Kein plumper GTA-Klon

Watch Dogs Preview

Auf den ersten Blick mag Ubisofts neue Spielemarke wie ein GTA-Klon wirken. Doch der Entwickler geht mit seinem Open-World-Spiel um Hacker Aiden Pierce andere Wege. Auf der gamescom konnten wir uns davon nun erstmals mit einem Hands-on überzeugen. Unsere Spieleindrücke belegen: Die "systemische Spielwelt" ist kein Ammenmärchen.
Benjamin Braun 3. September 2013 - 16:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
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In den vergangenen Jahren gelang es Publishern nur höchst selten, ihre Triple-A-Produktion bis zum Zeitpunkt der offiziellen Ankündigung geheim zu halten. Ubisoft schaffte das Kunststück zuletzt auf der E3 2012 mit dem Action-Adventure Watch Dogs, das bis zur Pressekonferenz niemand auf dem Plan hatte. Umso erstaunlicher ist die geglückte Geheimhaltung vor allem, weil das Open-World-Spiel alles andere als ein plumper Grand Theft Auto-Klon ist. Hier geht es nicht um Bowling mit virtuellen Freunden, um Autorennen oder Balleraction. Stattdessen seid ihr als kriminell veranlagter Hacker Aiden Pierce in Chicago unterwegs, klinkt euch in fremde Smartphones ein, manipuliert das Stromnetz oder stiftet einfach nur Chaos, während ihr Verkehrsampeln auf Knopfdruck die Farbe wechseln lasst.

Wir konnten Watch Dogs auf der gamescom erstmals selbst spielen, haben Shooter- und Stealthmechanik ausprobiert, sind mit PS-starken Rennboliden durch die Innenstadt gebraust und haben uns auch im Mehrspieler-Modus mit anderen Hackern duelliert. Weshalb dieses Spiel ein ganz großes werden könnte, erfahrt ihr im Folgenden.

Neulich am Stadtrand
Aiden Pierce ist ein krimineller Hacker, der nicht zimperlich bei der Wahl seiner Mittel ist. Viel ist über ihn noch nicht bekannt.
Wir starten irgendwo in einem abgelegenen Stadtteil von Chicago im US-Bundesstaat Illinois. Es ist eine trostlose Gegend mit stark renovierungsbedürftigen Einfamilienhäusern. Der Gehweg ist stark verschmutzt, am Rinnstein sammelt sich der Morast, und der Wind fegt achtlos weggeworfene Zeitungen quer über die Straßen. Doch wir sind nicht ohne Grund hier, denn in der schmuddeligen Wohnsiedlung gibt es nicht nur jede Menge Rostlauben am Straßenrand, sondern auch einen stark bewachten Betonklotz. Dieser beherbergt einen Serverknotenpunkt, in den niemand hineinkommen soll. Wir probieren es trotzdem, denn wir sind Aiden Pierce, ein krimineller Hacker, dessen wichtigste Waffe ein ziemlich leistungsfähiges Smartphone ist.

Unter unserem Mantel tragen wir allerdings auch ein paar archaischere Hilfsmittel wie Pistole und Sturmgewehr, die wir per Steuerkreuz oder auch per Waffenrad hervorkramen. Hervorziehen sollten wir sie allerdings nur, wenn es unbedingt notwendig ist – oder auch dann, wenn es uns gleich ist, ob wir die Cops auf den Plan rufen oder nicht. Laufen wir nämlich mit gezückter Waffe über die Straße, kommen selbst die US-amerikanischen Vorstadtbewohner auf die Idee, dass irgendetwas nicht stimmt. Die greifen dann schnell zum Handy und rufen bei der Polizei an. Unsere Knarren lassen wir daher lieber stecken und suchen uns einen ruhigeren Weg ins Innere unseres Zielobjekts. Das Servergebäude ist rundum umzäunt. Die mit Stacheldraht überzogenen Rolltore scheinen eine schlechte Option zu sein, zumal die Wachen unsere Anwesenheit auf diesem Weg direkt bemerken würden.

Also umrunden wir das Gebäude, bis wir eine Stelle gefunden haben, über die wir einfach hinüberklettern können – auch für solche Aktionen ist Aiden gewappnet. An einer Hausfassade gehen wir in Deckung und sichten die Lage. Den kompletten Innenhof können wir von hier nicht einsehen, und dummerweise laufen hier so viele Wachen herum, d
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ass wir nicht einfach so ungesehen voranschreiten können. Aber wir haben ja unser Smartphone und hacken mal eben eine der Sicherheitskameras – das funktioniert in Watch Dogs übrigens auf Knopfdruck, ein Minispiel oder dergleichen spart sich Ubisoft. Jetzt sehen wir schon mehr vom Gelände und können die Positionen der Wachen auf der Minimap festhalten. Durch die Kamera sehen wir eine weitere Sicherheitskamera, deren Kontrolle wir direkt aus unserer aktuellen Sicht heraus übernehmen. Nun haben wir auch den Chef des Wachtrupps im Blick, der die notwendige Information hat, um den Hauptserver mit unserem Virus infizieren zu können. Also hacken wir erst ihn – oder besser gesagt ein Gerät, das er bei sich trägt – und schließlich noch ein Rolltor und zwei Gabelstapler, um die Wachen kurzzeitig abzulenken. Wie Sam Fisher bewegen wir uns in Folge dessen von Deckung zu Deckung, bis wir nahe genug am Server dran sind. Das Ergebnis unseres gänzlich unbemerkten Hacks: In einem Bezirk in der Innenstadt haben wir nun vollen Zugriff auf die computergesteuerten städtischen Systeme wie Ampeln, aber auch auf das Mobiltelefon-Netz, um in die Handys anderer Personen einzudringen.
Die Handlung spielt in Chicago. Während Aiden im Zentrum Wolkenkratzer, Sightseeing-Bauten und Edelkarossen wohlhabender Bewohner erwarten, geht es am Stadtrand rauer zu – und die Stadtreinigung schaut auch nur selten vorbei.

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