The Alters

The Alters Preview+

Überlebenskampf der Klonkrieger

Benjamin Braun / 24. Mai 2024 - 15:00 — vor 3 Wochen aktualisiert
Steckbrief
PCPS5Xbox X
Adventure
3D-Adventure
11 bit studios
11 bit studios
2024
Link

Teaser

Allein müsst ihr in The Alters auf einem fremden Planeten überleben. Ganz allein? Nein! Unterstützt von eigenen Klonen verwaltet ihr eure Basis, baut Ressourcen ab und erlebt zugleich eine humorvoll-spannende Story.
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Wer ungefähr so alt (oder älter) ist wie ich, kann sich noch gut an Dolly erinnern. Ich spreche natürlich nicht von der Pornodarstellerin aus Tschechien, die manch einer als "Giana S." aus Voll Normaaal kennt. Ich meine das Klonschaf Dolly, das am 5. Juli 1996 im nahe Edinburgh gelegenen Roslin das Licht der Welt erblickte. Die wollige Zibbe aus Schottland spielt auch im neuen Spiel der Macher des Indie-Hits This War of Mine eine (kleine) Rolle. Im Science-Fiction-Survival-Spiel The Alters klont ihr allerdings nicht bloß blökende Wollspender, sondern vor allem Abbilder von Hauptfigur Jan Dolski, allesamt verkörpert vom britischen Schauspieler Alex Jordan, den ihr vielleicht als Stimme von Mr. Hands aus Cyberpunk 2077: Phantom Liberty (im Test: Note 9.0) kennt.

The Alters, das ich kürzlich auf einem Event in Warschau ausführlich anspielen konnte, hat mich nicht bloß in Teilaspekten schon jetzt beinahe restlos überzeugt, sondern vor allem in seiner einzigartigen Kombination von Story und Gameplay, die noch dazu auch atmosphärisch glänzen kann. Weshalb ich an einen Indie-Hit glaube, der selbst This War of Mine übertrifft, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen sowie im oben eingebetteten Video. Die Screenshots und Spielszenen stammen in diesem Fall nicht von mir selbst.
Das Rapidium im Hintergrund ist die Ressource, mit der ihr eure Klone erzeugen könnt. Die exakte Obergrenze verraten die Entwickler noch nicht. Es gibt aber mindestens sechs Klon-Varianten und ihr könnt deutlich mehr zusätzliche "Kopien" erstellen.
 

Einziger Überlebender und doch nicht allein

In The Alters strandet ihr auf einem fremden Planeten und stellt schnell fest, dass Hauptheld Jan Dolski der einzige Überlebende seines gesamten Landetrupps ist. Ganz auf sich gestellt bleibt der Weltraum-Arbeiter allerdings nicht, denn mit einer mysteriösen Substanz namens Rapidium ist er in der Lage, in seiner mobilen Basis Abbilder von sich selbst zu erschaffen. Allerdings keine einfachen Klone, sondern die namensgebenden Alters – alternative Varianten von seiner selbst. Dafür schreibt er so etwas wie historische Scheidepunkte in seiner DNA um. So erzeugt der Protagonist entsprechend einen Wissenschaftler-Jan, einen Techniker-Jan oder auch einen Arzt, der als einziger in der Lage ist, "Klone" zu heilen, wenn diese erkranken.

Das Ziel an sich ist klar: Ihr müsst vom Planeten entkommen und dafür in levelbasierten Einsatzgebieten Stück für Stück näher an einen geeigneten Exfiltrationspunkt gelangen. Dafür sammelt ihr Ressourcen, um Kraftstoff für eure Basis zu sammeln, baut bessere Werkzeuge, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen und erschafft immer neue Module für eure Basis. In manchen lagert ihr nur Materialien, ihr könnt aber auch eine Küche hinzufügen. Essen allein ist schon gut, die erschaffenen Klone müssen aber auch bei Laune gehalten werden, damit sie nicht nachher womöglich sogar gegen euch arbeiten, indem sie beispielsweise die Basis sabotieren oder anderen Alters nach dem Leben trachten. Selbst loswerden kann man die Alters wohl nicht direkt. Im Interview deuten die Entwickler aber an, dass man sie auf indirektem Weg bei der Weiterfahrt bisweilen zurücklassen kann.

