The Great War

The Great War Preview+

Feuerwalzen und Klick-Arbeit

Jörg Langer / 4. Februar 2023 - 17:49 — vor 1 Jahr aktualisiert

Teaser

Der Erste Weltkrieg war im Westen über Monate und Jahre ein verlustreicher Stellungskrieg – und genau das stellt The Great War von Petroglyph dar, inklusive Grabensystemen und Trommelfeuer.
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Ich kann verstehen, wenn man in der heutigen Zeit ein Kriegs-Strategiespiel wie dieses gar nicht erst anfassen mag: Die Ex-Command&Conquer-Macher von Petroglyph haben sich mit dem Ersten Weltkrieg ein nicht sonderlich appetitliches Thema herausgesucht. Wenn man sich aber für diese Epoche und insbesondere die Westfront interessiert, gibt es bislang wenig Auswahl – gerade für RTS-Fans. In diese Lücke stößt The Great War – Western Front, und zwar mit einem für Echtzeitstrategie neuen Ansatz.
 
Apropos: Der Titel bietet sowohl die Echtzeit-Taktik mit Grabenbau als auch eine strategische Ebene, die in Runden stattfindet. Spielfeld ist die Westfront, also die größtenteils durch Frankreich und Belgien verlaufende Linie aus Grabensystemen, mehrfach geschachtelt hintereinander, auf beiden Seiten. Die Karte ist aufgeteilt in Hexfelder, von denen jedes für eine ganze Region steht. Solche, die einen Namen enthalten, also etwa Nancy oder Paris, sind die Stellen, um die wirklich gekämpft wird.
 

Der Kampagnenmodus

Ich hatte die Gelegenheit, The Great War etwa drei Stunden lang anzuspielen, angefangen mit einem umfangreichen, aber auch nötigen Tutorial. Vor allem interessierte mich der Kampagnenmodus, aber dort ist, zumindest in Sachen Frontverlauf, nicht viel passiert. Ganz so wie in der Historie. Denn ihr müsst nicht nur eine Schlacht gewinnen, sondern ihr müsst über viele Runden erstmal Vorräte und vor allem Truppen aufhäufen, aufklären und dann irgendwann hoffentlich die Schlacht gewinnen – ob ausgewürfelt oder per Echtzeit-Taktik ausgespielt. Und dann habt ihr maximal einen von den bis zu 5 Sternen einer Provinz, und die für die Loyalität oder die Kontrolle eines Gebiets stehen. Der Besitzer wechselt erst, wenn alle Sterne weg sind.
 
Die auf typischen Brettspiel-Chips stehenden Soldatensymbole sind im Prinzip nichts anderes als eure Truppenvorräte, die ihr in einer Schlacht einsetzen dürft. Zwischendrin gibt es auf der Kampagnenkarte immer wieder Objectives, die euch bei Erfüllung zusätzliche Truppen oder Ressourcen bringen. Es gibt einen Forschungsbaum, der in sechs Kategorien wie die um 1914 noch in den Kinderschuhens steckenden Fliegerei aufgeteilt ist. Nach eurem Zug auf der strategischen Karte zieht dann der Computer – und es geht weiter mit dem nächsten Monat.
 
Im Grunde geht es beim Strategiemodus darum, eine Stelle zu finden, wo ihr endlich mal wagen könnt, anzugreifen. Mir war das zu viel Durchgeklicke, denn bis mal auch nur ein "Minor Victory" prognostiziert wird, muss man schon ein Stück überlegen sein. Auch darf man offenbar nicht von zwei oder drei angrenzenden Regionen aus gleichzeitig ein Hexfeld angegriffen, was ich, mit Verlaub, für Unfug halte, sowohl historisch als auch spielmechanisch. Ich habe schon aus Zeitgründen in meiner Preview-Spielzeit die meisten Schlachten ausgewürfelt, es resultieren Verluste an Truppen und je nach Ausgang ein Plus oder Minus bei der Nationalen Moral. Im besten Fall reduziert der Angreifer die Kontrollsterne der Provinz um eins.
Die eher schmucklose Kampagnenkarte ist in Hexfelder unterteilt, die jeweils eine Provinz darstellen.
 

Grabenbau vor Echtzeit-Schlacht

Wenn man dann im Schlacht Modus ist, gibt es erst einmal die Aufstellungsphase, und die ist wirklich ungewöhnlich. Man baut nämlich erstmal nach Gusto Schützengräben, und das Spiel merkt sich diese auch: Wenn in einem Hexfeld mehrere Schlachten stattfinden – und das ist sehr oft der Fall –,sind die nicht-zerstörten Gräben immer noch da und ihr könnt sie weiter ausbauen und modernisieren. Als nächstes platzieren wir MG-Nester und achten darauf, dass ihre Feuerzonen sich überschneiden. Das kostet natürlich auch alles Ressourcen. Ebenso will auch noch die schwere und leichte Artillerie platziert werden, die in diesem Spiel eine entscheidende Rolle übernimmt.
 
