Volle Hütte in Tamriel

The Elder Scrolls Online Preview

Zwei Jahrzehnte lang verzichtete die Rollenspiel-Serie The Elder Scrolls auf Multiplayer, doch ab April geht sie so richtig massiv online. Die MMO-Inkarnation des Fantasy-Kontinents Tamriel wandelt im Grenzgebiet zwischen Skyrim und World of Warcraft. Ob das Spaß macht, konnten wir beim Probespiel auf Beta-Testservern ausprobieren.
Heinrich Lenhardt 7. Februar 2014 - 17:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Man sollte die Freuden des Single-Daseins nicht unterschätzen: Über 20 Millionen mal hat sich The Elder Scrolls - Skyrim inzwischen verkauft, was nicht nur nach den Maßstäben des Rollenspiel-Genres ein monumentaler Erfolg ist. Der vor allem mit dynamisch generierten Missionen prall gefüllte hohe Norden der Fantasy-Welt Tamriel demonstriert eindrucksvoll, wie gehaltvoll und motivierend ein Computerspiel sein kann, das ganz ohne Multiplayer auskommt. Konsequenterweise wird der im April erscheinende nächste Spross der Serie dann auch... das genaue Gegenteil?

Auf dem Papier ist The Elder Scrolls Online das, was Skyrim nicht ist: Statt eines einzigen Helden tummeln sich tausende von spielergesteuerten Charakteren in der Welt, die miteinander und gegeneinander antreten können. Die Handlung ist rund ein Jahrtausend vor den Skyrim-Geschehnissen angesiedelt. Und die Hauptstadt-Region von Cyrodiil (bekannt aus Oblivion) wird in eine riesige PvP-Zone verwandelt, bei der sich drei Fraktionen bekriegen und um Stützpunkte streiten. Was bleibt da vom Skyrim-Gefühl noch übrig? Gehen Story, Atmosphäre und Entdeckungslust im Multiplayer-Getümmel unter? Wir konnten eine Beta-Version von The Elder Scrolls Online einige Tage lang ausprobieren und sind vom Spielspaß während der ersten 15 (von 50) Charakter-Levels angenehm überrascht. Der Einstieg ist Solisten-freundlich, bietet viel Handlungsdramatik und Lesestoff, ein vielfältiges Skill-System und nicht zuletzt flotte Echtzeit-Kämpfe.
 
Flexible Klassengesellschaft
Die Ebenherz-Völker starten auf einer Insel der Himmelsrand-Küste, die Handlung spielt aber 1.000 Jahre vor Skyrim.
Schon bei der Helden-Kreierung müssen wir uns etwas umstellen: In Skyrim war das Charaktersystem noch klassenlos, aber bei The Elder Scrolls wählen wir zwischen (in der Beta) vier Typen: Dragonknight (Magie-begabte Krieger), Sorcerer (Zauberer mit daedrischer Begleitung), Nightblade (Schurken-ähnliche Meuchel-Schleicher) und Templar (Nahkampf-freundlicher Heiler). Einen reinen Haudrauf ohne jegliche Magiefähigkeiten gibt es also nicht. Jede Klasse hat drei exklusive Kategorien, in denen sich neue Fähigkeiten und passive Boni durch Einsatz von Fertigkeitenpunkten freischalten und verbessern lassen. So spezialisiert sich ein Templar zum Beispiel eher auf Nahkampf oder Heilung. Fertigkeiten schaltet ihr auch in sechs weiteren Kategorien frei, auf die alle Klassen gleichermaßen Zugriff haben. Von Handwerks-Boni über Gilden-Ränge bis hin zu Waffen-Spezialitäten gibt es eine Fülle spannender Spezialitäten – da will jede Fertigkeitenpunkt-Investition gut überlegt sein.

Von der Einzelzelle ins TutorialDie Wahl eines von neun Völkern ist nicht nur im Hinblick auf Äußerliches und Rassen-spezifische Fertigkeiten bedeutsam. Jeweils drei Gattungen bilden eine der Allianzen, welche bestimmte Regionen von Tamriel kontrollieren. Angehörige des Dolchsturz-Bündnisses beginnen ihre Abenteuer im Nordwesten des Kontinents, der Ebenherz-Pakt kontrolliert Regionen im Osten und die Völker des Aldmeri-Dominion tummeln sich im Südwesten. Ihr könnt euch nicht entscheiden? Kein Problem, denn pro Account können mehrere Charaktere angelegt werden, um auf diese Weise alle Klassen und Startgebiete auszuprobieren.

