Zurück zur Schwertküste

Sword Coast Legends Preview

Old-School-Look und Pausentaste: Das isometrische Rollenspiel Sword Coast Legends entführt uns ins legendäre Vergessene-Reiche-Szenario von Dungeons & Dragons. Kann es an den Ruhm längst vergangener Bioware-Tage anknüpfen? Wir reisten für euch nach Faerûn, um das herauszufinden.
Roland Austinat 23. März 2015 - 17:45 — vor 1 Jahr aktualisiert
Pool of Radiance. Eye of the Beholder. Baldur's Gate. Icewind Dale. Neverwinter Nights. Wer schon seit ein paar Tagen Rollenspiele schätzt und spielt, weiß, was all diese Titel vereint: Sie spielen an der Schwertküste im Westen der Vergessenen Reiche. Dieses Szenario gehört seit 1987 zum Fantasy-Universum von Dungeons & Dragons. Spannende Geschichten und schillernde Charaktere wie der Zauberer Elminster und der Dunkelelf Drizzt Do'Urden machten es zum wohl beliebtesten D&D-Handlungsort überhaupt. Entsprechend groß war unsere Freude, uns kürzlich in San Francisco das Rollenspiel Sword Coast Legends von n-Space anschauen zu dürfen. Dabei handelt es sich um einen komplett neuen Titel und nicht etwa um ein Remake des Baldur's Gate-Add-ons Legenden der Schwertküste. Das hieß im Original Tales of the Sword Coast und hätte auch gar nicht genug Story und Inhalte für ein vollwertiges Abenteuer.

Reiseziel Luskan
Unsere Reiseführer beim Schwertküstenbesuch: Ross Gardner, Dan Tudge und Tim Schwalk (von links).
Ziel unserer vierköpfigen Party, deren Geschicke wir in der Vorführung miterleben, ist die Stadt Luskan hoch im Norden der Schwertküste, zwischen Niewinter (Neverwinter) und dem Grat der Welt. Dort suchen wir nach Informationen über den mysteriösen Aschenpriester, dem wir aus unbekannten Gründen das Handwerk legen wollen. Während Design Director Tim Schwalk Zwergenkriegerin Jarhild, Zwergenschurke Larethar, den menschlichen Zauberer Hommet und die Elfenpriesterin Illydia steuert, kommentiert Game Director Dan Tudge, was wir dabei zu sehen bekommen. Beide Entwickler sind schon ein paar Jahre im Geschäft: Tudge war Project Director bei Dragon Age: Origins, Schwalks letztes Projekt war Heroes of Ruin, das er als Producer mit seinem Team für Square Enix entwickelte.

Wie es sich für eine Abenteurergruppe gehört, betreten wir die Stadt durch ihre Kanalisation. Und wie es sich für eine Kanalisation gehört, leben dort Ratten und anderes Gesocks. Die machen unserer Gruppe allerdings nur wenige Schwierigkeiten, denn wir befinden uns bereits auf der 6. Charakterstufe. "Ihr startet auf der ersten Stufe", orakelt Dan Tudge herum, als wir wissen wollen, an welcher Stelle des Spiels wir uns befinden beziehungsweise wie viel Zeit seit dem Spielstart vergangen ist. Einige Spielstunden sind also seit dem Start schon herumgegangen, man levelt nicht dermaßen schnell auf an der Schwertküste.

Der Kampf gegen die Ratten läuft wie alle Kämpfe in Sword Coast Legends automatisch ab, doch mit einem Druck auf die Pausentaste dürfen wir unseren Recken selbst sagen, gegen wen sie wie kämpfen sollen. Auch die isometrische Kameraperspektive erinnert an Klassiker mit der Infinity Engine - wobei wir die Kamera jetzt drehen und mit ihr ans Geschehen heran- oder von ihm wegzoomen dürfen. Das wollen die Entwickler auch für ein paar Puzzles verwenden, bei denen wir einen gesuchten Gegenstand beispielsweise nur dann erspähen können, wenn wir die Kamera aus der Standardeinstellung drehen.

