Ohne Seemannsgarn

World of Warships Preview

Wir haben uns in die Beta des Marinekampfspiels gestürzt, um den Konzernbruder von World of Tanks probezuspielen. Nach überstandener Seemannstaufe, wir haben es immerhin bis zu einem Flugzugträger gebracht, können wir berichten: World of Warships ist der bislang vielversprechendste Free-To-Play-Titel in diesem Jahr.
Rüdiger Steidle 24. April 2015 - 13:42
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Ausgerechnet das Luftkampfspiel World of Warplanes war ein Schlag ins Wasser. Und ausgerechnet die Seekriegs-Simulation World of Warships soll nun endlich der erhoffte Überflieger werden, der World of Tanks beerben kann. Das ist zwar noch immer eines der erfolgreichsten MMO-artigen F2P-Titel überhaupt, allerdings stagnieren die Nutzerzahlen der kostenlosen Panzerballerei langsam.

Es wird also Zeit, dass sich Wargaming auf ein zweites Standbein stellt. Dieses hoffen die Weißrussen nun in World of Warhips gefunden zu haben, das voraussichtlich noch in diesem Jahr vom Stapel laufen dürfte. Nach dem beschränkten Alphatest im vergangenen Jahr läuft derzeit die geschlossene Betaphase. Wobei „geschlossen“ relativ ist: Jeder Interessent kann sich den Zugang erkaufen, indem er eines der Preorder-Pakete auf der offiziellen Website des Spiels bestellt. Für knapp 20 Euro gibt es ein Schiff, etwas Spielgold und eben eine Einladung zum Betatest. Geduldigere Naturen warten noch ein, zwei Monate ab; spätestens für Juni rechnen wir mit dem Start der offenen Testperiode.

Geölte SpielmechanikTatsächlich macht World of Warships bereits im derzeitigen Stadium einen erstaunlich ausgereiften Eindruck. Natürlich fehlen noch jede Menge Inhalte, aber die eigentliche Spielmechanik arbeitet schon relativ reibungslos und wirkt überraschend fein austariert. Die Grundlagen sind vergleichbar mit World of Tanks (oder eben dem unglücklichen World of Warplanes): Zwei Teams aus fünf bis fünfzehn Teilnehmern treten in einem erweiterten Deathmatch gegeneinander an.

Das Ziel: Alle Schiffe der Gegenseite versenken, wobei man je nach Spielmodus auch gewinnen kann, indem man die Startzone der Kontrahenten erobert oder über die Kontrolle verschiedener Zonen Punkte sammelt. Also etwas mehr Abwechslung als bei World of Tanks, was seit Anbeginn nur über einen, minimal variierten Spielmodus verfügt. Im Fokus steht erneut die Zeitperiode um den Zweiten Weltkrieg.

Bei den eingangs zugänglichen Kampfschiffen in World of Warships, den so genannten „Low Tiers“, handelt es sich um Entwürfe aus dem Ersten Weltkrieg und teils sogar noch aus der Zeit davor, die aber mitunter für modernere Anforderungen aufgerüstet werden. Dazu gehören zum Beispiel der amerikanische St.-Louis-Kreuzer oder der Zerstörer USS Sampson.

Derzeit umfasst der Technologiebaum, den alle Spieler Ast für Ast mithilfe gesammelter Erfahrungspunkte erklimmen müssen, nahezu ausschließlich Boote der japanischen und der US-Marine, dafür aber bereits über alle Stufen, von Tier 1 bis 10. Russland, Großbritannien und Deutschland sollen später hinzustoßen. Weitere naheliegende Nationen wären Italien, Frankreich und vermutlich auch China als Verneigung vor dem wichtigen asiatischen Absatzmarkt.

Ein anderes Kaliber
Die Hauptwaffe vieler Zerstörer sind Torpedos. Um damit sicher zu treffen, muss man aber gefährliche nahe ran.
Es gibt vier Gattungen: Zerstörer, Kreuzer, Schlachtschiffe und Flugzeugträger. U-Boote bleiben glücklicherweise außen vor. Vergleiche mit World of Tanks liegen nahe – Zerstörer gleichen Scouts, Kreuzer mittleren Kampfpanzern –, greifen aber zu kurz. Die Hauptaufgabe von Zerstörern liegt bei World of Warships weniger in der Aufklärung, sondern eher in schnellen Hit-And-Run-Angriffen auf Großkampfschiffe. Dazu verfügen sie über Torpedos, die zwar eine gefährlich geringe Reichweite besitzen, bei Treffern aber mächtig große Löcher stanzen. Nebenbei unterstützen Zerstörer Verbündete bei der Flugabwehr und hüllen sie bei Angriffen in einen Nebelschleier. Schlachtschiffe stellen das genaue Gegenteil dar: vergleichsweise behäbig und träge, aber mit weitreichenden Hauptbatterien, die jedes Ziel mit wenigen Salven in den Untergang schicken.

