Atomkraft? Ja bitte!

A New Beginning Test

Mit ihrem neuen Groß-Projekt A New Beginning widmet sich das in Hamburg ansässige Team von Daedalic einem sehr ungewöhnlichen Thema für ein Adventure: dem Klimawandel. Gelingt ihnen damit ihr dritter Adventure-Hit in Folge oder entpuppt sich das Adventure als reines Betroffenheitsspiel? Wir haben es für euch getestet.
Philipp Spilker 7. Oktober 2010 - 22:41 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC
A New Beginning ab 1,00 € bei Green Man Gaming kaufen.
A New Beginning ab 7,90 € bei Amazon.de kaufen.
A New Beginning – das ist offenbar nicht nur der Titel des neuesten Daedalic-Adventures, sondern gleichzeitig auch Bestandteil der Firmenphilosophie. Denn allzu heimisch scheinen die Hamburger Entwickler mit einem ihrer Franchises nie werden zu wollen. Ständig brechen sie zu neuen Ufern auf. Schaut man sich ihre noch recht junge Erfolgsgeschichte an, wird das mehr als deutlich. In ihrem Debüt Edna Bricht Aus halfen Adventure-Fans dem titelgebenden Mädchen mitsamt ihrem sprechenden und leicht psychothischen Stoffhasen Harvey bei der Flucht aus einem Irrenhaus. Wer beim zweiten Spiel mehr vom Gleichen erwartete, wunderte sich schnell:. In The Whispered World wich Anarcho-Humor einer melancholischen Grundstimmung, das Irrenhaus wurde durch eine Märchenwelt im Stil von Chihiros Reise ins Zauberland ersetzt. Und der Hauptcharakter war gar ein trauriger, verbitterter und zynischer Clown namens Sadwick, der sich gegen seinen Willen mit seiner Raupe namens Spot auf den Weg machen muss, die Welt zu retten.
 
Zumindest eine dieser Zutaten bleibt im nunmehr dritten Adventure von Daedalic erhalten. Denn auch in A New Beginning ist euer Ziel die Rettung der Welt. Dass ihr dabei einen Großteil der Zeit mit dem Rentner Bent Svensson unterwegs seid, ist nur eine Besonderheit. Eine weitere Besonderheit ist die Folgende: A New Beginning nimmt sich dem Thema Klimawandel und Umweltzerstörung an und schafft es trotz der schwierigen Thematik, sich als witziges und spannendes Adventure zu präsentieren.
 
Nur auf den ersten Blick ist die Zukunft golden: Auf den zweiten erweist sich die Erdoberfläche als verwüstet. Die  Menschen mussten unter die Erde flüchten, nur "Windscouts" wagen sich noch nach oben. Bald eruptiert die Sonne!

Yes, we can!
 
Al Gore hat es ja schon immer gewusst. Und auch wenn man den kreativen Köpfen von Daedalic Glauben schenkt, so ist es im Jahr 2500 schlecht um die Menschheit bestellt. Die Erdoberfläche ist nicht mehr bewohnbar; nur noch selten wagen sich mutige Windscouts aus ihren unterirdischen Höhlen heraus, um nach dem Stand der Dinge zu sehen. So auch im Intro zu A New Beginning. Die Scouts kehren darin mit einer Hiobsbotschaft zu den anderen Überlebenden zurück: In wenigen Stunden ist mit einer gewaltigen Eruption der Sonne zu rechnen, die endgültig alles Leben auf der Erde vernichten wird! Im Angesicht dieser Bedrohung beschließen die Windscouts, auf einen Notfallplan auszuweichen. Mit noch nicht ganz ausgereifter Technik wagen sie den Sprung zurück in der Zeit. Denn nur wenn die Menschheit der Vergangenheit lernt, verantwortungsvoll mit der Erde umzugehen, wird sie im Jahr 2500 zu retten sein.
 
Ziel der Zeitreise ist ein Mann namens Bent Svensson. Der nämlich hat um 1980 herum an alternativer Energiegewinnung durch Blaualgen geforscht, konnte jedoch nie den von ihm gewünschten Erfolg damit erzielen und gab schließlich auf. Die Windscouts um Forscherin Fay aus dem Jahr 2500 aber wissen: Seine alternative Methode funktioniert. Denn ihre Zeitkapseln werden von eben der Energiequelle angetrieben, die er im 20. Jahrhundert entwickelte. Wenn man Bent Svensson neuen Mut machen könnte, wäre er vielleicht dazu in der Lage, die Zukunft zu verändern – und somit auch den verheerenden Reaktorunfall zu verhindern, der die Malaise unseres Planeten überhaupt erst einleitete.
 
Doch Bent Svensson lässt sich nicht so einfach neuen Mut machen. Er wirft sich vor, durch seine Forschung seine Frau verloren zu haben, und auch mit seinem einzigen Sohn hat er sich zerstritten. So sitzt er nur noch trübsinning in seinem Ferienhaus, lässt die Zeit verstreichen und kümmert sich um gar nichts mehr. Bei regelmäßigen Anrufen seiner Psychologin muss er das Mantra „Ich bin nicht für die ganze Welt verantwortlich“ aufsagen. Und als plötzlich eine Frau aus der Zukunft bei ihm landet und ihm weismachen möchte, dass nur er die Welt retten kann, glaubt er ihr logischerweise kein Wort. Eure Aufgabe in A New Beginning ist es zunächst, das zu ändern. Aber dabei bleibt es selbstverständlich nicht.

Bent klingt nicht nur gestresst, sondern ist es auch: Gerade ist eine Frau zu ihm gekommen, die ihn davon überzeugen will, dass nur er die Welt retten kann. Dabei hatte er sich gerade von seinem Samariterkomplex verabschiedet!

Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 26 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.