Ein bis vier Helden im EigenbauSchurke Larethar nimmt derweil einen Alchemistentisch unter die Lupe, um dort hilfreiche Tränke und Zutaten einzusacken. "Ihr könnt bei solchen Suchaktionen möglicherweise auch eine neue Quest entdecken", kommentiert Dan Tudge. In den feuchten Gewölben unter der Stadt hausen selbstverständlich auch die Eigentümer dieser Gegenstände: Mitglieder einer Verbrecherbande namens Dead Rats, die uns wenig später das Leben schwer machen. Gut, dass unsere Kriegerin zuvor ein Langschwert +2 gefunden hat, dem nur wenige Rüstungen etwas entgegenzusetzen haben. So machen sie und ihre drei Gefährten kurzen Prozess mit den Schergen.
 
Was ein echter Schurke ist, der entdeckt in der Kanalisation wertvolle Schätze ... wie etwa diese tote Ratte.
Apropos Gefährten: Ihr dürft beim Zusammenstellen eurer Party zweigleisig vorgehen. Ihr würfelt entweder wie in Baldur's Gate nur den Haupthelden aus, der dann im Spiel von weiteren computergenerierten Freunden unterstützt wird. Alternativ baut ihr euch wie in Icewind Dale jeden einzelnen Recken selbst zusammen. Wer also immer schon mal mit vier Zauberern die Schwertküste unsicher machen wollte, darf sich freuen. Das sorgte auch bei Troika Games' The Temple of Elemental Evil für hohen Wiederspielwert, dem einzigen D&D-Computerspiel aus dem Greyhawk-D&D-Szenario.

Ritter, Zombies und tote Informanten
Etwas später stehen wir wieder unter freiem Himmel und freuen uns, wie detailliert gezeichnet die Stadt Luskan ist. Hardcore-D&D-Fans kennen unser nächstes Ziel, das Cutlass Inn: "Hier arbeitete der legendäre Krieger Wulfgar als Türsteher und lernte seine spätere Frau Delly Curtie kennen", sagt Dan Tudge. Spätestens jetzt zweifeln wir nicht mehr an seiner Aussage, dass er noch heute mit Freunden und Familienmitgliedern regelmäßige Pen-and-Paper-Spielabende veranstaltet. Im Cutlass Inn wartet Tam Olefsson auf uns, der angeblich mehr über den Aschenpriester weiß. Doch wir haben uns zu früh gefreut: In einem Gespräch mit klassischen Multiple-Choice-Gesprächsbäumen verrät er uns, dass er eigentlich gar nicht so viel Ahnung über den Verbleib des A
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schenpriesters hat. Die hätte stattdessen sein Kumpel Luther Dumain, doch den hat er schon lange nicht mehr gesehen. Ehrensache, dass wir ihm bei der Suche helfen.

Außerhalb der Gespräche im Rahmen der Quest bekommen wir nicht viel davon mit, wie oft oder vielschichtig sich unsere Party-Mitglieder unterhalten, oder wie sich frühere Entscheidungen auf den Spielverlauf auswirken. Bis auf eine Situation zu Beginn der Luther-Suchaktion, in der uns ein Ritter namens Sir Banagar begegnet. "Ihr habt Banagar bei einer früheren Konfrontation das Leben geschenkt", erklärt Dan Tudge. Deshalb ist der Ritter nun Feuer und Flamme, uns zu unterstützen. Wir stimmen dankend zu, denn auf dem Friedhof von Luskan geht's zur Sache: Zombies und Bogenschützen greifen uns an. Unterstützt von Banagar schnappt sich Kriegerin Jarhild einige Zombies, damit unsere Fernkämpfer die Bogenschützen ausschalten können. Priesterin Illydia sorgt währenddessen dafür, dass keiner unserer Helden sich in einem offenen Grab zur Ruhe bettet. Doch der heldenhafte Einsatz kommt für Luther zu spät: Er liegt einen Steinwurf entfernt tot am Boden, um ihn herum eine weitere Gruppe von Zombies.
In der Stadt Luskan suchen wir nach einem Informanten und zoomen mit der Kamera näher an unsere Helden heran.

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