Die Vor- und Nachteile der Alters an Bord entscheiden darüber, in welcher Art eure Reise sich entwickelt. Ihre speziellen Fähigkeiten sind nützlich, viele Aufgaben sind mit ihnen leichter oder anders lösbar. Ihr steuert die Alters dabei nicht direkt, sondern könnt ihnen Aufträge zuweisen, solange ihr sie bei Laune haltet. Je mehr Alters es gibt, umso größer wird allerdings der Verwaltungsaufwand und die Versorgung in der Basis mit Lebensmitteln und Sauerstoff respektive Luftfiltern wird aufwendiger. Zum Hardcore-Strategie-Spiel wird The Alters dabei wohl eher nicht. Aber alles hat Konsequenzen und hat Einfluss auf die spannende, im Kern lineare Story.
Eure mobile Basis erweitert ihr mit zusätzlichen Modulen wie einem botanischen Garten. Was ihr herstellen könnt, hängt stark von euren "erzeugten" Alters ab. Entscheiden müsst ihr euch aber, da der Platz begrenzt ist. Die einzelnen Teile könnt ihr frei verschieben.


Dezenter Zeitdruck zum Start

Spielen konnte ich auf dem Lineup-Event von 11Bit Studios in Warschau den Prolog und den ersten Akt von The Alters. Beide Abschnitte nehmen bei normaler Spielweise aber bereits deutlich mehr als zwei Stunden in Anspruch. Dort ist die Zeitspanne, die euch bis zum potenziell tödlichen Sonnenaufgang bleibt, noch relativ üppig geraten. Die Maps – auf denen sich lediglich die Standorte von Abbaustellen von Metall und anderem Material von Spielgang zu Spielgang unterscheiden können, vom Layout her aber stets von Hand designt sind – sind noch relativ kompakt. Im späteren Verlauf sollen die Maps nach der Weiterfahrt aber größer werden. Ressourcen sind nicht so einfach zugänglich und mitunter steigt an gewissen Orten die Strahlenbelastung, die den "Haupt-Jan" oder seine Alters krank machen kann, wenn ihr sie dort zu lange arbeiten lasst.

Ganz so leicht passiert es zumindest am Anfang nicht, dass euch bestimmte Materialien ausgehen, etwa Metall, das ihr zur Herstellung eines neuen Werkzeugs zur Entfernung hinderlicher Felsen braucht, oder um eine Abbaustation oder auch eine Art Pipeline direkt zu eurem Schiff zu legen. Ihr könnt bereits gebaute Objekte zum Teil wiederverwerten, solltet ihr je in eine dem ersten Anschein nach ausweglose Situation geraten. Immer wird das aber nicht so einfach funktionieren, wenn später der Bedarf an bestimmten Ressourcen steigt. Wer aber doch mal vom fatalen Sonnenaufgang dahingerafft wird, kann aber an einem beliebigen Morgen des aktuellen Kapitels neu starten, um mögliche Fehlentscheidungen zu korrigieren, wie Game Director Tomasz Kisilewicz mir im Interview verrät.

Über die Gesamtzahl der unterschiedlichen Alters hält er sich indes bedeckt – im gespielten Abschnitt stehen sechs Varianten zur Verfügung. Man wird in einem Spieldurchgang aber in keinem Fall alle Alters-Typen erschaffen können. Es steht euch aber frei, diverse weitere Kopien der bereits fabrizierten Alters zu schaffen.
Da auf der zwar erweiterbaren, aber nicht gerade riesigen mobilen Basis jedoch nicht unendlich Platz ist, gehe ich stark davon aus, dass kaum mehr als 20 Alters auf einmal möglich sein werden. Eher weniger.
Die Ausflüge auf dem Planeten erlebt ihr aus der Verfolgerperspektive. An Bord seht ihr alles aus der Seitenansicht, teils reingezoomt wie hier. Über dieses Modul startet ihr Außeneinsätze. Ihr steuert nur den "echten" Jan.
 