Schlachten drehen sich um oberirdische Punkte, die mit einem Buchstaben bezeichnet sind, und die wir kontrollieren müssen. Sie etlauben es zudem, Verstärkungen zu rufen.Es gibt zudem diverse Details wie Bunker, in denen Truppen sicher sind, aus denen sie aber nicht feuern dürfen, oder den Kommandograben. Die Gräben haben in der Regel zwei Positionen, für je einen Trupp: Nur in einem können sie feuern, indem sie eben über den Grabenrand schauen, der eventuell in der zweiten Position platzierte Trupp bleibt in Reserve.
 
Bei den Gefechten scheint immer ein Timer runterzulaufen, bei mir waren das je 20 Minuten. Als Angreifer muss ich wohl oder übel raus aus meinem Grabensystem, um mir einen feindlichen Kontrollpunkt zu holen. Um das schaffen zu können, sollte ich erstmal die Grabenstellungen in der Nähe, vor allem die MG-Nester, ausschalten. Etwa mit konzentriertem Artilleriefeuer.
 
Wie auch in der Historie mutet es unsinnig an, hunderte von Soldaten übers freie Feld auf vorbereitete Verteidiger zu jagen. Der Erste Weltkrieg hat unsagbar viele Menschenleben völlig sinnlos vergeudet – wohlgemerkt, selbst im Bezugssystem "Krieg", den ich an sich für sinnlos halte – und das spielen wir hier nach.
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Jörg Langer Chefredakteur - P - 469344 - 4. Februar 2023 - 17:51 #

Viel Spaß beim Ansehen und/oder Lesen!

Moe90 21 AAA-Gamer - - 30204 - 4. Februar 2023 - 18:10 #

Sehr schönes Preview-Video. Insbesonders toll finde ich aktuell noch die Aktuelle Einschätzung auf Seite 2 ;=)

Vampiro Freier Redakteur - - 121612 - 4. Februar 2023 - 18:45 #

Schöne Preview, das könnte ganz gut werden.

Letztlich sieht man auch aktuell, dass die Taktiken des 1. WK (Gräben, Artillerie) viel relevanter noch sind als gedacht, vor allem, wenn keine Seite Luftüberlegenheit hat. Auch wie innovativ der "Blitzkrieg" war, wird immer deutlicher. Aber mit entsprechender Verschanzung und zumehmend auch besserer Bewaffnung der Infanterie war auch damals schon vor Moskau Schluss und Kursk lief eben wie es lief. Auch Vietnam war von brutalem Mann gegen Mann geprägt, trotz Luftüberlegenheit. Schnelle Vorstöße und Durchbrüche gibt es vornehmlich noch durch die, auch in der Ukraine engesetzten, ziemlich riskanten Thunder Runs.

Insofern finde ich den 1. WK irgendwie aktueller denn je.

MicBass 21 AAA-Gamer - P - 28959 - 6. Februar 2023 - 10:39 #

Ja, hängt letztendlich immer von den Umständen ab. Da gibt es kein grundsätzlich modern oder veraltet. Oder wie Otto Rehagel schon sagte: "Modern ist, wer gewinnt."

Vampiro Freier Redakteur - - 121612 - 6. Februar 2023 - 12:19 #

König Otto hat, wie so oft, recht. Trotzdem ist es schon etwas überraschend und die Strategie der Landesverteidigung muss letztlich auch (wieder) umgestellt werden. Es ist glaube ich auch das erste direkte Aufeinandertreffen von zwei "großen" Seiten. Eine Prognose ist aber auch eingetreten: Die Bedeutung der Drohnen.

Danywilde 30 Pro-Gamer - P - 163008 - 4. Februar 2023 - 18:48 #

Ein interessantes Spiel. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich an einem Stellungskrieg Spaß haben werde. Mal schauen, was der Test dann aussagt.