Die ersten 20 Minuten beginnen für alle Helden gleich – in einer Gefängniszelle, versteht sich. Diese Referenz an die Serientradition ist der Auftakt für die Rahmenhandlung. Ganz grob: Unser Charakter ist einer der „Seelenlosen“ und kann dank eines gewissen Propheten dem Knast im Reichs des Vergessens  entkommen. Der Daedra-Fürst Molag Bal und dessen Nekromanten-Spezi Mannimarco bedrohen ganz Tamriel mit ihren Dunklen Ankern. Geduldige Naturen klicken sich durch alle die Dialogtexte, die ebenso ins Deutsche übersetzt sind wie die Sprachausgabe (dass in einigen unserer Screenshots noch englische Platzhalter-Texte zu sehen sind, liegt an der Beta-Version). Es lohnt sich, alle Gesprächsoptionen zu erkunden: So mancher Smalltalk führt im weiteren Spielverlauf zu Nebenquests und neuen Kartenmarkierungen. Den ungeduldigen Weiterklickern hingegen hilft ein Quest-Journal beziehungsweise die Markierung der Ziele auf Landkarte und (Skyrim-kompatiblen) Kompass.
 
Wahl der Waffen(-Fertigkeiten)
Neben den Klassen-exklusiven Fertigkeiten gibt es auch zahlreiche Skills, die durch Benutzung bestimmter Waffentypen oder höhere Gildenränge freigeschaltet werden.
Der weitere Einstieg ist weniger wirr als die Handlung, Tutorial-Textfenster weisen in die Bedienung ein und Erlerntes lässt sich gleich ausprobieren. Auf der Flucht dürfen wir uns einen Waffentyp aussuchen um die ersten Kämpfe gegen Skelett-Luschen zu bestreiten. Die meisten Online-Rollenspiele schränken die Waffenauswahl je nach Charakterklasse ein, doch bei The Elder Scrolls Online gibt man sich ähnlich freizügig wie in den Einzelspieler-Titeln der Serie. Magier mit Axt und Schild? Kein Problem. Drachenkrieger mit zweihändigem Heiler-Stab? Nur zu.

Jede der sechs Waffengattungen hat ihre eigene Liste von Fertigkeiten. Durch Kampferfahrung und Punktevergabe schaltet ihr neue Skills frei. So gibt es eine gewisse Motivation, sich auf einen Waffentyp zu spezialisieren, aber halt keinen Zwang: Wenn wir einen coolen magischen Bogen als Belohnung abstauben, dürfen wir den auch gleich ausprobieren. Um das Potential einer Waffenkategorie voll auszuschöpfen, ist aber der Einsatz von Fertigkeitenpunkten ratsam.

An den 2012er T
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itel Guild Wars 2 erinnert nicht nur das Prinzip von Skills, die an die Verwendung bestimmter Waffentypen gebunden sind. The Elder Scrolls Online stellt euch auch vor die Qual der Skill-Wahl: Nur sechs Fertigkeiten passen auf die Hotkey-Leiste (zusätzlich gibt es Zugriff auf ein Kreismenü, welches konsumierbare Gegenstände wie Heiltränke enthält). Die Konfiguration der Fertigkeiten lässt sich außerhalb von Kämpfen jederzeit ändern. Dieser Ansatz hat eine Reihe von Vorteilen: Die Tastenbelegung ist übersichtlicher als bei MMOs wie World of Warcraft, in denen sich rasch mehrere Reihen mit Dutzenden von Fertigkeiten-Icons füllen. Je nach Spielsituation (haue ich mich solo durch oder will ich primär in der Gruppe heilen?) lässt sich der Charakter rasch umkonfigurieren. Aber es kann halt nicht jeder immer alles, auch Angehörige ein und derselben Klasse haben unterschiedliche Fähigkeiten und Stärken. Zumal ihr eure Lieblings-Skills durch Vergabe eines Fertigkeitenpunkts verbessern dürft. Hier stehen jeweils zwei Upgrade-Varianten zur Wahl, zum Beispiel erhöhter Schadensradius oder bessere Chance auf kritische Treffer (aber nicht beides zusammen).
Eine Hochelfin sieht rot: Der farbige Kreis markiert den Schadensradius einer Kampffertigkeit des Gegners. Durch schnelles Doppel-Antippen von Richtungstasten bringen sich aufmerksame Helden rasch in Sicherheit.

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