Ein gigantischer Spielplatz

Watch Dogs Preview

Ein realistisches Zukunftsszenario. Ein gewiefter Hacker, mit dem ihr große Freiheiten beim Schleichen, Rasen und Ballern in einer gigantischen Metropole genießt. Ubisofts Abenteuer verspricht, das beste Open-World-Actionspiel seit GTA 5 zu werden.
Benjamin Braun 23. April 2014 - 18:01 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Was haben Saints Row 4 und Watch Dogs gemeinsam? Darauf hätten viele wohl nur eine Antwort: die offene Spielwelt. Tatsächlich haben Volitions abgefahrenes Actionspiel und Ubisofts Hacker-Abenteuer weit mehr gemeinsam. Ihr dürft in Watch Dogs zwar keinen Dildo-Schläger schwingen, dafür aber Zombie-Passanten niedermähen oder mit einer riesigen mechanischen Spinne auf Cop-Jagd gehen. Wie das mit dem eigentlich ernsthaften Szenario von Watch Dogs zusammen passt, und vor allem, wie sich das für Ende Mai geplante Open-World-Werk spielt, haben wir in rund fünf Stunden "Hände-dran-Zeit" bei einem Presse-Event in Paris herausgefunden.

Ein Hacker auf Rachefeldzug
Aiden kann in Chicago diversen Minispielen nachgehen. Dank Kamera-Hacking schaut er seinen Mitspielern in die Karten.
Aiden Pearce ist ein professioneller Hacker und Cyberkrimineller, der kein Problem damit hat, seine Taschen mit dem Geld anderer zu füllen. Einer seiner Raubzüge mit Helfer Damien Banks allerdings geht schief. Anstatt das Konto eines großen Hotels abzubuchen, fliegen er und Damien auf. Es folgt eine Verfolgungsjagd, in deren Verlauf Aidens Nichte Lena ums Leben kommt. Aidens Mitschuld an Lenas Tod verfolgt ihn. Er schwört, seine Fähigkeiten einzusetzen, um die Hintermänner zur Strecke zu bringen, damit Lenas Mutter Nicole und ihr Sohn Jackson wenigstens ein bisschen Seelenfrieden finden.

Da Aiden sein Hackerhandwerk versteht, ist das gar nicht so schwierig, denn der gläserne Mensch ist in Watch Dogs längst Alltag. Es gibt keine Informationen, die nicht im so genannten ctOS gespeichert werden – und Aiden nutzt sein Smartphone, um selbst die persönlichsten Daten anderer auszulesen, virtuell deren Konto zu räumen oder ihre Telefongespräche abzuhören. So stöbert er auch Maurice auf, der ihm die Hintermänner verraten könnte. Doch selbst mit der Waffe im Gesicht behauptet dieser, keine Namen zu kennen. Anstatt Rache zu nehmen, lässt Aiden Maurice leben, um später vielleicht doch noch Antworten zu bekommen.

Als Dieb und Hacker ist Aiden sicherlich kein harmloser Zeitgenosse. Aber draußen auf den Straßen Chicagos gibt es weit Schlimmere als ihn. Gangster, die auch vor Mord und Totschlag nicht zurückschrecken. Bei dem ganzen Datenwust braucht Aiden natürlich die Hilfe Anderer, wie dem anonymen Hacker 'Badboy 17' oder dessen Freund Jordi, der auf handfestere Methoden vertraut. Kann Aiden diesen "Freunden" wirklich trauen, die nichts anderes sind als Kriminelle? Wir wissen es noch nicht. Das Zukunftssetting, von dem unsere Realität gar nicht mehr so weit entfernt ist, bietet in jedem Fall eine gute Grundlage für eine spannende und wendungsreiche Story.

Grenzenlose Open WorldWatch Dogs beginnt zwar mit einer ausführlichen Einführung in das Szenario und entlässt euch direkt in die Eröffnungsmission, in der euch die grundlegende Spielmechanik näher gebracht wird. Danach könnt ihr jedoch vollkommen frei entscheiden, ob ihr den Hauptmissionen folgt oder euch einfach ein Auto krallt und damit die Spielwelt unsicher macht. Das Angebot an optionalen Missionen und Nebenbeschäftigungen ist gigantisch groß und beinahe uneingeschränkt von Beginn an verfügbar – gesperrte Inseln wie zum Beispiel in Grand Theft Auto - San Andreas gibt es in Watch Dogs nicht.
Ob sich die Nebenbeschäftigungen allerdings mit dem an sich ernsthaften Ansatz von Watch Dogs vertragen, ist Ansichtssache. Um an Geld für neue Waffen, Klamotten oder auch Autos zu kommen, könnt ihr mit Aiden beispielsweise Passanten auf der Straße "hacken" und so um ihr Erspartes erleichtern. Telefonate von Kriminellen abzuhören, um mehr über den Ort eines geplanten Überfalls zu erhalten und diesen dann friedlich oder auch mit Waffengewalt zu vereiteln, passt da schon eher. Bei beiden genannten Missionsvarianten gibt es unendlich viel Nachschub, da sie ähnlich wie die Wirtshaus-Quests in The Elder Scrolls 5 - Skyrim von einem Zufallssystem erstellt werden.

