Guter Eindruck nach vier Stunden

Thief Preview

Steckbrief
PCPS3PS4360XOne
Action
Schleich-Action
16
Eidos Montreal
Square Enix
28.02.2014
Link
Amazon (€): 29,99 (PC), 20,99 (Xbox One), 19,95 (PlayStation 4), 28,99 (PlayStation 3), 89,95 (Xbox 360)
GMG (€): 18,99 (STEAM), 17,09 (Premium), 16,79 (STEAM), 15,11 (Premium), 44,99 (STEAM), 40,49 (Premium), 0,99 (STEAM), 0,89 (Premium), 8,99 (STEAM), 8,09 (Premium), 2,50 (STEAM), 2,25 (Premium), 19,99 (STEAM), 17,99 (Premium), 6,99 (STEAM), 6,29 (Premium), 4,99 (STEAM), 4,49 (Premium), 32,99 (STEAM), 29,69 (Premium), 0,99 (STEAM), 0,89 (Premium), 4,99 (STEAM), 4,49 (Premium), 6,99 (STEAM), 6,29 (Premium), 0,99 (STEAM), 0,89 (Premium)
In etwas mehr als einem Monat begibt sich Meisterdieb Garrett wieder auf Diebstour. Wir haben nun die stilvolle Kulisse der namenlosen Stadt mehrere Stunden in einer fast finalen Version erkundet. Immerhin einen halben Arbeitstag lang konnten wir nach Lust und Laune spielen – und waren angetan von dem, was wir erlebten.
Benjamin Braun 24. Januar 2014 - 15:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
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An gänzlich neue Serien und Spielkonzepte trauen sich die großen Publisher in den letzten Jahren immer seltener. Und wenn eine Marke droht, an Zugkraft einzubüßen, fällt im Zusammenhang mit dem nächsten Ableger gerne der Begriff Reboot. Der ist unter Spielern nicht unbedingt positiv besetzt, obwohl Titel wie DmC - Devil May Cry (GG-Test: 8.5) oder Lara Crofts letztes Abenteuer in Tomb Raider (GG-Test: 9.0) gezeigt haben, dass dabei sehr gute Spiele herauskommen können.

Nach Tomb Raider und Deus Ex - Human Revolution will Square Enix einer altehrwürdigen Serie neues Leben einhauchen: Mit Thief gönnt der japanische Publisher, der 2009 Eidos mitsamt aller dazugehörigen Marken schluckte, auch Meisterdieb Garrett einen Neustart – und das auf fast allen wichtigen aktuellen Spieleplattformen inklusive Xbox One und PlayStation 4.

Ein Meisterdieb bei der ArbeitEs ist helllichter Tag. Normalerweise nicht die Zeit, zu der man einem Dieb bei der Arbeit begegnet! Dieser Dieb jedoch scheint sich seiner Sache sehr sicher zu sein. So sicher, dass er in aller Seelenruhe die Schränke eines reichen Bürgers plündert, obwohl der jede Sekunde aus seinem Mittagsschläfchen erwachen könnte. Die Uhren und goldenen Kerzenleuchter, die er findet, sind ihm allerdings noch längst nicht genug. Sein eigentliches Ziel ist das Atelier eines Künstlers, der in seinem Wandsafe ein besonders wertvolles Objekt verbergen soll.  Der Zielort ist nicht weit entfernt, aber jetzt die Straße entlang zu gehen, wäre keine gute Idee. Also steigt der Dieb einfach aus dem Fenster und bewegt sich gleichsam flink und elegant über die Fachwerkdächer der malerischen Stadt. Mit Seilen zieht er sich an Holzpfosten rauf, erklimmt hoch gelegene Kanten, als wäre das nichts, oder wechselt mit einem beherzten Sprung in luftiger Höhe von einer Seite der Gasse zur anderen.

Danach das Fenster zum Atelier eines Künstlers aufzuhebeln, ist für den Mann in lederner Kluft nebst Kapuze eine der leichtesten Übungen. Und schon steht er mittendrin im Haus, wo der wohl etwas naive Maler und Kunstsammler sein wertvollstes Hab und Gut versteckt. Vorsichtig schleicht der Dieb zwischen den Vogelkäfigen entlang, damit das Federvieh keinen Grund hat, Radau zu machen. Ein Gemälde an der Wand erregt die Aufmerksamkeit des Besuchers, der mit viel Fingerspitzengefühl den versteckten Mechanismus ertastet und aktiviert. Der Tresor ist frei! Er hat nur ein einfaches Schloss, das der Dieb innerhalb von Sekunden knackt, und wenig später hält er ein rot funkelndes Kristallherz in seinen Händen. Just in dem Moment gibt es einen lauten Schlag. Die Vögel zwitschern lautstark um die Wette. Zeit für den Dieb, den Schauplatz des Verbrechens zu verlassen.