Unbekannte Komplexität

Schauspieler Alex Jordan und meine Wenigkeit im Vodka-Museum in Warschau. Dieses Wasser verleiht beiden einen gewissen Glanz...
Das größte Fragezeichen bei The Alters sehe ich bei der Komplexität, die das Spiel im weiteren Verlauf erreicht. Es steckt schon jede Menge an Freiheiten drin, und dass sich die gewählte Konstellation der Alters-Varianten maßgeblich auf alle möglichen Bereiche auswirkt, daran habe ich wenig Zweifel. Dennoch deutet der gespielte Abschnitt mit seinen zahlreichen Multiple-Choice-Dialogen und Cutscenes an, dass der Story-Fokus recht groß ausfällt. Bei der Verästlung der Handlung gehe ich deshalb eher von einem Niveau à la Detroit - Become Human aus, was allerdings bereits beachtlich wäre. Zusätzlich dürfte sich durch die Art, mit der man an Ressourcen gelangt, die aktiven Module und die speziellen Fähigkeiten der Alters mehr verändern als im bislang letzten Abenteuer von Quantic Dream. Der Botaniker-Jan, durch den ihr ein bisschen wie Mark Whatney in Der Marsianer selbst essbaren Kram anpflanzen und euch so unabhängiger von der Nahrungssuche in der Umgebung machen könnt, dürfte beispielsweise einen nicht unerheblichen Unterschied machen.

Über einen möglichen Mangel an Komplexität mache ich mir deshalb aktuell keinerlei Sorgen. Immerhin ist im Wesentlichen dasselbe Team für The Alters verantwortlich, das 2014 This War of Mine veröffentlicht hat. Das kombinierte Survial- und Aufbauelemente und Story ja bereits erstklassig zu einem starken Spielerlebnis. Und bei The Alters gehe ich nach dem Erlebten sogar vor einer deutlichen Steigerung aus. Das liegt, trotz des doofen Scan-Minigames an Abbauplätzen, sowohl am Gameplay als auch an der intensiven, alles andere als humorbefreiten Atmosphäre. Die profitiert enorm sowohl vom Soundtrack von Piotr Musiał (unter anderem The Witcher 3: Blood and Wine, Frostpunk) als gerade auch von Schauspieler Alex Jordan, der Jan Dolski sowie all seine
Alters verkörpert.

Autor: Benjamin Braun, Redaktion: Hagen Gehritz (GamersGlobal)

 
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Meinung: Benjamin Braun

Ich könnte mich jetzt auch auf einzelne Punkte stürzen, die mir nicht so gut gefallen haben, etwa die minispielartigen Bodenscans an Abbauorten. Aber ein Fokus darauf ginge völlig an meinem überaus positiven Gesamteindruck vorbei. Über die  nicht vorhandene Logik bei der Erschaffung der Alters müssen wir nicht diskutieren. Wie 11Bit diese Grundidee aber mit Elementen von Survival-Abenteuern und Management-Spielen kombiniert und auch noch gekonnt erzählerisch nutzt, ist schon außergewöhnlich und – den bisherigen Eindrücken nach – auch außergewöhnlich gut.

Wenn die Komplexität in dem Maße steigt und die Auswahl der Alters sich so stark auf den Verlauf der Story-Kampagne auswirkt, wie es aktuell den Anschein hat, dann erwartet uns mindestens mal ein potenzieller Indie-Kracher, mit dem das Team seinen vorherigen Hit This War of Mine in ganz anderer Form sogar toppen könnte.
 
The Alters
Vorläufiges Pro & Contra
  • Tolle Kombination aus Survival- und Aufbau-/Management-Spiel
  • Spannendes Science-Fiction-Setting
  • Auswahl/Menge der Klone mit deutlichen Auswirkungen auf Verlauf
  • Zugängliches und doch recht komplexes Spielsystem
  • Einzelne Elemente wie minispielartige Ressourcen-Scans schwach
  • Linearer Storykern könnte später zu stark bestimmend sein
Aktuelle Einschätzung
The Alters wird ein im positivsten Sinne außergewöhnliches Spiel. Ob "nur" gut oder darüber hinaus, hängt nicht zuletzt davon ab, wie komplex und variantenreich die Sci-Fi-Kombi aus Survival- und Management-Spiel am Ende tatsächlich ausfällt. Aktuell spricht fast alles für einen kommenden Indie-Hit!
Sehr Gut
Aktueller Stand
  • Aktuelle Beta, Prolog und Akt 1 (PC)


 
Benjamin Braun 24. Mai 2024 - 15:00 — vor 3 Wochen aktualisiert
Hagen Gehritz Redakteur - P - 182207 - 23. Mai 2024 - 19:18 #

Viel Spaß mit der Preview!

