjamin Braun 23. April 2013 - 11:49 — vor 6 Jahren aktualisiert
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