Andere Nebenaufträge, bei denen ihr beispielsweise Gang-Unterschlüpfe ausräuchern sollt, gibt es hingegen nur in begrenzter Anzahl. Nur solche Missionen werden euch auch per Icon auf der Karte angezeigt. Wobei das bei einem Teil davon erst passiert, wenn ihr in Anlehnung an Assassin's Creed ctOS-Türme gehackt habt. Abhängig davon, ob ihr bei den Gangmissionen und ähnlichen heimlich vorgeht, um ein System per Hack lahm zu legen, oder alle Gangster über den Haufen schießt, verändert sich euer Ruf. Ganz klar ist uns beim Probespielen nicht geworden, inwieweit das Einfluss auf das spätere Spiel hat. Denn würde Aidens Identität, egal ob als Schurke oder doch als edler Samariter, tatsächlich aufgedeckt, wäre es mit seinem geheimen Hackerstatus vorbei. Hier geht es wohl vornehmlich darum, dem Spieler vor Augen zu führen, ob sein Verhalten nun eher positiv oder eher negativ ist, und so die Identifikation mit Aiden zu erhöhen. Ob das klappt, bleibt abzuwarten.

Mehrteiliger SkilltreeZentraler Bestandteil der Spielmechanik ist und bleibt Aidens Smartphone. Damit kann er Informationen über andere Charaktere und Passanten auf der Straße abrufen und Teile der Umgebung manipulieren. Ampeln auf Knopfdruck von rot auf grün (oder umgekehrt) zu schalten, beherrscht er schon von Beginn an. Andere Funktionen müsst ihr über ein Erfahrungspunktesystem erst freischalten, indem ihr mit jeder Stufe neue Skillpoints erhaltet. Diese wiederum investiert ihr im mehrteiligen Skilltree in Fähigkeiten der Kategorien Hacking, Fahren, Kämpfen und Herstellung. 

Verbesserungen der Hackingfähigkeiten helfen euch unter anderem bei der Flucht vor der Polizei. So könnt ihr mit einem Skill einen Cop-Helicopter hacken, damit er euch eine Zeitlang nicht mehr folgen kann. Polizeiautos oder andere Verfolger schüttelt ihr hingegen leichter ab, indem ihr hinter euch Poller oder auch Stachelschwellen aus dem Boden fahren lasst. Wirklich gebraucht hätten wir das auf der Flucht vor der Polizei aber wahrscheinlich nicht. So manchem anderen Besucher des Presse-Events klebten die Cops zwar gefühlte Ewigkeiten an den Fersen – wir aber fuhren über nicht-reguläre Straßen und auch die eine oder andere Wiese, was zumindest in der Betaversion die Polizisten vor unlösbare Problem stellte. Seid ihr selbst der Verfolger, könnt ihr Zugbrücken hochfahren oder an bestimmten Stellen Gasleitungen unter der Straße explodieren lassen. So verlangsamt ihr den Verfolgten oder verwickelt ihn in einen Unfall. Bei uns fuhr unser Gegner gerade direkt über der Leitung und wurde von der Explosion erfasst und beim Crash aus dem Fahrzeug heraus geschleudert.

Es gibt aber noch viele andere hilfreiche Skills. Wenn ihr einen Gang-Unterschlupf infiltriert oder in einer ctOS-Einrichtung Datenk
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noten hacken müsst, habt ihr grundsätzlich die Wahl, heimlich oder mit Gewalt vorzugehen. Im ersten Fall nutzt ihr gehackte Sicherheitskameras, um die Gegend zu inspizieren und etwa beim Anführer des Trupps einen Zugangscode durch Smartphone-Hack zu erhalten. Den Datenknoten selbst könnt ihr aber meist nur hacken, wenn ihr selbst das Gelände betretet, was ihr unter Zuhilfenahme der zahlreichen Deckungen gänzlich unbemerkt erreichen könnt. Werdet ihr aber entdeckt, rufen die Wachen oft nach Verstärkung oder der Polizei. Selten machen das auch Passanten, wenn sie euch bei etwas Ungesetzlichem beobachten. Habt ihr eure Hacking-Skills entsprechend aufgewertet, könnt ihr den Hilferuf aber sabotieren und somit verhindern, dass euch weitere Gegner auf die Pelle rücken.

Wollt ihr lieber ballern, dürft ihr eure Skillpoints genauso gut in eure Kampffertigkeiten investieren, die zum Beispiel euren Schaden oder auch eure Präzision erhöhen. Es gibt auch einige andere passive Skills. Einer davon verhindert, dass bei einem Autodiebstahl die Alarmanlage losgeht. Ein anderer ermöglicht es euch, Autos zu öffnen, ohne dafür die Seitenscheibe einschlagen zu müssen.
Dampfrohre unter dem Asphalt dürfen wir nur in die Luft jagen, wenn wir den entsprechenden Skill freigeschaltet haben.
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