Sokar 24 Trolljäger - - 48129 - 4. Februar 2023 - 20:10 #

Ich habe mich schon gefragt, wie sie den Grabenkampf umsetzten - sowohl spielerisch, als auch authentisch und mit dem richtigen Fingerspitzengefühl. Gerade spielerisch schwierig, hat schon seinen Grund, warum Spieler eher WWII nehmen, Bewegungskrieg ist für den Spieler meist interessanter. Anderen Titel wie Age of Empires versuchen eher, die Bunkerstrategien zu unterbinden, weil sie gerade im Multiplayer extrem nervig für den angreifenden Spieler sein können. Und da Petroglyphs Spiele so ein bisschen zwischen überraschend gut und eher mittelmäßig schwankten hilft nicht wirklich.
Sieht zumindest durchdacht aus, ich hoffe auf einen Test =)

Zack 10 Kommunikator - 548 - 4. Februar 2023 - 23:04 #

Cool! Auch wenn es eher nur einen guten Eindruck macht. Ich vermisse ja die Ephorie der späten neunziger im Echtzeitstrategie Genre. Das Video knüpft zumindest ein wenig an die damalige Ära an, als auch immer mal wieder etwas ungewöhnliche RTS Varianten, neben den Großen Serien, auf den Markt kamen.

Vampiro Freier Redakteur - - 121612 - 4. Februar 2023 - 23:59 #

Letztes Jahr kam mit Starship Troopers - Terran Command ein tolles Spiel, ist aber eher RTT.

TSH-Lightning 26 Spiele-Kenner - - 65103 - 5. Februar 2023 - 10:33 #

Glaube nicht, dass mir so was Spaß macht. Die Perspektive ist interessant, aber es gibt da so einige Sachen die ich auch im Spiel nicht machen will. Angriffe mit chemischen Kampfstoffen usw. halte ich nicht für erstrebenswert.

Zack 10 Kommunikator - 548 - 5. Februar 2023 - 12:54 #

Naja es ist fiktiv, nach diesem Argument sind ja alle diese "Killerspiele" ganz schlimm. Counterstrike, C&C, (Nach einer längeren Runde sehen da die Schlachtfelder voller Krater auch nicht einladend aus und dann können Panzer auch noch Menschen überfahren) usw.

rammmses 22 Motivator - P - 32634 - 5. Februar 2023 - 17:18 #

Tiberium ist schon ziemlich Fantasy, der Weltkrieg ist nicht so fiktiv ;) Verurteile da niemanden, aber ich habe auch überhaupt keine Lust auf reale Kriegsszenarien, wenn sie "spielerisch" zur Unterhaltung aufbereitet werden.

Shake_s_beer 19 Megatalent - - 19073 - 5. Februar 2023 - 22:07 #

+1
Geht mir auch so. Solchen realen Kriegsszenarien als Spiel kann ich nichts abgewinnen. Ich verurteile da aber auch niemanden, der sowas gerne spielt.
Interessanterweise habe ich weniger Probleme mit einem solchen Szenario, wenn es weit in der Vergangenheit liegt, z.b. einen Krieg im Mittelalter behandeln würde. Das mag unlogisch erscheinen, liegt aber vielleicht daran, dass das dann doch ein gutes Stück von unserer heutigen Lebensrealität entfernt liegt. Da tue ich mir vielleicht dann nicht so schwer mit.

rammmses 22 Motivator - P - 32634 - 5. Februar 2023 - 23:35 #

Ja das stimmt, zumal die geläufige popkulturelle Hollywood-Mittelalter-Vorstellung ja sowieso eher Richtung Fantasy geht ;)
Je näher der Krieg, desto schwieriger wird es.

Zack 10 Kommunikator - 548 - 5. Februar 2023 - 18:13 #

Ja kann ich verstehen. Trotzdem "Krieg" ist so einiges das in der Gamingwelt gespielt wird. Nur weil ein bunter Anstrich und rockige Musik drüber gelegt wird ist es meiner Meinung nach nicht plötzlich unschuldiger. Man könnte sogar argumentieren, dass dies gerade desensibilisiert und das Thema Kampf sogar glorifiziert, verharmlost, während so ein Weltkriegsspiel zumindest "ehrlicher" auftritt. Ich teile so eine Ansicht aber nicht. Schlussendlich sehe ich die Produkte als Spiele an.

Christoph 18 Doppel-Voter - P - 10233 - 6. Februar 2023 - 10:22 #

Thematisch interessiert es mich sehr; aber ich bin noch nicht sicher, woher ich die Motivation nehmen soll, dutzende Stunden ein "patt" nachzuspielen, in dem nix vorwärts (oder rückwärts) geht... Erster Weltkrieg halt...

MicBass 21 AAA-Gamer - P - 28959 - 6. Februar 2023 - 10:42 #

So geht es mir auch. Ein faszinierendes und spielerisch unterrepräsentiertes Thema, wahrscheinlich aber auch nicht ohne Grund.

HGeralt 13 Koop-Gamer - P - 1649 - 10. Februar 2023 - 10:21 #

Danke für die Preview.
Ich spiele ja sehr gerne RTS im Stil von C&C, aber paradoxerweise machen mich allein die 9 Minuten dieses Films schon leicht depressiv...vermutlich würde ich einem Twitcher mal ein paar Minuten zuschauen, aber mehr wohl nicht.