Moe90 22 Motivator - - 35456 - 24. Mai 2024 - 15:03 #

Auf deutsch „Die Alten“. Perfekt für GG!

Benjamin Braun Freier Redakteur - 442159 - 24. Mai 2024 - 15:23 #

Nun, nee. Also "Die Alten" würde passen, aber bei der Übersetzung ist eher was schief gelaufen. ;)

Moe90 22 Motivator - - 35456 - 24. Mai 2024 - 22:20 #

Ach komm, hör mir doch auf! Glaubt doch kein Mensch :D

Green Yoshi 22 Motivator - P - 36478 - 24. Mai 2024 - 15:33 #

Die Prämisse erinnert mich irgendwie an den Film "Moon" von Duncan Jones.

Schlarp 14 Komm-Experte - P - 1995 - 26. Mai 2024 - 10:44 #

Stimmt! Ich musste an eine Kurzgeschichte von Stanislav Lem denken, in der Pilot Pirx während eines Flugs in seiner Rakete in einer Zeitschleife steckt und auf Duplikate seiner selbst trifft, die er zur Kooperation bewegen muss, um aus dem Schlamassel rauszukommen

SupArai 25 Platin-Gamer - - 62249 - 24. Mai 2024 - 15:38 #

Yeah, das sieht doch nach einem vielversprechendem Indie-Titel aus. Bin gespannt wie es am Ende wird und freue mich drauf - steht eh schon länger auf der Wishlist. Danke für die Preview. :-)

Labrador Nelson 31 Gamer-Veteran - P - 270729 - 24. Mai 2024 - 16:38 #

Schön zu hören/lesen. :)

Hannes Herrmann Community-Moderator - P - 43283 - 24. Mai 2024 - 16:40 #

Oh, scheint (von mir unerwartet) gut zu werden.

Doktorjoe 19 Megatalent - P - 16931 - 24. Mai 2024 - 21:59 #

Sieht ja wirklich spannend aus, ich freu mich drauf. Hoffentlich wird das Crafting nicht zu nervig.

Ganon 27 Spiele-Experte - - 84282 - 25. Mai 2024 - 9:47 #

Das macht ja wirklich einen originellen und interessanten Eindruck, danke.

Holzkerbe 14 Komm-Experte - - 2084 - 25. Mai 2024 - 14:07 #

Danke für die interessante Vorschau! Das Spiel habe ich schon eine Weile auf der Wunschliste stehen und dein Artikel nebst Video steigert meine Vorfreude zusätzlich. 11 bit mausern sich zunehmend zu einem meiner liebsten Indie-Labels. Zuletzt hatte ich gute Unterhaltung mit Indika von 11 bit.

Robokopp 19 Megatalent - - 19000 - 27. Mai 2024 - 9:16 #

Tolle Preview, das Spiel werde ich im Auge behalten.

Vampiro Freier Redakteur - - 126228 - 31. Mai 2024 - 13:29 #

Kenne bis jetzt nur den Alten, jetzt behalte ich auf jeden Fall die Alten im Blick. Danke für die klasse Preview.

MadMax1803 10 Kommunikator - 430 - 11. Juni 2024 - 7:21 #

kann man das Spiel im Koop Modus spielen?

Benjamin Braun Freier Redakteur - 442159 - 19. Juni 2024 - 14:39 #

Nein, reines Solospiel.

Ganon 27 Spiele-Experte - - 84282 - 11. Juni 2024 - 17:10 #

Es gibt eine Demo zu The Alters beim Steam Next Fest diese Woche!