Überlebenskunst

The Last of Us Preview

Handfeste Action statt "Over the top", Munitionsmangel statt Dauerfeuer, Dystopie statt Schatzsucher-Reise: Entwickler Naughty Dog macht in seinem neuen Spiel vieles völlig anders als in der Uncharted-Serie. Wir sind mit einer Vorversion in den Überlebenskampf gezogen und verraten euch, weshalb wir viel von The Last of Us erwarten.
Benjamin Braun 17. Mai 2013 - 9:16 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Sie ist eine wahre Dreckschleuder. Das zumindest ist einer der Eindrücke, die man von der 14jährigen Ellie haben kann. "Motherfucker", "Chickenshit" und der regelmäßige Einsatz des F-Wortes sprechen nicht unbedingt für eine gute Kinderschule. Aber so ist es wohl, wenn man in einer Welt aufwächst, in der es nur ein Ziel gibt: Überleben. Wohl auch deshalb verwundert es wenig, dass Ellie neben ihrer Gossensprache wesentlich erwachsener wirkt, als wir es von einer Teenagerin erwarten würden.

Für ihr Alter geht sie sehr souverän mit ihrem Begleiter Joel um, hinter dessen Erscheinung Marke "kanadischer Holzfäller" ein ziemlich weicher Kern zu schlummern scheint. Das Kommando, so scheint es, hat nämlich die kleine Göre. Der Grund, weshalb Joel mit der Kleinen durch den Osten der Vereinigten Staaten reist, ist einfach: Ellie soll zurück zu ihren Angehörigen, die sich in einer der Quarantänezonen des Landes befinden sollen. Die USA wurden nämlich von einer Epidemie gigantischen Ausmaßes heimgesucht und haben faktisch zu existieren aufgehört. Womöglich sind es väterliche Gefühle Joels, die ihn zu Ellies Beschützer im Survival-Abenteuer von Naughty Dog machten. Wir sind für euch nochmals in die Welt von The Last of Us eingetaucht. Ob sich der sehr positive Eindruck von unserem letzten Anspielen bestätigt hat?

Down to PennsylvaniaEs ist weit mehr als eine Zweckgemeinschaft, die zwischen Joel und Ellie entstanden ist. Wenn die beiden miteinander reden, könnte man fast meinen, es handle sich um Vater und Tochter. Ellie kennt nichts anderes als diese Welt, die von menschenleeren Städten und allerorts herumkreuchenden Infizierten geprägt ist – und sie ist tough, weiß, wie man in diesem trostlosen Umfeld überlebt. Joel ist egal, dass andere Abenteurer ihm raten, diesen menschlichen Klotz am Bein loszuwerden. Die beiden durchqueren ein Waldstück in Lincoln im US-Bundesstaat Pennsylvania, ein alter Wasserturm weist ihnen den Weg zur Stadt. Ellie löchert ihren Begleiter mit wissbegierigen Fragen und zeigt ein paar Schritte weiter noch mehr, wie viel Kind noch in ihr steckt. Etwas wie "Sieh mal Joel, Glühwürmchen!" kommt ihr über die Lippen, nur um sich kurz nach diesem befreit wirkenden Moment sogleich wieder auf den Boden der Tatsachen zu begeben. "Ich meine echte Glühwürmchen", fügt Ellie hinzu und spielt damit auf eine der Fraktionen von Überlebenden an, die sich selbst Fireflys nennt. Doch es bleibt ohnehin keine Zeit, um sich mit Käfern zu beschäftigen. Joel will seinen Freund Bill finden, von dem er hofft, dass er ihnen einen fahrbaren Untersatz verschaffen kann. Bis nach Pittsburgh ist es noch ziemlich weit und Joel hofft, das Mädchen dort in Sicherheit bringen zu können.

Tristesse ohne Tristesse
Ellie ist sehr zäh für ihr Alter. Hinter ihrer mitunter obszönen Ausdrucksweise versteckt sich aber nur ein kleines Mädchen.
So trist die Spielwelt von The Last of Us mit seinen verlassenen und teils verfallenen Häusern auf den ersten Blick wirkt, so viel gibt es in ihr zu entdecken. Joel selbst folgt gewissenhaft seinem Ziel, doch Ellie ist neugierig, erzählt Anekdoten, wenn sie in einem Café einen alten Videospiel-Automaten entdeckt oder zeigt sich begeistert, als sie ein Musikgeschäft mit haufenweise Schallplatten erspäht. Überall finden sich zudem Hinterlassenschaften der Bewohner, die bei Ausbruch der Epidemie von jetzt auf gleich ihre Häuser verlassen mussten.

Diese menschenleere Kulisse nimmt The Last of Us ernst – sehr ernst. Denn wenn Joel und Ellie nicht gerade miteinander reden oder gerade ein Kampf ansteht, ist es beinahe mucksmäuschenstill, nur aus weiter Ferne sind vereinzelte Vögel und andere Wald- und Wiesenbewohner zu hören. Gerade das scheint allerdings eine der großen Stärken von The Last of Us zu sein. Denn anstatt einfach mit Nachdruck irgendwelche Geräusche in den auditiven Himmel des Spiels zu blasen, erzeugt die Stille, in der wir die berühmte Stecknadel fallen hören könnten, eine authentisch wirkende Survival-Stimmung. Nur ab und zu flackern Anflüge musikalischer Untermalung auf und verleihen der gottlosen Ödnis dezente, aber stimmungsvolle Spitzen.

MenschenmonsterJoel und Ellie finden zwar immer wieder Mitstreiter im Kampf ums Überleben, aber viele Leute wollen ihnen ans Leder. Zu schmal ist der Grat zwischen Nächstenliebe und Überlebenswillen. In Pittsburgh angekommen, müssen das unsere Helden auf die denkbar unschönste Art erleben. Die Schnellstraße über die Brücke ist mit Autowracks versperrt, Joel ents
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cheidet sich nach kurzem Zögern, die Abfahrt direkt in die Stadt zu nehmen. Vor ihrem Auto erscheint ein Mann, verkrüppelt, um Hilfe bettelnd. Doch Joel durchschaut das Spiel. Statt anzuhalten und seine Hilfe anzubieten, drückt er unter den entsetzen Blicken Ellies aufs Gaspedal und lässt den Kerl die Motorhaube seines Pickups küssen. Joel behält mit seinem Verdacht Recht, denn kaum hat er den Mann niedergemäht, erheben sich seine Verbündeten aus ihren Verstecken und greifen das Auto an.

Nach der brachialen Cutscene geht es gleich mit einem Faustkampf zwischen Joel und einem der Banditen weiter. Viel mehr zu tun, als zuzuschauen, müssen wir hier zunächst nicht, bis Joel von seinem Gegner gegen eine Scheibe geschleudert wird. Große Teile davon springen aus dem Rahmen und nur ein Dreieck bleibt in der Mitte stehen. Der Gegner packt Joel von hinten und versucht ihn mit aller Kraft auf die todbringende Scherbe zu werfen. Im Rahmen eines Quick Time Events setzen wir uns zur Wehr und drehen den Spieß um. Wahrlich: The Last of Us ist bei der Gewaltdarstellung selbst gegen menschliche Gegner nicht zimperlich.
Menschenleere Tristesse in Lincoln? Der erste Eindruck trügt, denn in den Straßen, Gassen und verlassenen Geschäften und Cafés gibt es jede Menge zu entdecken und reichlich Gesprächsstoff zwischen Ellie und Joel.

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