Die dicken Pötte dürfen zudem verlorene Hitpoints regenerieren, diese Sonderfertigkeit aber nur begrenzt oft und mit beträchtlichen Wartepausen einsetzen. Kreuzer sind die mit Abstand vielseitigste Klasse. Ihre Hauptbewaffnung kann zwar im Kaliber nicht mit der ihrer großen Brüder mithalten, diesen aber aufgrund der höheren Feuerrate dennoch gefährlich werden. Manche haben zusätzlich Torpedos oder Aufklärungsflugzeuge an Bord, welche den Sichtradius steigern. Flugzeugträger schließlich liefern Luftunterstützung mit Jagdstaffeln und setzen Torpedo- oder Sturzkampfbomber auf feindliche Kähne an.

Träg, träger, Flugzeugträger
Fürchterlich langweilig: Als Carrier-Kapitätn blicken wir meist auf die Karte.
Da die Träger, wenn überhaupt, nur schwache Abwehrbewaffnung gegen Kriegsschiffe und kaum Panzerung haben, sollten sie sich möglichst weit hinter der Front halten. Carrier-Kapitäne verbringen ihre Zeit also primär auf einer Übersichtskarte, die das gesamte Schlachtfeld zeigt. Dort setzen sie Wegpunkte, die der Steuermann nacheinander abklappert, und weisen ihren Einsatzgruppen Angriffsziele oder Flugrouten zu. Das ist, mit Verlaub, sterbenslangweilig, auch wenn Flugzeuträger einen entscheidenden Beitrag für ihr Team leisten. Trotzdem garantieren wir, dass die Flat-Tops ähnlich „populär“ werden wie die allseits verhasste Artillerie in World of Tanks, sollte sich an der Spielmechanik diesbezüglich nichts ändern. Immerhin: Da man die Bomber schon von weitem anfliegen sieht, kann man als Opfer meist noch rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen und ist nicht ganz so schutzlos ausgeliefert wie mancher Panzerfahrer der Arty.

Zerstörer, Kreuzer und Schlachtschiffe bereiten bedeutend mehr Spaß. Dort dominiert eine Shooter-Mechanik: Treffen, ohne selbst getroffen zu werden, Gegner ausmanövrieren, Finten vorausahnen. Wenn ihr zum erfolgreichen Kanonier aufsteigen möchtet, müsst ihr ein grundlegendes Verständnis für die Ballistik sowie die Schiffstypen im Spiel mitbringen und bereit sein, einige Stunden in die Einarbeitung zu investieren. Dafür stehen euch auch Üb
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ungspartien gegen Computerkontrahenten zur Auswahl. Tatsächlich dürft ihr als Einsteiger die ersten paar Matches ausschließlich gegen (nur mäßig kompetente) KI-Kapitäne bestreiten, bevor die Macher euch auf eure Mitspieler loslassen. Das Das Feuern ist aber auch wirklich eine Wissenschaft für sich: Ihr visiert Gegner über eine Art Fernglas mit Zoomfunktion an. Feinde werden zwar markiert, aber nur die Entfernung angezeigt.

Ihren Kurs und ihre Geschwindigkeit müsst ihr selbst einschätzen, dann mental die Flugzeit eurer Geschosse bestimmen und daraus zu guter Letzt den Zielpunkt errechnen, den ihr beschießt. Selbst wenn ihr alles richtig macht, kann es passieren, dass eine komplette Salve ins Leere geht. Auf größere Entfernungen feuern die Geschütze alles andere als genau und schließlich kann euer Gegenüber ja auch noch seinen Kurs ändern. Oder aber ihr installiert einfach eine Mod, die euch exakt den Einschlagspunkt vorgibt. Dann müsst ihr nur noch Knöpfchen drücken. Die dürfte zwar in absehbarer Zeit verboten werden. Das behebt aber nicht das Grundproblem, dass Wargaming abermals Mods in einem kompetitiven Multiplayer-Spiel erlaubt. Seufz.
Aus nächster Nähe beharken sich die Kontrahenten mit sämtlichen Bordwaffen. Hier gewinnt meist der mit dem besseren Kahn.
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