Manchmal kommen sie wieder

Wasteland 2 Preview

Langsam aber sicher geht Brian Fargos Wasteland 2 auf die Zielgerade. Seit Mitte Dezember befindet sich das über Kickstarter finanzierte Rollenspiel bei Steam in der Early-Access-Phase. Wir haben die Gelegenheit ergriffen und uns durch das Ödland gekämpft.
Stephan Petersen 4. Januar 2014 - 18:38 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Darauf freut sich mancher alte Spieler: Brian Fargo, einst als Interplay-Chef und Co-Designer für Wasteland (1987) verantwortlich, bringt mit seiner Firma InXile und maßgeblicher Unterstützung durch Kickstarter-Spenden viele, viele Jahre später einen offiziellen zweiten Teil auf den Markt.

Mit dem Start der Early-Access-Phase erhalten erstmals auch Nicht-Backer des Kickstarter-Projekts Zugang zum Spiel. Einzige Voraussetzung: Sie lassen 45 Euro über die virtuelle Ladentheke wandern. Dafür erhalten sie nicht nur Wasteland 2, sondern auch eine digitale Version des ersten Wasteland (zu dem wir in Kürze eine Stunde der Kritiker veröffentlichen werden). Zudem enthält das Paket zwei in der Wasteland-Spielwelt angesiedelte Novellen, den Soundtrack von Wasteland 2 als Download sowie ein digitales Artbook. Ob sich der stolze Preis lohnt?

Vier Ranger sollt ihr seinWasteland 2 ist der Nachfolger des Klassikers von 1988, das kachelbasierte Grafik inklusive "Reinzoomen" in Ortschaften wie bei Ultima verwendete, für Dialoge und Kämpfe aber in die Bard's Tale-Sicht (gezeichnete Porträts) umschaltete. Optisch und spielerisch orientiert sich Wasteland 2 jedoch an den isometrischen Rollenspielen der Jahrtausendwende, vor allem an Fallout 1 und 2 – wenngleich statt der damals fixen Perspektive und Pixelgrafik nun eine 3D-Engine zum Einsatz kommt.

Wie in den beiden Klassikern erlebt ihr Abenteuer in einer postapokalyptischen Welt. Allerdings zieht ihr nicht allein durch das Ödland, sondern sorgt wie im Original gemeinsam mit drei anderen Rangern für Recht und Ordnung. Dazu erstellt ihr zu Spielbeginn ein Team aus vier Rangern. Hierbei könnt ihr auf vorgefertigte Charaktere zurückgreifen oder sie individuell erstellen. Sieben Attribute und Skills in drei Kategorien (weit über 30 Skills insgesamt) sind nicht eben wenig.

Gleichwohl sind die Skills in der aktuellen Beta-Phase noch nicht vernünftig ausbalanciert. Die drei Manipulations-Skills für Dialoge benötigten wir etwa wesentlich seltener als den Schlossknacker-Skill unserer Technikerin oder den Chirurgen-Skill unserer Ärztin. Gerade die beiden letzteren erwiesen sich als überlebensnotwendig, weil im Ödland Kämpfe an der Tagesordnung und Munition Mangelware sind. Dementsprechend waren wir froh über eine Ärztin, die niedergeschossene Ranger reanimiert, und eine Technikerin, die in verschlossenen Kisten Munition und Medipacks findet. Wer nicht die richtige Mischung hat und sich „verskillt“, hat im späteren Spielverlauf das Nachsehen.
Der Humor kommt nicht zu kurz, insbesondere beim Kampf gegen diesen "Disco-Bot".

Überlebenskampf im ÖdlandEuren Ranger-Trupp bewegt ihr im Ödland über eine Karte, die ihr allmählich aufdeckt und dabei neue Orte entdeckt. Vorteilhaft sind vor allem Oasen und geheime Lager, da diese Wasser beziehungsweise Gegenstände wie etwa Munition für euch bereithalten. Wasser ist im Ödland absolut überlebenswichtig! Geht euch das durststillende Nass aus, endet euer Ranger-Team als Futter für die Aasgeier. Eine weitere unangenehme Eigenschaft des Ödlands ist die Radioaktivität einiger Gebiete. Haltet ihr euch dort zu lange ohne Schutzkleidung auf, gehen die Lebenspunkte schneller verloren, als ihr "Fallout" buchstabieren könnt. Für Abwechslung während eurer Reisen sorgen zufällige Begegnungen mit mutierten Viechern oder Banditen. Letztere lassen sich gelegentlich auch mit einem Obolus besänftigen.

Viele gesprächige NPCs gibt es nicht, doch wenn sie sprechen, haben sie auch viel zu sagen.
Der liebste Freund des Rangers ist sein Funkgerät. Auf diese Weise haltet ihr nicht nur Verbindung zur Zentrale, sondern erhaltet neue Missionen. Recht früh im Spiel melden sich sowohl das AG Center als auch der Ort Highpool mit einem Notruf. Da wir in beiden Orten einen Leistungsverstärker an einem Funkturm anbringen sollen, grübeln wir nicht lange nach und reisen zum nähergelegen AG Center. Dort sind nicht nur Pflanzen, sondern auch Menschen mutiert und greifen die überlebenden Wissenschaftler an. Wir schultern also Pumpgun sowie Energieblaster und betätigen uns als Aufräumkommando. Die ersten Rundenkämpfe gehen noch gut von der Hand, doch schließlich stellen sich Munitions- und Medipackmangel ein. Also laden wir kurzerhand einen neuen Spielstand und beginnen zunächst in Highpool.

Entscheidungen und AuswirkungenHighpool wird von Banditen angegriffen; doch hier sorgt der bewaffnete Arm des Gesetzes wesentlich leichter für Ordnung. Die Banditen haben nicht nur weniger Lebenspunkte. Nein, auch Munition und Medipacks sind keine Mangelware, da die erledigten Banditen praktischerweise beides liegenlassen. Schließlich ist der Angriff abgewehrt und wir verbleiben noch einige Zeit in Highpool, um den Ort zu erkunden, unsere Mission (Funkturm) zu erledigen und mit den Bewohnern
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  zu quatschen. Zwischendurch hören wir über unser Funkgerät nervige Hilferufe und Verwünschungen des AG Centers. Als diese schließlich immer panischer werden, wollen wir doch einmal nach dem Rechten sehen.

Am Zielort angekommen, erleben wir eine Überraschung. Die Ausgangslage ist nun eine völlig andere! Mehrere zuvor offene Eingänge sind mit Pflanzen überwuchert und die Schauplätze entsprechend nicht mehr zugänglich. Im Eingangsbereich treffen wir auf den letzten Überlebenden. Der Funkturm ist zerstört. Kurzum: Die Mission ist nicht mehr zu schaffen. Pflichtbewusst melden wir die Tragödie dem Hauptquartier. Dort hat man eine alternative Idee. Es gebe noch einen anderen Ort mit einem Funkturm, den wir aufsuchen sollten. Ein Blick ins Logbuch sorgt aber für Ernüchterung. Dieser gelobte Ort ist nicht in der Beta enthalten. Was lernen wir daraus? In der Beta ist natürlich noch nicht alles Gold, was glänzt. Viele Elemente sind noch nicht implementiert oder benötigen weitere Entwicklungsarbeit. Einer dieser Punkte ist mit Sicherheit das Balancing. Doch bereits jetzt wird deutlich, dass unser Handeln tatsächlich Einfluss auf die Spielwelt hat.
Auf der sich nach und nach aufdeckenden Weltkarte läuft euer Ranger-Trupp (nicht-linear) verschiedene Orte an.
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