Kommendes Meisterstück?

The Witcher 3 - Wild Hunt Preview

Das letzte Abenteuer von Geralt von Riva wurde mit Vorschusslorbeeren nur so überschüttet. Wir haben das Rollenspiel mit dem Hexer bei CD Projekt mehrere Stunden auf PC und Konsole gespielt und glauben mehr denn je daran, dass die Polen im Mai ein Meisterwerk abliefern könnten.
Benjamin Braun 26. Januar 2015 - 17:02 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Auf einer kleinen Anhöhe legen wir uns zwischen ein paar Bäumen auf die Lauer. Auf dem Feld vor uns haben wir eine Schafattrappe platziert, die mit Kreuzdorn angereichert eine besonders verlockende Duftnote verströmt. Es dauert nicht lange, bis sich unser Ziel nähert. Wie ein Donnergrollen schallt der mächtige Flügelschlag des Greifen über die Ebene, mit seinen Klauen könnte er mühelos ein Pferd packen. Der Greif umkreist uns, wartet geduldig auf einen Moment der Unachtsamkeit. Wir vernehmen einen markerschütternden Schrei, kurz bevor das Biest im Sturzflug auf uns niederprescht. Im letzten Moment weichen wir aus und reißen sogleich unsere Armbrust hoch. Gezielt jagen wir dem Greif unsere Bolzen ins Gefieder und zwingen ihn zur Landung. Die Ablenkung durch unseren Hexer-Freund Vesemir nutzen wir für ein paar gezielte Hiebe mit dem Silberschwert. Das Monster ist geschwächt und flüchtet hinüber zu einer Windmühle. Trotz der Verletzung holt das Ungetüm dort immer noch zu wuchtigen Schlägen gegen uns aus. Wir weichen zurück lassen die Klinge des silbernen Beidhänders immer wieder durch das Federkleid des Monstrums schneiden. Letztmals bäumt es sich vor, bevor sein Todesschrei im Flammenwall unseres Igni-Zeichens verhallt.

Wie die allermeisten Leser wohl auch ohne Artikel-Überschrift sofort gewusst hätten, haben wir die eingangs beschriebene Szene in The Witcher 3 - Wild Hunt erlebt, das wir in der vergangenen Woche bei CD Projekt in Warschau fast vier Stunden lang antesten konnten (die Reisekosten trug Publisher Namco Bandai). Gespielt haben wir den Prolog sowie einen späteren Abschnitt auf den Skellige-Inseln. Auf dieser und den folgenden Seiten möchten wir euch an unseren Eindrücken teilhaben lassen und verraten, ob der dritte Teil des Abenteuers von Hexer Geralt von Riva den hohen Erwartungen gerecht werden könnte.

Finale eines Epos'Wir starten in Kaer Morhen, der Festung der Hexer. Geralt hat sich in einem Holzzuber niedergelassen und bemerkt nicht das krebsähnliche Wesen, das ihm in die Badewanne folgt. Was genau es dort anstellt, sieht man nicht, aber die Vermutung liegt nahe, dass es den Weißhaarigen an einer Stelle zwickt, wo es besonders weh tut. Der Krebs kam indes nicht zufällig vorbei, denn Geralts klagende Worte nach der Entdeckung des Viehs richten sich an eine Frau am anderen Ende des Zimmers. Sie sitzt da, wie Gott sie schuf. Lediglich ihr pechschwarzes Haar wird von einem Handtuch bedeckt. Es ist Yennefer von Vengerberg, die Geralts Sinne wie üblich mit ihrem Duft von Flieder und Stachelbeeren erfüllt. Im Dialog lässt sich die Zauberin nicht davon überzeugen, uns ranzulassen. Stattdessen folgen wir dem Ruf unseres Freundes Vesemirs, unserer Ziehtochter Ciri zu helfen. Kaum haben wir das Training mit der selbstbewussten Göre beendet, bricht auch schon die Hölle los: Die Geisterarmee der Wilden Jagd fällt in der Festung ein und droht, alles dem Erdboden gleichzumachen.

Zu Geralts Glück handelt es sich bloß um eine finstere Vision, er ist auch gar nicht in der Feste. Doch irgendwie wird er das Gefühl nicht los, dass Ciri und Yennefer tatsächlich in großer Gefahr sein könnten. Letztgenannte ist auch der Grund, weshalb Geralt in Temerien an einer Straße in Richtung Wyzima rastet. Die Zauberin, die es neben Ciri scheinbar als einzige vermag, das Herz des kühlen Hexers zu erwärmen, ist Geralts Ziel. Denn womöglich kann sie dem geschwundenen Gedächtnis Geralts auf die Sprünge helfen.

Doch weshalb nennen die Menschen im Dorf sie die Reiterin des Krieges? Steht sie womöglich in Verbindung mit der Wilden Jagd oder mischt in irgendeiner Form bei der Invasion durch die verhassten Nilfgaarder mit? Noch haben die Aggressoren aus dem Süden die Stadt Novigrad nicht erreicht, doch wieviel Zeit bleibt noch, um das Schicksal des Nordens zu verändern?

Düsterer als Witcher 2Auch wenn das Startgebiet in The Witcher 3 mit Temerien eher farbenfroh daherkommt, gibt es nach den ersten Spielstunden doch wenig Zweifel daran, dass der Abschluss der Hexer-Trilogie abermals düsterer wird als der direkte Vorgänger. Die Ausgangslage der Story wirkt beinahe wie ein persönliches Endzeitszenario für den Hexer – und das nicht bloß, weil die Jahre des Kampfes und der Qualen ihre Spuren an seinem Körper hinterl
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assen haben. Geralt ist gealtert und scheinbar bereit, alles zu unternehmen, um Schaden von seiner großen Liebe Yennefer und dem Überraschungskind Ciri abzuwenden.

Damit die Düsternis der Spielwelt auch vollends zum Tragen kommt, ist der Kontrast der farbenprächtigen Startwelt gegenüber den nordisch angehauchten und visuell stark an das Königreich des Nordens aus Game of Thrones erinnernden Skelligen oder dem bereits von den Nilfgaardern eroberten Niemandsland sehr groß. Freundlich geht es aber auch in Temerien nicht zu. Für die meisten ist Geralt als Hexer nur eine Missgeburt, was die Menschen ihm auch offen ins Gesicht sagen. Geralt trägt's mit Fassung, wie man das vom  Weißen Wolf gewohnt ist. Einen Teil der persönlichen Färbung Geralts gebt ihr jedoch selbst vor. Ob ihr kühl und wortkarg auf die Frage eines Mannes antwortet, was euch mit Yennefer verbindet, oder ihm eure Gefühle für sie gesteht, bleibt euch überlassen. Am Wahrheitsgehalt der Aussage, nach dem etwas flacheren zweiten Teil atmosphärisch zu den Wurzeln von Teil 1 zurückkehren zu wollen, haben wir nach unserem bisherigen Erlebnis jedenfalls keinen Zweifel.
Viele Stadtbewohner und Dörfler behandeln Hexer Geralt von Riva wie einen Ausgestoßenen. Er zahlt es ihnen auf seine Art zurück und tötet Monster für sie nur gegen Bezahlung – vorausgesetzt, ihr als Spieler entscheidet nicht anders.
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