Der böse Baron
Das Design der Spielwelt ist eine der größten Stärken des Spiels, aber auch die Story ist bislang sehr vielversprechend.
Das neue Abenteuer von Meisterdieb Garrett versetzt euch in eine mittelalterlich anmutende Stadt. Einen Namen trägt sie nicht, aber der würde wohl auch nichts an der Art ändern, wie Garrett seinen Lebensunterhalt bestreitet. Er ist ein Ganove der alten Schule, der im Verborgenen agiert, die Konfrontation scheut und allzu aufmerksame Stadtwachen mit seinem Knüppel lieber für ein paar Stündchen schlafen legt, anstatt mit dem Messer für immer.

Das macht er auch seiner Bekannten Erin klar, als die während eines gemeinsamen Diebeszugs im Auftrag von Hehler Basso einem Schutzmann ohne mit der Wimper zu zucken das Lebenslicht auspustet. Ein Heiliger ist Garrett nicht. Doch in jener Nacht, als er sich mit Erin auf den Weg zum Northcrest Manor in Auldale macht, um dort nach dem so genannten Urkraftstein zu suchen, soll sich noch einiges für ihn ändern. Nachdem die beiden den Weg aufs Dach gefunden haben, beobachten sie durch eine Kuppel ein Ritual, das Garrett lapidar mit den Worten "Roben sind nie ein gutes Zeichen" kommentiert. Auf einmal gerät alles außer Kontrolle...

Im Leichenwagen zum SpielbeginnIn der nächsten Szene liegt Garrett auf einem Leichenwagen. Er ist nicht tot – und auch die Männer, die ihn in Richtung Stadttor ziehen, sind sich dessen bewusst. Sie wollen ihn irgendwie auf die andere Seite bringen, ohne dass die Wachen spitz kriegen, wer da auf der mobilen Bahre liegt. Doch es gibt noch mehr Sonderbares an Garretts Situation: Überall am Straßenrand kauern klägliche Gestalten, die dem Tod näher scheinen als dem Leben. Auch die Männer, die die Bahre schieben, sind fahl im Gesicht, husten unentwegt. Sie leiden an einer mysteriösen Seuche, die die Bewohner schlicht Schwermut nennen. Wo die Krankheit ihren Ursprung hat, weiß niemand. Was die Betroffenen aber wissen: dem Herrscher der Stadt, dem Baron, sind sie vollkommen gleich. Statt ihnen zu helfen, errichtet er eine Mauer zum Schutz des Reichenviertels und überlässt die Kranken ihrem Schicksal. Der Baron ist auf technischen Fortschritt um jeden Preis aus und schreckt nicht davor zurück, seine "industrielle Revolut
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ion" auf Kosten der Ärmsten der Armen Wirklichkeit werden zu lassen.

Die vielen Fragen über das, was in jener Nacht an der Seite Erins passierte, was in der Stadt vorgeht, wo die Seuche herkommt oder welche Absichten der Baron verfolgt, bilden eine spannende Ausgangslage für Thief. Interessant wird es zudem sein, welche Rolle Orion, der Anführer der Rebellion der Unterdrückten, spielen wird. Thief konfrontiert den Spieler jedenfalls schon in den ersten Spielstunden gekonnt mit den gesellschaftlichen Abgründen der Reichen, die sich im Bordell vergnügen, und dem Elend der Armen, die in den klammen Gassen vor sich hinsiechen. Neue Informationen und Charaktere werden wohldosiert eingeführt, was der glaubwürdigen Entwicklung von Garretts Charakter in die Karten spielt und auch unseren Bezug zu ihm erleichtert – das empfinden wir zumindest bisher so und würden das Spiel schon allein aufgrund der Geschichte mit ihren vielen anfänglichen Fragezeichen weiterspielen wollen. Selbst die offenkundig "übernatürlichen" Ereignisse, die später zum Tragen kommen, wirkten bislang auf uns nicht aufgesetzt und abschreckend, sondern tragen eher zu unserer Neugier bei.
Garrett (links) trifft auf Orion, der den Aufstand der Unterdrückten gegen den Baron anführt. Vergleichbar mit Geralt aus der Witcher-Reihe, dürfte es dem Meisterdieb auf Dauer schwer fallen, auf der Suche nach der Wahrheit neutral zu bleiben.
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